Liebe Cocomel,
du schreibst sehr vieles, worin ich mich auch wieder finde, wie ich selbst mal war. Bevor ich mich auf meinen Weg machen konnte und auch am Anfang von diesem Weg. Deine Gedanken und Gefühle sind ja nicht "unnormal" für deine Situation, sondern eher tatsächlich wohl typisch. Du merkst ja aber auch selbst, dass du dich damit im Kreis drehst und nichts vorwärts gehen kann für dich.
Deine Träume und Wünsche in die Partnerschaft... na klar sind die da und waren da. Ich habe damals meinen Exmann jung geheiratet, voller Wünsche und Träume und Lebensvorstellungen. Und ich wurde im Laufe der Jahre immer trauriger und desillusionierter, weil nichts davon so war, wie ich es mir in meinen Träumen ausgemalt hatte. Das war dann sowas wie ein Scheitern meinerseits. Ich habe ja gedacht, es liegt einzig an mir, dass es so ist. Dass er eben nicht der Traummann ist, den ich mir gewünscht hatte. Sondern dass er ein Mann ist, der seine eigene Lebensvorstellung hat, die sich krass zu meiner unterscheidet. Da hat ja dann doch niemand versagt, oder?...
Du hast ihm angeboten ihm zu helfen, bei der Renovierung, beim Putzen. Warum? Ganz ehrlich, warum? Diese Frage ist nicht böse gemeint, sondern einfach mal ein Gedankenanstoß. Ich meine, ich habe solche Angebote zum Beispiel früher gemacht, weil ich noch bisschen die Kontrolle behalten wollte, weil ich mich unentbehrlich zeigen wollte. So a là: es geht nicht ohne mich...
Ja, er sagt dir, er fühle sich alleine gelassen. Der Aaaaarme... und damit drückt er einen wichtigen und lästigen Co-Knopf bei dir! Den Schuld-Knopf. Und dir blutet das Herz. Peng, hat er's geschafft. Ich meine, er hat doch so viele Freunde. Da kann er doch sicher Hilfe bekommen und alleine ist er ja dann auch nicht... Du bist ja nicht dafür verantwortlich, wie er sich fühlt. Er muss selbst dafür sorgen, dass es ihm gut geht.
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Und ich fühl mich wirklich machtlos und hilflos
Ja, und das bist du auch! Du kannst ihm nicht helfen, wenn er deine Hilfe nicht will. Und er will sie anscheinend nicht! Und machtlos bist du auch. Du hast keine Macht darüber, ihn von der Flasche weg zu zerren. Das tut weh, das zu erkennen und zu akzeptieren. Ich weiß das zu gut...
Und das gibt dann wiederum so das Gefühl, gescheitert zu sein, oder?
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Ich hab meinem Freund gesagt,dass ich es nicht einsehe,dass ich zur Therapie gehe und ermich da nicht unterstützt,indem er weiter trinkt.
Warum soll er dich unterstützen? Mal ganz grob gesagt? Du gehst doch für dich zur Therapie. Oder gehst du da hin, weil du dir was für ihn davon versprichst? Wieso meinst du, er müsse dich nun unterstützen und mit dem Trinken aufhören?
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Aber mal ehrlich,welche Zukunftsaussichten haben wir als Co,wenn unser Partnerkeine Taten zeigt und definitiv sagt:Jetzt reichts,ich muss was tun!?
Der Strudel der Sucht geht immer weiter abwärts. Wo Alkoholismus endet, wenn er nicht gestoppt wird, ist erwiesen. Am Ende steht in vielen Fällen Korsakow, immer völlige Hilflosigkeit, Demenz, Tod. Dazwischen ist viel Dreck, sozusagen. K.otzen, Hinmachen an allen unmöglichen Stellen, Terror, Unfähigkeit, am realen Leben teilhaben zu können.
Und der oder die Angehörige, die Angehörigen, Cos, mitten dabei. Auch abwärts. Meine Tante zum Beispiel hat selbst mitgetrunken, irgendwann. War eher tot als mein Onkel, krank, ausgelaugt, selbst abhängig. Eine andere war körperlich fertig. Hatte kein eigenes Leben. Immer nur der Mann, der immer hilfloser und unberechenbarer wurde. Finanzielle Not überall bei denen. Sie hat ihn gerettet und gerettet und gerettet... Nach Hause getragen, wenn er nicht mehr laufen konnte. Ein glückliches Leben? Nicht wirklich. Isoliert waren sie. Wer will schon sowas mit ansehen, wie sie sich kaputt macht und er auch. Gespräche waren nicht mehr möglich. Sie kreisten umeinander, sprachlos.
Ich könnte dir noch einige Beispiele nennen, die ich mit eigenen Augen gesehen und erlebt habe! Fakt ist aber immer, es ist immer ähnlich und es endet im Dreck, Tod.
Tolle Zukunftsaussicht, oder?
Eine normale Beziehung? Die besteht aus Liebe, gegenseitigem Respekt. Auf Augenhöhe. Auf Zuverlässigkeit, Geborgenheit. Auch aus Auseinandersetzung, na klar, eine gesunde Beziehung braucht auch das. Aber es ist die Art, damit umzugehen. Respektvoll eben. Gleichwertig. In einer Beziehung mit Abhängigen gibt es sowas nicht. Da ist keine Augenhöhe. Es sei denn, du wirst auch abhängig von diesem Stoff, dann hast du wieder eine Gemeinsamkeit...
So, du meene Jüte, jetzt habe ich dir aber viel geschrieben. Ich hoffe, es ist ok und du kannst was anfangen damit.
Liebe Grüße
Aurora