Hallo Schratte,
du fühlst dich von vielen Einträgen hier missverstanden, angegriffen, so mein Empfinden. Vielleicht ist das ja falsch, aber ich empfinde es so.
Für mich ist Fakt, dass dich das Trinken deiner Frau beunruhigt und auch wütend macht. (Mal einfach ausgedrückt) Weil es das Leben (zer) stört, was du gerne haben möchtest. Du hast Sorge um sie. Du hast keine Lust, dein Leben aufzugeben bzw zu ändern, nur weil sie säuft. Das war und ist nicht dein Plan.
Ich habe es damals ähnlich erlebt und empfunden. Mein erster Mann war Bankkaufmann. Er ging schnieke und gestriegelt zur Arbeit und war dort auch beliebt. Auch bei den Kunden. Er war ruhig und freundlich dort. Und zuhause hat er die Sau rausgelassen. Im Laufe der Jahre wurde es zuhause immer schlimmer. Weil er irgendwann depressiv war, schwerbehindert durch eine Erkrankung, die nichts mit Alkohol zu tun hatte, wurde er in Erwerbsminderungsrente geschickt.
Und da ging es richtig ab dann.
Ich war wütend, auch zynisch, aggressiv, hilflos. Ich war völlig sauer weil er meine Lebensträume damit zerstört hat. Wir hatten alles, genug Geld, eine schöne Eigentumswohnung, 2 gesunde Kinder. Und er meinte saufen zu müssen. Und ich meinte ihn heilen zu müssen, damit mein Lebensplan weitergehen konnte.
Dass irgendwann keine Liebe für ihn mehr in mir war, hab ich ganz lange garnicht gemerkt. Ich war beschäftigt damit, ihn zum Aufhören zwingen zu wollen. Erfolglos.
Es hat viele Jahre gebraucht bis ich verstanden habe, dass ich ihn nicht ändern kann. Trennen wollte ich mich schon aber realisiert habe ich das nicht. Ich wollte meinen Lebensplan nicht aufgeben. Ich dachte doch, ich hätte irgendwann alles, vor allem ihn, wieder unter Kontrolle.
Irgendwann hab ich mich doch getrennt, es ging nicht mehr anders. Ich war physisch und psychisch ziemlich kaputt. Da war ich 48/ 49 Jahre alt. Und es ist mir mehr als schwer gefallen.
Ich verstehe sehr gut, dass es dir schwer fällt, was zu verändern. Inzwischen bin ich 65 und selbst Dinge im Alltag müssen für mich wie gewohnt ablaufen. Ich habe keine Lust mehr auf Lebensdramen. Obwohl ich leider trotzdem genug davon habe aber das hat nix mit Alkoholthematiken zu tun.
Ich konnte meinen ersten Mann irgendwann loslassen und ihn akzeptieren. Akzeptieren, dass er das Leben ohne Rausch anscheinend nicht schön fand. Er war ca 4 Jahre lang nach der Trennung sogar nüchtern. Fing dann aber wieder an und ist inzwischen daran verstorben. Vor knapp 5 Jahren, mit 64 Jahren...
Ich wollte das einfach mal hierlassen. Es ist leicht gesagt, " du musst dich trennen". Ich konnte das sehr viele Jahre leider nicht. Ich wünsche jedem und jeder hier, es schneller zu können, eher zu machen. Genauso wie ein Alkoholiker brauchte ich meinen Tiefpunkt und hab dadurch viele Jahre verschenkt. Aber wenn mir damals jemand was über meinen Mann gesagt hat, war ich stinksauer, fühlte mich angegriffen und als Opfer der Umstände. Einerseits habe ich schlecht über ihn geredet, andererseits habe ich nichts geändert
an der Situation. Hatte 1000 Gründe warum es nicht ging. Weil ich einfach auch Angst hatte. Weil ich mein "Revier" nicht aufgeben wollte. Weil ich mich schämte.
Ich habe jetzt hier eine Menge geschrieben, das war mir ein Anliegen. Ich bitte dich, das mit Respekt zu behandeln. Ich will dich weder angreifen noch verurteilen damit sondern einfach mal sagen, ich verstehe dich auf meine Art. Aber ich hab auch ein bisschen Hoffnung dabei, dass du Dinge, die hier geschrieben wurden, als eigene, leidvolle Erfahrungen verstehst. Und für dich Konsequenzen ziehen kannst.
Im Endeffekt kann aber niemand deinen Weg gehen. Du entscheidest, niemand sonst.
Lieber Gruß Aurora