Beiträge von Aurora

    Hallo Cardiaca,

    Ich habe große Angst um seine Gesundheit und um unsere Beziehung. Gerne möchte ich einen gangbaren Weg für uns finden. Ich weiß nur nicht wie?

    Zudem wünsche ich mir Tipps zum Umgang mit meinem Partner. Wie widerstehe ich dem Drang, erneut Alkohol-Polizei zu spielen? Wie schaffe ich es, seine Sucht zu akzeptieren?

    Ich weiß nicht, wie ein guter Umgang mit einem abhängigen Menschen funktionieren kann. Ich hab selbst über 20 Jahre lang mit einem verbracht. Und hab mich selbst dabei aufgegeben weil ich ihn " heilen" wollte. Weil sein Konsum immer schlimmer wurde. Und ich Angst um seine Gesundheit hatte. Mein Lebensfeld wurde immer eingeschränkter, anstrengender.

    Die Sucht zu akzeptieren ist hilfreich. Zu verstehen, wie funktioniert Sucht, was passiert da im Gehirn und was macht das mit dem Menschen. Da ist dann aber Schluss. Denn eine Änderung geht nur, wenn der oder die Süchtige es von sich aus aus tiefstem Herzen will.

    Akzeptieren heißt also, ich akzeptiere, dass sich der oder die Süchtige langsam aber sicher suizidiert, immer unfähiger wird am Leben teilzuhaben, immer hilfebedürftiger wird. Krank wird, z. B. die Leber, das Herz, Gehirn, ja alles in Mitleidenschaft gezogen wird. Es passieren Stürze, Wahnvorstellungen etc. Mal ganz grob gesagt.

    Und du bist machtlos. Du kannst nichts dagegen machen. Ich stelle es mir unmöglich vor, so Zusammenleben zu können, immer den Abgrund vor Augen, ohne dass ich davon betroffen bin. Mich abgrenzen kann und es mir egal ist.

    Ich selbst hab mich nach 26 Jahren getrennt. Weil ich es nicht mehr ausgehalten habe, kaputt war. Ich war coabhängig, das heißt, ich habe versucht, ihm zu helfen, das Leben aufrecht zu halten, alles am Laufen zu halten. Dazu kamen dann noch die psychischen Verletzungen durch meinen ersten Mann.

    Und mein erster Mann veränderte sich immer mehr. War er doch mal ein ruhiger, sensibler Mann gewesen, kam mit Zunahme des Alkohols eine, seine andere Seite zum Vorschein. Für ihn drehte sich alles nur noch um die Befriedigung seiner Sucht. Sucht funktioniert so, leider. Dahinter verschwindet ALLES. Auch ich und unsere Kinder sind dadurch " verschwunden".

    Er war immer weniger in der Lage, am gemeinsamen Leben teilzunehmen. Und ich war immer dabei ihm helfen zu wollen, zu unterstützen, zu sorgen. Alles aufrecht zu halten.

    Ich sah ihm quasi dabei zu, wie er langsam aber sicher immer mehr verfiel und sich zugrunde richtete. Darüber vergaß ich mein eigenes Leben, wurde mehr und mehr erschöpft, war im Dauerstress und unter Dauerangst. Ich weiß bis heute nicht wie es gehen soll, das nicht zu sein. Im Zusammenleben mit einem Abhängigen. Immer vor Augen das langsame Sterben des Süchtigen, der keine Einsicht hatte aufzuhören, der keine Hilfe wollte.

    Das ist meine Erfahrung mit diesem Thema.

    Lieber Gruß Aurora

    Hallo BuyMyselfFlowers,

    ich kenne diese " red flags" auch.

    Mir ist erst in den letzten 2/3 Jahren vor der Trennung von ihm bewusst geworden, was da schon am Anfang abgegangen war. Mein erster Mann war sehr sensibel und laut seiner Mutter " nicht so belastbar, der Arme". Da hab ich, wenn er abends so tief geschlafen hat gedacht, er wäre so erschöpft. Ich hab ihn dann nicht wachbekommen.

    Oder auf Feiern, da war er oft schon nach kurzer Zeit so betrunken, dass er nicht ansprechbar war. Alles sowas.

    Er hatte Ende der 80er Jahre eine Gehirnblutung, musste, weil er dabei oder dadurch kurzfristig epileptischen Anfälle gehabt hatte, Medikamente nehmen. Da dachte ich, es käme davon. Dieses " Benebeltsein". Das erzählte er mir dann auch immer so. Bis ich merkte, er trank trotz dieser Medis. Das hat sehr große Angst in mir ausgelöst. Und Wut.

    Dass du einen guten Freundeskreis hast ist echt klasse.

    Liebe Grüße Aurora

    Hallo Jump,

    Aber für mich selbst war das jetzt genau richtig so und hat das getroffen was in mir war.

    Für mich war es das auch. Es hat mir ganz viel klargemacht, was mir immer komisch vorkam. An meinem Leben als Co aber auch jetzt im Zusammenleben mit einem Partner im abstinenten Leben.

    Denn meine Persönlichkeit ist so, wie sie ist. Ich kann da achtsam mit mir umgehen um nicht zu übertreiben. Und das mache ich auch. Aber sie war nicht der einzige Grund, warum ich so lange coabhängig gelebt habe. Sie hat das ein Stück weit begünstigt aber ich bin deshalb nicht falsch. Ich fühle mich jetzt ein Stück weit ganz, als Gegenteil von kaputt, verkehrt oder so.

    Das war jetzt Hilfe zur Selbsthilfe, für mich.

    Liebe Grüße Aurora

    Hallo Jump,

    danke für deine tollen Beiträge. Ich erkenne da sehr viel für mich und über mich.

    Gerade das Verhalten und die Folgen von Dauerstress, das ist genau das, was ich erlebt habe. Die Folgen davon habe ich heute noch. Die sind jetzt pathologisch bei mir.

    Ich denke, da hängt dann meine Prägung nach dem alten Frauenbild noch mit dran, es kommt eins zum anderen. Dass ich eine Persönlichkeitsstörung habe, habe ich nie so empfunden. Und auch in meiner Therapie war das kein Thema.

    Liebe Grüße Aurora

    Hallo Haar,

    alles Gute zur Wohnung, klasse, dass du den Absprung geschafft hast.

    Mein erster Mann, der ja mit meinem Auszug damals nüchtern wurde, hat auch immer gesagt: "na, wir leisten uns jetzt 2 Wohnungen, wenn du dich beruhigt hast, kommst du ja wieder..."

    Aber ich hab immer mehr gemerkt, dass ich das nicht wollte. Er war auch nüchtern nicht mehr mein Traumprinz, der er am Anfang mal war.

    Liebe Grüße Aurora

    Hallo,

    danke für die Urlaubswünsche 😊.

    Ich hole ab und an mein gutes, altes Fädchen hier hoch. Ich kann von mir sagen, dass ich mich ganz gut rausgeholt habe aus dem Co-Leben. Meine Persönlichkeit ist noch immer eher so dass ich gerne helfe, es harmonisch mag usw. Aber ich sehe zu, dass es in guten Grenzen bleibt und ich nicht wieder abtauche.

    Gelingt mir meistens gut aber ab und an übertreibe ich doch noch mit meiner Gutmütigkeit und meinem "Muddi-Sein". Wie gut dass ich meinen zweiten Mann habe, mit dem ich dann reden kann und der mich runterholt. Mich auch mal aufmerksam macht, wenn ich mal wieder übertreibe. Das ist aber dann auch nicht mehr diese Art der Coabhängigkeit wie in meiner ersten Ehe.

    Wenn der Partner süchtig ist, ist es nochmal anders, finde ich. Weil der Süchtige noch andere Seiten anspricht. Dieses gefühlt Bedürftige, Hilflose in der Sucht. Die Verantwortung, die übernommen wird, die Verletzungen, die ich hingenommen habe, dieses Hin und Her zwischen Hoffnung, Angst, Hilflosigkeit und der Zwang, dass ich alles gut machen muss. Dieses grenzenlose Aufopfern um jeden Preis. Das ist nicht mehr da.

    Denn ich lebe in einem trockenen Umfeld. Einen nassen Partner kann ich nicht haben, ich wäre da sonst nie rausbekommen, glaube ich.

    Und darum schreibe ich hier noch. Um Mut zu machen, meine Erfahrung zu teilen. Ich hab mal gedacht, damals, ich hätte eben nichts anderes verdient und kann froh sein, überhaupt einen Mann zu haben. Heute weiß ich, dass das Bullshit war. Jeder hat ein gutes Leben verdient. Ich genauso wie alle anderen.

    Aurora

    Hallo,

    ich mach einfach mal " piep" .

    Nächste Woche fahre ich mit meiner lieben Freundin Morgenrot in den Urlaub. Das habe ich auch bitter nötig, mal bisschen Abstand vom Alltagswahnsinn. Unsere Enkelin wohnt ja bei uns, inzwischen seit fast 2 Jahren, wobei sie anfangs ja zwischendurch noch immer wieder für kurze Zeit bei ihrem Vater und ihrer bösen Stiefmutter gewohnt hat.

    In 12 Tagen wird sie 16. Aus der kleinen Erbse ist ein super Teenie geworden :). Meine Tochter wäre sooo stolz auf sie.

    Ist aber auch zwischendurch recht anstrengend, denn Pubertät gibt es auch bei super Teenies. Und da denke ich schon auch, dass ich eigentlich keinen Bock mehr auf Drama habe.

    Also hau ich mal ab und lasse den großen, bösen Dante mit der Enkelin alleine wurschteln. Die können das nämlich ganz gut. Und ich weiß, dass ich mich auf meinen Mann verlassen kann. Die Zeiten der ersten Ehe sind vorbei, in denen ich, als ich mal bei einem beruflichen Seminar war, Anrufe von der Tochter bekam, was da mit dem Vater los war.

    Der hat, die meckernde Ehefrau war ja weit weg, sich die Kante gegeben. Sich der Sucht hingegeben. Kinder hin oder her. Die waren zu diesem Zeitpunkt schon ca 15 und 18. Trotzdem waren sie am Boden zerstört. Wenn ich daran denke mache ich mir heute, nach über 20 Jahren, noch ab und an Vorwürfe. Dass ich nicht eher die Reißleine gezogen hatte.

    Aber - es ist Vergangenheit und lässt sich nicht mehr ändern. Nur für die Zukunft besser machen. Und das tu ich. Auch Sohn hat inzwischen seinen Frieden gemacht, glaube ich. Er hat schon zu knabbern gehabt, lange Zeit. Ich denke, nicht mal bewusst. Das ist ja oft so. Aber inzwischen ist ein prima Mann aus ihm geworden.

    Aurora

    Hallo marsi,

    Es ist wie allgemein ein hin und hergerissen sein.
    Manchmal fehlt er mir auch und das obwohl wir zusammen wohnen. Dann gibts Situationen wo er da ist, und ich mir aber insgeheim wünsche dass er weg wäre und mich in Ruhe lässt. Kann das gar nicht richtig erklären.

    Das ist wie Achterbahn fahren. Ich hab es ähnlich erlebt. Als ich an dem Punkt war an dem ich wusste, dass ich mich trennen werde.

    Bei mir war es so:

    Das ist ja auch so, mit einem Bein stehst du im neuen Leben. Was auch irgendwie noch beängstigend ist da es noch ungewohnt ist. Und du nicht weißt, wo es hinführt. Und mir ging es auch so, dass ich Angst hatte, dass ich einen Fehler machte und die Konsequenzen tragen müsste.

    Das andere Bein steht noch im alten Leben und da ist auch noch Hoffnung. Gewohnheit. Emotionen, der Mensch ist einem ja nicht egal. Aber andererseits kann es sooo auch nicht weitergehen.

    Wichtig ist es, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Mein Ziel war, dass ich endlich in Ruhe, angstfrei und ohne Demütigungen leben wollte. Leben wollte, einfach leben. Ohne diesen Verfall sehen zu müssen an dem ich nichts ändern konnte.

    Das bedeutete diese Ambivalenz auszuhalten und weiterzugehen. Und irgendwann waren beide Beine im neuen Leben und ich angekommen.

    Liebe Grüße Aurora

    Genau! Und ich merke, dass ich die Beiträge der ehemaligen Alkoholiker förmlich aufsauge, weil es mir insbesondere hilft zu verstehen, dass all das, was passiert ist, rein GAR NIX mit mir zu tun hat.

    Ja, so ist es mir am Anfang auch gegangen. Das hat mich sehr erleichtert. Und es war auch für das Loslassen einfacher. Zu verstehen, dass ich rein garnix tun kann und das nicht an mir liegt sondern an dem Wesen der Sucht.

    Liebe Grüße Aurora

    Hallo und willkommen Wieb,

    ohje, da kommt es ja wie ein Wasserfall aus dir raus...

    Dein Mann wird weiter trinken, egal, was du machst. Das weißt du ja auch. Somit kannst du im Grunde genommen einen Haken daran setzen.

    Es geht einzig und alleine darum, was DU für DICH machen kannst. Bisher hast du nur aufgezählt warum eine Trennung NICHT geht. Das habe ich auch mal so gemacht. Aber komm mal in Ruhe hier in unserer Selbsthilfegruppe an und du wirst sehen, dass der Austausch mit anderen Coabhängigen da ganz schön was bewegen kann.

    Liebe Grüße Aurora

    Hallo Vayana,

    zuerst wünsche ich dir gute Besserung.

    Als ich in meiner ersten Ehe feststecken, war ich auch oft krank. Stress, und diese Ehe war Stress pur, macht was mit dem Immunsystem.

    Diese Aufs und Abs sind sehr anstrengend. Immer wieder Hoffnung gepaart mit Misstrauen. Denn im Grunde genommen weißt du, was Sache ist. Ich wusste es jedenfalls ab einem bestimmten Zeitpunkt. Und habe immer gedacht, ich mach bald mal was. Darüber verging wieder eine Zeit. Da war ich auch noch eine Schildkröte...

    Es ist einfach gesagt, mach mal hopphopp, fang endlich an loszulegen. Klar, irgendwann geht es auch nicht mehr anders. Ich wünsche dir, dass du bald an diesem Punkt ankommst. Aber nun werde erstmal gesund. Das ist die Hauptsache.

    Liebe Grüße Aurora

    Hallo Ich,

    die Schuld stell mal schnell in die Ecke.

    Du hast an nix schuld. Er war, wie du am Anfang mal geschrieben hast, in mehreren Suchtkliniken. Da hat er bestimmt erfahren, was er tun kann. An wen er sich wenden kann. Wenn er es denn will.

    Er ist erwachsen. Es gibt viele Hilfsangebote für Alkoholiker. Hingehen muss er selbst. Da hast du nichts mit zu tun, er muss es selbst machen.

    Lieber Gruß Aurora

    Hallo sternwarte,

    ich stimme Lanananana zu.

    Ich hatte meinem ersten Mann viele Chancen gegeben. Er wollte und konnte aber nicht aufhören zu trinken. Im Grunde genommen kannst du sonstwas machen, er wird erst aufhören, wenn ER das will. Keine Sekunde eher.

    Aus der Coabhängigkeit rauskommen konnte ich als ich begriffen habe, dass ich nichts für ihn tun konnte . Ihn nicht verändern konnte . Sondern dass einzig und alleine eine Änderung nur für mich selbst ging . Als ich verstanden habe, dass mein Leben wieder für mich selbst lebenswert sein sollte. Und dass ich schon viel zu lange auf die guten Seiten des Lebens verzichtet hatte.

    Um ihn zu retten. Was eben sinnlos war weil er nicht gerettet werden wollte.

    Mit ihm zusammen konnte ich nicht loskommen von der Coabhängigkeit. Ich hing viel zu sehr an ihm dran.

    Es gibt viele Zeichen, dass er es schafft? Das nutzt bloß nix. Was zählt sind Taten.

    Das sind meine Erfahrungen dazu.

    Liebe Grüße Aurora