Hallo Hartmut,
aha, ist mal wieder Fragenzeit
...
Wo ist die Schmerzgrenze bei Co's? Ich denke, es ist genauso individuell wie bei einem Alki. Irgendwann ist der Punkt erreicht, wo du denkst, es muss ganz dringend endlich was passieren, bevor ich abdrehe oder Schlimmeres
. Ich habe damals gedacht, wenn nicht endlich bei mir hier was geschieht, bringe ich mich um oder ihn, mein Leben geht an mir vorbei, ohne dass ich noch was davon habe. Ich konnte nichts Schönes mehr erkennen, alles drehte sich nur noch um Exmänne und das Trinken, wie ich ihn da rausziehen könnte. Und es drehte sich um meine vielen Ängste, die ich hatte. Ängste um Exmänne, was ihm passieren könnte, er hatte ja auch oft angedroht, sich umzubringen, damit wir ihn endlich loswären
. Damit hat er mir ja was signalisiert, nämlich, es liegt in meiner Hand, alle Verantwortung, aber auch alle Schuld am Scheitern.
Und ich hatte Ängste, es nicht schaffen zu können, mein eigenes Leben zu meistern, ohne ihn. Ich hatte Angst, mein Scheitern zuzugeben, Angst, vor finanziellen Malessen, Angst, meine Mutter zu enttäuschen, Angst, meinen Kindern was wegzunehmen. Das Elternhaus, was ja garkeins mehr war.
Denn da fand ja nur noch Gezerre statt. Exmänne zog an der einen Seite des Alk, ich an der anderen.
So im Groben lief es ab.
Und dann mein Umfeld. Ich bekam Schulterklopfen. "Wie gut, dass du da noch bist. Wie gut, dass du ein Auge auf ihn hast. Wie gut, dass du noch sorgst, wo wäre er denn sonst. Wie gut, dass du es aushälst. Wie gut, dass er dich hat." So in etwa. Das machte mich stolz, denn was wäre er wohl ohne mich? Wie toll bin ich, das Alles aushalten zu können! Ich holte mir ja so meine Streicheleinheiten. Und strengte mich noch mehr an und ich fühlte mich noch mehr schlecht, denn er wollte ja saufen...und ich konnte nix, aber auch garnix dagegen tun! Auf der einen Seite wurde ich also durch diese Streicheleinheiten festgenagelt, an meine "Eheverpflichtung" erinnert und gebunden. Ich fühlte mich bestätigt und verstanden, aber für mich ist dadurch garnix passiert. Nur, dass ich sah, wie ich immer mehr und immer schneller scheiterte in meinen Bemühungen. Wie mein Körper immer kränker wurde. Wie ich immer bissiger, verkniffener durch die Welt rannte. Wie ich so garnix mehr genießen konnte, weil ich ja ständig aufpassen und Angst haben musste.
Geholfen hat mir mein Tiefpunkt. Da warf ich alle Streicheleinheiten über Bord und sagte:"Jetzt ist's genug, ich haue ab!" Es war mir egal, irgendwie würde ich es schaffen. Und das habe ich
! Ich wollte nur noch leben, Frieden haben, diesen Druck loswerden und diesen ungeheueren Schmerz.
Und da hat mir geholfen, dass ich mich auseinander setzte, voller Ernst und voller neu erwachendem Lebensmut. Ich habe dieses Forum gefunden und damit Menschen, die mir Spiegel vorgehalten haben. Die sich auseinander gesetzt haben mit mir und die wussten, wovon ich sprach. Die mir manches Ding hingeworfen haben, wo ich darauf rumzukauen hatte. Und nachzudenken. Zwischendurch gab es Streicheln und Mut Machen, aber genauso auch Kritik. Die ich annehmen konnte, denn ich merkte ja, dass mir damit tatsächlich geholfen war! Ich wurde aktiv!
Mein altes Umfeld verstand mich nicht mehr, dauernd wollten mich diese Menschen zurückholen in das alte Leben. Das war schwierig, diese Auseinandersetzungen, aber äußerst produktiv! Und schlussendlich erfolgreich für mich, nämlich, sie haben es nicht geschafft! Und mein neues Leben wird nun immer mehr selbstverständlich und akzeptiert!
Mein Motto war und ist: Leben, Lachen, Lieben...
Das ging nicht mit Exmänne im Alkoholrausch. Ich bin gegangen und seither ist er trocken...
Ich habe mir sehr viele Gedanken auch darum gemacht. Er ist trocken ohne mich. Ich hatte mir es während der Ehe tausendmal gewünscht. Als es endlich soweit war, war zu vieles kaputt in mir, was eine Beziehung hätte wieder aufleben lassen können. Na ja, da bin ich ja lange genug noch rumgeeiert
, mein Tagebuch im Geschlossenen ist ja gut gefüllt damit...
Aber Fakt ist: Irgendwann war mir klar, wenn ich leben will, muss ich selbst was machen, auch wenn es hart ist! Da nützt kein Rumgestreichel! Zwischendurch ein Kraftpäckchen oder ein Drücker, das ist was Tolles! Aber mit ausschließlich Drückern wäre ich nicht weit gekommen...
So, lieber Hartmut, das fiel mir nun so bei meiner ersten Tasse Kaffee heute morgen ein
. In großen Zügen war es so bei mir! Und ich bin auch deiner Meinung, mit "wiwi" und "dudu" und "achach" kann nichts passieren! Passieren kann nur etwas, wenn ich für mich aktiv werde, wenn ich mein Leben endlich in die Hand nehme und dem anderen Menschen, dem "eigenen" Alki seine Verantwortung überlasse!
Die Aurora