Hallo, hier bin ich –wer da?

  • Hallo Janney,

    erstmal begrüße ich Dich herzlich hier im "Kinder-Bereich" !

    Schön, daß Du da bist!

    Zitat von Janney


    So – ich weiß nicht, ob es hilft, wenn ich mich jetzt für die unverschämte Länge meines Traktats entschuldige, wahrscheinlich liest das eh kaum einer zu Ende. Aber das oben Geschriebene ist eh nur die Spitze des Eisbergs....

    Du musst Dich hier für gar nichts entschuldigen.

    Schreibe bitte so oft und so viel Du magst.

    Ob es gelesen wird (wovon ich überzeugt bin) oder nicht, ist doch zweitrangig.

    Es sind Deine Gefühle und Gedanken und es ist Deine Geschichte.

    Oftmals hilft alleine das Aufschreiben, Dinge klarer zu sehen oder Vergangenes besser aufzuarbeiten.

    Ich wünsche Dir hier einen hilfreichen Gedanken- und Erfahrungsaustausch mit all den anderen Kindern.

    Sie werden Dich gut verstehen, denn alle haben ihr Schicksal, so oder so ähnlich!

    Lieben Gruß
    Speedy

  • hallo janney,

    nö, keine sorge, wir hier sind lange texte gewohnt - und die meisten von uns schreiben wohl gerne viel, du befindest ich also in vielerlei hinsicht in guter gesellschaft :wink:.

    auch deine gedanken in bezug auf innen und außen können wir hier alle wohl auch gut nachvollziehen. ich hab mich in ganz vielem bei dir sehr wiedererkannt: wie ich mich sehe, und wie andere das tun, wie tough ich im job wirke und agieren kann, und wie klein und doof ich mir oft vor mir selber vorkomme, wie schwer ich mich oft tue/tat, menschen (emotional) nahe an mich heranzulassen, obwohl man mich draussen für den immer gut gelaunten clown mit vielen kontakten hält.

    ich glaube, das ist genaus das, was wir alki-kinder von frühester kindheit an gelernt haben, theater zu spielen, so zu tun als ob und möglichst keine angriffsfläche zu bieten. diese verhaltensweisen ziehen sich durch bis ins erwachsenenleben, und machen es uns oft schwer, "normale" beziehungen zu leben, sei es mit einem partner, im job, im freundeskreis oder eben in der familie. ich bin da auch erst ganz langsam nach und nach drauf gekommen, was welche "macken" verursacht haben könnte, zum einen durch eine therapie, die ich vor langer zeit mal gemacht habe, durch das forum hier, seelsorgegespräche mit meinem pfarrer und die lektüre einschlägiger bücher. das leben wird nicht leichter dadurch, aber man kann sich anders ansehen und auch gnädiger mit sich sein. das zumindest habe ich als große erleichterung empfunden, mich nicht mehr "einfach so" für bekloppt und "anders" zu halten, sondern manches herleiten zu können aus meiner kindheit. und aus dieser erkenntnis heraus lassen sich stück für stück auch manche verhaltensweisen ändern, naja, und mit anderen macken wird man wohl weiterleben müssen. aber das macht uns nun mal aus.

    ich freu mich auf den austausch mit dir.

    lieben gruß

    lavendel

  • hallo und willkommen hier im forum..liebe janney..

    mir fiel da etwas ein was ich in meiner shg gehört habe..thema war..sehnsucht nach veränderung..du schreibst ja..das du möglichst weit weg gezogen bist..in der shg sagte man:egal wohin und egal wie weit weg du gehst..du nimmst immer "einen" mit..und zwar DICH..ja..so ist es wohl..du kannst machen was du willst..du wirst all deine unguten erfahrungen,erinnerungen,probleme die daraus für dich entstanden sind.."mitnehmen"..

    ich für meinen teil denke..das dein ausbruch bei den wirtsleuten lange längst überfällig war..und "er" der anfang deiner bewältigung des "riesen berges" sch... sein könnte..

    versuche es doch mal so zu sehen..
    du hast begonnen..den so kranken "schein" NICHT mehr zu wahren..du hast für dich entschieden(unter welchen umständen auch immer)..EHRLICH zu sein..das allein zählt..du fängst an..für DICH zu entscheiden(im bezug auf deine eltern)..in dem moment war es für DICH richtig..ja..das DARFST DU..und solltest es in zukunft immer wieder machen..immer und immer wieder..und JEDES mal wird es DIR ein stück weit weiter helfen..mit dem was du dein leben lang mit dir rumschleppen MUSSTEST.."besser" fertig zu werden..

    was deine eltern anbetrifft..was sich bei ihnen "nun" abspielt..oder noch abspielen wird..sollte dir ganz egal sein..denn NICHT du lebst "solch ein leben wie sie"..SIE ALLEIN HABEN SICH "DIE SUPPE" EINGEBROCKT!!!!!!solln se zusehen wie se da wieder "sauber" rauskommen..
    DU hast lange genug geschwiegen..ist ja schliesslich NICHT so..alsdas du irgendwelche lügengeschichten verbreitet hast..

    steh für DICH dazu..egal was eventl.für vorwürfe und gemeinheiten von ihrer seite kommen werden..sie sind NICHT war..aus deinen eltern wird der alkohol und ihre abhängigkeit sprechen..denk immer daran!!!

    es wird nicht leicht..denn sowas müssen wir alle erst mühsam lernen..ich kann dich aber trösten..indem ich dir verspreche..das es zu schaffen ist..stück für stück..kann es dir besser gehen..du hast ja schon begonnen mit dem ausbruch..und mit der anmeldung hier..darauf kannst du schon mal stolz sein..finde ich..

    lese dich hier erstmal in aller ruhe durch..auch das hilft ungemein..
    schreibe wann und was immer DICH beschäftigt..wenn du magst..ES HILFT..

    liebe grüsse caro

    dem was über mich einstürmt,möchte ich gelassen gegenüber stehen...

  • hallo janney,

    schön, dass du mit deiner vergangenheit alles in allem klarkommst.

    bei einer sache hab ich ja gegrinst. ich hab auch mit mitte 20 geheiratet und stand vor der situation "wie halt´ ichs mit meiner mutter?". ich hab sie schliesslich schweren herzens nicht eingeladen, weil ich einfach angst hatte, dass sie mir meine feier sprengt, indem sie sich betrinkt. in der folge hat der rest meiner verwandtschaft mütterlicherseits abgesagt, weil sie das so unmöglich fanden. ich fands trotzdem richtig. die ehe hat übrigens auch nicht gehalten :wink:.

    dann nochmal zum theaterspielen. ich meine das garnicht so sehr in bezug auf meine alki-eltern, meine freunde wissen alle davon, und daher muss ich auch nicht erklären, warum ich zum beispiel an weihnachten meine mutter nicht sehe oder sie nicht besuche, und wenn, dann nur auf zwei stunden in einem café (sie wohnt 300 km von mir entfernt). das theaterspielen meine ich eher in bezug auf weiter entfernte menschen. bekannte, kollegen. da wirds schon schwerer zu erklären, warum man seine mutter allenfalls einmal im jahr sieht, wenn überhaupt. oder so zu tun, als mache es einem nichts aus, weihnachten alleine zu verbringen, oder dass die eigene mutter den geburtstag "vergisst". ich hab auch keine geschwister, und meine liebste verwandte war meine großmutter, die auch schon einige jahre tot ist. und ich denke, hier tut man - ich zumindest - immer noch so, als sei das alles "nicht so schlimm", obwohl ich natürlich meine kollegen glühend beneide, die von familie erzählen, der eigenen und der herkunftsfamilie. und dann kommt auch schon groll hoch auf meine eltern, die mir kein "normales" aufwachsen ermöglicht haben.

    zu deiner frage, wie man das trinken körperlich so lange aushält: keine ahnung. meine mutter treibt es mittlerweie auch seit 35 jahren, mal mehr, mal weniger. da wundere ich mich auch....

    und zu dem ausbruch bei den wirtsleuten. ich denke, das zeigt dir ganz deutlich, dass deine geschichte nur verbuddelt und nicht verarbeitet ist. ich kenne das auch von mir früher. wenn ich was getrunken hatte und jemand unwissentlich den richtigen knopf gedrückt hat, ist aus mir auch alles nur so rausgesprudelt, dass ich mich nachher geschämt hab. konsequenz (zumindest für mich): finger weg vom alkohol, solange man sich nicht in absolut vertrauter umgebung befindet. weil ich genau weiss, dass die wunden eben immer noch nicht richtig geheilt sind, trotz der langen zeit, die vergangen ist, trotz therapie und allem. ich denke auch, die trauer um eine verlorene kindheit und der schmerz um das "unheile" leben, das wir immer noch führen - zumindest in uns - wird wahrscheinlich auch nie vergehen.

    liebe grüße

    lavendel

  • hallo jeanny,

    Zitat von Janney

    Was die Gaffer betrifft: Die Situation verfolgt mich noch immer und inzwischen nervt es mich, dass ich damals nicht einfach zu beiden Paaren hingegangen bin und sie jeweils gefragt habe: Guten Abend, kann ich ihnen helfen oder sonst etwas dazu tun, damit Sie mich nicht den ganzen Abend anstarren müssen? - Kennst Du das auch, dass Dich solche "verpaßten" Situationen lange Zeit quasi verfolgen? Mir geht das ziemlich oft so und das ist lästig und manchmal quälend, weil ich denke, dass ich mir das Problemewälzen mit etwas mehr Schlagfertigkeit bzw. einer anderen Reaktion meinerseits hätte ersparen können..... Manchmal habe ich wegen solcher Gedanken auch schlaflose Nächte. Ätzend.

    jein. zu deiner situation fallen mir zwei sachen ein. das eine ist, dass ich früher auch immer alles mögliche auf mich bezogen habe. wie die stimmung irgendwo ist, ob ich mich "adäquat" verhalten haben, was andere in mir lesen, was sie von mir denken, ob sie mich mögen, ob ich mich "richtig" verhalten habe.... und all das in situationen, in denen "normale" menschen überhaupt keinen gedanken darauf verschwendet hätten. ich hab irgendwo mal gelesen, dass gerade alki-kinder buchstäblich "unheimliche" antennen für situationen und stimmungen entwickeln. und sich eben sehr viel häufiger als andere angesprochen fühlen. in deiner situation tippe ich einfach mal, dass du dich unwohl fühltest und jedes dich ansehen genau darauf bezogen hast, dass du nicht bei deinen eltern übernachtest. aber weisst du, ob diese beiden ehepaare das 1. wussten und 2. dich deshalb angesehen haben? nein, oder? mir scheint das eher eine projektion zu sein, denn, sei mal ehrlich: gibt es bei einer geburtstagsfeier nicht spannendere themen, als ob die tochter bei den eltern übernachtet?

    mag sein, dass dir das jetzt relativierend vorkommt. mir aber helfen solche gedanken, wenn ich mir das leben unnötig schwer mache. wenn ich mir sage, ich bin nicht der mittelpunkt des interesses, und selbst wenn: was kratzt es mich? ich hab eine handvoll leute, bei denen es mir wichtig ist, was sie von mir denken. beim "rest" der welt ist mir das schnurz, zumindest solange ich mit mir im gleichgewicht bin. und das ist das wirklich wichtige in meinem leben: wie schaffe ich es, dass ich mit mir in meinem leben zufrieden bin? wenn ich das bin, ist mr der rest egal. wenn ich das nicht bin, bin ich anfällig für die meinung anderer. was wieder typisch alki-kind ist, und davon wollen wir doch weg, gelle :wink:?

    naja, und dass man sich im nachhinein über situationen ärgert, weil man nicht schlagfertig genug war? ja, das kenne ich auch, aber das halte ich eher für ne charaktersache, und das hängt auch sehr vom thema, der eigenen befindlichkeit und den beteiligten personen ab. manchmal geht das, manchmal eben nicht. klar ärgere ich mich darüber auch, manchmal wochenlang, aber auch sowas kann ich mir (mittlerweile) verzeihen. shit happens, und beim nächsten mal passiert mir das nicht wieder...

    liebe grüße

    lavendel

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