Hallo Ihr anderen Forum-Mitglieder,
mein Name ist Petra, ich bin Anfang 40 und habe zwei Kids. Meine beiden Eltern sind bzw. waren alkoholabhängig.
Mein Papa hat gerne in Gesellschaft getrunken und hat daraus auch nie einen Hehl gemacht, bis im September/Oktober 2006 ein Leberzellkarzinom (HCC) diagnostiziert wurde, an dem er am 11. Februar 2007 gestorben ist.
Diese 4 1/2 Monate waren die intensivste Zeit, die wir je miteinander hatten, denn nach der Scheidung (ich war 3 Jahre alt) bin ich bei meiner Mutter aufgewachsen. Gerade die letzten Wochen waren sehr schwer für mich, und am Tage seines Todes war ich bei ihm und habe ihn bis zu letzt begleitet.
Nachdem das Trauerjahr nun gerade rum ist (die Bedeutung des Wortes TrauerJAHR war mir vorher gar nicht so richtig klar!) und der Frühling in Sicht ist, ging es mir so langsam wieder richtig gut.
Anfang dieser Woche wurde nun meine Mutter in die Gerontopsychiatrie eingewiesen, und die Arbeitsdiagnose lautet Korsakow-Syndrom!
Sie war mit ihrem Hund von einem Busfahrer aufgegriffen worden, als sie nicht ausstieg und auch nicht mehr wusste, wohin sie fahren möchte. Er hat dann die Polizei verständigt, die sie nach Hause gebracht hat und dann gleich beim Hausarzt auf der Matte stand. Der wiederum rief mich an und wollte sie einweisen (eine Woche zuvor war sie bereits in der Praxis erschienen und wusste nicht mehr, was sie wollte).
Seit etwa einem Jahr bin ich mit ihr beim niedergelassenen Neurologen, da sie immer vergesslicher wurde. Der hat zunächst Parkinson vermutet, da sie so kleine Tippelschritte machte und insgesamt auch nicht sehr beweglich war. Also hat sie xxx bekommen, zunächst 3x eine halbe, dann 3 x 1. Nachdem sich die Gedächtnislücken aber nicht gebessert haben, hat er ihr zusätzlich noch 3 x täglich xxx verschrieben, doch auch damit zeigte sich keine signifikante Verbesserung.
Meine Mama lebt schon seit vielen Jahren mit ihrem Hund sehr zurückgezogen und hat am liebsten ihre Ruhe hat, daher habe ich viele „Geschichten“ die sie so erzählt hat, oft dahingehend abgetan, dass sie keine Lust hat auf meine Fragen zu antworten. Der Neurologe vermutete auch einen psychosomatischen Zusammenhang. Als ich ihm nun im Januar aber erzählte, dass sie manchmal irgendwo ist und nicht mehr weiß, was sie dort will, hat er uns eine Klinikeinweisung gegeben. Auf diesen Platz warteten wir gerade, als die Sache mit dem Bus dazwischenkam…
Der diensthabende Arzt in der Klinik hat mir gestern das CT gezeigt, und auf dem im Frontalhirn ist eine deutliche Atrophie von ca. 1 cm zu sehen. Das Labor hat einen MCV von 107 (Referenzwert max. 98 ) gezeigt!!
Dass meine Mama gerne abends "ihr Weinchen" trinkt, wusste ich. Dass sie wohl aber über Jahrzehnte hochdosiert Alkoholmissbrauch betrieben hat, hat mich fast der Schlag getroffen!!
Das hätte ich nie vermutet. Nun steht also die vorläufige Diagnose Korsakow im Raum, und alles was ich darüber gelesen habe, passt auch auf Mama:
- Extrem schlechtes Kurzzeitgedächtnis (Was gab’s denn gerade zum Mittagessen?)
- Dinge von früher weiß sie noch
- Wenn sie keine Antwort weiß, dann erfindet sich halt etwas (erzählt Geschichten)
- Sie weiß nicht, welches Datum bzw. Jahr wir haben, sie kennt ihr Alter nicht und hat keine Ahnung, in welchem Stockwerk wir gerade sind
Nachdem ich Parkinson und Alzheimer (was beides lt. Neurologe im Raum stand) nie so richtig glauben konnte, finde ich Mama in der Beschreibung von Korsakow auch nun zum ersten Mal so richtig wieder!
Am Montag soll nun noch eine Lumbalpunktion gemacht werden, um einen entzündlichen Prozess auszuschließen.
Wie Ihr Euch vorstellen könnt, geistern mir nun 1.000 Fragen im Kopf rum!
Wie geht das nun weiter????
Ich hoffe, in diesem Forum Unterstützung zu bekommen, dass viele von Euch sicher Ähnliches erleben wie ich.
Vielen Dank,
Petra
edit summerdream: bitte keine medikamentennamen nennen - thx