Hallo mittendrin,
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Geh ruhig den Weg den die Meissten erstmal versuchen
Ich bin so eine, die diesen Weg erst mal gegangen ist. Das erste Mal an Trennung, an Alkoholsucht meines Exmannes, daran, dass ich das nicht will, dachte ich so ca. 1988. Da war ich 7 Jahre mit ihm verheiratet, hatte 2 Kinder. Und wurde immer desillusionierter. Unglücklicher.
Zuerst trank mein Exmann so ähnlich, wie jetzt dein Partner. Und er redete auch so ähnlich, wenn ich mit ihm darüber sprechen wollte. Er gab dann auch immer mehr mir die Schuld daran, dass er trinken wollte. Und über allem aber : die Anderen saufen doch, die trinken viel mehr als ich.
So gingen die Jahre in's Land. Seine Trinktage wurden immer öfter. Und immer schlimmer. So manches Mal kippte er einfach vom Stuhl, z.B. an seinem 40 ten Geburtstag... Oder er saß auf dem Sofa, nicht mehr ansprechbar.
Die Dinge des täglichen Lebens musste ich immer mehr alleine bewältigen. Aber - das tat ich ja auch irgendwie gerne, denn so fühlte ich mich gebraucht. Unentbehrlich. Das war doch Liebe, dachte ich. Ohne mich wird das nix. Und er versicherte ja auch, wie sehr er mich brauchte.
In den 90ger Jahren wurde ich immer unglücklicher damit. Und er soff immer mehr, auch heimlich. Ich fand so manche Pulle, einmal überraschte ich ihn dabei, wie er eine Korn-Pulle vor dem Hals hatte, gleich aus der Flasche trank. Ein andermal war es Sekt. Dann wieder Likör.
Offensichtlich trank er ja aber "nur Bier". Und Bier ist doch nicht wirklich Alkohol...
. Er stritt ab, nur einen Tropfen getrunken zu haben, obwohl er stank wie eine Eckkneipe. Obwohl er kaum noch stehen konnte.
Meine Wahrnehmung wurde immer verdrehter. Bis ich ihr nicht mehr traute. Meine Schuldgefühle wurden immer größer. Ich musste es doch einfach schaffen, ihn zu retten. Meene Jüte, wir liebten uns doch. Oder...
?
Der Gedanke an eine "normale " Partnerschaft wurde schon immer mächtiger. Ich beneidete Leute, die locker und glücklich miteinander umgehen konnten, die sich aufeinander verlassen konnten. Die Dinge zusammen unternahmen. Die füreinander da waren. All das. Denn das passierte irgendwann nicht mehr. Bei meinem Ex und mir.
Ich wurde misstrauisch. Kontrollierte ihn. Schlich hinter ihm her, um zu sehen, ob er wieder heimlich die Pulle vor'm Hals hatte...Ich schämte mich, weil er auf allen Feiern der Besoffenste war. Mich vor allen Leuten brüskierte. Mich klein und lächerlich machte. Ich drehte den Spieß um und zahlte es ihm mit gleicher Münze heim.
Liebe? Na ja, ich tat so, weil ich Angst hatte, ihn zu verlassen. Weil ich mich ohne Mann nur halb wert fühlte. Und wenn er nüchtern war, war er doch ein ganz lieber...
. Na ja, zumindest redete ich mir das ein.
Zur Jahrtausendwende wurde es immer schlimmer. Mit seinem Suff. Mit meinen Bemühungen, ihn zu retten, irgendwas zusammen zu halten. Und ich wurde aber immer unglücklicher, zorniger. Denn verdammt, all die Jahre, die ich geopfert hatte, ihm was klar zu machen, hatten nix gebracht. Er soff. Und ich litt. Und ich soff irgendwann mit. Ja, im Suff waren wir dann wieder gleich. Es hat nicht viel gefehlt, und ich wäre auch abhängig geworden. Da fehlte vielleicht nur ein halber Millimeter...
Es war nur noch Krieg. Gezerre. Er sollte doch endlich aufhören. Verdammt, ich musste das doch schaffen. Sah er nicht selbst, was er gemacht hatte? Aus unserer Ehe? Aus seinem, unseren Leben? Verdammt.
Wir konnten nicht voneinander ablassen. Er brauchte mich doch, denn ohne mich würde er vollends verrecken. Andererseits war ich nur noch ein Nervenbündel, eine zornige, traurige und überforderte Frau. Hass, ja das war, was ich oft genug spürte. Angst. Alles, mein ganzes Leben, drehte sich nur noch um ihn und seine Sucht. Schon seit Jahren. Jahrzehnten... Ich war nur noch am Jammern. Am Meckern. Lebenslust kannte ich nicht wirklich mehr. Wie oft hatte ich gedroht, ihn zu verlassen. Genau so oft hatte ich es nicht getan. Er lachte mich nur noch aus, wenn ich davon anfing.
Eines Tages stand ich vor dem Spiegel. Verheult, unglücklich. Es war so schlimm mit seinem Suff. Er schob alles auf mich. Ich erkannte ihn nicht mehr wieder. Wo war der junge Mann von damals? Und wo war ich? Ich heulte. Und sagte zu mir: "Was willst du? Warten bis dich hier jemand rettet? Dich rettet keiner! Kein anderer. Nur du selbst, du kannst das!" Und dann ging das.
"Ich ziehe aus!" Er lachte mich aus, mit versoffenem Lachen. Ich zog aus. Das hätte er nicht gedacht. Ich auch nicht, ehrlich gesagt. Aber irgendwann war der Druck so groß, dass ich dachte, egal. Ich will doch noch leben. Ich war 49 Jahre alt. 26 Jahre mit ihm zusammen. Über 20 davon nicht wirklich glücklich.
So viel Lebenszeit. Es war, wie es war. Ich kam hier im Forum an. Und bin immer noch da. Weil ich meine Geschichte erzählen mag, um zu zeigen, wie man es nicht machen sollte.
Und um zu erzählen, wie lebenswert das Leben ist, ohne Abhängigkeit. Meine Geschichte könnte für einige hier stehen, denen es genau so erging. Und ergehen wird. Weil - es ähnelt sich so gespenstisch.
Aurora