Hallo Lütze,
ich habe Dir lange nicht mehr geschrieben, aber aufmerksam bei Dir gelesen; und dabei habe ich den Eindruck, dass Du bei Deinem "Thema Nr. 1", nämlich der Trauer um die zerbrochene Beziehung nicht wirklich voran kommst. Deine Hoffnung, dass Deine Frau merkt, dass sie ohne Dich nicht leben kann und deshalb ganz schnell mit strahlenden Augen zu Dir zurückkommt, beschäftigt Dich so sehr, dass Du Deine eigentliche Arbeit an Deiner Trockenheit vernachlässigst.
Du hast es doch inzwischen schon oft gehört: Übe Dich in Geduld - sowohl in Bezug auf Deine Beziehung als auch bezüglich der Therapie! Aber lass es nicht dabei bewenden; sondern beginne, Dein Leben selbst in die Hand zu nehmen und Deinen Alltag zu strukturieren. Dazu gehört auch, dass Du Dir ein Programm für die Zeit machst, nachdem Du Deinen Kleinen bei seiner Mutter abgegeben hast. Denn nur so kannst Du die schlimmen Stunden des Alleinseins anschließend ertragen ohne wieder in Dein zerstörerisches Selbstmitleid zu verfallen. Glaube mir, ich weiß aus eigener Erfahrung, wovon ich da rede. Und gewöhn Dich an den Gedanken, dass Deine Ehe Vergangenheit ist. Wie heißt es so schön: Das Leben ist nun mal kein Ponyhof, wo zum Schluss eine gute Fee für das ersehnte Happy-End sorgt.
Arbeite lieber daran, zu Deiner Frau und den Kindern ein ungezwungenes freundschaftliches Verhältnis zu schaffen, damit nicht jede Begegnung und jedes Telefongespräch zu einem totalen seelischen Krampf führt, der Dich - und sie vermutlich auch - total runter zieht und kaputt macht. Ich kann mir gut vorstellen, dass Deine Frau trotz aller Liebe zu Dir und Sehnsucht nach Geborgenheit in der Partnerschaft zur Zeit noch eine unüberwindbare Angst hat, von Deinen Problemen auf dem Weg in die Abstinenz - und vor allem auch zu Dir selbst - erdrückt zu werden. Sie hat mit ihrem eigenen einsamen Leben und der Sorge für den Kleinen bestimmt genau so viel zu kämpfen wie Du mit Dir. Und gemeinsam wäre die Gefahr endgültig zu straucheln doch viel zu groß.
Versuche es doch vielleicht einmal so zu sehen: Stecke Deine ganze Energie in Deinen Genesungsprozess, der dazu führt, dass Du Dich selbst kennen und wertschätzen lernst. Du wirst dabei auch lernen, Probleme ohne Existenzängste zu analysieren und Lösungen zu finden, also Erfolgserlebnisse selbst zu produzieren. Genau so wirst Du lernen, Probleme und Erlebnisse zu ertragen, für die es keine Lösungen oder kein Happy-End gibt.
Das Wichtigste aber ist, dass Du Dich am Ende stark und selbstbewusst fühlen wirst, und Deine Umgebung das auch erkennt. Erst an diesem Punkt, der möglicherweise erst in zwei Jahren erreicht wird, solltest Du Dir Gedanken um Deine Partnerschaft machen, weil Du es erst dann wirklich verantworten kannst. Aber versteife Dich nicht darauf, dass Deine Exfrau so lange auf Dich warten wird, weil sonst nämlich der Erfolg Deiner Therapie von Beginn an in Gefahr ist. Wenn es so sein soll, wirst Du es ohnehin nicht ändern können. Also: Pack endlich Dein neues Leben an und warte nicht darauf, dass Dir alles mundgerecht präsentiert wird.
Auch hier im Forum hast Du ja schon mitbekommen, dass Du nicht nur getröstet und gestreichelt wirst, sondern dass Du hier nach dem Prinzip "Hilfe zur Selbsthilfe" durchaus auch unbequeme Ratschläge bekommst, weil alles andere nicht hilfreich wäre.
Ich wünsche Dir viel Kraft und weiterhin gute 24 Stunden.
Lumho-Michael