Beiträge von Aurora

    Hallo kingjuliansmum,

    so ging es mir damals auch... ich habe aus Wut und Hilflosigkeit Dinge gemacht, für die ich mich sehr geschämt habe. Weil das Seiten an mir aufgezeigt hat, die ich nicht sehen wollte, nämlich zornige, brutale und gemeine Seiten. Die gehören ja auch zu jedem Menschen dazu, nur sind sie bei sehr vielen, auch bei mir, vergraben und werden nicht gebraucht. Damals war aber so viel Druck in mir, dass ich da nichts mehr unterdrücken konnte sondern eben auch diese gemeinen Seiten an mir raus kamen...

    kingjuliansmum, du kannst auch sehr gerne ein eigenes Thema eröffnen, in dem du über dich persönlich schreiben kannst, deine Gedanken und Sorgen und so. Du muss oben auf "Neues Thema" klicken und dir einen für dich passenden Titel überlegen. Und dann geht es los!

    Liebe Grüße
    Aurora

    Hallo,

    liebe Mira, ja, es ist einfach schlimm :( . Inzwischen durfte auch der Körper meines Exmannes sterben, sein Hirn war ja schon voraus gegangen. Ich denke sehr viel gerade an all die Zeiten der Ehe mit ihm. Anfänglich war es so toll und dann ging es immer mehr bergab :( . Von 2007 bis 2011 hat er ja mal nicht getrunken, dann hat er sich mit einem Bier "belohnt", weil der Tag so schön gewesen war. Das hat er mir damals so erzählt. Es war schon ein Schock für mich, als er plötzlich betrunken am Telefon war, nach dieser Zeit der Trockenheit. Damals hat ihm auch mein zweiter Mann Hilfe angeboten, er ist ja selbst trockener Alkoholiker und ausgebildeter betrieblicher Suchtkrankenhelfer. Mein Exmann hat die Hilfe nicht angenommen...

    In meinen Augen ist das so viel verschwendete Lebenszeit, aber ich bin da nicht maßgeblich. Mein Exmann hat es für sich so entschieden. Nun ist er hoffentlich bei all denen Menschen, die er geliebt hat und die ihm voraus gegangen sind... und ich hoffe, er hat endlich seinen Frieden gefunden.

    Aurora

    Hallo,

    seit gut 2 Wochen liegt mein Exmann im künstlichen Koma...
    Er hatte einen Herzinfarkt.

    Nun wird er nicht mehr wach, die Organe funktionieren wohl so weit aber sein Gehirn nicht mehr.

    Wieder ein Opfer der Sucht...

    Aurora

    Hallo Moony,

    ich hab nur den Beitrag von Correns gelöscht!

    Diese Hoffnung ist sooo blöd! Ich habe das ja auch so empfunden damals. Immer der Gedanke, dass er es jetzt endlich schafft aufzuhören. Er war dann immer so überzeugend... Und ich wollte es allzu gerne glauben weil ich meinen eigenen Traum an diese Beziehung und mein Leben mit ihm nicht aufgeben wollte. Weil ich meine Komfortzone nicht aufgeben wollte. Obwohl es wahrlich ja kein Komfort war, wie ich da gelebt habe.

    Zitat

    Ich wünschte mir nur er wäre irgendwo gut aufgehoben, dann würde es mir leichter fallen.

    Aha! Kenne ich... verdammte Falle! In der habe ich auch lange genug gesessen. Warum muss er "gut aufgehoben" sein? Er ist doch erwachsen und braucht keinen Babysitter! Das ist dieses Gefühl der Verantwortung, dass wir Cos oft haben. "Ohne mich geht er ganz unter", so in etwa. Aber diese Macht haben wir ja nicht, andere vor dem Untergang zu bewahren.
    Eher gehst du selbst unter... bist ja schon dabei. Denn wo ist dein Halt?

    Zitat

    Habe das GEfühl ich hab die Beziehung zum "normalen" Leben irgendwie verloren :(

    Und es ist auch ein Gefühl von Schuld, ihn "im Stich" zu lassen. Aber so ist das ja nicht! Wenn dir eine Beziehung nicht gut tut darfst du sie jederzeit beenden. Damit muss der Partner dann klar kommen und du hast keine Schuld in dem Sinne an seinen negativen Gefühlen. Es sind seine Gefühle und die darf und muss er selbst durchleben.

    Er manipuliert dich aber gerade sehr wunderbar, er drückt alle Knöpfe, die du hast. Damit du weiterhin für ihn funktionierst. Wie eine Marionette. Er ruft alle Gefühle in dir hervor, die dir ein Loslassen schwer machen sollen und das ja auch tun.

    Zitat

    Ich wünschte mir nur er wäre irgendwo gut aufgehoben

    Er nimmt keinerlei Rücksicht auf dich und deine Gefühle, auf dich als Person. Er misshandelt dich psychisch und physisch. Und du möchtest, dass er doch nur irgendwo gut aufgehoben ist? Warum eigentlich :roll: ? Das ist eine ernstgemeinte Frage.

    Liebe Grüße
    Aurora

    Hallo und willkommen Tini,

    er hat die Entgiftung nach so kurzer Zeit abgebrochen... das heißt, der Alkohol ist noch in ihm oder er macht gerade einen kalten Entzug.

    Zitat

    er will unter der Woche keinen Wein mehr trinken weil der ihn so runterhaut, nur noch Bier und weniger.

    Er will nicht trocken werden! Denn ob Bier oder Wein oder sonst was, Alkohol ist Alkohol! Auch wenn auf der Bierflasche weniger Promille drauf steht, im Endeffekt ist es das gleiche. Und was meinst du mit "seinen Tabletten"?

    Zitat

    Was kann ich noch tun? Ausser für mich selber Sorgen.

    Ganz ehrlich... nichts weiter...

    Liebe Grüße
    Aurora

    Liebe Yvonne,

    ach Mensch, lass dich drücken...

    Es ist so unglaublich schwierig, weil ja auch so unglaubliche Verletzungen bei dir sind. Das geht nicht auf Knopfdruck weg. Wie auch? Wäre klasse, wenn es sowas gäbe, solchen Knopf.

    Vielleicht kannst du aber nach dem großen Weinen versuchen, dir etwas Schönes zu machen. So aus Trotz? Ich meine, dein Ex vermasselt dir ja immer noch den Tag, wenn du in deinem Schmerz hängen bleibst. Was nicht heißen soll, dass der Schmerz nicht berechtigt ist! Ist er sehr wohl. Aber vielleicht siehst du eine Möglichkeit, ihn für einen Moment einfach mal beiseite zu schieben. Vielleicht kannst du einen schönen Kaffee trinken gehen. Dich in die Wanne legen und entspannen. Dir einfach was Gutes antun, etwas, was für dich in deiner Lebenssituation gut ist. Und wenn es nur für 15 Minuten ist, dann hast du schon etwas gewonnen. Ich finde, du bist eine starke Frau! Damit meine ich, du stellst dich deinen Gefühlen, lässt sie zu und doch gehst du nicht unter damit! Das ist gut, denn das ist er nicht wert.

    In einem anderen Thread hast du geschrieben:

    Zitat

    Also ich habe mich hier eingefunden, um mich auszuheulen, meine Geschichte zu jammern und dafür Verständnis einzuheimsen. Ja so war meine Stimmung damals, als ich mich hier angemeldet habe. Ich hatte auch die Hoffnung, daß man mir erklärt, wieso mein Mann so ist wie er ist....es gab hilfreichen Input. Heute jammere ich immernoch und lese viel vom Leid der Anderen. Viel helfen kann ich nicht, aber ich weiß wenigstens, daß ich nicht alleine und nicht bescheuert bin

    Genau das ist doch der Sinn der Selbsthilfe. Hier und überall. Und indem du das hier aufschreibst hilfst du auch schon anderen Menschen. Die vielleicht in einer ähnlichen Lage stecken wie du. Und die sehen, dass solche Gefühle normal sind und dass es aber auch Wege da heraus gibt. Denn du bist auf dem Weg da heraus. Und du hast ja auch schon sehr sinnvolle Beiträge bei anderen Menschen hier geschrieben, also gibst du damit auch was weiter! Ich finde es gut, dass du hier bist!

    Liebe Grüße
    Aurora

    Liebe Thalia,

    ich finde deinen Beitrag gerade sehr gut und er spricht mich richtig an!

    Ich denke es ist immer ähnlich. Egal in welcher Abhängigkeit oder Lebenslage ich stecke. Ich kann nur etwas ändern, wenn es wirklich aus mir selbst heraus kommt. Und dieser Zeitpunkt ist individuell, hängt von der Persönlichkeit eines Menschen ab.

    Ich kann da ja jetzt nur aus meiner eigenen Sicht und Erfahrung schreiben. Ich war ja wirklich sehr, sehr lange in der Coabhängigkeit. Habe mich regelrecht daran festgehalten. Das hatte verschiedene Gründe. Vor allem war es Angst und ein Pflichtgefühl, meine Prägung, weibliche Sozialisierung. Die Angst setzt sich dabei aus verschiedenen Ängsten zusammen, ist eine Art Oberbegriff.

    Im Laufe der Ehe-Jahre hatte sich da etwas entwickelt. Zuerst war es eine Unzufriedenheit in der Ehe, die ich mit verschiedenen Dingen kompensiert habe. Aus der Unzufriedenheit wurde mehr und mehr aber ich habe nichts dagegen unternommen. Ich bin gar nicht auf die Idee gekommen, dass ich da was ändern könnte. Für mich war es "normal" und bot mir trotz allem einen Rahmen, in dem ich leben wollte, an dem ich festhalten wollte. Irgendwie gab der mir ja Sicherheit.

    Die Situation wurde immer unerträglicher und Menschen sprachen mich ja darauf an bzw redete ich mit engen Freunden oder in der Familie darüber, beklagte mich, jammerte, aber echte Hilfe wollte ich nicht. Ich habe alles abgewiesen und wollte nur in meiner Not bestätigt werden und Bedauern bekommen. Ideen einer Veränderung konnte ich gar nicht aushalten. Ich steckte im Leid fest und war unfähig, was zu verändern.

    Irgendwann merkte ich aber doch, dass ich was machen muss. Es ging mir ja immer schlechter. Ich ging also zu einer Suchtberatung, war bei einer Selbsthilfe-Organisation, einer ganz kleinen hier in Berlin, und habe da mit einer Betroffenen geredet. Da war ich dann immer erst mal auch motiviert aber das hielt immer nicht lange vor. Und ich steckte wieder im alten Verhalten. Es kam mir alles so umständlich und beschwerlich vor und ich hatte für mich selbst 1000 Ausreden, warum ich gerade jetzt nichts ändern konnte. Immer war da Angst (als Oberbegriff) und Prägung. Diese Muster waren sehr stark und ich war nicht in der Lage, sie zu durchbrechen. Ich hatte mich einfach irgendwie meinem Schicksal ergeben und war nicht erreichbar. Meine Freundinnen redeten schon recht deutlich zu mir und ich war dann regelrecht wütend auf sie.

    Die hatten gut reden, so meine Gedanken, die würden ja im gemachten Nest sitzen und wüssten gar nicht, was das alles heißt. Ich wollte zwar jammern und meinen Frust los werden aber Hilfe konnte ich nicht annehmen.

    Es war kurz vor 12 gewissermaßen, da hat es endlich geschnackelt bei mir. Da war ich so am Ende dass ich nicht mehr leben wollte. Alles erschien mir völlig sinnlos und ich hatte schon kaum noch Würde und Selbstachtung für mich übrig. Da endlich, endlich konnte ich handeln! Hilfe annehmen, verändern. Erst da kam ein Prozess in Gange, der bis heute läuft. Meine Ängste und Sozialisierungen waren und sind ja noch immer auch da, sie sind ein Teil meiner Persönlichkeit. Aber ich habe gelernt, mit ihnen umzugehen, anders umzugehen als vorher. Und das ermöglicht mir zu handeln.

    Das ist also meine Erfahrung als Coabhängige, die auch einen individuellen Tiefpunkt brauchte, um in die Puschen zu kommen. Meine Tanten hatten diesen Punkt anscheinend überschritten, denn sie haben es nie geschafft, da raus zu kommen. Und diese schlimmen Beispiele haben mir schlussendlich mit die Augen geöffnet. Dann als ich erkennen konnte, wie sie gelebt und zugrunde gegangen waren. Und das wollte ich nicht...

    Aurora

    Liebe Yvonne,

    ich habe auch gerade deinen Beitrag in dem anderen Fädchen gelesen und lass dir einfach mal einen lieben Drücker da.
    Diese Gefühlswallungen sind sehr anstrengend, kann ich mir vorstellen. Ich kenn's ja auch.

    Ich finde es einfach klasse, wie du das mit Vater und Sohn geregelt hast! Hut ab! Das ist eine ganz klare und deutliche Sache und es ist schon mal gut, dass dein Ex das akzeptiert. Was mal daraus wird steht in den Sternen. Das wirst du auch nicht beeinflussen können. Aber jetzt ist es erst mal so, wie es ist und deinem Sohn tut das gut. Ich drück einfach die Daumen, dass dein Ex da noch lange so bleibt mit dem Kind.

    Ich hoffe, dass du in der kinderfreien Zeit schöne Dinge für dich tust.

    Liebe Grüße
    Aurora

    Liebe Mira,

    ob dein Mann und seine Therapeutin nun gut finden wie du denkst oder fühlst sollte dir egal sein! Du bist ja ein mündiger Mensch. Ich finde das auch ehrlich gesagt von der Therapeutin jetzt nicht gerade sehr professionell, wenn sie so redet...

    Es sollte dir egal sein - ist es ja aber nicht, verstehe ich seeehr gut. Da ist ja eine "Professionelle" und wenn die das schon sagt...

    Das ist etwas, was auch ein Lernprozess ist. Du darfst zu deinen Empfindungen stehen und hast ein Recht darauf! Keiner hat da das Recht zu sagen, du bist falsch deswegen. Sinnvoll wäre es eher darüber zu reden, warum du so empfindest und dann zu einer Lösung zu kommen.

    Zitat

    Ich habe manchmal einfach Gefühlseinbrüche, in denen kann ich nicht mehr positiv sehen, bekomme Panik, Angst vor der Zukunft, bin streitlustig und zugegebenermaßen wohl auch meine Tage. 🙈

    Na und? Du bist doch ein Mensch und Menschen fühlen eben so. Da ist doch nicht immer eitel Sonnenschein! Und du leistest echt ja auch eine Menge! Da kommst du auch mal einfach an deine Grenzen. Das ist so. Du hast auch ein Recht darauf, streitlustig, mürrisch, traurig und zickig zu sein. Wenn das kein Dauerzustand ist :wink: . Damit muss dein Mann auch lernen umzugehen. Du kannst doch für ihn kein Schlaraffenland aufbauen, das ist doch illusorisch und realitätsfremd. Das Leben ist kein Schlaraffenland...

    Zitat

    Ich könnte dort auch eine angehörigen Gruppe besuchen. Dafür bräuchte ich aber immer einen Babysitter.


    Du bist ja hier in einer Angehörigen-Gruppe! Du kannst jederzeit herkommen und brauchst keinen Babysitter! Unser Austausch hier hat mindestens die Qualität einer realen Gruppe, das Einzige was fehlt ist das "Auge in Auge" Gespräch. Du kannst auch überlegen ob du in den geschlossenen Bereich wechselst, da geht es noch mal offener und direkter zu als hier im offenen Bereich, wo die ganze Welt mitlesen kann. Das kostet einen monatlichen Beitrag - aber ein Besuch einer realen Gruppe ist auch nicht überall kostenlos. Ein Klingelbeutel geht meistens rum...

    Zitat

    Ich habe mich dann aber entschieden meine freie Zeit lieber mit Dingen zu verbringen die mir Spaß machen.

    Super :D ! Da bist du auf einem sehr guten Weg! Das ist sooo wichtig. Ich habe Jahre dafür gebraucht um wieder dahin zu kommen, ich hab es bis heute nicht vollständig geschafft, leider.

    Zitat

    Ich habe mich bis auf gestern gar nicht mehr mit der Krankenheit meines Mannes auseinandergesetzt. Natürlich habe ich mich informiert, viel darüber gelesen, und achte darauf keinen Alkohol im Haus zu haben etc. , aber es hat mich nicht belastet: ich war einfach zufrieden dass er er etwas ändert und wir weiter leben können.

    Du musst dich doch auch gar nicht ständig mit seiner Krankheit auseinander setzen. Mein 2. Mann jetzt ist auch Alkoholiker, trocken seit 12 Jahren. Ich kenne ihn auch nur trocken. Ich setze mich da nicht ständig mit ihm und seiner Krankheit auseinander sondern mit meinen eigenen Anteilen, die mich haben coabhängig werden lassen. Grundsätzlich aber leben wir und lieben uns! Wir meistern unseren Alltag genau so, wie auch andere Menschen das machen, die keine Alkoholproblematik haben. Wir haben unsere Krankheiten, ich bin zum Beispiel durch alles, was so hinter mir liegt, chronisch depressiv geworden und inzwischen berentet. Trotzdem denken wir nicht dauernd daran sondern genießen unsere gemeinsame Zeit.

    Und das ist es eben - gemeinsame Zeit. Mit kleinen Kindern schwierig, meine waren ja auch mal klein. Ich weiß das. Die Großeltern fallen weg, das ist schade aber eben Fakt. Vielleicht findet ihr ja die Möglichkeit, einmal im Monat einen Abend oder Tag nur für euch frei zu schaufeln. Es gibt Babysitter, Leih-Omas... Kannst du dir vorstellen, so etwas in Anspruch zu nehmen ohne ein schlechtes Gewissen zu haben? Du gibst ja die Kinder nicht weg sondern ihr seid ja auch Mann und Frau. Und in dieser freien Zeit für euch wird ein Fundament ja auch gelegt, auf dem auch die Kinder sicher und glücklich laufen können. Denn zufriedene Eltern sind angenehmer als mürrische. Sag ich mal so ganz lapidar...

    Puh, jetzt hab ich mich ja hier ausgelassen, sorry.

    Ich wünsche dir ein gutes Wochenende
    Aurora

    Hallo sorra,

    so Statistiken sind ja immer eine heikle Sache. Meiner Meinung nach. Kommt immer darauf an, wer sowas in Auftrag gibt zum Beispiel.

    Ich denke, jeder Mensch ist einfach unterschiedlich. Zwar ist der Verlauf der Krankheit immer in etwa gleich, aber trotzdem steht immer noch eine Persönlichkeit ja auch dahinter. Darum kann auch der "Nullpunkt/Tiefpunkt" ganz unterschiedlich sein. Ich habe da schon von sehr, sehr vielen Tiefpunkten gehört und gelesen. Einige waren ganz unten, so wie Karsten hier, bei anderen war es der epileptische Anfall beim Versuch mal nicht zu trinken weil die Frau gemeckert hatte.

    Und immer hat da nur gezählt, dass da beim Betroffenen selbst der innigste Wunsch war aufhören zu wollen.

    Ich habe als aktive Coabhängige bei meinem Exmann alle möglichen Dinge versucht (hört sich das jetzt blöd an, ist aber so) um ihn vom Saufen weg zu bekommen. Er selbst hatte auch körperliche Dinge und doch, er war mal 4 Jahre lang trocken, dann ging es wieder los. Einfach, weil er es so wollte. Bei meinem Ex war übrigens der Auslöser für seine 4-jährige Pause, dass eine Hitzewelle angesagt war und er Angst hatte, die im Suff nicht zu überleben. Und gleichzeitig war ich am Ausziehen aus unserer Wohnung damals.

    Zitat

    Es gibt zum Beispiel Studien von Orten (ich denke Portugal zB), wo es Suchtkranken - in dem Fall Abhängige von illegalen Drogen wie zB Heroin - erlaubt worden ist, ihre Sucht legal und im sicheren Umfeld zu konsumieren. Das führte dazu, dass die Leute nicht in die kriminelle Szene und diese Teufelsspirale abrutschen und dann leichter die Sucht bekämpfen konnten.

    Auch Alkohol ist eine Droge! Ganz klar! Auch Nikotin. Und beides wird legal und im sicheren Umfeld konsumiert! Du bekommst überall Alkohol zu kaufen. Alkohol zu trinken ist geradezu ja eine "Kultur", wird positiv beworben und ist völlig "normal". Der einzige Unterschied zu Heroin und Co ist eben, dass es legal ist, mehr nicht.

    Viele Grüße
    Aurora

    Hallo Amy,

    ob da ein Arzt oder Berater mit dir reden möchte weiß ich nicht. Mit mir hat da keiner geredet, als ich damals meine Ex besucht habe. Ich höre sowas eigentlich immer von denen, die ihre Partner in der Therapie-Einrichtung dann besuchen. Da wird auch was für Angehörige angeboten, oft. Gespräche und Seminare und so.

    Ich weiß gerade nicht ob ich das gut finden soll, was dir damals da gesagt wurde... Na klar ist es von Vorteil, wenn ein Suchtkranker noch eine Familie hat. Aber es brauchen dann auch alle Hilfe! Nicht nur der Suchtkranke. Finde ich jetzt mal.

    Und wenn die Ehe zerrüttet ist, dann ist es auch okay, wenn du dich trennen möchtest. Denn erst mal geht es doch auch um dein Leben. Genau wie es für den Suchtkranken um sein Leben geht. Trennungen gehen nach dem Entzug und einer Therapie oft auch vom Alkoholiker aus. Es ist darum einfach zu pauschal zu sagen, da muss eine Familie hinter ihm stehen..., eine zerrüttete Ehe braucht auch ein Alkoholiker, der auf dem Weg in ein trockenes Leben ist, nicht.

    Bilanz kannst jetzt für dich nur du ziehen. Ich war damals auch so zerrissen weil ich so viele Ehejahre nicht einfach weg werfen wollte. Weil es mir in dieser Ehe materiell gut ging immer. Weil ich Angst hatte alleine ohne Mann weniger wert zu sein. All sowas, was eher mit dem Bild auch nach außen was zu tun hatte. Da waren so viele Ängste, mein Exmann hat sie immer gut geschürt. So nach dem Motto: du wirst alleine untergehen, bist unfähig, wirst Sozialhilfeempfängerin werden usw. Er machte mich wertlos, hatte das in den Ehejahren auch schon immer gemacht. Ich musste mir mein Selbstvertrauen erst wieder aufbauen.

    Vielleicht hilft dir das Aufschreiben beim Sortieren deiner Gedanken und Gefühle. Was ist positiv an ihm und eurer Ehe, für dich. Was ist negativ.

    Liebe Grüße
    Aurora

    Hallo Amy,

    mein Exmann ging damals auch zur Entgiftung in eine Klinik, als ich mich getrennt hatte und eine eigene Wohnung hatte. Ich wohnte da aber noch nicht, ich hatte sie gerade erst gemietet und war dabei, mich zu organisieren.

    Praktisch ist er auf eigenen Druck gegangen aber eben weil ich mich trennen wollte.

    Als er weg war war es wie Himmel auf Erden. Ruhe, ich konnte endlich wieder in meinem Bett schlafen, in Ruhe meinen Umzug vorbereiten. Und nach 1 Woche war er wieder da... Damit hatte ich auch nicht gerechnet, ich dachte, er würde viel länger weg bleiben, gleich in eine Therapie gehen. Nix da. Und Therapie - sowas brauchte mein Ex ja nicht, meinte er. Er hätte alles im Griff.

    Ich war hin und her gerissen... aber ich bin gegangen. Wir hatten dann noch 1 Jahr lang ca auch engeren Kontakt, ich bin ja nur um die Ecke gezogen. Ich merkte bald, dass ich nicht mehr zu ihm zurück wollte, ich war so glücklich und frei in meiner Wohnung. Und er belagerte mich aber ununterbrochen und ich merkte, es hatte sich bei ihm nichts geändert, er trank nur nicht, mehr nicht. Und ich ließ zu, dass er mich tagtäglich benutzte für sein Leben. Um so etwas wie "Normalität" zu haben. Und für mich war es auch so etwas wie "Normalität". Ich konnte nicht "Nein" sagen und zu meinen Gefühlen stehen.

    Ich hatte sehr viel Angst, wieder zurück zu gehen. Ich hatte kein Vertrauen mehr, keine Liebe. Es war nur eben, dass ich ihn ja so gut kannte, wir waren zu diesem Zeitpunkt 26 Jahre zusammen. Da war eben auch vieles vertraut. Und dadurch dass er nicht trank war er ja auch anders drauf. Doch ich merkte sehr schnell, dass er in vielen Dingen genau so drauf war wie im Suff. Und das gefiel mir nicht. Es war aber so unheimlich schwer, ihn weg zu stoßen, Grenzen zu setzen. Zumal eben auch mein Gefühl war: wenn ich das mache, dann trinkt er wieder. Und das hat er auch öfter mal durch die Blume gesagt.

    Ich habe dann aber gelernt, dass ich weder für ihn noch für seinen Suff verantwortlich bin. Oft hat er mir ja auch leid getan, er hatte so eine Art, wie ein kleiner Junge vor einem zu stehen. Ich konnte dann nicht nein sagen. Das musste ich erst mühsam lernen. Er ist erwachsen! Er ist verantwortlich für sich selbst! Ich habe ein Recht, "Nein" zu sagen. Ich habe ein Recht zu entscheiden, dass ich diese Beziehung nicht mehr möchte!

    Viele Beziehungen funktionieren auch wieder, wenn der Abhängige seine Sucht zum Stillstand bringt. Beide müssen dann aber daran arbeiten. Und es auch von Herzen wollen. Viele Beziehungen gehen aber auch auseinander. Weil zu viel zerstört worden ist. Weil es nicht mehr funktioniert. Oder weil der Co sich nicht ändern mag oder der Suchtkranke.

    Lange Rede, kurzer Sinn:

    Ich verstehe deine Ambivalenz sehr, sehr gut! Weil ich es selbst so erlebt habe.
    Fakt ist, dass du das Recht hast zu entscheiden, wie du dir dein weiteres Leben vorstellst! Du darfst die Regeln aufstellen. Entweder er zieht da mit oder du ziehst deine Konsequenzen daraus. Aus eigener leidvoller Erfahrung kann ich dir sagen dass es wichtig ist, dass du für dich Klarheit hast und das auch so leben kannst. Rumeiern verlängert nur das Leid.

    Ich bin gespannt, wie es nun wird bei dir.

    Liebe Grüße
    Aurora

    Hallo Emmaleah,

    ich habe diese s.exuellen Dinge leider auch ähnlich erlebt. Ich meine, es ist ja auch eine normale und angenehme Sache, sag ich mal. Bei mir war es dann aber auch so, dass ich das nicht mehr wollte. Weil durch den Stress des Alltags, den Suff eben, dem Ekel vor ihm, den Dingen, die er mir auch antat usw., also unser ganzes Zusammenleben einfach nicht mehr hingehauen hat. Und ich hatte keine Lust. Er hat mich nicht mehr gereizt. Ich habe keine Liebe mehr gehabt. Ich fühlte mich von ihm benutzt, schon im Alltag und auch eben dann wegen seiner Befriedigung. Denn darum ging es irgendwann nur noch. Um ihn und seinen Drang.

    Es war so entwürdigend für mich. Und ich fühlte mich nur noch auf "das Eine" reduziert. Ich beschreibe jetzt hier nicht, was da gerade in den letzten Wochen unseres Zusammenlebens passiert ist. Aber unser erwachsener Sohn hat da auch genug mitbekommen, wie schlimm das für mich war. Von meinem Sohn und seinen Gefühlen mal zu schweigen. Er redet darüber auch nicht...

    Und das ist auch Gewalt! Das ist Gewalt und Gewalt! Das ist schlimmer bald noch als Schläge! Ich habe mich so beschmutzt gefühlt, so missbraucht (hat er ja auch). Mir war oft so übel, ich kann es nicht beschreiben. Mein Exmann hatte sich dann regelrecht in einen Wahn gestürzt. Ich habe mich nicht mehr getraut nach Hause zu kommen. Aber ich musste ja, ich hatte ja kein anderes zu der Zeit. Ich habe mich in einem Zimmer dann verbarrikadiert zum Schlafen. All sowas.

    Und für mich war das dann auch mein tiefster Tiefpunkt. Ich bin dann gegangen, habe mich getrennt. Ich habe mein kleinstes Fitzelchen Würde genommen was ich noch hatte. Mein kleinstes bisschen Selbstachtung, was noch da war.

    Zitat


    Eigentlich hat es schon klick gemacht bei mir. Aber ich will es noch nicht wahr haben.

    Ich bin immer dafür, langsam seinen Weg zu machen. Nichts geht von heute auf morgen. Es hat "klick" gemacht, schreibst du. Nun hab den Mut und schau da hin! Ein langsamer Weg kann das nicht mehr sein in deinem Fall. Wo ist deine Selbstachtung, deine Würde? Du hast es nicht nötig, dich wie eine Prostituierte behandeln zu lassen! Und was anderes ist das ja nicht. Du bist kein Gegenstand, du bist ein Mensch! Du hast das nicht verdient!

    Und vor allem: denk auch an deine Kinder! Sie sind noch klein aber sie bekommen so viel mehr mit als du glaubst! Mein Sohn war damals erwachsen, meine Tochter lebte schon nicht mehr zuhause. Ich habe heute noch Schuldgefühle, was ich gerade ihm da zugemutet habe! Kinder sollten so etwas nicht erleben müssen!

    Liebe Grüße
    Aurora

    Liebe Amy,

    oh das hatte ich auch damals, so in etwa.

    Ich werde dir auch davon noch schreiben, wenn du magst. Momentan bin ich aber sehr in die Pflege meiner Eltern eingespannt, da ist es gerade sehr akut, leider. Ich bin ziemlich fertig und habe keine Energie zum Schreiben.

    Darum sage ich erst mal "hallo, und schön, dass du da bist!"

    Liebe Grüße
    Aurora

    Hallo Mullemaus,

    eine Beerdigung ist ein gutes Ritual um Trauer leben zu können. Aber sie macht auch Angst, ganz klar.
    Denn da wird dann ganz deutlich sichtbar, dass ein Leben zu Ende gegangen ist, es ist endgültig. Und das ist für die Verarbeitung sehr wichtig! Aber es tut unglaublich weh.

    Auch wenn es sich gerade sehr unangenehm anfühlt, da ja eine ganze Geschichte dazwischen steht, die Erlebnisse und Erfahrungen mit deinem Vater. Wenn ich mich richtig erinnere wolltest du ihm einen Brief schreiben? Hast du schon damit angefangen? Wie fühlt sich das an, ich hoffe, es ist auch Erleichterung für dich.

    Ich habe die Erfahrung gemacht dass, wenn ich Dinge aufschreibe, ich zum Einen noch mal die Gedanken sortiere dabei. Da kommen plötzlich noch mal ganz andere Blickpunkte und auch Gefühle hoch. Und zum Anderen ist das Geschehen dann aus mir heraus, also es steht dann da auf dem Papier. Das macht den Kopf einfach leichter und dann ist da Platz für schöne Dinge und Gedanken.

    Liebe Grüße
    Aurora