Hallo Ehefrau,
so, wie du dich gerade fühlst, habe ich das in meiner ersten Ehe soooo oft auch gehabt.
Es ist dieses Hin- und Hergezerre zwischen Hoffnung und Ent-täuschung. Immer und immer wieder. Mein Exmann hatte all die Jahre keine Entzugstherapie oder so gehabt aber eben immer wieder diese Trinkpausen. Wie das so üblich ist.
Und jedes Mal hab ich dann gehofft dass endlich alles gut wird. Und so läuft wie ich es brauche. Denn ich wollte mich ja nicht bewegen sondern mein Leben so weiterführen, wie ich das für mich gedacht hatte. Mit ihm aber ohne Alkohol.
Genau das ist ein Teil dieser verdammten Coabhängigkeit. Dieses Wechselspiel Hoffnung/ Enttäuschung. Und bei mir war dann auch Schuld und Scham und Abwertung, dass ich es nicht geschafft hatte ihn zu überzeugen, wie gut doch ein Leben ohne Alkohol ist. Und ich ihm wohl nicht Wert gewesen war, dass er mir zuliebe aufhörte.
Dass es bei ihm Sucht war und mit mir garnix zu tun hatte, wusste ich nicht. Damals. Er hat es einfach nie geschafft seine Sucht zu begreifen und was zu ändern.
Also was folgt daraus... eines Tages stand ich heulend vor Mitleid mit mir selbst vor dem Spiegel. Und plötzlich dachte ich: hör auf zu jammern und auf den Ritter mit dem Schimmel zu warten, der dich retten soll. Den gibt's ja garnicht. Im Grunde genommen liegt dieser Held in mir selbst.
Ich kann nur mich retten. Da rausholen. Nur ich kann das. Es ist meine Entscheidung.
Das hat bei mir funktioniert und das kann es bei dir auch. Du brauchst dich nicht zu schämen sondern du kannst dich stolz hinstellen und dir sagen, dass du nun die Schnauze gestrichen voll hast von diesem ganzen Suchtstrudel. Du hast gegeben und gemacht, was du konntest und das war viel. Jetzt bist DU mal dran.
Ich verstehe dich echt gut. Denn ich hab genauso da dringehangen wie du. Rotzblasen geheult, mich geschämt, schlecht gefühlt. Aber als ich damit aufgehört habe und was für mich getan habe da ging es mir besser und besser. Inzwischen lebe ich wieder.
Liebe Grüße Aurora