Hey Cindy,
Ich lese schon'ne ganze Weile bei Dir mit und will Dir jetzt auch mal was schreiben.
Ich kann dir nur raten, Dich von Deiner Mutter KOMPLETT abzugrenzen, andernfalls wird das Spiel, dass sie mit Dir treibt, bis zum Tag X weitergehen, und an diesem Tag X seid Ihr dann beide "am Ende". Lass Dich von Ihr nicht manipulieren und mit runterziehen, Du bist nicht Ihr Betreuer oder Kindermädchen, von daher ist die Drohung mit der "unterlassenen Hilfeleistung" natürlich 'ne absolut hohle Floskel, aber das ist Dir sicherlich klar. Zumal, wenn sie Dich anrufen kann, warum kann sie dann nicht selbst den Arzt anrufen??
Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass Du nix lieber tätest, als Dich um sie zu kümmern, aber damit hilfst Du ihr nicht, ganz im Gegenteil, sie wird sich erst recht nicht mit ihrer Sucht auseinandersetzen. Und sei Dir sicher, selbst wenn Du bei ihr einziehen würdest, sie würde Dich trotzdem anschreien, Du wärest an allem schuld (was auch immer es sein mag), nix, aber auch gar nix würde besser, nur Du würdest Dich noch schlechter fühlen.!!!
Also, versuche, ich zu distanzieren, kümmere Dich um Dich (und Deinen Freund!!), jeder hat es verdient, glücklich zu sein und SEIN Leben zu führen.
Ach so, was ich noch sagen wollte:
Zitat
Ich versteh einfach nicht warum die Ärzte sie nicht darauf ansprechen mann muss das doch im Blut
sehen das sie getrunken hat selbst wenn ich den Ärzten sage das sie alkoholikerin ist die versuchen sie nicht mal dazu zu bringen darüber zu sprechen.
Das wäre schön, ABER: Nur, weil jemand mit Alkohol im Blut ins KH kommt ist er nicht zwangsläufig Alkoholiker, ausserdem dürfen Dir die Ärzte ja auch nicht alles erzählen, was sie ggf Deiner Mutter sagen, will heissen, vielleicht haben sie es bei ihr angesprochen, es hat Dir nur keiner was davon gesagt. Und selbst wenn, sie dürfen sie ja nur behandeln und dabehalten, wenn sie es will, gegen ihren Willen geht da nix (auch wenn wir das vielleicht gern so hätten!!). Dazu kommt, dass die Ärzte 1. im Normalfall bei Neueinlieferungen keinen Alk-Test machen (wozu auch, nicht jeder mit einem gebrochenen Bein ist auch besoffen) und 2. sich damit auch u.U. auf jur. Glatteis begeben (Stichwort körperliche Unversehrtheit), und 3. dürfen sie ja nur Dinge untersuchen, die in irgendeiner Weise mit der Diagnose und der anstehenden Behandlung zu tun haben (Stichwort Bezahlung). Ausserdem ist der Alk ja nach kurzer Zeit (Abbau ca 0,15promille/std) auch gar nicht mehr nachweisbar. Mal davon abgesehen kommen unseren lieben Alkis ja i.d.R. nicht explizit wegen des Alks ins KH, sondern, weil sie z.B. gestürzt sind und sich was gebrochen haben, oder, weil sie hilflos aufgefunden wurden oder ähnliches. Sie kommen dann auf die Chirurgie oder die Innere, wo ihre körperlichen Symptome behandelt werden. Psychologen sind da in der Regel nicht anzutreffen. Die kommen meistens erst bei solchen Sachen wie Suizidversuch etc zum Einsatz.
Und schlussendlich, wenn der Alki nicht sehen will, dass er Alki ist, dann hat auch ein Arzt keine Chance. Und es ist in Deutschland nicht verboten, sich totzusaufen. Die Ärzte können ihr also zwar sagen, dass sie nicht mehr soviel oder am besten gar nix mehr trinken sollte, einhalten muss es aber der Betroffene selbst. Verhält sich im Grunde genauso, als wenn Dir Dein Arzt sagen würde "Sie sollten weniger Rauchen!" oder "Sie sollten mehr Sport machen!". Macht man dann ja trotzdem nicht..!! 
So jetzt hab ich Dir wohl ein bißchen die Illusion genommen, dass alles gut wird, wenn sie ins KH kommt, oder? OK, war auch Sinn der Aktion. Aber noch was Versöhnliches zum Abschluss: Wenn Deine Mutter gegenüber dem behandelnden Arzt etwas sagen würde wie: "Ich glaube, dass ich Alkoholiker bin und ich möcht mich behandeln lassen!", dann kannst Du sicher sein, dass die das auch Ernst nehmen und ihr helfen. Nur der erste Schritt, der MUSS von ihr kommen.
Also, ich wünsch Dir viel Kraft, und schreib hier ruhig alles, was Dich bedrückt, hier findest du immer ein offenes "Ohr".
Liebe Grüße
Der Insulaner