Hallo!
Mir ist mal aufgefallen, dass ich schon ewig nichts mehr von mir hören lassen hab. Furchtbar. Aber ich hab auch keine Lust, immer in meinem Thread zu schreiben und bei euch anderen gar nichts, weil ich da keine Zeit zu hab. Und dann schreib ich einfach von vornherein gar nicht mehr.
Aber im Moment kann ich mich mal wieder auf gar nichts konzentrieren, da hab ich gedacht, schreib ich doch noch mal was.
Ja, Studium läuft noch immer ganz gut, aber es ist anstrengend. Nächstes Semester werd ich auf jeden Fall weniger Kurse nehmen, gerade Politik und Soziologie sind ganz schön schwierig, macht aber auch Spaß. Wenn da nicht diese ellenlangen Texte wären... Und das Studentenleben an sich ist ja auch ganz schön. Ich mag viele Leute da, aber mehr will ich dann auch gar nicht. Ich erklär mal:
Also, meine Freundin aus der Uni war ja bei mir und das war auch ganz nett und alles. Nur wenn ich müde werde, dann hab ich halt das Bedürfnis ganz allein zu sein, niemanden um mich zu haben und alle sollen einfach mal nur die Klappe halten. Ich brauch einfach meine Ruhe. Naja, das ging ja dann nicht, aber es war schon ganz in Ordnung. War ja kein Horrortrip oder so, aber ich war ehrlich gesagt schon froh, als sie wieder weg war. Aber damit ist die Sache ja jetzt noch nicht gehalten. Nein, jetzt quengelt sie die ganze Zeit rum, wann ich denn mal zu ihr kommen würde. Und ich weiß es einfach nicht. Ich hab keine Zeit dazu und ich will im Moment auch gar nicht so eine enge Freundschaft aufbauen, weil ich eben absolut nicht weiß, wo ich die Zeit noch hernehmen soll, geschweigedenn weiß ich, wo sie die Zeit überhaupt her nimmt. Aber gut. Deshalb red ich mich immer irgendwie wieder raus und bis letzte Woche hatte ich auch Samstags noch Seminar, aber das geht auch nicht immer. Ich merk schon, dass sie immer enttäuscht ist. Und deshalb hab ich ihr dann heut Morgen übers Internet mal meine Situation geschildert, ihr einfach die Wahrheit gesagt. Mal sehen, wie sie drauf reagiert, im Prinzip will ich ja nur, dass sie mich besser versteht. Und dieses supereng befreundet sein und beieinander schlafen, das ist einfach nicht mein Ding. Nähe bedeutet für mich was anderes und dafür brauch ich verdammt lang Zeit.
Außerdem merk ich, dass ich an Wochenenden einfach grundsätzlich in einem Loch stecke. Ich weiß nicht mal woran das liegt. Ich würd mich vielleicht einfach mal gern ausruhen, hab aber einen ganzen Stapel Arbeit hier liegen. Den ich allerdings nicht erledigen kann, weil ich mich nicht drauf konzentrieren kann. Zumindest nicht über längere Zeit. Geht einfach nicht. Und in der Woche hab ich keine Zeit dazu. Das ist echt fantastisch. Die Johanniskraut-Dragees hab ich wieder abgesetzt, weil sie angeblich die Wirkung anderer Medis herabsetzen und naja, das fänd ich nicht so lustig. Aber das merk ich schon wieder ganz schön, dass es mir doch wieder schlechter geht, insgesamt. Leider bekommt es mein Therapeut die meiste Zeit nicht mit, weil ich in der Woche ja reltativ gut drauf bin und immer denke "ach, am WE das war doch nur Schwachsinn". Ist es aber nicht. Aber ich will auch nicht auf meinen Hausarzt zurückkommen, der meinte, er würde mir auch was verschreiben, wenn ich aus dem Loch nicht rauskommen würde. Das will ich aber nicht, ich will das alleine schaffen. Ich weiß nur nicht wie. Klar, ich geh ja zu meiner VT, aber auch nur alle 14 Tage und irgendwie dauert mir das alles zu lang. Ich weiß, das muss so sein, aber am liebsten hätt ich's einfach schon hinter mir, alles super, tip-top, auch wenn das vielleicht niemals der Fall sein wird.
Die Werte von meinem Vater sind bisher scheinbar noch ganz gut. Fragt sich nur, ob das stimmt, oder ob er uns mal wieder den Buckel vollügt. Aber kann ja sein, dass die Leberzirrhose dann auch nicht sofort weiterschreitet, hab ich keine Ahnung von. Außerdem hält er sich im Moment auch relativ zurück. Also, er trinkt schon, aber wirklich betrunken ist er nie. Und das rechnet ihm meine dumme Mutter mal wieder hoch an. Als wenn es nicht reichen würde, dass die beiden nächstes Jahr schon in den Urlaub fahren, meint sie jetzt auch noch, sie müsste mit ihm über ihren Geburtstag nach Paris. Hallo? Ist das zu fassen? Wie sehr kann man eigentlich Friede, Freude, Eierkuchen spielen? Da fällt es mir wirklich schwer, mich nicht aufzuregen. Vor allem weil sie doch genau das gleiche sieht wie ich. Dass er zwei Kisten Bier für seinen Geburtstag kauft, obwohl nur drei Leute da waren. Natürlich fehlen jetzt ein paar Flaschen aus der unteren Kiste (für wie blöd hält er uns?). Bierdosen tauchen immer wieder auf und Freitag hat er sogar ganz offen zugegeben, dass er auf dem Weihnachtsmarkt war und einen Glühwein getrunken hat, mit der Bemerkung: "Ja und? Darf ich das denn nicht?". Naja, aber mir macht's nicht mehr so viel aus. Manchmal denk ich noch, ich sollte vielleicht netter zu ihm sein, aber leider kann ich das nicht. Ich kann nicht mehr mit ihm zu tun haben ohne mich dabei zu verletzen. Und ich weiß auch nicht, wie ich es schaffen soll, obwohl ich halt manchmal schon ein schlechtes Gewissen habe. Ja, und dann schreibt mir noch irgendein Penner ins Gästebuch, er fände es ja mutig, dass ich das Buch geschrieben hätte blablabla, aber "dein Vater ist krank und braucht jede Unterstützung, die er kriegen kann". Oh, ich könnt mich immer wieder über solche Leute aufregen, die einfach KEINE AHNUNG haben und einfach mal den Mund halten sollten. Mein Gott, was hab ich denn Seit letztem Dezember gemacht? Ich hab ihn unterstützt, ihm geholfen, ihn in Schutz genommen, ihm vertraut wie ein kleines Kind. Und was war der Lohn? Ein verdammt harter Boden der Tatsachen und ein riesengroßes Loch, aus dem ich ja ganz offensichtlich immer noch nicht raus bin. Sch... ist das! Manchmal könnt ich ausrasten.
Dann plagt mich im Moment einfach noch so eine allgemeine Perspektivlosigkeit. Ich weiß nicht, ob das vielleicht auch typisch für uns Kinder ist, aber ich könnte es mir vorstellen, weil wir nicht wie andere Kinder wissen: Wir haben Menschen hinter uns stehen, die uns auffangen. Ich weiß einfach nicht, was ich mit meinem Leben anfangen soll. Und alle Pläne, die ich jemals hatte, stelle ich in Frage. Wenn ich es mir näher überlege, hab ich die Pläne sogar vielleicht schon über Bord geworfen und weiß dann erst recht nicht, warum ich jetzt überhaupt was studiere. Toll. Aber das mag vielleicht auch an meinem Loch liegen. Ich denke, wenn es mir insgesamt besser gehen würde, dann wäre ich auch ein bisschen zuversichtlicher.
Naja, ich bin jedenfalls erst mal heilfroh, wenn Weihnachtsferien sind. Ich mag Weihnachten ja. Und dann hab ich (relativ) frei, kann hier wieder mehr schreiben, hab wieder mehr Zeit für mich, zum Ausruhen. Und dann sind auch bald wieder Semesterferien, in denen dann auch wieder Arbeit ansteht. Irgendwie hab ich ja das leise Gefühl, dass ich aus dem Mist in den nächsten Jahren nicht rauskommen werde, und das ist ein bescheidenes Gefühl.
So, nichts desto trotz wünsch ich euch einen schönen zweiten Advent.
Liebe Grüße
Steffi