Hallo Ihr
Wieder ne Woche vergangen.Und mir gehts gut.Ich mache immer noch zuviel,mag sein.Aber mir tut es im Moment gut am Haus zu werkeln.Viele Kleinigkeiten ,die liegen geblieben sind,gehe ich nun Stück für Stück an.Und wenn dann wieder ein Teilerfolg zu sehen ist,freue ich mich diebisch.Ich guck mir dann die Sache immer wieder an im Laufe der nächsten Tage und kann mich dadrüber freuen.Und das ist das Gute:meine Betrachtungsweise hat sich geändert.Ich bin nicht mehr der eine,der sich hier als Alleinkämpfer schindet um irgendwann mit irgendwas fertig zu werden sondern mache diese Sachen für mich.Weil ich Freude daran habe,etwas zu tun.Manchmal geniesse ich es,wenn meine Leute erst Tage später meine "Werke" entdecken...Und es gibt in meiner Familie einen neuen Begriff für meine Tätigkeiten:"Der Vater ist wieder im Keller."-"Und was macht er da?"-Na was schon:Er kellert wieder..."
grins.
Das Verhältnis zu meinem jüngeren Sohn hat sich gebessert.Ich habe keine Ahnung,was da jetzt anders läuft.Was ich jetzt anders mache,weil es besser klappt mit uns.Aber es ist richtig schön,so wie es jetzt ist.
Und weil das noch nicht alles ist,sind auch ganz neue Menschen in mein Leben getreten.Leute ,die ich so noch nicht kennengelernt habe,obwohl ich glaubte ,sie zu kennen.Das tut so unglaublich gut,wenn man(ich) von außerhalb höre,du machst deine Sache richtig gut.So ein unverhofftes Lob zu hören,zu bekommen,das ist einfach Spitze.Und auch meine Frau erzählt mir von einem Gespräch,in dem es um eine andere Frau geht,die sich aufgrund ihrer Alkoholsucht kurzerhand selbst einwies.In die Klinik.Und dann sagt sie,sie empfindet große Hochachtung vor denen ,die etwas gegen ihre Sucht tuen.Wobei ich glaube,dass nur Betroffene wissen,wie schwer es wirklich ist.Standhaft bleiben und durchzuhalten.In einer Welt,wo Trinken und Saufen schon fast zum guten Ton gehört.Wo dich zuallererst auf Werbeprospekten die Angebote von Bier und Schnaps anspringen.Wo sämtliche Werbung im TV mit Alkohol verbunden ist....Dabei ist es nicht so,das ich nicht Gelegenheit hätte.Gelegenheit zu trinken.Ich habe meine Freiheiten,bin auch öfters alleine(was ich sehr geniesse) und könnte sicher trinken ,wenn ich das wöllte...
Aber:ich will das nicht!
Mir ist wirklich,als hätte sich eine neue Welt geöffnet ,durch meinen Ausstieg aus der Sucht!Dafür bin ich sehr dankbar.
Nun ist mir klar,das nicht immer "Friede,Freude,Eierkuchen" ist.Das es auch weiter Tage gibt,geben wird;an denen alles grau und trübe zu sein scheint.Ich weiß,das das,was ich jetzt die letzten vlt. 3Wochen erlebe,nur eine Momentaufnahme ist.Ich weiss,das auch früher nicht alles schlecht war und das ich allen und auch mir Unrecht tue,alles zu verdammen ,was da früher war.Das gehört alles zu meinem Leben.Und manchmal vergesse ich,wie schön das Leben bisher war.Und das die Leute,die früher an meiner Seite waren,für diese Zeit vlt genau die richtigen waren.Weil es mir erst mal richtig schlecht gehen mußte,um wieder auf die Beine zu kommen.
Manchmal fühle ich mich auch gedrängt,zu erklären,warum ich jetzt so bin,wie ich bin.Warum ich meine Freiheit brauche,auch vor der Familie,um wieder klar zu werden im Kopf.
Und so schön auch der Winter ist,ich freue mich schon drauf die Inliner wieder anzuziehen und loszustürzen.Und darauf,meinen Wald wieder zu durchjoggen.
LG an alle
Lütze