Vater an Leberkrebs gestorben / Mutter jetzt wahrs. Korsakow

  • Hallo Ihr anderen Forum-Mitglieder,

    mein Name ist Petra, ich bin Anfang 40 und habe zwei Kids. Meine beiden Eltern sind bzw. waren alkoholabhängig.

    Mein Papa hat gerne in Gesellschaft getrunken und hat daraus auch nie einen Hehl gemacht, bis im September/Oktober 2006 ein Leberzellkarzinom (HCC) diagnostiziert wurde, an dem er am 11. Februar 2007 gestorben ist.

    Diese 4 1/2 Monate waren die intensivste Zeit, die wir je miteinander hatten, denn nach der Scheidung (ich war 3 Jahre alt) bin ich bei meiner Mutter aufgewachsen. Gerade die letzten Wochen waren sehr schwer für mich, und am Tage seines Todes war ich bei ihm und habe ihn bis zu letzt begleitet.

    Nachdem das Trauerjahr nun gerade rum ist (die Bedeutung des Wortes TrauerJAHR war mir vorher gar nicht so richtig klar!) und der Frühling in Sicht ist, ging es mir so langsam wieder richtig gut.

    Anfang dieser Woche wurde nun meine Mutter in die Gerontopsychiatrie eingewiesen, und die Arbeitsdiagnose lautet Korsakow-Syndrom!

    Sie war mit ihrem Hund von einem Busfahrer aufgegriffen worden, als sie nicht ausstieg und auch nicht mehr wusste, wohin sie fahren möchte. Er hat dann die Polizei verständigt, die sie nach Hause gebracht hat und dann gleich beim Hausarzt auf der Matte stand. Der wiederum rief mich an und wollte sie einweisen (eine Woche zuvor war sie bereits in der Praxis erschienen und wusste nicht mehr, was sie wollte).

    Seit etwa einem Jahr bin ich mit ihr beim niedergelassenen Neurologen, da sie immer vergesslicher wurde. Der hat zunächst Parkinson vermutet, da sie so kleine Tippelschritte machte und insgesamt auch nicht sehr beweglich war. Also hat sie xxx bekommen, zunächst 3x eine halbe, dann 3 x 1. Nachdem sich die Gedächtnislücken aber nicht gebessert haben, hat er ihr zusätzlich noch 3 x täglich xxx verschrieben, doch auch damit zeigte sich keine signifikante Verbesserung.

    Meine Mama lebt schon seit vielen Jahren mit ihrem Hund sehr zurückgezogen und hat am liebsten ihre Ruhe hat, daher habe ich viele „Geschichten“ die sie so erzählt hat, oft dahingehend abgetan, dass sie keine Lust hat auf meine Fragen zu antworten. Der Neurologe vermutete auch einen psychosomatischen Zusammenhang. Als ich ihm nun im Januar aber erzählte, dass sie manchmal irgendwo ist und nicht mehr weiß, was sie dort will, hat er uns eine Klinikeinweisung gegeben. Auf diesen Platz warteten wir gerade, als die Sache mit dem Bus dazwischenkam…

    Der diensthabende Arzt in der Klinik hat mir gestern das CT gezeigt, und auf dem im Frontalhirn ist eine deutliche Atrophie von ca. 1 cm zu sehen. Das Labor hat einen MCV von 107 (Referenzwert max. 98 ) gezeigt!!

    Dass meine Mama gerne abends "ihr Weinchen" trinkt, wusste ich. Dass sie wohl aber über Jahrzehnte hochdosiert Alkoholmissbrauch betrieben hat, hat mich fast der Schlag getroffen!!

    Das hätte ich nie vermutet. Nun steht also die vorläufige Diagnose Korsakow im Raum, und alles was ich darüber gelesen habe, passt auch auf Mama:

    - Extrem schlechtes Kurzzeitgedächtnis (Was gab’s denn gerade zum Mittagessen?)
    - Dinge von früher weiß sie noch
    - Wenn sie keine Antwort weiß, dann erfindet sich halt etwas (erzählt Geschichten)
    - Sie weiß nicht, welches Datum bzw. Jahr wir haben, sie kennt ihr Alter nicht und hat keine Ahnung, in welchem Stockwerk wir gerade sind

    Nachdem ich Parkinson und Alzheimer (was beides lt. Neurologe im Raum stand) nie so richtig glauben konnte, finde ich Mama in der Beschreibung von Korsakow auch nun zum ersten Mal so richtig wieder!

    Am Montag soll nun noch eine Lumbalpunktion gemacht werden, um einen entzündlichen Prozess auszuschließen.

    Wie Ihr Euch vorstellen könnt, geistern mir nun 1.000 Fragen im Kopf rum!

    Wie geht das nun weiter????

    Ich hoffe, in diesem Forum Unterstützung zu bekommen, dass viele von Euch sicher Ähnliches erleben wie ich.

    Vielen Dank,

    Petra

    edit summerdream: bitte keine medikamentennamen nennen - thx

  • Sorry, das mit den Medikamentennamen wusste ich nicht!

    Habe sehr gehofft, dass jemand von Euch mir vielleicht schon geantwortet hat :cry:

    Hat denn jemand für mich noch ein paar Informationen zum Korsakow-Syndrom außer den allgemein zugänglichen Informationen zu den Symptomen??

    MIch würde hauptsächlich interessieren, wie der Verlauf der Krankheit ist.
    Wie geht's denn jetzt mit meiner Mama weiter?

    Vielen Dank für Eure Unterstützung,

    Petra

  • hi petra

    Zitat

    Sorry, das mit den Medikamentennamen wusste ich nicht!


    kein problem, wir mods hier müssen ja au was zu tun ham :wink:

    sorry, aber mit korsakow kenn ich mich absolut null aus, kann dir da leider net weiterhelfen.

    mich würde es aber vor allem interessieren wie es dir geht.

    du bist hier, nur dir können wir helfen und du hast ja auch scho verdammt viel übles mitmachen müssen :(

    liebe grüße

  • Hallo summerdream,

    wie's mir geht? Gute Frage!

    Im Moment nehme ich mich selbst eigentlich gar nicht wahr, sondern ich funktioniere nur!

    Natürlich klappt alles bestens, Selbständigkeit, 2 Kids, tägliche Besuche in der Klinik, Wasserschaden in Mamas Wohnung, Bürokratisches für Mama wird auch noch miterledigt - kein Problem.

    Für mich ist das alles irgendwie ein Deja-Vu - alles fängt jetzt wieder von vorne an.

    Und natürlich bleibt wieder alles an mir hängen (auch wenn mein Gewissen sagt, schreib es nicht...).

    Und ich habe Angst, was auf uns zu kommt und wie es weiter geht.

    Kann sie wieder in ihre Wohnung? Was passiert mit dem Hund (ist momentan in einer Hundepflegestelle)?? Wie geht der Zerfall weiter? Wird sie mich irgendwann nicht mehr erkennen??

    Du merkst, ich habe 1.000 Fragen!!!

  • Hallo Dunbarek,

    vielen Dank für die lieben Worte, aber ich glaube, das steckt irgendwie so drin in uns Frauen - wenn irgendwo Not am Mann ist, zack sind wir da! Und uns selbst vergessen wir dabei leicht!!

    Du hast absolut Recht, meine Kids brauchen mich. Daher versuche ich, dass ihr Alltag so wenig wie möglich gestört ist, d.h. mein Sohn kann sein Tennistraining und Keyboard machen und die Kleine Flöte und Turnen. Und natürlich nehmi ich mir nach wie vor die Zeit, mit meinem Sohn für die Arbeiten zu lernen (2. Jahr Gymmi).

    Meine Besuche bei Mama mache ich meist morgens, d.h. das geht dann eher von meiner Arbeitszeit ab. Im Moment geht's auch noch ganz gut, aber ich befürchte, dass ich ein echtes Zeitproblem bekomme, wenn (oder sollte ich sagen falls) Mama nach Hause kommt. Ich denke, da werde ich mich wohl mehr kümmern müssen!! Sonst wird da einiges aus dem Ruder laufen.

    Heute soll die Lumbalpunktion gemacht werden... will mal sehen, dass ich heute die Chefarztvisite mitbekomme. Vielleicht erfahre ich ja was Neues... Ich melde mich dann später nochmal.

    Bis dahin, liebe Grüße,

    Petra

  • Hallo Dunbarek,

    danke, das ist lieb von Dir!

    Komme gerade aus der Klinik. Ich habe die Visite leider verpasst, weil sie meine Mama aus ihrem geliebten Einzelzimmer in ein Zweibettzimmer verlegt haben, und sie dadurch viel weiter vorne liegt, d.h. die Visite viel früher war...

    Trotzdem ich 2 Stunden da war, habe ich mal wieder keinen Arzt zu Gesicht bekommen! Und die Punktion ist auch nicht gemacht worden!!

    Zudem hatte meine Mama heute extrem nah am Wasser gebaut, und war mies drauf. Jeder zweite Satz war "Das ist doch alles scheisse hier." Außerdem will sie unbedingt heim. Nachdem sie 4 Tage nicht nach ihrem Hund gefragt hat, sagte sie heute, sie hofft, dass sie ihren Hund bald wiederbekommt...

    Kurzum, der Besuch war tierisch kraftraubend und frustrierend, weil wir total auf der Stelle treten.

    So'n Mist, bin gerade tierisch ausgelaugt :(

  • Hallo Ilea,

    lieben Dank für Deine netten Worte.

    MIch würde sehr interessieren, was Du erlebt hast, denn Du sagst, Deine Mama hat auch das Korsakow Syndrom.

    Welche Erfahrungen habt Ihr denn gemacht, und wo und wie lebt Deine Mama jetzt?

    Bei uns ist das im Moment leider alles noch sehr unklar, klar ist nur, dass der behandelnde Arzt bereits in den ersten Tagen gesagt hat, dass er für meine Mutter beim Gericht eine Betreuung beantragen wird. Er hat mich gefragt, ob ich bereit wäre, das zu machen, was ich bejaht habe.

    Ich denke, es ist schon schwer genug, für den Einsiedlerkrebs, der meine Mama ihr ganzes Leben lang war, zu akzeptieren, dass in Zukunft in vielen Situationen andere die Entscheidungen treffen, da muss ich ihr nicth noch wildfremde Leute vor die Nase sezten, die ihr sagen, was sie zu tun hat... Die Betreuung ist ok für mich, ich kümmere mich eh schon um alles...

    Danke für den Tipp mit der Betreuung zu Hause. Das war für mich nie ein Thema, weil unsere Beziehung eh schwierig ist und ich das meiner Familie nicht antun möchte - vielen Dank, Du hast mich hierin bestärkt!!

    Wie lange geht das denn bei Euch schon?

    Liebe Grüße,

    Petra

  • Hallo Ilea,

    na das hört sich nicht toll an. Ich wünsche Dir, dass Du den Abstand zu ihr schaffst.

    Ich war heute wieder bei Mama, habe natürlich wieder keinen Arzt in die Finger bekommen, dafür aber einen Pfleger, der mir so einiges erzählt hat. Sie erleben sie als liebe Patientin, die sich am liebsten in ihr Schneckenhaus zurückzieht... Helfen lassen will sie sich nicht, das braucht sie nicht, meint sie. Dennoch haben die Pfleger den Eindruck, dass sie starke Defizite hat.

    Typisch war, dass meine Mutter richtig giftig wurde (oh wie ich diesen Gesichtsausdruck kenne!!!), nachdem ich nach gut 15 Minuten aus dem Zimmer des Pflegers rauskam. Das hat mir einen Vorgeschmack darauf gegeben, was da noch so kommen wird, wenn es erst einmal darum geht, welche Einschränkungen sie hinnehmen wird.

    Denn sie denkt ja, nun bin ich hier, es wird geschaut, was mir fehlt, dann bekomme ich ein paar neue Pillen - und gut ist!!

    Au weia, mir graut davor, dass wir ihr irgendwann in den nächsten Wochen verklickern müssen, dass sich ihr Leben von nun an ändern wird/muss!!!

    Im Moment fühlt sie sich in der Klinik "inmitten lauter Irrer" und will schnellsten heim. Und das jeden Tag, denn klar ist sie ja. Mein Mann meinte neulich "sie ist nicht klar, sondern nüchtern". Na klar, sie erlebt jetzt real und nicht vom Alkohol übertüncht. Wahnsinn!

    Ich habe das Gefühl, 24 Stunden täglich voll unter Strom zu stehen, und kann auch nachts nicht abschalten. Ich hab echt Angst, was da auf mich zukommt :(

    LG, Petra

  • Hallo Dunbarek,

    vielen Dank für Dein liebes Posting.

    Tja, wie wird es weitergehen??? Das ist im Moment mein zentrales Thema und die allergrößte Frage, die über mir schwebt :!::!::!:

    Genau das will ich von dem Arzt, den ich seit Tagen versuche, zu greifen zu bekommen, auch wissen...

    Aber ich versuche, einen Schritt nach dem anderen zu machen:

    1. Lumbalpunktion (wird hoffentlich morgen gemacht)
    2. Labor braucht 3 Arbeitstage (Mittwoch eingeschickt, Ergebnis ca. Montag)
    3. Laborergebnisse: Sie schließen einen entzündlichen Prozess aus und bestätigen die Diagnose Korsakow.

    Erst wenn ich die definitive Diagnose KORSAKOW habe, kann ich weiter aktiv werden.

    Erst dann wird auch der Arzt mir sagen können, wie lange sie sie noch behalten, welche Medikamente sie bekommt, ob sie einen Entzug machen muss, und ob sie (zumindest noch eine Weile) wieder nach Hause in ihre Wohnung kann...

    Und dann kann ich auch Kontakt mit dem Sozialdienst aufnehmen wg. Pflegestufe, pflegerischer Betreuung, finanzieller Unterstützung (Mama hat früh aufgehört zu arbeiten und hat daher nur eine Mini-Rente) etc.

    Lieb, dass Du mir Hilfe anbietest. Wenn Du magst, zeig Deinem Schwager doch mal meine Geschichte und frag ihn nach seiner Meinung - sein Urteil und ggf. seine Erfahrung mti Korsakow Patienten würde mir SEHR helfen :)

    Wenn irgend möglich möchte ich wirklich versuchen, ihr ihre Wohnung zu erhalten und so lange es geht, ein Leben in ihrer gewohnten Umgebung zu ermöglichen.

    Denn wie alle Korsakowpatienten empfindet sich sie absolut nicht als krank und versteht überhaupt nicht, was wir so reden. Sie sagt immer nur "alles Schwachsinn" und "Wann darf ich endlich heim".

    Liebe Grüße,

    Petra

  • hallo petra

    wenn ich deine posts so lese frage ich mich wo du bleibst! sei mir nicht böse, aber ich finde dich nicht - es geht nur um deine eigene familie und um deine mutter.
    immer wieder der satz "das kann ich dann scho machen, mach ja eh scho alles" :arrow: darum geht es aber nicht!

    ich glaube nicht das es daran liegt, weil es so typisch frau ist sondern eher daran weil du es so gewöhnt bist, weil dir nichts anderes übrig geblieben ist. du musstest funktionieren und inzwischen ist dir das in fleisch und blut übergegangen, ich hab den eindruck du merkst das selber scho gar nicht.

    wo bleibt die zeit, wo du für dich nutzt? nicht im sinne von arbeit, sondern wo du dir etwas gutes tust? nen entspannten abend mit freundinnen, kino, sauna, lesen oder sonstwas - gibt so viele möglichkeiten!

    liebe grüße

  • Hallo summerdream,

    da hast Du den Nagel auf den Kopf getroffen :!:

    Wenn ich eins im Leben gelernt habe, dann ist es, zu funktionieren!! Da hat sich meine Mama quasi eine perfekte rechte Hand herangezogen...

    Aber ich habe das Glück, einen sehr liebevollen Mann gefunden zu haben, und der ist auch so ein bisschen meine übergeordnete Instanz. Der sagt mir ständig "Hey, Du bist auch noch da, mach mal wieder was für Dich."

    Egal wie chaotisch es im Moment auch ist, meinen Sport lasse ich mir nicht nehmen (2x die Woche powere ich mich richtig aus), und heute Abend gehe ich zu einem Vortrag, der mich interessiert. Bock habe ich dann oft nicht und bin oft geneigt, zu sagen "och ich bleib lieber daheim", aber wenn ich mich dann aufgerafft habe, merke ich, wie gut mir das tut, mal raus zu kommen....

    Ich bin mir der Problematik also schon bewusst und versuche, auch in diesem Chaos noch ein bisschen an mich zu denken. Und die Erdbeeren, die ich gestern gekauft habe, sind weder für die Kids noch für Mama!!! Über die werde ich mich jetzt hermachen :D

    Lieben Dank für Eure Unterstützung, das tut SEEEEEHR gut.

    LG, Petra

  • Hallo liebe Petra,

    erstmal möchte ich dir wirklich ganz viel Kraft wünschen für all das was da noch auf dich zukommt. aber wie die anderen schon gesagt haben...Denk mal wieder an dich...nur funktionieren reicht nicht...du muss selber auch leben! Ich bin fast in der gleichen Situation, bin Selbsständig, 2 Kinder, alkoholkranken vater, usw... ich wurde auch schon auf Korsakow angeprochen...ich hoffe ja nicht daß er da hat, glaub ich auch eigentlich nicht, denn noch weiß er was heute ist usw. aber viele anderen Symtome passen...tja schauen wir mal...

    Zurück zu dir...wenn du meine ehrliche Meinung möchtest, ich du hättest nicht die Frage bejahen soll, ob du die Betreuungsperson sein willst...es eine unglaubliche Arbeit, die jede Menge Zeit, Ärger und Kraft kostet...Überleg dir das nochmal, noch kannst du sagen es soll eine Betreuungsperson vom Gericht bestellt werden...Und werd ruhig mal ein bischen egoistischer und mach mal etwas nur für dich!

    Ganz liebe Grüße Kristin

  • Hallo Kristin,

    oh ja, ich habe in Deinem Thread gelesen, dass es Dir ganz ähnlich geht... Auch Dir wünsche ich viel KRaft.

    Danke für Deine ehrliche Meinung- gerade das ist es, was wir brauchen. Leute, denen es ähnlich geht, und die uns ihre persönlichen Eindrücke zu unserer persönlichen Geschichte sagen.

    Das mit der Betreuung ist so ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite hat man den ganzen Ärger udn Aufwand am Hals, auf der anderen Seite kann man aber mitbestimmen, was entschieden wird.

    Und das ist mir eigentlich wichtiger. Meine Mama hat ihr ganzes Leben lang mehr oder weniger alleine gelebt und ist sehr eigensinnig. Die ganze Situation ist schon schwer genug für sie. Sie wird sich auf viel Neues einstellen müssen und viele unangenehme Neuigkeiten erfahren.

    Als Korsakowpatientin bekommt sie aber alles, was gerade passiert, voll mit. Und daher möchte ich ihr ersparen, dass mehr "wildfremde" Menschen über ihr Leben bestimmen als undbedingt nötig sind. Ich möchte schon ein Auge darauf haben, wo sie wann hinkommt etc.

    Ich kümmere mich ja schon eine Weile um Vieles, das geht mittlerweile eigentlich ganz gut nebenher.

    Aber ich bin mir dessen schon bewußt, welche Ausmaße es bisweilen annehmen kann, und ein bisschen Bammel habe ich auch davor.

    Mal sehen, ich lasse die nächsten Tage/Wochen einfach mal auf mich zukommen. Entschieden ist ja noch nichts, nur beantragt. Bisher habe ich auch noch keine INfo vom Gericht bekommen, das dauert sicher noch.

    Hat der Arzt Dir gegenüber Korsakow erwähnt? Bzw. welche Diagnose gibt's denn bei Euch??

    LG, Petra

  • Hallo Ihr Lieben,

    wollte mal wieder berichten, was es neues bei uns gibt...

    Es gibt einen Lichtschein am Horizont, denn so wie's aussieht, wird Mama vorerst doch nicht in ein Heim müssen, sondern wir werden es bei ihr zu Hause versuchen.

    Ich hatte gestern ein längeres Gespräch mit dem Arzt (mal nicht auf dem Gang, sondern im Sitzen) und er meinte, dass wir es mit einem Pflegedienst (der sich ums Anziehen und die Medikamente kümmert) und Essen auf Rädern (damit sie auch was isst) probieren können.

    Vielleicht kommt sie nach dem Aufenthalt auch zunächst in eine Tagesklinik, in der sie bestimmte Abläufe nochmal neu erlernt... Aber all das will er am Montag mit der Chefärztin besprechen.

    Mal sehen, ich denke, das wird sich im Laufe der nächsten beiden Wochen entscheiden.

    Die Lumbalpunktion, die schon seit über einer Woche gemacht werden sollte, wird dann übrigens am Montag gemacht!! Damit soll eine Entzündung ausgeschlossen werden, und an bestimmten Proteinen kann man wohl auch Alzheimer etc. erkennen.

    Im Moment sagt der Arzt sehe es so aus, als hätte sie eine Kombination auf Korsakow und Alzheimer!

    Wir werden sehen, was die nächste Woche bringt!

    Lg, Petra

  • Hallo Ihr Lieben,

    in den letzten Wochen war wieder soviel los, dass ich mich gar nicht melden konnte - sorry!

    Heute möchte ich Euch mal erzählen, was es Neues gibt.

    Also, wo fange ich denn nur an??

    Meine Mama ist seit Ostern aus der Klinik raus und zu Hause. Und hat endlich ihren geliebten Hund wieder.

    Die Ärzte wollten sie eigentlich in ein Pflegeheim einweisen, weil sie befürchteten, dass sie alleine nicht zurecht kommt und sich möglicherweise wieder Alkohol besorgt.

    Ich war damit aber nicht einverstanden, weil ich es ihr mit gerade mal 67 doch ermöglichen wollte, noch eine Weile in der gewohnten Umgebung zu bleiben. Da sie ja sehr präsent ist und in der jeweiligen Situtation alles um sich rum sehr gut wahrnimmt, könnte mir zum jetztigen Zeitpunkt einfach nicht vorstellen, dass sie unter lauten "alten" Menschen in einem Heim lebt. Wenn der nächste Schub kommt, dann mag das vielleicht anders aussehen, aber im Moment können wir das - glaube ich - auch anders stemmen...

    Sie lebt also jetzt wieder in ihrer Wohnung, einmal pro Tag kommt der Pflegedienst und versorgt sie mit Medikamenten. Mittags bekommt sie von einem Restaurant das Mittagessen und am Nachmittag/frühen Abend schaue ich nach dem Rechten.

    Im Moment klappt das ganz gut, man muss halt bereit sein, die eigenen Ansprüche herunterzuschrauben (ich könnte so niht leben, aber sie ist ganz happy) und über einiges hinwegzusehen. Gefahrenquellen haben wir soweit es geht beseitigt (Herd ist abgeklemmt, Bügeleisen ist bei mir).

    Mal sehen, wie lange das gut geht.

    Nächste Woche habe ich wieder einige Termine in Sachen Mama, u.a. mit ihrer Hausärztin und beim Vormundschaftsgericht.

    So, das war's in Kürze mit Neuigkeiten von unserer Front.

    Freue mich, auch von Euch zu hören....

    Schöne Grüße,

    Petra

  • hallo petra

    Zitat

    Im Moment klappt das ganz gut, man muss halt bereit sein, die eigenen Ansprüche herunterzuschrauben


    ich dachte erst du meinst deine ansprüche :oops: habs erst dreimal lesen müssen bis ich kapiert hab du meinst die deiner mutter. das hat mich dann noch mehr geschockt.

    tut mir leid, das ich das wieder anzweifle, aber wo bleibst du???
    selbstständig, 2 kinder, mann & täglich nach deiner mutter sehen - irgendjemand wird da zurückstecken müssen und ich schätze das bist du :(

    du bist immer irgendwie beschäftigt, selbst bei den sachen wo du für dich gutes tust :arrow: ablenkung um keine zeit zu haben dir gedanken zu machen, um die sorgen auszuschalten? nur ne vermutung von mir, muss ja nicht so sein.

    ich kann verstehn das du sie noch nicht in ein altersheim abschieben willst, aber neben dem betreuten wohnen zuhause gibts das ja auch in extra einrichtungen und da is der altersdurchschnitt nicht so hoch.

    wer erledigt denn die einkäufe - getränke, kleidung, sonst. bedarf, frühstück etc.? wer erledigt die wäsche, wer putzt? du?

    liebe grüße

  • Guten Morgen Summerdream,

    Du triffst den Nagel auf den Kopf!!

    Ich bleibe mal wieder auf der Strecke im Moment. Zwar versuche ich, mir wenigstens meinen Sport zu bewahren - und das tut mir auch saugut - aber der Stress und die Hektik um mich herum lenken nur ab vom eigentlichen Problem: das Streben nach Anerkennung durch meine Mutter.

    Vielleicht lege ich mich auch gerade deshalb so ins Zeug und will alles richtig machen - bisher dachte ich eigentlich, diese Phase sei die lang aufgeschobene Versöhnung mit meiner Mutter.

    Ich muss mal sehen, wie sich diese Gefühle im Laufe der Zeit so entwickeln... aber ich merke ganz deutlich, dass ich mich verändere.

    Und diese Zeit ist nicht nur negativ für mich - ich merke, dass mir der Abnabelungsprozess von meiner Mutter (den sie mir schon sooooooo viele Jahre früher hätte ermöglichen müssen) sehr gut tut.

    Aber ich muss in diese neue Rolle ihr gegenüber auch erst reinwachsen. Und das strengt an und kostet Kraft....

    Dass diese Situation, in der sie lebt, nicht von Dauer ist, das weiss ich. Ich versuche alles so gut wie möglich zu regeln, aber irgendwann wird das nicht mehr ausreichen und sie wird ins Heim müssen.

    Na klar bin ich es, die einkauft, Zigarettennachschub besorgt, mit dem Hund Gassi geht (zumindest 1x täglich) und die Wäsche macht :!:
    Putzen tue ich allerdings nicht - dafür habe ich jemanden.

    Ich bin Dir sehr dankbar für Deine offenen Worte und nehme sie mir auch sehr zu Herzen. Ich muss mal sehen, was ich an Aufgaben vielleicht noch abgeben kann...

    Auf jeden Fall werde ich mich - nachdem die rechtliche Seite geklärt ist (habe am Freitag Anhörungstermin beim Richter) - um einen Heimplatz kümmern. Sobald ich eines gefunden habe, das mir gefällt und wo sie ihren Hund mitnehmen kann, werde ich versuchen, dort zunächst einmal pro Woche dort einen Tagespflegeplatz zu bekommen.

    Es tut übrigens sehr gut, mich mit Dir/Euch auszutauschen, und ich freue mich auf Deine/Eure Antwort/en :)

  • Servus Petra,

    ich find's gut, dass Du Dir selbst gegenüber wenigstens zugestehst, dass dies der Fall ist:

    Zitat

    ...ich merke, dass mir der Abnabelungsprozess von meiner Mutter (den sie mir schon sooooooo viele Jahre früher hätte ermöglichen müssen) sehr gut tut...


    Vielleicht magst Du Dir ja auch noch professionelle Hilfe dazu nehmen, wenn's alleine nicht so gut klappen sollte?

    Sonst kann ich mich nur Summerdream anschließen: wo bleibst Du?

    Ich wünsch' Dir viel Kraft...

    LG
    Spedi

  • Servus nach Bayern Spedi,

    lieben Dank für den Tipp bzgl. der Psychotherapie.

    Ich bin dem überhaupt nicht abgeneigt und habe wegen des komplizierten Verhältnisses zu meiner Mutter und der deswegen schwierigen Kindheit in den letzten Jahren immer mal wieder Gespräche mit einem sehr guten Therapeuten geführt.

    Er hat mir sehr geholfen und mich auf den richtigen Weg gebracht. Leben muss ich es allerdings, und genau das tue ich gerade :roll:

    Ich finde, man sollte sich - falls nötig - unbedingt professionelle Hilfe holen und sich an Psychotherapeuten wenden, ebenso wie man sich ja auch an Steuerberater, Banker, Finanzberater u. ä. wendet, wenn man professionellen Rat braucht!

    Mein Problem ist nur, dass ich gerade wieder mal in der Zwickmühle bin. Um mich abzunabeln, muss ich mich mit ihr auseinander setzen. Und wie gesagt, merke ich ja auch, dass mir das gut tut. Aber das widerum kostet Zeit und macht mir Stress...

    Leider habe ich nur meinen Mann, die mir hilft (Gott sei Dank wenigstens ihn) und bin ihre einzige Angehörige. Freunde hat sie auch keine!!

    Und ich sehe da im Moment auch keinen anderen Weg für mich, als da durch zu gehen...

    Oder seht Ihr das anders??

  • Servus Petra,

    die Frage ist doch nicht wie ich das sehe, sondern wo Deine Leidensfähigkeit aufhört.

    So, wie Du Dein Leben momentan beschreibst, ist es für Dich ja nicht "normal", also außergewöhnlich.
    Das Außergewöhnliche kann für jeden von uns eine Bereicherung sein, es kann sich neutral darstellen, und es kann eine Belastung sein. Die Zuordnung kann nur jeder von uns für sich selbst treffen.

    Ich sage Dir, wie ich Dein Schreiben empfinde. Ich empfinde es eine Belastung für Dich, die Du zwar momentan schulterst und zu schultern bereit bist, aber über deren Konsequenzen und "Spätfolgen" Du Dir in keiner Weise klar bist oder diese nicht sehen willst.

    Aus diesem Aspekt heraus sehe ich Dein Handeln als verständlich, aber grenzwertig an.

    Nochmal: ich sehe das so. Ob das so ist, steht auf einem völlig anderen Blatt Papier und kannst nur Du für Dich beantworten!

    In diesem Sinne: viel Kraft, Du wirst sie brauchen - entweder für eine neue Entscheidung, oder zum Durchhalten, oder für Beides.

    LG
    Spedi

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