Ich trank meine acht Flaschen Bier und überlegte, was ich noch tun konnte und wusste ich, was ich vor dem Krankenhaus machen wollte (ich schreib´s, wie es mir in den Sinn kam):
ICH MUSS MEINE BUDE TROCKEN LEGEN!
Dienstag
Ich hatte gut geschlafen (war ja “im Tran“) und versuchte erneut, mit der Klinik zu telefonieren. Diesmal rief ich die Zentrale an und bekam eine andere Durchwahl- die dritte. Oh Gott, jemand nahm ab…. Aber ich war falsch gelandet und bekam- eine Durchwahl. Ich versuchte die, aber ohne Erfolg.
Und langsam kam ein ungutes Gefühl auf. Heute Mittag war ja der Termin beim Direktor- die Einladung, die mein Umdenken bewirkt hatte. Nun, unser oberster Boss ist fachlich ein Genie, kann aber im zwischenmenschlichen Bereich recht schnell einen Stimmungswechsel vollziehen- ein Choleriker.
Ich ging also zum vereinbarten Termin zu meinem Vorgesetzten (dem Briefschreiber) und traf dort auch auf den Abteilungsleiter. Beide begrüßte ich ausgesprochen fröhlich, was diese- wohl angesichts des Gesprächsgrundes- wohl etwas verwunderte. Mich ehrlich gesagt auch, aber ich war in einer dermaßen lockeren Stimmung wie lange nicht mehr. Eine Mischung aus Erleichterung, Freude über meinen “Mut” und sicherlich auch Angst. Weniger vor dem anstehenden Termin sondern mehr vor dem Unbekannten, ja, meiner Zukunft.
Wir gingen in den Besprechungsraum, nicht ohne vorherigen Kontakt mit einigen Kollegen, die mich augenscheinlich nicht beneideten.
“Er” kam und begann das Gespräch leise- ganz leise. Ich hatte mir vorgenommen, niemanden zu unterbrechen und hielt mich auch daran.
Anschließend schilderte ich meine Sicht der Dinge, wie es (ich) zu meiner Sauferei gekommen war. Um´s abzukürzen: Die Anderen, die Arbeit, die ganzen besonderen Umstände (auf die ich hier nicht näher eingehen kann) bzgl. meines Arbeitsplatzes… Zu meiner Überraschung stellte ich während meines Monologes fest, dass es mir gelang, einige Vorwürfe als Argumente für mich zu nutzen. Wohl das Ergebnis der Tatsache, dass ich mal wirklich zugehört hatte.
Der Boss verlangte anschließend von mir, umgehend Schritte einzuleiten bis… hier schlug mein Abteilungsleiterleiter bis Montag vor… nein, “bis Freitag!” wollte er wissen, was ich zu tun gedenke.
Ich gab zu Protokoll, dass ich bereits mit einer Beratungsstelle Kontakt hätte, meine Versuche die entsprechende Station in der Klinik zu erreichen bisher aber gescheitert wären.
“Und sie machen eine Therapie” - Wie ein Peitschenhieb kam dieser Satz, den ich natürlich bejahte (was macht “man” da fragte ich mich innerlich). “Und dann reden sie mal mit Herrn X, bei dem war´s früher ganz schlimm und heute ist er ein anerkanntes Mitglied der Gesellschaft!”
“Sie haben einen Marathonlauf vor sich” - der nächste Knaller. Ich sagte lapidar. “Ich weiß” und weiß heute, dass ich damals NICHTS wusste.
Zum Schluss bat ich die Anwesenden um Entschuldigung für die Unruhe, die durch meinen Ausfall entstanden wäre, was gnädig zur Kenntnis genommen wurde.
Mir war klar, dass der Boss mich auf meinem Arbeitsplatz nicht mehr haben wollte, aber zunächst hatte ich ja andere Sorgen: “Bis Freitag!”
Dieser Termin machte mir weniger Sorgen, weil ich ja nur noch zwei Tage Zeit hatte, sondern deshalb, weil freitags um 14 Uhr mein Wochenendbesäufnis begann. - Was würde passieren, wenn ich da nichts trinke? Die Frage tauchte übrigens mehrfach in meinem Denken auf: Wie wird das - “ohne”?
Das Gespräch war beendet und ich sagte den beiden Vorgesetzten zu, sie über alle meine Schritte zu informieren. Anschließend ergaben sich noch einige Gespräche mit Kollegen, die entsprechend neugierig waren, wie´s gelaufen ist. Ich hatte nämlich niemandem verheimlicht, worum es ging.
Mir war natürlich mulmig zu Mute. Entlassen werden konnte ich nicht, da hatte ich mich erkundigt. Aber was sollte werden?
Ich versuchte noch mal, jemanden in der Klinik zu erreichen - vergeblich.
Abends zog ich Bilanz: Noch drei Abende bis Freitag…
UND ICH HATTE NOCH DREIUNDZWANZIG FLASCHEN BIER!