Beiträge von JoeDoe

    Hallo zusammen,

    habe gerade ein paar gemischte Tage hinter mich gebracht. Zunächst einmal hatte ich am Freitag wieder einen Termin bei meinem (noch?-)Therapeuten und wir haben bei diesem zweiten Gespräch auch das Thema Alkohol und meinen Entzug ein wenig beleuchtet. Tja, und was soll ich sagen? Medizinisch gesehen, so seine Meinung, bin ich nicht süchtig. Auch in den Missbrauch komme ich nur mit gutem Willen. Riskant sicher, aber mehr ist da laut medizinischer Definition nicht drin :shock: !

    Nu hab ich wohl selbst schon einmal in einem anderen Thread geschrieben, dass die Meinungen von Ärzten/Psychologen nicht ausschlaggebend für die eigene Sichtweise sein sollten, trotzdem muss ich jetzt erkennen, dass es dann doch einen Unterschied macht, ob man das theoretisch diskutiert, oder ob man das tatsächlich gesagt bekommt! Jedenfalls hat diese Aussage erhebliche Versuche unternommen, an meinem Abhängigkeitsdenken zu rütteln :? ! Es hat dann wirklich bis zum nächsten Mittag gedauert, bis ich mich wieder einigermaßen zusammen hatte.

    Werde dann wohl doch noch einmal ein wenig herumtelefonieren müssen und mir einen neuen TH suchen. Schade eigentlich, der Rest seiner Art hat mir im Prinzip ganz gut gefallen ... whatever!

    Nun ja, nächste Woche beginnt der Vorlauf für die ambulante Sucht-Reha (die dann hoffentlich im Januar beginnen kann!). Leider liegt das genau auf dem Termin meiner alten Gruppe, aber auch das kann ich verkraften.

    Soweit.

    Liebe Grüße

    J. (der heute tip-top Blutwerte bekommen hat, was aber nicht an seiner Kapitulation zu kratzen vermag :twisted: )

    Hallo Blizzard,

    tatsächlich eine sehr interessante Frage, die Du da in den Raum gestellt hast. Ich möchte einfach mal ganz verwegen die These in den Raum stellen, dass die Antwort darauf etwas mit Konditionierung zu zun hat und das an meinem eigenen Beispiel kurz erläutern.

    Ich bin ein (fast) reiner Biertrinker gewesen und habe in all den Jahren sicher abertausende von Bierflaschern getrunken. Jetzt entstehen bei diesem Trinkverhalten immer die gleichen Reize: Das Gefühl der kühlen Flasche in der Hand, Das Geräusch des zischenden Kronkorkens etc.. Diese Wahrnehmungen sind immer beim Konsum von Alkohol aufgetreten und im Umkehrschluss erwarte ich auch eine alkoholische Wirkung, wenn ich mich dem Ritual 'Biertrinken' hingebe. In den seltenen Fällen, in denen ich alkoholfreies Bier getrunken habe, habe ich auch tatsächlich eine Entäuschung gespürt, wenn die Wirkung des Alkohols ausblieb.

    Als ich aus der Entgiftung wiedergekommen bin, hatte ich dafür gesorgt, dass meine Wohnung absolut bierfrei war. Und ich war auch wirklich erstaunt, wie häufig ich in der Anfangszeit fast automatisch beim Öffnen des Kühlschrankes nach den Bierflaschen gesucht habe. Dieses Öffnen des Kühlschrankes war sozusagen der Anfang einer ankonditionierten Verhaltenskette, an dessen Ende die Belohnung 'Wirkung des Alkohols' stand. Das sich zu diesem Zeitpunkt auch noch zwei Flaschen Wein im Kühlschrank befunden haben, die genauso gut als Alkoholquelle hätten dienen können, habe ich überhaupt nicht wahrgenommen!

    Wenn man jetzt noch die Vermutung aufstellt, das die wenigsten Alkoholiker ihr Suchverlangen mit raffiniert gemixten und aufwendig dekorierten Cocktails befriedet haben, dann erklärt sich vielleicht die geringere Gefahr, beim Konsum ihrer alkoholfreien Artverwandten in alte Verhaltensmuster zurückzufallen.

    Just my two cents!

    ps: Bei Hunden kann man Fehlkonditionierungen übrigens erfolgreich löschen, wenn man die Verhaltensketten ablaufen lässt, die erwartete Belohnung aber mindestens 500 mal in Folge ausbleibt. Ich bitte dies jedoch nocht auszuprobieren :wink: .

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo zusammen,

    bin gestern 'genötigt' worde, Fussball zu schauen :wink: ! Wie wir ja sicher fast alle wissen, ist Fussball einer der primären Schauplätze für die Werbeaktivitäten des Brauereiwesens und ich als ehemaliger Biertrinker ja auch ein ideal getroffenes Mitglied der Zielgruppe. Hmmm ....

    Nun ist mir aufgefallen, dass sich meine Assoziationen zum Thema Bier langsam verändern: Zum einen habe ich bei der Vorstellung, einen Schluck Bier im Mund zu haben, keine positive geschmackliche Vorstellung mehr ... Erinnert mich ein wenig an eine Szene, als ich im Alter von 10 oder 11 Jahren am Glas meines Vaters nippte und dazu nur gemeint habe "Schmeckt nicht!". Das ich dann über Jahre hinweg trotzdem täglich meine Ration vertilgt habe und dabei den Eindruck 'Schmeckt doch!' hatte, ist da eigentlich doch sehr verwunderlich. Auch Verknüpfungen mit Wörtern verändern sich: Das Wort 'fassfrisch' suggerierte mir früher die Erwartung auf ein kühles, erfrischendes Getränk. Gestern dominierte jedoch die Vorstellung vom Gestank einer gährenden Suppe, die in Verbindung mit nassem Holz eine eher penetrante Note in den Raum stellt!

    Diese Veränderungen meiner Assoziationen empfinde ich doch sehr positiv und vor Allem als durchaus naturidenter! Ich hätte meinem Eindruck im Alter von 11 Jahren ja auch durchaus Glauben schenken können, denn der war schon richtig :wink: .

    Soweit.

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo Fantasy,

    Zitat von Fantasy40

    ... also, hab ich keine andere Wahl.

    Eine Wahl hast Du IMMER! Es liegt aber an Dir, die richtige zu treffen! Niemand kann und wird Dich zwingen, ein Leben ohne Alkohol zu führen. Wichtig ist es nur, dass DU es auch wirklich willst!

    Und vor Deinem Arzttermin solltest Du auch keinen Bammel haben. Immerhin ist es sein Beruf, anderen zu helfen, wenn sie ein Problem haben. Sieh es doch mal so: Dein Alkoholproblem ist Dir doch sicher schon lange bekannt. Still und heimlich lebst Du damit und hast Dich vielleicht über Jahre hinweg nicht geöffnet. Dieses Wissen steckt in Deiner Kehle wie das Gewölle im Rachen einer Katze. Bei Deinem Arzt hast Du DIE Gelegenheit, dieses 'Ding' endlich einmal auszuspucken und Dir dabei gewiss sein, dass Dein gegenüber Dich dafür nicht verurteilen wird! Es wird Dir gut tun, so wie es mir und vielen anderen auch gut getan hat. Nur Mut!

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo Lunatic,

    ja, da hast Du wohl recht mit Deiner Annahme. Und am Ende hat das sogar noch einen weiteren Grund: Wenn sich Schauspieler bei jedem Take einer 'Trinker-Szene' echten Alkohol einflößen würden, dann wäre der ein oder andere Drehtag sicher ziemlich zeitig beendet!

    Aber zu Deiner ursprünglichen Frage zurück: Ein wirklich 100%iges 'alkoholfrei' lässt sich hier in unseren Gefilden ja leider nicht realisieren. Von daher besteht natürlich immer ein kleines Risiko für Deinen Mann :( . An dieser Stelle ist es, so glaube ich, das wichtigste, dass Dein Mann Dir gegenüber auch absolut offen ist, und mit Dir darüber spricht, welche Reize bei ihm die Gedanken an Alkohol aktivieren.

    Ich habe das bei meiner Partnerin auch beobachtet: Sie versucht mich zwar in jeder Form zu unterstützen, aber durch ihre Nichtbetroffenheit kann sie kaum nachvollziehen, ab welchem Moment Alkohol in meiner Nähe für mich zur Belastung wird. Und da hilft dann am besten die Aufklärung von Seiten des Alkoholikers.

    Dir und Deinem Mann alles Gute!

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo Blizzard,

    schön, dass es Dir gut geht, auch wenn Deine berufliche Zukunft im Moment etwas ungewiss erscheint. Vor einigen Jahren haben ein paar Bekannte von mir in Franken ihren Abschluss in SozPäd/SozArbeit gemacht und sind im Pulk nach Berlin in die Festanstellung gewandert. Vom Arbeitskräfteimport zum Einstellungsstopp vergehen manchmal nur wenige Augenblicke :( .

    Ich habe ähnliche Erfahrungen mit einer solchen Jobsituation gemacht, wie Du sie gerade erlebst: Als ich meine Ausbildung gemacht habe (Fachinformatik - Note 1), haben irgendwelche Gesellen gemeint, sie müssten Flugzeuge in Hochhäuser fliegen und im Anschluss haben die Investoren der Welt nach ein paar Zügen an ihren Havannas beschlossen, ihr Kapital aus dem Informationsmarkt zu ziehen, um lieber in Rüstung zu investieren :? ! Als ich fertig war, hätte ich mit meiner Spezialisierung Geld BEZAHLEN müssen, um zu arbeiten!

    Aber ich bilde mich auch stetig weiter, mache einige kleinere Projekte und behalte es mir vor, weiterhin mit Zuversicht in meine berufliche Zukunft zu blicken (auch wenn es tageweise schon mal schwer fällt).

    In diesem Sinne: Alles wird gut!

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo zusammen,

    komme gerade vom Arzt. Zum einen wegen Blutuntersuchung (die ersten Werte waren zwar gut, aber doch so ein wenig am oberen Limit - mal gespannt, wie sich das nach 3 Monaten so erholt hat!), zum anderen wegen des bisher immer ausgefallenen Ultraschalls. Und was soll man sagen? Mein Giftstoffkraftwerk macht einen hervorragenden optischen Eindruck :D ! Sehr schön!

    Dann hatte ich gestern noch ein kleines Erlebnis der etwas unschöneren Art: Ein durchaus als intensiv zu klassifizierendes Streitgespräch mit meiner Partnerin hat sich ereignet und bei mir eine durchaus interessante Verhaltensweise aufgezeigt. Nur so zur Info vorab: Solche Auseinandersetzungen finden bei uns eher selten statt, können aber dann durchaus eine nicht zu unterschätzende Heftigkeit erlangen (wobei ich kurz klarstellen mag, dass hier niemand schlägt und auch keine stumpfen Gegenstände aufeinander geworfen werden ... sind eben beide nur etwas sturköpfig :wink: ). Whatever! Jedenfalls hätte ein solches Gespräch früher 2-3 Extra-Bier als Resultat gehabt - unabhängig vom Verlauf der Streitigkeit :roll: . Auch während der Diskussion hätte ich mir buchstäblich Halt an der Flasche gesucht und diese kaum abgestellt! Nun denn! Dieses Mal jedenfalls gab es natürlich keine Flasche zum Festhalten und auch nur einen ganz kurzen Moment, an dem ich mir etwas Alkoholisches zur Unterstützung 'gewünscht' hätte. Trotzdem kam in mir der Drang auf, etwas zu trinken - im Sinne von allgemeiner Flüssigkeitsaufnahme! Und so habe ich es wirklich innerhalb von 20 Minuten geschafft, 1 Flasche Wasser und einen halben Tetra O-Saft zu vertilgen :shock: . Und es sei bemerkt, dass ich vorher keine wirklichen Durstgefühle gehabt habe. Hmmmm ...

    Jetzt stellt sich die Frage, ob das so in Ordnung ist, oder ob man ein Auge auf ein solches Verhalten haben sollte und gegebenfalls eine andere periphere Beschäftigungsstrategie für Stresssituationen etablieren sollte? Nicht das die Getränkewahl bei Zunahme der Streitintensität irgendwann falsch ausfällt!

    Auf was man so alles achtet ....

    Liebe Grüße

    J. (der seine Partnerin übrigens wieder lieb hat und auch umgekehrt :wink: )

    Hallo Blizzard,

    ist schon irgendwie eine 'doofe' Situation, wenn die Verwandschaft extra zu Sylvester anreist und man selbst nicht an den 'alten Sitten' partizipiert. Aber ich glaube, dass Du das schon so ganz richtig machst!

    Ich werde Sylvester wie die letzen Jahre zusammen mit meiner Partnerin verbringen. Durch unsere Hunde ist das sowieso immer ein 'schwieriges' Fest: Das übliche Geballer um Mitternacht hat doch einen nicht zu unterschätzenden Stressfaktor!

    Diesmal gibt es halt nur keinen Alk.

    Interessant ist folgendes: Während der Entgiftung habe ich mir das Ziel gesteckt, dieses Jahr alkoholfrei zu verbringen und mir am Sylvesterabend zu überlegen, ob ich nicht mit einem Sekt auf das neue Jahr anstossen mag!

    Allein den Gedanken finde ich heute total blödsinnig, 2008 wird auch alkoholfrei :D !

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo Brigitte (und natürlich alle anderen),

    Zitat von Brigitte

    ... Es kommen langsam und vorsichtig Gefühle hoch, die ich während meiner Saufzeit nicht hatte. Nicht unbedingt nur positive Gefühle auch negative ...


    ich sehe vor allem, dass ich Gefühle jetzt immer deutlicher identifizieren kann, je länger meine Abstinenz andauert. So kann ich beispielsweise meine Ängste wesentlich besser spüren, und auch viel genauer beobachten, in welchen Momenten sie entstehen. Im Suff habe ich solche Empfindungen einfach verdrängt oder mir mit einem mich selbst ignorierenden 'Ach stell Dich doch nicht so an!' auf den nächten Tag vertröstet (der in Bezug auf die Ängste natürlich keinen Deut besser wurde!). Ist schon komisch: Irgendwie gewinne ich den Eindruck, dass ich in den letzten Jahren durch meinen Abusus gezielt die Flucht vor der Bearbeitung meiner Probleme praktiziert habe. Da habe ich mir über die Jahre eine richtig wohlige Höhle der Hilflosigkeit geschaffen :? ! Naja ...

    Jedenfalls habe ich mir die kommende Woche mit einer Menge kleiner 'Aufgaben' gespickt, in denen ich meine soz. phobischen Momente ein wenig genauer beleuchten kann, und auch weiter sehen werde, ob und wie stark sich der Gedanke an ein 'Belohnungsbier' zeigen wird :roll: . Solange er nur so kurz aufblitzend wie letzte Woche erscheint, mache ich mir für die Zukunft aber keine große Sorgen!

    Ich wünsch Euch einen guten Start in eine neue (trockene) Woche!

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo zusammen,

    habe gerade 2 leere Flaschen gefunden.

    Im Auto!
    Unter dem Beifahrersitz!
    Alte Wegverpflegungen für die abendlichen Hundespaziergänge!

    Wir Trinker sind doch ein merkwürdiges Volk :roll: !

    Aber wenigstens hat sich dabei emotional nichts weiter ereignet, ausser eben dieser Fassungslosigkeit ob des noch gar nicht so lang vergangenen Verhaltens!

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo Plejaden,

    Zitat von Plejaden

    ... Und aus diesen Schuldgefühlen heraus, um die Verantwortung und die ganzen Damokles-Schwerter wegzuwaschen, hab ich gesoffen.


    Das hätte ich glatt auch in meinem Thread über mich selbst schreiben können :wink: . Nur mit der kleinen Ergänzung, das die Haare der Schwerter über die Zeit ein wenig brüchig wurden und die ein oder andere Klinge nun von der Decke auf mich stürzt :( . Aber bin flink wie ein Wiesel :D !

    Irgendwie ist es doch schon komisch, dass man sich sehenden Auges immer mehr Probleme bereitet, weil man die Effekte der Angst ignoriert oder sich der irrigen Hoffnung hingibt, dass sie vielleicht eines Tages ganz von allein verschwinden werden (ging mir jedenfalls so). Und der Alkohol hat ja dann auch so wunderbar geholfen, die eigene Schieflage zu verdrängen ... jedenfalls bis zum bitteren Erwachen am folgenden Tag :? !

    Angst ist schon eine dumme Sache. Vor allem so eine wie die soziale Phobie! Arbeitest Du eigentlich bereits an diesem Problem, oder hast Du das schon einmal in der Vergangenheit getan? Wir sind ja sozusagen Leidensgenossen, daher frag ich auch nicht ganz uneigennützig :wink: .

    Ist jedenfalls immer wieder schön, in Deinem Thread zu lesen: Klingt doch alles sehr positiv und konsequent in die Zukunft blickend!

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo Lydia,

    schade, dass Du gehst :( , aber Du bist ja auch nicht wirklich weg :wink: !

    Ich wünsche Dir jedenfalls alles Gute und natürlich einen erfolgreichen Weg in die trockene Zufriedenheit!

    Vielleicht führt mich mein Weg eines Tages auch in die Geschlossene, mal sehen :?: , dann lesen/schreiben wir uns wieder.

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo Brigitte, Hallo Plejaden,

    Brigitte :
    Dank Dir für den kurzen Blick in die Zukunft und dem sich immer weiter abschwächenden (obwohl nie verschwindenden) Gedanken an den Alkohol. Ich erinner mich immer gerne an die drei G's zurück, die Du mir ganz am Anfang in den Thread geschrieben hast :wink: !

    Plejaden :
    Dank Dir für Deine Gratulation. Obwohl ich eigentlich gar nicht so viel wert auf dieses Datum lege (ganz ehrlich: ich muss tatsächlich immer wieder nachgucken, ob es jetzt der 16., 17., 18. oder 19. Juli war :roll: ), erfüllt mich mein bisheriger Erfolg doch ein wenig mit Stolz, oder besser gesagt: Selbstzufriedenheit! Ich glaube auch, dass man (also Du und ich und alle anderen, die ihre Abstinenz in Angriff genommen haben) dieses Gefühl auch durchaus ein paar Augenblicke geniessen darf. Ist ja doch eine ganz erhebliche Lebensumstellung, die wir alle da in unserer Anfangszeit in Angriff genommen haben und weiter betreiben.

    Zu diesem kleinen Erlebnis mit dem Saufdruck: Eine Couch zum darauf Verharren hat da leider nicht auf dem Parkplatz vor der Praxis gestanden :wink: . Aber so schlimm war das Gefühl letztlich auch gar nicht: Wäre mir plötzlich ein Flaschengeist erschienen und hätte mir meinen 'Wunsch' erfüllt und eine Flasche Bier gereicht, ich glaube, dieser Versuchung hätte ich auch problemlos widerstehen können.

    Im Grunde genommen hätte es mich auch gar nicht so sonderlich überraschen müssen, in dieser Situation an ein Bier zu denken: Ganz klassisches 'Belohnungs'-Bier! Denn immerhin habe ich ja kurz zuvor einen Erfolg zu verbuchen gehabt! Das mag dem ein oder anderen jetzt vielleicht nicht so ganz nachvollziebar erscheinen, aber: Chirurgen suchen, Termin machen, Termin wahrnehmen(!), Problem besprechen und Termin für die Weiterbehandlung machen ... Das ist für mich schon ein Erfolg, weil ich mich eigentlich immer darum drücke, unbekannte Situationen mit mir unbekannten Menschen zu durchstehen. Das sind eben die soz. phobischen Elemente meiner Perönlichkeit, die mich da behindern: Die eigene 'Sensorik' (Herzschlag, Schweißbildung, Stimme etc.) hoch konzentriert und immer im Hinterkopf der Gedanke daran, was die gegenübersitzende Person jetzt wohl gerade über mich denkt, bzw. ob ich auch 'gut ankomme' :roll: . Und wenn irgendetwas nicht so läuft, wie ich mir das vorgestellt habe, dann immer wieder dieser Gedanke an spontane Flucht: 'Raus! JETZT!'. Irgendwie ist das hochgradig lästig, aber da ich erst langsam damit anfange, mich mit der Thematik intensiver auseinanderzusetzen, wird das wohl eben auch noch ein Weilchen dauern können. Hmmmm....

    Und was ich gerade beschrieben habe, ist natürlich auch der Grund für meine Beobachtungen, die mir manchmal zeigen, dass andere Menschen trotz eines gleichen oder größeren Alkoholmißbrauches ihr Leben besser auf die Reihe bekommen, als ich das hinbekomme: Einen solchen Termin können die meisten doch relativ unvoreingenommen wahrnehmen und machen sich darüber (wenn überhaupt!) keinen besoderen Kopf! Denn das, was ich da so erlebe, gilt natürlich nicht nur für Ärzte: Gänge zum Amt, Bewerbungen schreiben, Vorstellungsgespräche (Horror!) ... überall die gleichen Effekte!

    Und auch wenn ich es prinzipiell als ein separates (vielleicht für den Alkoholismus sogar ursächliches) Problem betrachte, gehört es wohl doch im Endeffekt zur Trockenheitsarbeit!

    Liebe Grüße

    J. (immer noch nachdenklich, aber nicht mehr so ganz düster in die Zukunft schauend!)

    Hallo zusammen,

    habe noch einmal ein wenig über das, was ich gestern in hasenpfoetchen's Thread geschrieben habe, nachgedacht.

    Ich muss sogar gestehen, dass ich mir selbst auch Gedanken gemacht habe, ob mein doch recht früher und bisher einmaliger Entzug auch wirklich von langfristiger Dauer sein wird, bzw. überhaupt sein KANN, eben weil mir genau diese Rückfallerfahrung fehlt!

    Im Grunde genommen sind diese Gedanken auch schon einige Tage her und hier in meinem Faden habe ich die Sache nicht weiter thematisiert, weil ich hier im Forum und auch auf anderen Seiten (Schande über mich!!!) eigentlich genügend Information zum Thema habe erlesen können.

    Nun sind viele der Erfahrungen, die andere gemacht haben, für mich nachvollziehbar und der Rückfall in einigen Geschichten auch nichts anderes, als eine logische Konsequenz. Für mich gilt natürlich das gleiche, auch wenn ich mich (wie sicher auch viele andere) gerne als die personifizierte Individualität betrachte :roll:! Nun versuche ich zwar, möglichst viele der Tipps anzunehmen, die eine dauerhafte Trockenheit versprechen, dennoch sehe ich in meinen eigenen Erfahrungen die ein oder andere Falltür:

    Mein Mißbrauch hat mich körperlich noch nicht angegriffen und die psychischen Belastungen -das sehe ich ja im Augenblick- sind eben nicht (nur) alkoholbedingt. Dazu kommen dann auch Beobachtungen, wie andere Menschen trotz des gleichen Mißbrauches ein 'erfolgreicheres' Leben führen können, als ich es bei meinem eigenen vermag. Und dazu gesellt sich natürlich auch die durchaus fehlende Tiefpunkterfahrung.

    Selbstverständlich habe ich jedoch die negativen Empfindungen noch fest im Gedächtnis und auch die Geschichten von anderen helfen zu erkennen, dass die Wiederaufnahme des Trinkens NIEMALS eine Verbesserung der Lebenssituation bewirken kann. In diesem ausgeglichenen Pause-Zustand, in den ich mein Leben gerade versetzt habe, reicht das auch völlig aus, um keine sehnsüchtigen Gedanken an den Alkohol zu bekommen.

    Nun muss das mit der 'Pause' aber bald ein Ende haben! Ohne einen Job (und die dafür notwendige und anstrengende Suche!) wird das hier bald richtig knapp werden! (Unter knapp verstehe ich, dass der Giro ausgereizt und die Rechnungen bei Mahnstufe 2 angelangt sind). Da kommt also bald eine Menge Druck auf mich zu und nachdem ich ja gestern auch schon einmal dieses "Jetzt ein Bier!"-Gefühl bekommen habe, frage ich mich natürlich, wie ich damit umgehen werde, wenn es unter Stress entsteht, und nicht wie gestern als Belohnung gedacht war. Über diesen Stress mache ich mir da auch weniger Gedanken, schwieriger ist folgendes:

    Ein Verharren auf ALG2 hätte auf Dauer in jedem Falle dramatische Konsequenzen, auch wenn wir hier fern von Saus und Braus leben. Und in diesem Falle würde auch die ursprüngliche Basis meiner Abstinenzmotivation wegbrechen, nämlich den Kopf wieder frei für die Jobsuche zu bekommen, um den wirklich ausgesprochen wenigen Luxus, den wir uns hier gönnen, auch weiter behalten zu können. Und auch wenn ich beim Thema Alkoholismus und der Motivation schon einiges weiter gekommen bin: Ein Scheitern auf diesem Gebiet (Job) würde sozusagen einen Tiefpunkt generieren, der dann erst Monate nach Beginn der Trockenheit seine Auswirkungen auf mein Leben zeigen würde. Und in einer solchen Situation bin ich mir bei aller Arbeit an meiner Trockenheit und Psyche nicht sicher, wie ich reagiere werde :? !

    Aber das gehört wohl auch dazu: Zu Lernen, wie man mit Rückschlägen und anderen negativen Situationen umgeht, ohne irgendwann wieder zur Flasche greifen zu wollen!

    Hmmmm.....

    Liebe Grüße

    J. (heute etwas nachdenklich!)

    Hallo zusammen,

    war gerade beim Arzt! Diesmal nicht wegen dem Alkohol, diesmal ging es zum Chirurgen!

    Ich schiebe diese Sache jetzt schon über ein Jahr vor mir her und eigentlich ist das auch gar nichts von besonderer Dramatik: Der Arzt zeigte mir eine Kettensäge von editAndi und berichtete, dass die Chinesen mittlerweile bei der Produktion von Ersatzgehirnen richtig große Fortschritte gemacht hätten! Den Kostenfaktor hat er natürlich auch betont ..... Hmmm ....

    Ne, Quatsch, ist wirklich nix besonderes, ABER: Immerhin das erste Mal, dass mich Ärzte aufschneiden! Bisher habe ich es eher so gehalten, dass ich zusätzliche Körperöffnungen selbst produziert habe und die Mediziner danach damit beschäftigt habe, diese wieder zu versiegeln.

    Naja, heute jedenfalls Termin zur Vorbesprechung gehabt: Alles durchgesprochen, den Wisch unterschrieben, dass mir alle Risiken etc. klar sind und nen Termin für die OP gemacht. Eigentlich ganz einfach, aber wenn man sich mit soz.phobischen Effekten herumschlagen muss, dann ist ein solches Unterfangen nicht zu unterschätzen!

    Jedenfalls war ich doch recht froh, nach über einem Jahr 'mentaler' Vorbereitung, diesen Termin gemacht und wahrgenommen zu haben. Und dann ....
    Dann kam ER! Der GEDANKE! "Jetzt hast Du Dir ein Bier verdient!"

    Ich war doch ein wenig überrascht, hätte ich eigentlich in der Situation nicht mit gerechnet, zumal ich direkt danach einen weiteren Termin hatte! Dazu muss ich gestehen, war der Gedanke durchaus intensiv: Die Erinnerung an dieses Gefühl, wenn man nach einem anstrengenden Tag die erste Flasche Bier in 120 Sekunden geleert hat und man langsam merkt, wie der Alkohol sich wohlig kribbelnd im Körper ausbreitet, kam plötzlich wieder.

    Suchtgedächtnis! Tja, das habe ich dann wohl auch! Und wenn ich Euch glauben kann, dann wird es wohl auch nie mehr ganz verschwinden :(.

    Wobei ich natürlich noch auf das Ersatzgehirn aus China hoffe :wink:!

    Liebe Grüße

    J.
    editAndi,bitte keine Markennamen,von Werkzeugherstellern benennen!Danke

    Hallo Brigitte,

    ja, ein genießender Suchtraucher bin ich irgendwie auch :wink: .

    Und ich muss noch nicht einmal regelmäßig anstreichen, weil ich vor der Tür rauche (wir haben einen lungenkranken Hund!).

    Aber dennoch: Geld, Gesundheit, die Unfähigkeit, längere Strecken mit dem Auto ohne Pause zu fahren ... Das muss ja alles nicht sein! Außerdem: Die Affinität zur Entwicklung von Krebszellen soll ja durchaus erblich sein. Da meine beiden Großväter an Lungenkrebs verstorben sind, sollte ich dieses Schicksal vielleicht lieber nicht herausfordern :? .

    Naja, wird schon .... gehe jetzt erstmal eine qualmen :wink: !

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo Lydia,

    Zitat von phoenix75

    (du brauchst dich überhaupt nicht raushalten)


    na, dann mag ich doch auch noch einmal :wink: ... Auch wenn es hier ja hoch hergegangen ist :?

    Hinter den von Dir beschriebenen Ansprüchen stecken dann ja doch eher Selbstzweifel und Ängste. Lieber die Messlatte zu hoch ansetzen oder sich etwas 'Unterlegenes' an Land ziehen und am Ende doch wieder die Flucht ergreifen. Hmmmm, irgendwie kann ich da auch so einiges nachvollziehen (Und das als Mann!).

    Mein beschädigtes Selbstwertgefühl hat sicher ebenso wie das Deine seine Wurzeln in der Kind- und Jugendzeit gefunden. Meine Eltern hatten und haben auch einen chronischen Alkoholmissbrauch vorzuweisen. Zwar habe ich keine Gewalt erfahren, die finanzielle Situation war immer rosig und auch Alkoholexzesse sind ausgeblieben, dennoch glaube ich als Kind ein deutliches Defizit an Zuneigung und Beachtung bekommen zu haben :( .

    Wirkliche Aufmerksamkeit habe ich nur bekommen, wenn ich etwas aussergewöhnlich gut gemacht habe; hielten sich solche Leistungen (z.B. in Form von Schulnoten), dann wurde das schnell wieder normal und dem wurde keine besondere Beachtung mehr geschenkt.

    Für mein Beziehungsleben (und auch in beruflichen Dingen) hatte das zur Folge, dass ich mich eigentlich immer als ungenügend oder mangelbehaftet wahrgenommen habe: 98,7% aller Frauen hätten etwas Besseres als mich verdient. Dumme Sache! Viele frische Beziehungen habe ich dann 'vorsätzlich' kaputt gemacht, in dem ich gezeigt habe, wie #### ich sein kann (Motto: rosarote Brille runterreißen!), andere sich anbahnende Beziehungen habe ich dann schon im Vorfeld aufgegeben, weil ich geglaubt habe 'Das wird eh nix: Dieser Frau kannst Du nicht gerecht werden!'.

    Und so sind die Jahre ins Land gegangen ... bis ich bei meiner jetzigen Partnerin mal versucht habe, all diese Selbstzweifel und niedermachenden Gedanken bei Seite zu drücken (war schon manchmal schwierig). Sie ist damals auf mich zugekommen und ich hab mich einfach mal darauf eingelassen OHNE mir tausend Gedanken zu machen, was an mir Alles nicht stimmt, und warum auch diese Beziehung nach spätestens drei Monaten wieder verflogen sein wird!

    Und was ist daraus geworden? Fünf Jahre Partnerschaft mit Höhen und Tiefen und einer Menge Freundinnen meiner Partnerin, die mich gerne mal ausleihen möchten :wink: . Also so ein schlechter Mann kann ich dann ja wohl doch nicht sein :D (auch wenn es mir immer noch schwer fällt, das manchmal zu glauben!).

    Hmmm, jetzt weiss ich gar nicht, ob Dir das, was ich grad geschrieben habe, überhaupt hilft? Hab ja nur von mir berichtet! Aber ich denke, es ist so, wie kommal es vor einigen Beiträgen kurz und knapp formuliert hat: Einfach mal zulassen und ausprobieren! Irgendwann klappt das dann auch bei Dir mit einem liebevollen Partner. Bin ich ganz sicher!

    Liebe Grüße

    J.