Beiträge von Aurora

    Hallo girasole,

    Glückwunsch! Und - sitzt du gerade in der Wanne, umschäumt...
    Das volle Wohlfühlprogramm, du machst das goldrichtig.

    So Rückfälle können passieren, mir ging das damals so, als ich merkte, mein Exmann trank wieder. Das Gute daran ist, es jetzt bemerken zu können. Und sofort dagegen zu steuern. Klasse gemacht!

    Viele Grüße
    Aurora

    Hallo Art3mis,

    nein, so ganz sortiert bist du noch nicht, aber das ist doch völlig ok! Ich finde, du bist echt schon gut drauf.

    Und ich kann dir aus meiner eigenen Erfahrung sagen, das, was mich letztendlich am weitesten gebracht hat, war Ehrlichkeit und Offenheit und Sachlichkeit. Ja, ich finde echt, du bist gut drauf, du machst das.

    Viele Grüße
    Aurora

    Hallo und guten Morgen Katha,

    hey, du machst ja Nägel mit Köpfen, super, dass du nun im offenen Forumsbereich angekommen bist. Und dich hier austauschst.

    Ich hoffe, deine körperlichen Beschwerden sind heute weg. Ein neuer Tag, und du bist nicht benebelt. Was möchtest du als nächstes tun? Noch mal zur Ärztin gehen?

    Und wie sieht es bei dir zuhause aus. Gibt es noch Alkohol bei euch?

    Viele Grüße
    Aurora

    Hallo,

    liebe Renate, nönö, ich habe es nicht als angeben gesehen, mit deinem Garten. Sondern werde mir die schönen Eindrücke noch öfter zu Gemüte führen! Ich danke dir sehr dafür!

    Gut, dass du dein Auto wieder hast.

    Und nun gibt es wieder Fußball...

    Aurora

    Hallo,

    liebe Renate, ich hoffe, du hast deine Zahn-Sache gut überstanden inzwischen. Ist ja schon ein paar Tage wieder her :wink: . Und deine Stadt kannste auch wieder unsicher machen mit deinem Autochen :lol::wink: . Mobilität ist schon was Feines. Und dein Garten ist ja echt sehr schön! Danke für die vielen Bilder, die du in meinem Geburtstagsfädchen gelassen hast. Da habe ich einen richtig guten Eindruck von deiner Oase bekommen. Meene Jüte, das ist echt schön da bei dir. Das muss doch riesig Arbeit machen, das so gut in Schuss zu halten.
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    Gestern kam ich mit meiner kleinen Enkelin, die ist 5 Jahre alt, die Treppe runter, bei meinen Eltern im Haus. Mein Exmann wohnt ja da auch und wir sind ihm begegnet, er kam vom Einkaufen...

    Und unsere Kleine rannte auf ihn zu und umarmte ihn kurz. Und er drückte ihr ein Küsschen auf's Haar. Alles ok so weit. Nichts dagegen einzuwenden. Die Kleine mag ihren Opa, sie schimpft nur manchmal mit ihm, dass er nicht so viel Bier trinken solle...

    Wir kamen dann bei uns wieder drüben an und was sagt da die Kleine?
    "Oma, der Opa hatte nur Flaschen in seiner Einkaufstasche."
    So viel mal zu dem Thema:

    "Mein Kind hat nix bemerkt"
    Die Begegnung hatte vielleicht 1 Minute gedauert...

    Aurora

    Liebe Ahoi,

    das finde ich gut, dass du für dich von dem Gespräch bei der Suchtberatung so viel auch mitnehmen konntest. Und der Schwiegervater auch. Es ist nun an ihm, das auch umzusetzen, zu leben.

    Du machst das gut! Die Dinge zu bemerken und nicht mehr haben zu wollen ist ein guter Schritt in die richtige Richtung! Und jetzt kommt's...
    das geht nur ganz langsam! Also lass dich nicht erschrecken davon, was da für Baustellen bei dir sind, vieles wird sich auf deinem Weg automatisch lösen, vieles wird nicht mehr so schwer sein, wie es dir jetzt erscheint. So habe ich es zumindest erlebt bei mir. Als ich meinen Weg begann, als ich offen und bereit sein konnte für Veränderungen, dafür, nur für mich die Verantwortung zu übernehmen, nicht mehr für ihn, da hat sich so viel gelöst. Und Türen gingen auf, wo ich niemals welche vermutet hätte.

    Zitat

    Dennoch geht es mir nahe, wenn er schreibt, dass er nur Alkoholiker geworden, weil er so unter mir gelitten hat und mir droht und mich beschimpft

    Ja, das verstehe ich sehr gut, dass dich das nicht kalt lässt! Diese Anschuldigungen habe ich ja auch zu hören gekriegt. Dass nur ich schuld wäre, weil ich so und so und so und überhaupt völlig böse wäre... Lange Zeit hat mich das fest gehalten bei ihm, weil ich mich eben schuldig und verantwortlich fühlte. Und wertlos.

    Bis es bei mir eben auch "klick" gemacht hat, ich dann wusste, ich bin nicht schuld daran. Kalt gelassen hat mich das dann aber immer noch nicht, es hat mich immer wieder verletzt. Also habe ich da eine Grenze gezogen. So wie das Gespräch wieder in diese Richtung ging, habe ich es abgebrochen. Mich entfernt. Entweder bin ich aufgestanden und gegangen, oder ich habe das Telefonat beendet, je nach Situation eben. Denn das musste ich mir nicht immer wieder geben. Ich wollte mir einfach nicht mehr weh tun lassen und ich wusste, ich konnte mich gegen ihn nicht wehren ab einem bestimmten Punkt.

    Hast du schon mal überlegt, dir eine neue Telefon-Nummer zuzulegen?

    Ich hoffe, du kannst an diesem Wochenende ein wenig abschalten und neue Energie tanken.

    Liebe Grüße
    Aurora

    Hallo,

    und ok. Überlassen wir jetzt diesen Faden wieder Ahoi!

    Ich bin gespannt, liebe Ahoi, was ihr bei der Suchtberatung erfahren werdet. Es ist ein guter Schritt, dahin zu gehen. Genau so wie es gut ist, dass du unserer Selbsthilfegruppe beigetreten bist. Das sind alles Dinge, die du für dich machst.

    Liebe Grüße
    Aurora

    Hallo,

    liebe Renate, ich führe mit meinem Exmann so gut wie keine Konversation mehr. Es beschränkt sich wirklich nur auf "Guten Tag" oder andere Belanglosigkeiten. Denn ab und an laufen wir uns eben über den Weg, z.B. auf Geburtstagen, z.B. von unserer Enkelin. Ich würde von ihm nichts mehr annehmen oder so. Es ist alles geregelt zwischen uns.

    Und trotzdem hatte ich da diese Gefühlspalette. Ich habe 26 Jahre mit diesem Mann zusammen gelebt. Zum Zeitpunkt der Trennung war das mehr als die Hälfte meines Lebens. Und das hat sich wohl so tief eingeprägt, dass es nicht zu löschen geht. Es geht nur zu umschreiben.
    Die Muster sind eben da. Mein Vorteil jetzt ist aber, dass ich es weiß, dass sie da sind. Und dass ich da schnell raus komme, wenn sie aktiv werden. Und dass ich am besten Situationen meide, um sie gar nicht erst aktiv werden zu lassen. Ich muss mich ja nicht selbst quälen.

    Es ist gut, dass du diesen Abstand zu deinem Ex hast! Du hast viel dafür getan, dass es so ist. Und nun kannst du in Ruhe dein freies Leben genießen. Und ich tu das auch. Gibt es was Schöneres?

    Ich habe das hier aufgeschrieben, was mir da passiert ist letztens, um das mal klar zu zeigen. Rumeiern funktioniert nicht. Und keine Halbheiten. Es geht nur ganz oder gar nicht! Genau so, wie beim Saufen. Aber es ist ein Weg, bis dahin. Und der lohnt sich, ihn zu gehen.

    Aurora

    Hallo Ahoi,

    ich kann mich da Katha nur anschließen. Wer weiß, ob der Ex wirklich Spaß daran hat... Kann dir ja wurscht sein.

    Dein Schwiegervater entwickelt sich nun zu einem Co, anscheinend. OK, da kannst du auch nichts gegen machen. Du kannst ihn darauf ansprechen, ihm erklären, wie das abläuft, was es heißt, coabhängig zu sein. Aber mehr kannst du da auch nicht machen. Ich bin gespannt, was ihr in der Suchtberatung da erfahren werdet.

    Deine Wut kenne ich auch. Ich war auch wütend, damals. Auf den Ex, darauf, dass er gemütlich in der Eigentumswohnung saß, von verschiedenen Seiten bemitleidet und gepampert wurde. Versunken im besoffenen Selbstmitleid um sein Los, von der Frau nun nach 26 Jahren im Stich gelassen und soooooo unter Druck gesetzt zu werden. :roll: -

    Ich war aber auch wütend auf die Leute, die es immer noch nicht sehen wollten, was er da machte. Am wütendsten aber war ich auf mich selbst, weil ich mich so viele Jahre lang da habe "aufgeopfert", zum einen. Zu der Zeit damals empfand ich das noch so, heute sehe ich meine eigenen Anteile. Und ich war wütend, weil ich mich nicht eher getraut hatte, da auszusteigen.

    Diese Wut war gut, denn sie war ein Motor, weiter zu machen.

    Ich spürte eh plötzlich sehr viele Gefühle, wie überschwemmt war ich. Da hatte ich Jahr um Jahr alles unterdrückt. Und nun kam es aus mir raus, als hätten sich Schleusen geöffnet. Es war eine sehr emotionsgeladene Zeit.

    Du sagst über dich, du warst zäh genug, bei ihm zu bleiben. Ich nannte das für mich eher willensstark. Mal abgesehen von all den anderen Dingen, die mich an ihn gebunden hatten. Ich hatte den Willen, ihn da erretten zu können. Und ich dachte, nur ich wäre dazu anscheinend in der Lage. Diese Willensstärke benutzte ich dann endlich für mich und mein neues Leben. Als ich erkannte, dass ihn nichts retten kann, also ich jedenfalls nicht.

    Nee, 'ne verbitterte Exfrau musst du nicht werden. Denn sieh es doch mal so. Du hast dich für das Leben entschieden. Und das alleine ist das wichtigste überhaupt. Er hat sich entschieden für die Unfreiheit. Bist du darauf neidisch?

    Liebe Grüße
    Aurora

    Hallo,

    vorgestern hat mein Sohn seine Jacke bei uns liegen lassen. Mein Sohn wohnt ja zur Zeit bei seinem Vater, wieder. Und um die Ecke...

    Unsere Enkelin war ja hier zu Besuch, hat hier geschlafen bist gestern Abend :D und wollte nun ihrem Onkel die Jacke wieder bringen. Und dann die TickTacks besuchen, die ja über meinem Exmann wohnen. Also stiefelte ich mit meiner kleinen Enkelin rüber...

    Sie klingelte. Und mein Ex machte auf. Boah... Wie er aussah. Wie früher. Gut besoffen. Und in diesem Suff irgendwie trottelig, so wie damals. Und sofort sprang alles mögliche bei mir an.

    Wut. "Du Idiot, warum hörst du nicht auf mit dieser Sauferei..." war mein erster Gedanke. Und das, obwohl ich mich mit Sucht ganz gut auskenne inzwischen und es weiß!

    Und dann, "Gott sei Dank, bin ich da raus. Was habe ich bloß jemals an diesem Mann schön gefunden?"

    Und dann, "er tut mir leid, wie er so da steht, so trottelig und irgendwie hilflos."

    Bamm, bamm, bamm, volles Programm, es hat mich regelrecht noch ein wenig beschäftigt und ich habe mich nicht gut gefühlt. Viele alte Gefühle waren das.

    Gut, ich konnte dann da raus aus den Gedanken. Aber trotzdem. Ich habe gemerkt, wie mich das triggert und wie ich darauf anspringe. Wie gut, dass ich da weg bin, ich würde sonst noch immer im vollen Co-Programm drinnen hängen. Der Ex ist für mich wie eine Pulle Schnaps für einen Alkoholiker.

    Ich merke das auch, wenn auch nicht so stark, wenn ich Betrunkenen begegne. Es stößt mich total ab, andererseits geht da eine Faszination für mich von aus. Ein Gefühl, helfen zu wollen, zu erklären, zu retten.

    Ich sitze jetzt hier ganz ruhig in unserem schönen, kleinen Esszimmer. Und freue mich meines Lebens. Und weiß wieder einmal mehr, dass für mich einzig in Frage kommt, mich da fern zu halten, so gut es geht.

    Aurora

    Hallo und willkommen Ahoi,

    Ahoi an Bord, sozusagen :wink::) .

    Deine Gedanken und Gefühle kann ich sehr gut nachvollziehen.
    Ich habe mir auch lange Vorwürfe gemacht, warum ich dieses Spiel zwischen meinem Exmann und mir so lange mitgemacht habe. Warum ich mich so lange habe missbrauchen lassen, mich regelrecht immer wieder angeboten habe, ihm zu helfen, ihn zu retten, zu unterstützen und so weiter...

    Ja, warum? Ich war davon überzeugt, das einzig Richtige zu tun damit! Ich wusste nichts von Coabhängigkeit, viele, viele Jahre lang. Ich habe ja gedacht, ich mache es richtig so und mein Umfeld hat mich daran noch bestärkt. Und ich selbst fühlte mich ja immer stark und gebraucht in meiner Rolle. Unentbehrlich eben. Das war Balsam für meinen nicht vorhandenen Selbstwert.

    Also kam ich dann, irgendwann nach der Trennung, endlich darauf, dass es wenig Sinn machte, mich nun zu zerfleischen vor lauter schlechtem Gewissen und so. Und das solltest du auch nicht tun. Jetzt bist du auf dem Weg raus aus der Nummer. Und das ist sehr gut so!

    Mit deinem Sohn kannst du vielleicht darüber reden, wie alt ist er denn? Und auch für Kinder gibt es Selbsthilfegruppen, zum Beispiel. Oder psychologische Unterstützung, wenn nötig!

    Ich finde es gut, dass du nun auch nicht mehr lügen willst. Mir hat Ehrlichkeit und Klarheit auf meinem Weg sehr gut geholfen. Nichts mehr vertuschen, sondern sagen. Dadurch wirst du ernst genommen von deinem Umfeld, auch von deinem Ex. Auch wenn es dem nicht passt!

    Und du bist nun ja auch bereit, die Konsequenzen deines Handelns zu tragen, das ist wichtig. Du kannst das. Auch wenn es sich schuldig anfühlt, schlecht. Dafür bist du nun hier, um diese Gefühle hier zu lassen. Im Austausch wirst du merken, dass du dich gar nicht schlecht zu fühlen brauchst.

    Zitat

    Was ist richtig? Mich aus der Schusslinie und dem Geschehen zu nehmen und seine jetzigen Bezugspersonen machen zu lassen oder mit der Ehrlichkeit eine erneute Konfrontation zu provozieren?

    Raus aus der Schusslinie, würde ich sagen. Und ehrlich sein, zu dir selbst vor allem! Du kannst niemanden retten, außer dich selbst und deinen Sohn. Auch nicht seine Bezugspersonen.

    Ich hoffe, ich habe dich nicht erschlagen mit meinem Roman :wink: .

    Liebe Grüße
    Aurora

    Hallo,

    es ist nun 7 Jahre her, seit ich mich getrennt habe. Und meine Wohnung hier bezogen habe. Wo ist bloß die Zeit geblieben :roll: ?

    In diesen 7 Jahren ist viel passiert. Mein Exmann hatte eine Trinkpause von 4 Jahren hingelegt. Das hatte für mich erst mal zur Folge, dass ich noch ca. 1 Jahr lang mit ihm rumgeeiert habe. Loslassen war da nicht sooo leicht... Aber schlussendlich konnte ich das, denn es war mir schon klar, dass es ein gemeinsames Leben mit ihm nicht mehr geben kann. Dazu war einfach zu viel zerstört worden.

    Dann kam ich zusammen mit meinem 2. Mann. :D . Und meine Enkelin wurde geboren :D . Das Leben lief rund und schön. Fantastisch. Alkohol spielt in meinem Leben nicht mehr diese Rolle. Mein Mann ist Alkoholiker, trocken, wir leben ohne Stoff, sozusagen. Ich auch, weil ich in meiner ersten Ehe schon mit 1 1/2 Beinen selbst in der Sucht drin stand. Und aus Achtung vor der Krankheit meines Mannes.

    Dann verlor ich meine Arbeit, dann meine Tochter und meinen neugeborenen, tot geborenen Enkel. :cry: .
    Und landete in einem Job, der der blanke Horror war. In dieser Reihenfolge, hintereinander passierte das. Innerhalb von wenigen Wochen.

    Das habe ich überlebt. Ohne diese Abhängigkeit um mich rum. Hätte ich nun meinen Exmann noch als "Pflegefall" gehabt, wäre ich wohl schon verrückt geworden. Zum Glück konnte ich da aussteigen, damals, vor 7 Jahren, als mein neuer Weg immer breiter wurde.

    Ich habe eine Beziehung, die schön ist. Ich habe einen Job, der ist auch ok. Und endlich haben wir auch den Grabstein für die Tochter und ihren Kleinen. Alles bewusst erlebt, durchlebt. Ich lebe. Auch wenn es nicht immer schmerzfrei ist, nein, es tut so viel weh. Aber ich lebe und spüre.

    Ich habe Gefühle, die ich ernst nehme und die ernst genommen werden. Trotz allem Leid lebe ich, weil ich leben möchte. Weil es auch lebenswert ist. Ich war viele Jahre in einer Starre, damals, mit dem Ex. Das war kein Leben. Echt nicht.

    Aurora

    Hallo weinender Engel,

    du lebst also zusammen mit deinem Partner, der anscheinend gerade eine Trinkpause macht. Das fühlt sich nun für dich gut an, er säuft nicht und alles läuft irgendwie in ruhigen Fahrwassern. Warum also solltest du was ändern?

    Du möchtest, dass er eine Therapie macht oder so was in der Art. Anscheinend will er das aber nicht. Er macht eben gerade eine Trinkpause in der er dir (und vielleicht auch sich) irgendwas beweisen will. Was nach allen Erfahrungen von Alkoholikern so nicht gut funktionieren wird.

    Und du weißt das auch! Denn es fehlt dir nicht an Informationen. Du bist gut informiert, hast an Veranstaltungen teil genommen über Alkoholismus und all so was. Du bist hier und setzt dich auseinander. Bzw. Du empfängst sehr viele nützliche Hinweise und Lebenserfahrungen anderer Menschen, die auch in einer ähnlichen Situation waren wie du.

    Und nun sitzt du mitten drin im Strudel und überlegst. Zur Zeit ist es super mit deinem Partner, aber du ahnst und weißt, dass das nicht ewig so sein wird. Und da beginnt nun dein Weg. Dein weiterer Weg, ich will ja nicht sagen, dass du noch nicht was gegangen bist. Du hast dich informiert und du bist hier! Und das sind schon wichtige Schritte. Das ist echt gut so!

    Nun liegt es an dir, da was draus zu machen. Du sitzt nun also im Strudel, im Moment im Auge des Ganzen, also da, wo es ruhig ist. Das wird nicht so bleiben.

    Und was denkst du, möchtest du dann tun? Was kannst du für dich überlegen, was kannst du dir vorstellen zu machen, wenn der Tag X da ist und er wieder säuft?

    Glaub mir, ich hatte auch viele solcher Tage X ! Und vorher saß ich im Auge des Strudels. Ich musste meine Art des Weges da alleine heraus finden. Und das musst du auch. Niemand kann dich an die Hand nehmen und dann da raus ziehen. Leider. Das geht nicht. Du hast alleine dafür die Verantwortung. Die Verantwortung

    für dich.

    Ich stell das mal so heraus hier. Denn es geht um dich und um dich und um dich. Nicht um deinen Partner. Der ist erwachsen und hat alleine eine Verantwortung. Für sich. Und du hast da null Einfluss drauf! Wenn er wieder saufen will, wird er das tun.

    Und was machst du dann? Du, für dich! Nicht für ihn. Für dich

    Es gibt zwei Möglichkeiten. Die erste wäre, dass du dich wieder einfügst in den Strudel der Sucht. Dass du leidest, für ihn sorgst und dir Gedanken darüber machst, wie du ihn vom Saufen weg bringen kannst. Dass du seine Ko.tze wegwischst, ihn aus Kneipen abholst, in pflegst und hätschelst.
    Dass du dich beschimpfen lässt und bedrohen.

    Die zweite ist, dass du dir eben überlegst, wie du daraus Schritte für dich machst, um aus dieser Beziehung raus zu kommen.
    Wenn du nicht weiterhin so leben willst wie jetzt, auf dem Pulverfass, sozusagen.

    Was kann das sein? Hast du schon mal nach Wohnungen geguckt? Hast du angefangen, alte Freundschaften aufleben zu lassen. Bist du dabei, dir ein soziales Netz aufzubauen? Unternimmst du alleine Dinge, die dir gut tun? Kannst du schon mal Stunden nicht an ihn denken? Es dir einfach alleine mit dir gut gehen lassen, ohne schlechtes Gewissen?

    All so was.

    Viele Grüße
    Aurora

    Liebe Julia,

    herzlich willkommen im offenen Forumsbereich!

    Ich kenne das auch ganz gut. Dass ich mich so weit angepasst hatte, dass ich gar keine eigene Meinung mehr hatte. Dass ich mich auf gar keinen Fall getraut hatte zu sagen, was ich möchte.

    Und dann war ich unzufrieden, ich war unglücklich und wusste erst mal gar nicht, warum überhaupt... Irgendwann merkte ich aber, es war deshalb, weil ich immer das Gefühl hatte dadurch, zu kurz zu kommen. Weil ich Dinge machte, die ich ja eigentlich gar nicht machen wollte. Ich hatte aber Angst, dass, wenn ich meine Dinge sagen würde, die anderen Menschen mich nicht mehr lieb haben würden. Inzwischen kann ich immer mehr und mehr zu meinen Dingen stehen, mich für meine Belange einsetzen. Und ich habe gemerkt, die Welt ist davon nicht unter gegangen und es gibt noch immer Menschen, die mich lieb haben.

    Das war echt ein Weg, dahin zu kommen. Aber es lohnt sich! Schön, dass du da nun auch dich auf deinen Weg gemacht hast, dahin zu kommen! Du erkennst ja inzwischen schon viele Dinge, dieses Erkennen ist eben wirklich wichtig, um was verändern zu können.

    Zitat

    Gut mal kurz das was mir nach ewigen nachdenken gekommen ist:

    Ich würde gerne mal eines meine gemalten Bilder verkaufen

    Na, das ist doch was. Warum versuchst du das nicht einfach mal?

    Viele Grüße
    Aurora

    Hallo mittendrin,

    Zitat

    Geh ruhig den Weg den die Meissten erstmal versuchen

    Ich bin so eine, die diesen Weg erst mal gegangen ist. Das erste Mal an Trennung, an Alkoholsucht meines Exmannes, daran, dass ich das nicht will, dachte ich so ca. 1988. Da war ich 7 Jahre mit ihm verheiratet, hatte 2 Kinder. Und wurde immer desillusionierter. Unglücklicher.

    Zuerst trank mein Exmann so ähnlich, wie jetzt dein Partner. Und er redete auch so ähnlich, wenn ich mit ihm darüber sprechen wollte. Er gab dann auch immer mehr mir die Schuld daran, dass er trinken wollte. Und über allem aber : die Anderen saufen doch, die trinken viel mehr als ich.

    So gingen die Jahre in's Land. Seine Trinktage wurden immer öfter. Und immer schlimmer. So manches Mal kippte er einfach vom Stuhl, z.B. an seinem 40 ten Geburtstag... Oder er saß auf dem Sofa, nicht mehr ansprechbar.

    Die Dinge des täglichen Lebens musste ich immer mehr alleine bewältigen. Aber - das tat ich ja auch irgendwie gerne, denn so fühlte ich mich gebraucht. Unentbehrlich. Das war doch Liebe, dachte ich. Ohne mich wird das nix. Und er versicherte ja auch, wie sehr er mich brauchte.

    In den 90ger Jahren wurde ich immer unglücklicher damit. Und er soff immer mehr, auch heimlich. Ich fand so manche Pulle, einmal überraschte ich ihn dabei, wie er eine Korn-Pulle vor dem Hals hatte, gleich aus der Flasche trank. Ein andermal war es Sekt. Dann wieder Likör.

    Offensichtlich trank er ja aber "nur Bier". Und Bier ist doch nicht wirklich Alkohol... :roll: . Er stritt ab, nur einen Tropfen getrunken zu haben, obwohl er stank wie eine Eckkneipe. Obwohl er kaum noch stehen konnte.

    Meine Wahrnehmung wurde immer verdrehter. Bis ich ihr nicht mehr traute. Meine Schuldgefühle wurden immer größer. Ich musste es doch einfach schaffen, ihn zu retten. Meene Jüte, wir liebten uns doch. Oder... :roll: ?

    Der Gedanke an eine "normale " Partnerschaft wurde schon immer mächtiger. Ich beneidete Leute, die locker und glücklich miteinander umgehen konnten, die sich aufeinander verlassen konnten. Die Dinge zusammen unternahmen. Die füreinander da waren. All das. Denn das passierte irgendwann nicht mehr. Bei meinem Ex und mir.

    Ich wurde misstrauisch. Kontrollierte ihn. Schlich hinter ihm her, um zu sehen, ob er wieder heimlich die Pulle vor'm Hals hatte...Ich schämte mich, weil er auf allen Feiern der Besoffenste war. Mich vor allen Leuten brüskierte. Mich klein und lächerlich machte. Ich drehte den Spieß um und zahlte es ihm mit gleicher Münze heim.

    Liebe? Na ja, ich tat so, weil ich Angst hatte, ihn zu verlassen. Weil ich mich ohne Mann nur halb wert fühlte. Und wenn er nüchtern war, war er doch ein ganz lieber... :roll: . Na ja, zumindest redete ich mir das ein.

    Zur Jahrtausendwende wurde es immer schlimmer. Mit seinem Suff. Mit meinen Bemühungen, ihn zu retten, irgendwas zusammen zu halten. Und ich wurde aber immer unglücklicher, zorniger. Denn verdammt, all die Jahre, die ich geopfert hatte, ihm was klar zu machen, hatten nix gebracht. Er soff. Und ich litt. Und ich soff irgendwann mit. Ja, im Suff waren wir dann wieder gleich. Es hat nicht viel gefehlt, und ich wäre auch abhängig geworden. Da fehlte vielleicht nur ein halber Millimeter...

    Es war nur noch Krieg. Gezerre. Er sollte doch endlich aufhören. Verdammt, ich musste das doch schaffen. Sah er nicht selbst, was er gemacht hatte? Aus unserer Ehe? Aus seinem, unseren Leben? Verdammt.

    Wir konnten nicht voneinander ablassen. Er brauchte mich doch, denn ohne mich würde er vollends verrecken. Andererseits war ich nur noch ein Nervenbündel, eine zornige, traurige und überforderte Frau. Hass, ja das war, was ich oft genug spürte. Angst. Alles, mein ganzes Leben, drehte sich nur noch um ihn und seine Sucht. Schon seit Jahren. Jahrzehnten... Ich war nur noch am Jammern. Am Meckern. Lebenslust kannte ich nicht wirklich mehr. Wie oft hatte ich gedroht, ihn zu verlassen. Genau so oft hatte ich es nicht getan. Er lachte mich nur noch aus, wenn ich davon anfing.

    Eines Tages stand ich vor dem Spiegel. Verheult, unglücklich. Es war so schlimm mit seinem Suff. Er schob alles auf mich. Ich erkannte ihn nicht mehr wieder. Wo war der junge Mann von damals? Und wo war ich? Ich heulte. Und sagte zu mir: "Was willst du? Warten bis dich hier jemand rettet? Dich rettet keiner! Kein anderer. Nur du selbst, du kannst das!" Und dann ging das.

    "Ich ziehe aus!" Er lachte mich aus, mit versoffenem Lachen. Ich zog aus. Das hätte er nicht gedacht. Ich auch nicht, ehrlich gesagt. Aber irgendwann war der Druck so groß, dass ich dachte, egal. Ich will doch noch leben. Ich war 49 Jahre alt. 26 Jahre mit ihm zusammen. Über 20 davon nicht wirklich glücklich.

    So viel Lebenszeit. Es war, wie es war. Ich kam hier im Forum an. Und bin immer noch da. Weil ich meine Geschichte erzählen mag, um zu zeigen, wie man es nicht machen sollte.
    Und um zu erzählen, wie lebenswert das Leben ist, ohne Abhängigkeit. Meine Geschichte könnte für einige hier stehen, denen es genau so erging. Und ergehen wird. Weil - es ähnelt sich so gespenstisch.

    Aurora

    Liebe mittenimleben,

    ich verstehe nicht, was du damit meinst:

    Zitat

    Also ist es wahrscheinlich wirklich müßig. hier herumzuraten, ob er nun Alkoholiker der "schwachen" oder der "starken" Art ist.

    Also was ist ein Alkoholiker der starken, was der schwachen Art?

    Seine Art zu trinken kommt dir spanisch vor, beunruhigt dich. Sonst wärst du nicht hier. Und das ist der wichtigste Punkt bei allem:
    Es beunruhigt dich, beschäftigt dich, macht dich nachdenklich, unglücklich.

    Zitat

    Wenn es so einfach wäre, auf das eigene Gespür zu hören

    Ok, was würdest du dann machen? Wenn du auf dein Gespür hören würdest. Nur mal so theoretisch. Wie würde es dann weiter gehen?

    Viele Grüße
    Aurora

    Hallo,

    momentan geht es mir eher blöd als gut :? . Es sind halt so viele Dinge in meinem Umfeld passiert. Viele Dinge, die mich beschäftigen. Kleine und große, die Masse macht es.

    Und da merke ich dann wieder, wie leicht meine alten Muster dann auf einmal wieder da sind... Aber wie ich es auch letztens im Fädchen von Girasole gelesen habe, es ist schon mal gut, sich dessen eben auch bewusst zu werden. Und das kann ich. Und dann geht da auch was zu verändern.

    Ich hatte und habe Probleme mit dem Menschen, der bei uns den Schichtplan macht. Alle haben ein Problem mit dem, weil er ständig was verändert, vergisst, sich keine Mühe macht, sondern anscheinend nur von einer Woche zur nächsten was kopiert. Es ist sehr anstrengend!

    Und ich wurde immer unsicherer und unzufriedener. Also habe ich mir gedacht, das ist doch wieder so, wie damals all die Jahre. Die Situation damals, nicht nur mit dem trinkenden Exmann, sondern gerade auch mit seiner Sippe, hat mich fertig gemacht, ich konnte an nichts anderes mehr denken. Aber gesagt habe ich auch nichts, damals, nur geschluckt und gute Miene zum bösen Spiel gemacht. Und hallo, was war ich unglücklich, verspannt, vergrätzt!

    Das will ich nicht mehr!

    Also habe ich meinen Mut zusammen genommen und beim Chef vorgesprochen. Ihm sachlich und ruhig meine Dinge erklärt. Es kam zwar nicht 100% ig das bei raus, was ich mir gewünscht hätte, aber damit hatte ich im Vorfeld schon gerechnet. Aber es war trotzdem gut, es zu machen. Zu reden, nicht zu schlucken. Meine Interessen und meine Gefühle zu sagen, zu vertreten auch. Einfach mich wahr und ernst zu nehmen und dann was zu machen.

    Es ging und geht mir besser, seitdem. Und ich weiß, ich werde das wieder so machen, wenn es nötig wird! So ordnet sich für mich ein Ding nach dem anderen. Das habe ich mir immer erhofft. Es gab mal eine Zeit, da hatte ich gehofft, dass jemand kommt und alles für mich regelt... Das hat natürlich nicht geklappt. Klappen tut das, seit ich selbst mein Leben in die Hand genommen habe. Es dauert zwar lange... hätte ich das am Anfang gewusst, puh... ich bin doch sooooo ungeduldig. :oops: . Aber auch das habe ich inzwischen gelernt, dass es nichts bringt, Dinge über's Knie zu brechen.

    Das einzige Mal, wo das was gebracht hat, eine Schnellaktion schlussendlich zu starten (nach jahrelangem Rumgeeier erster Güte...), war, als ich mir eine Wohnung gesucht habe. Das ist jetzt fast genau 7 Jahre her, seit ich meinen Schlüssel bekam. Den Schlüssel für ein neues Leben. Den Schlüssel für einen Neuanfang. Ich kann nur sagen, es hat sich gelohnt!

    Mit meinem Exmann gibt es ab und an Kontakt. Mein Sohn wohnt ja jetzt erst mal bei ihm. Und ich hatte den Ex nun schon ab und an am Telefon, wenn ich den Sohn sprechen wollte. Ich höre auch durch meinen Sohn eben was vom Ex, was der manchmal so treibt.

    Der trinkt ja wieder. Ja schon längere Zeit inzwischen. Ich nehme diese Dinge zur Kenntnis. Aber grundsätzlich ist es mir schnurzpiepegal geworden. Weil - es ist sein Leben. Damit darf er machen, was er will. Ich muss da nichts mehr dran rummodeln.

    Aurora