Hallo,
liebe Monty
, ja, gestern schien sie noch, die Sonne, nämlich dann, als ich auf Arbeit war
.
Wir hatten ja letzten Freitag noch kurzfristig Karten für die "Komische Oper", für ein Symphoniekonzert. Mein Sohn hat sie bekommen und an Dante und mich vermacht
. Nun musste ich ja arbeiten, das Geschäft schließt um 18.45h, dann muss ich ja noch bissi aufräumen, Kasse machen und so. Um 20h fing die Vorstellung an. Mein Chef sagte, "machen sie ganz pünktlich zu, das ist doch ok, dann schaffen sie das." Ja, dachte ich, das ist zu schaffen. Wir sind schnell da an der Oper, mit den Öffentlichen, kein Problem.
Am Abend vorher, also Donnerstag, klingelt abends im Laden das Telefon. Eine Kundin will für Freitag Brot bestellen. Eine Kundin, die immer erst kurz vor Toresschluss aufkreuzt und sich massig Zeit lässt, immer mit einem grinsenden Gesicht, "ach, haben sie Feierabend" ...
. Na ja, sie wird immer bedient bis zum Schluss, immer freundlich. Aber innerlich bin ich immer bedient. Denn die Dame ist Rentnerin und hat durchaus den ganzen Tag Zeit - theoretisch.
Aber da dachte ich, ooooohhhh nein, ich will doch pünktlich schließen, wegen des Konzertes, und nun das. Ich sah erstmal da am Telefon so:
aus... Und dann habe ich mich was getraut.
Ich habe der Kundin gesagt, bitte liebe Frau Sowieso, können sie morgen etwas eher kommen. Ich habe einen Termin und will pünktlich schließen. "Ja mache ich", flötete besagte Dame. Ich war gespannt...
Und wirklich, es hat geklappt
. Sie kam viel eher als sonst! Und ich konnte pünktlich abschließen und wir haben die Oper noch rechtzeitig erreicht. Wieder einmal hat sich da für mich was gezeigt.
Ich darf meine Wünsche und Bedingungen sagen. Dann werde ich ernst genommen und erreiche was für mich. Früher hätte ich es mich nicht getraut. Ich hätte mich nicht getraut, meine Dinge klar zu sagen, wäre rumgeeiert. Und hätte nichts erreicht. Ich wäre unglücklich, unzufrieden gewesen, voller Spannung und auch Aggression. Aber ich hätte mich einfach nicht getraut, aus Angst, anzuecken, mich unbeliebt zu machen, wenn ich mir was einfordere.
Nun merke ich immer mehr, wie die Dinge, die ich für mich im kleinen Kreis angefangen habe zu verändern, auch in immer größerem Kreis greifen. CoAbhängigkeit, das ganze Verhaltensspektrum was dazu gehört, bezieht sich nicht nur auf eine Person, auf einen Partner, sondern durchaus auch auf das soziale Umfeld, was ich habe. Auf alles, was ich lebe. Und ich sehe nun, dass ich immer sicherer werde mit mir selbst, mit meinen Dingen, die ich mir einfordere, um zufrieden leben zu können. Ich meine, ich hatte in dem Falle Glück, dass die Kundin wirklich sich nach meinen Wünschen gerichtet hat. Aber hätte ich nichts gesagt, hätte ich erst garnichts versucht und schon erst recht nichts erreicht.
Das, was als kleiner Kreis begonnen hat, mit meinem Leben mit Exmänne, mit der Sippe, das kann ich nun immer besser auf mein Leben anwenden. Das gibt mir Sicherheit und Stärke. Und Zufriedenheit. Und es lässt mich weiter machen, denn es fühlt sich gut an, so.
Aurora