Beiträge von Aurora

    Hallo Eshadan,

    ich hatte auch immer viele Ängste um meinen ersten Mann. Was ihm im Suff so passieren könnte. Dafür habe ich mich mehr und mehr eingeschränkt.

    Ja, ihm kann was passieren. Aber du wirst das, wenn es so sein soll, nicht verhindern können. Es liegt außerhalb deiner Kontrolle. Du weißt das ja. Wovor genau hast du denn Angst? Kannst du das beschreiben? Oder ist es eher eine diffuse Angst.

    Dass du in unserer Selbsthilfegruppe gelandet bist, ist gut. Denn jetzt bist du nicht mehr ganz alleine.

    Liebe Grüße Aurora

    Hallo,

    und hey Lolli, das ist so toll, das zu lesen. Optimismus und Lebensfreude sind echt sehr gute Wegbegleiter und machen so manches einfacher. Und vor allem, du und die Kinder bewegt euch und habt eine neue Perspektive. Das gibt das gute Gefühl, dass du dein, euer Leben in der Hand hast.

    An etwas festhalten macht unfrei, loslassen bedeutet, ich habe meine Hände wieder frei um etwas Neues anzunehmen.

    Aurora

    Hallo,

    es ist das unglaubliche Gefühl von Hilflosigkeit, von Kontrollverlust. Du hast alles gegeben und nichts führt zu dem gewünschten Ergebnis. Das ist Stress, dann Aggression, Trauer... einfach eine große Palette an verschiedenen Emotionen.

    Bis ich endlich begriffen hatte, dass ich garnicht hilflos bin. Seiner Sucht gegenüber ja aber nicht mir gegenüber. Ich konnte und durfte mir selbst helfen, meinen inneren Ritter aktivieren um mich da rauszuholen.

    Liebe Grüße Aurora

    Hallo Schokokeks,

    du schreibst:

    Mich belastet, dass mich seine Sucht mehr belastet als ihn. Ihm geht es augenscheinlich gut damit.

    Im Prinzip ist es tatsächlich so. Die Angehörigen, in dem Fall eben du, kreisen um den Abhängigen. Machen, tun, sorgen sich, ärgern sich. Und der Abhängige sitzt in der ruhigen Mitte des Strudels und trinkt.

    Ich hab mir auch immer gewünscht, dass jemand von außen, eine neutrale Person zum Beispiel, was merkt und ihn drauf anspricht. Sein Arzt zum Beispiel. Oder er bei einer Trunkenheitsfahrt erwischt wird. Irgendwie sowas. Und ich war am Schluss so sehr wütend und verzweifelt dass ich Dinge gemacht habe, für die ich mich heute noch schäme.

    Zum Beispiel habe ich ihm mal morgens kaltes Wasser über den Kopf gegossen damit er endlich aufsteht. Oder ich habe schlimme Dinge zu ihm gesagt. Das war so entwürdigend. Einmal für mich aber auch für ihn.

    Diese Hilflosigkeit seiner Sucht gegenüber und das, was er auch mir gegenüber getan hat an psychischer Gewalt hat in mir echt dunkle Seiten geweckt. Das war echt schlimm für mich.

    Liebe Grüße Aurora

    Hallo,

    liebe Lolli, im Juni hatte ich meine Wohnung, im Juli bin ich 49 geworden. Mit meinem 2. Mann bin ich zusammengekommen als ich gerade 50 geworden war.

    Es ist nie zu spät um etwas zu verändern. Mit 50 hatte ich Schmetterlinge im Bauch, das hat sich genauso gut angefühlt wie damals mit 16. Und ich lebe ja noch und da möchte ich auch was von haben. Für dich hält das Leben auch noch viel bereit. Nach jedem Tief kommt ein Hoch.

    Aurora

    Hallo und herzlich willkommen Schokokeks,

    Kann und will man mit einem Alkoholiker dauerhaft zusammen sein?

    Ersetze in diesmal Satz mal das " man" mit "ich"...

    Denn darum geht es schlussendlich ja.

    Das Zusammenleben mit einem Abhängigen ist sehr anstrengend. Es sei denn, du kannst dich total abgrenzen. Ich konnte das nicht, es ging ja um meinen Mann und auch um die Auswirkungen auf unsere gemeinsamen Kinder. Um einen guten Alltag, Zusammenhalt, Liebe, Toleranz und Achtung voreinander. Das war immer weniger möglich, die Sucht bestimmte mehr und mehr ihn und das wirkte sich auch auf mich aus.

    Da waren viele Emotionen im Spiel. Denn ich wollte erstmal ein normal funktionierendes Zusammensein erhalten und mein erster Mann war mir als Mensch ja auch nicht egal.

    Er veränderte sich immer mehr was unser Zusammenleben stark beeinflusst hat. Er wurde unzuverlässig und immer gehässiger mir gegenüber. Und ich wurde immer gestresster, wütender, erschöpfter...

    Für mich kam nur eine Trennung in Frage damit ich wieder ein gutes, zufriedenes und ausgefülltes Leben haben konnte. Mit einem abhängig Trinkenden hätte ich das nicht erreicht. Ich wäre mit ihm zusammen untergegangen.

    Liebe Grüße Aurora

    Hallo Tulpe,

    Ich weiss nicht wo ich anfangen soll, wie ich welchen Schritt machen soll.

    Du hast ja schon angefangen, den ersten und wichtigen Schritt gemacht. Du hast dich hier angemeldet um dich mit anderen Mitbetroffenen, Coabhängigen auszutauschen.

    Du kannst einen Anwalt zu Rate ziehen, was im Falle einer Trennung an Rechten und Pflichten auf dich zukäme. Das hab ich zum Beispiel so gemacht und diese Informationen haben mir sehr geholfen, meinen weiteren Weg planen zu können. Es hat mir Sicherheit gegeben.

    Liebe Grüße Aurora

    Hallo Luffi,

    es ist ja wirklich so. Die Angehörigen kreisen um den Alkoholiker. Machen sich Sorgen, sorgen für ihn wenn er immer weniger auf die Reihe bekommt, reden, zanken, er ist immer im Fokus.

    Und er sitzt in der Mitte und trinkt in Ruhe weiter.

    Und die Angehörigen, Mitbetroffenen, verausgaben sich im schlimmsten Fall bis zur Selbstaufgabe. Und werden ganz, ganz oft nicht gesehen. Zum Teil aber auch deshalb weil sie sich schämen und nach außen die heile Welt aufrecht erhalten.

    Aus diesem Umkreisen, aus dem Strudel auszusteigen ist schwierig. Der ist ja wie ein Sog, so wie in diesen Strömungskanälen im Schwimmbad. Es ist schwer aber nicht unmöglich.

    Ja, du hast schon viel erkannt, Fortschritte gemacht. Und darauf kannst du echt stolz sein 🙂.

    Liebe Grüße Aurora

    Hallo Luffi,

    Aber da gibt's niemanden... ich muss alles allein schaffen.

    Echt, genau so waren damals auch meine Gedanken. "Ich muss alles alleine schaffen, es steht niemand hinter mir, keiner, der mich mal auffängt".

    Da habe ich mich so richtig in eine passive Opferrolle fallen lassen. Denn es war so, dass ich auch niemanden um Unterstützung gebeten hatte, nach außen immer die Starke gewesen bin, mir nicht habe anmerken lassen, was wirklich in und mit mir los war. Ich habe immer gedacht, mein Umfeld müsste es doch sehen, wie schlecht es mir geht. Mir helfen, mich da rausholen.

    Ich weiß nicht ob es bei dir auch so ist gerade aber das was du schreibst erinnert mich sehr stark an diese Gefühle, die ich hatte.

    Das wurde dann sehr schnell besser als ich aktiv geworden bin. Mir Hilfe gesucht habe. Mehr und mehr auf mich geachtet habe. An meinen freien Tagen ( ich war da Teilzeit beschäftigt) was für mich unternommen habe.

    Vielleicht gibt es ja Möglichkeiten, Dinge, die du für dich tun kannst auch wenn du krankgeschrieben bist. Du musst ja nicht dauernd bei deinem Mann hocken. Vielleicht hast du in deinem Zuhause eine kleine Ecke nur für dich. In der du lesen kannst, dich ausruhen kannst. Ich hab damals ganz viel Musik über Kopfhörer gehört. Durch die Kopfhörer war ich sozusagen für mich.

    Du hast selbst eine Erkrankung, nimm dich ernst damit. Du bist wichtig.

    Liebe Grüße Aurora

    Hallo,

    ganz, ganz lieben Dank für die Wertschätzung, die ihr für mich habt. Das bedeutet mir so unglaublich viel. Es zeigt mir, dass ich etwas bewirken kann. Denn das möchte ich.

    Nun ist es nicht nur eine besondere Leistung, sich heute noch mit diesem Thema auseinanderzusetzen.

    Ich sehe das nicht als besondere Leistung. Es ist mir eher ein Anliegen für ein Thema dazusein, das noch immer eher vernachlässigt wird. Keine oder viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommt.

    Für Alkoholiker, Abhängige anderer Drogen oder süchtiger Verhaltensweisen gibt es schon viele Anlaufstellen. Alkoholismus ist, zurecht, inzwischen eine anerkannte Erkrankung. Aber die Angehörigen, die Partner und vor allem die Kinder fallen oft noch immer hinten runter.

    Coabhängigkeit, das Zusammenleben mit einem abhängigen Menschen macht so viel mit einem Partner, mit den Kindern. Emotional, körperlich. Auf allen Ebenen.

    Diese Möglichkeit, die das Forum bietet, sich auszutauschen, mit Menschen in den Austausch gehen zu können die nicht mit irgendwelchen lockeren Tipps um sich werfen sondern aus eigenem Erleben berichten, das empfinde ich als so wichtig. Sagen zu können, " ich weiß, wie es sich anfühlt" kann in jemanden Welten bewegen.

    Wenn ich hier was mitteile, sei es in meinem eigenen Thread hier oder bei den Menschen, die noch in diesem System drinnen sind, dann teile ich meine eigene Erfahrung mit, das, was ich hier von anderen erfahren habe, das, was mir selbst geholfen hat.

    Und das machen auch alle anderen Mitglieder, die hier in den Austausch gehen. Das ist unglaublich toll. Das stößt was an in Menschen, kann etwas bewirken. Kann Selbsthilfe aktivieren, Mut machen, Wege zeigen. Und deshalb bin ich noch immer hier.

    Ich hab hier viel gelernt, für mich ändern und unglaublich verbessern können. Noch immer. Das ist, glaube ich, ein lebenslanger Prozess. Ich bin für mich hier und für Menschen, die an meinem Weg Anteil nehmen möchten und Mut daraus ziehen können.

    So, das war das Wort zum Sonntag. 😅😉

    Aurora

    Hallo,

    zuerst mal danke an euch alle, für die vielen Herzen und die lieben Worte. Das ist echt schön ❤️.

    Was wären für dich rückblickend die größten, wenn auch kleinen Erkenntnisse?

    Puh, ich hab echt überlegt. Ich kann das garnicht ganz genau sagen. Es war eine Ent-wicklung. Jeder neue Schritt bewirkte was und machte mich sicherer.

    Die erste Erkenntnis war, dass ich keine Schuld an seinem Trinken hatte. Denn das hatte er mir ja immer wieder jahrelang eingeredet. Wer von uns Cos kennt das nicht...

    Das war eine riesige Entlastung.

    Dann die Erkenntnis, dass ich durchaus alleine zurecht kommen kann und werde. Ich diesen vermeintlichen Makel einer gescheiterten Ehefrau nicht mehr als solchen empfand.

    Es wurde mir klar, dass ich das Recht auf Glück habe. Ich DARF glücklich sein auch wenn ich ihn seinem Schicksal überlasse. Denn er ist ein erwachsener Mensch und hat alle Möglichkeiten und das Recht, sein Leben nach seinen Vorstellungen einzurichten. Dazu braucht er mich nicht, ich bin nicht zuständig, nicht verantwortlich.

    Ich darf Grenzen setzen. Nein sagen. Das Leben genießen. Den Fokus auf MICH legen. Ich habe einen Wert und Würde und darf das verteidigen.

    Das ist mir jetzt so eingefallen. Erstmal.

    Aurora

    Hey,

    heute vor 18 Jahren habe ich mich hier angemeldet. Voll entschlossen, endlich was für mich zu tun. Mein Fädchen hier hab ich ein paar Tage später angefangen, ich hatte mich vor lauter Aufregung bei meiner email- Adresse vertippt und deshalb konnte mir der damalige Forenbetreiber den Freischaltungslink nicht schicken.

    Ich hab es dann nochmal probiert und voilà, da war ich. Und bin ich immernoch.

    Was dann daraus geworden ist, ist einfach unglaublich. Als ich die ersten Beiträge bekam hab ich geweint. Endlich waren da Menschen die wussten, wovon ich schrieb. Dass sie bestätigten, dass meine Wahrnehmungen richtig waren. Das war so unfassbar gut, hat mir Mut gemacht für meinen Weg. Dass ich hier sogar mal zu einem zweiten Mann kommen würde hätte ich nicht gedacht. Aber das ist tatsächlich auch noch passiert.

    Ich bin noch immer hier weil ich weiß wie gut es ist, verstanden zu werden. Zu sehen, dass Menschen genauso empfunden haben wie ich, dass sie wussten, wovon ich hier schrieb. Es war gut, Anregungen zu bekommen, Mut zu schöpfen, Wege zu sehen. Ich habe neue Freunde gefunden und mein Leben neu entdeckt.

    Aurora

    Hallo Marilyn,

    Alkohol wirkt auf allen Bereichen des Körpers. Und da verändert sich auch was im Gehirn, der Abhängige verändert sich auch in seiner Persönlichkeit. Da kommen auch Anteile zum Vorschein, die vorher vielleicht nicht so sichtbar waren. Alkohol enthemmt.

    Als würde man dem Tod auf mehreren Ebenen bei seiner Arbeit zusehen.

    Das ist das Schlimme daran. Denn solange der Abhängige trinkt, macht er sich kaputt. Ich sage da, es ist ein langsamer Selbstmord.

    Und dabei zuzusehen löst eben beim Angehörigen, bei dir, viele verschiedene Dinge aus. Weil einfach immer mehr aufhört zu funktionieren, was ein soziales Miteinander bedeutet und einen körperlichen und geistigen Verfall bedeutet.

    Das ist so schwer und das Umfeld leidet mit darunter. Bei mir war das mit einer der Gründe, dass ich mich trennen konnte. Ich hatte in meinem familiären Umfeld gesehen, was es bedeutet, dazubleiben. Ich hatte 3 Tanten, die das mitgemacht haben. Und irgendwann ist mir bewusst geworden dass ich auf dem Weg dahin waren, so wie sie zu werden.

    Diese Vorstellung, die Dinge, die ich da so oft gesehen hatte, waren echt schlimm. Meine Tanten waren mindestens genauso kaputt wie die Onkel.

    Gibt es noch irgendwo in diesem Körper den Menschen, der er mal war? Oder ist er jetzt für immer dieses gefühllose, toxische und machohafte?

    Bei meinem Mann war es so, dass er dann nüchtern auch eher so drauf war wie zu Trinkerzeiten. Es war einfach seine Persönlichkeit. Aber das muss nicht zwangsläufig bei allen so sein. Es nutzt dir jetzt bloß garnichts, darüber nachzudenken. Denn es sieht ja nicht so aus, dass er nüchtern werden will.

    Liebe Grüße Aurora