Hey Marya!
Zitat
dass ist ein positiver Teil unserer Familienkrankheit, dass wir unsere Umgebung irgendwie intensiver wahrnehmen können!
Ja, das stimmt. Und ich glaube, es war bisher vor allem ein negativer Teil, dass ich mich immer daheim verkrochen hab und nicht mal allein rausgegangen bin. Das kann wirklich schön sein!
Also, meine Mutter wohnt seit Montagabend quasi bei ihrer Mutter. Und das ist wirklich gut. Sie kommt wohl nach der Arbeit noch her und macht eben ein bisschen was im Haushalt, weil wir das allein ja auch nicht schaffen und auch nicht schaffen sollen. Naja, ein bisschen mehr anpacken müssen wir bestimmt schon, aber ich denke, das ist es wert und wird auch nicht die meeega Belastung!
Gestern hatte ich dann mal ein wirklich vernünfigtes Gespräch mit meinem Vater. Laut seiner Aussage geht er wohl im Moment ziemlich am Stock, weil meine Mutter jetzt wirklich weg ist, fängt an zu heulen und solche Scherze. Also, ich glaube, es geht ihm wirklich schlecht. Aber ich denke, es geht ihm noch nicht schlecht genug und ich glaube ihm auch nicht, dass sich was ändern wird. Er will ja unbedingt, dass meine Mutter wieder zurückkommt, wir Kinder sollen sie überreden, dann würd sich auch alles ändern. Naja... *räusper*. Diese Versprechungen kenn ich ja schon und deshalb hab ich ihm auch gesagt, dass ich ihm das nicht glaube, dass ich nicht will, dass er uns weiter mit rein zieht und dass ich meiner Mutter auch rein gar nichts raten werde und schon gar nicht, dass sie wieder zurückkommt. Alles in allem haben wir uns wirklich "gut" unterhalten und obwohl ich ihm nicht mehr glaube und er deshalb enttäuscht war, sind wir wirklich im Guten auseinander gegangen. Ich glaube, das Problem der letzten Zeit war wirklich nicht mein Vater für mich. Ich hab gemerkt, dass ich nichts mehr von ihm erwarte. Ich hab kein Problem mehr damit, dass er trinkt, weil das seine Sache ist und ich glaube ihm seine Versprechungen einfach nicht mehr, aber das ist auch kein Problem für mich, weil ich ihn irgendwie trotz allem mögen kann. Das ist ja irre. Obwohl das Gespräch gestern objektiv gesehen ja nicht wirklich toll gelaufen ist, war es das beste, was ich seit langem mit ihm hatte und ich hab mich danach besser gefühlt.
Die Distanz zu meiner Mutter hab ich wirklich nötig. Und ich denke, dass ich mir deshalb jetzt auch eher vorstellen kann, weiterhin hier zu wohnen und nicht mit meiner Mutter zu gehen. Mein Problem der letzten Zeit war wohl eher die mangelnde Distanz zu meiner Mutter. Manchmal hab ich so ein Mitleid mit ihr, das ist der Wahnsinn. Und Schuldgefühle. Irgendwie denke ich, dass ich sie zu schlecht behandle, wo sie doch so viel für uns getan hat. Bzw. das hat sie noch nicht mal wirklich, aber allein der Versuch rührt mich schon. Irgendwie beknackt. Und deshalb glaube ich, dass es so im Moment besser ist. Meine Schwester sieht's genauso. Uns geht es so einfach besser und gleichzeitig können wir durch die Distanz auch anders mit meiner Mutter umgehen. Also, das ist jetzt wahrscheinlich alles ziemlich verquer... Aber man merkt auch die gegenseitige Abhängigkeit bei meiner Mutter, die scheinbar extrem unter der Trennung von uns leidet. Dabei ist sie jeden Tag hier!
Und dann hab ich noch mal drüber nachgedacht, dass man sich seine eigene Familie ja "sucht". Genau das scheint bei mir auch so gelaufen zu sein. Die Mutter von meinem Freund hatte gestern Geburtstag, aber weil ich erst so spät daheim war, bin ich gestern nicht mehr da gewesen und stattdessen hat sie uns dann noch mal für Samstagabend eingeladen. Und ich freu mich schon so drauf! Irgendwie sind die ganzen Menschen, vor denen ich früher Angst hatte, weil ich sie nicht kannte, mittlerweile wirklich wichtig für mich geworden und Teil meiner Familie. Nur eben eine bessere Familie als ich sie hatte. Und im Dezember ist dann auch schon das nächste große Essen vor Weihnachten geplant. Ich freu mich jetzt schon :D.
Tja, und Sonntag wird's wohl nichts mit dem Spaziergang, denn ich fahr mit meinem Lieblingskurs in eine Kunstausstellung. Mal sehen, wie das wird. Ich kenn eigentlich niemanden da, aber ich hab trotzdem nicht mal überlegt, ob ich mitfahren soll. Fortschritt!
Mir geht's wirklich wieder gut und ich freu mich jeden Tag darüber und bin dankbar und werde auch weiterhin gut auf mich acht geben. Denn wenn es mir gut geht, dann läuft auch alles in meinem Umfeld besser.
Ich wünsch euch noch eine schöne Restwoche!!