Eine lange Geschichte, die immer noch nicht vorbei ist...

  • Liebe Steph,

    erstmal herzlich Willkommen hier im Forum.

    Ich schick Dir mal liebe Gruesse hier aus England/Cornwall nach Schottland und freue mich irgendwo ganz doll, dass auch jemand von der "Insel" hier vertreten ist.

    Es tut mir furchtbar leid, zu lesen was ihr alles durchmachen muesst und ich kann Deine Gedankengaenge gut nachvollziehen. Mein Stiefvater war auch Alkoholiker und bis zu seinem Tod hat er auch getrunken, er ist leider letztes Jahr verstorben.

    Was ich ganz wichtig finde ist, dass DU Dich jetzt auf Dich selbst konzentrierst und Deine Mutti komplett machen laesst, Du hast schon soviel von Dir hergegeben. Es ist schon schlimm mit anzusehen, wie ein Mensch sich veraendert durch diese Sucht und was die Sucht doch alles mit Angehoerigen auch macht. Ich hatte auch mal 5 Jahre keinen Kontakt mehr zu meiner Familie, weil ich das alles mit meinem alkoholkranken Stiefvater nicht mehr ertragen habe, ich habe damals noch nicht ganz verstanden, dass da die Sucht aus ihm spricht und nicht eigentlich der Mensch, der er gewesen ist.

    Das Deine Mutter Deinen Bruder und Dich verklagen moechte, wuerde ich erstmal ganz gelassen sehen, erstmal muss sie ja einen Rechtsanwalt finden und dann muss sie dort vorsprechen und so wie Du es erzaehlst, sieht man Deiner Mutter ihre Sucht sehr gut an. Also ich denke nicht, dass etwas passieren koennte. Vielleicht solltest Du einfach den Kontakt komplett abbrechen, denn er schadet Dir und Deiner Seele.

    Alles Liebe,

    Jenny

  • Hi Steph,

    es ist natuerlich nicht schoen, wenn Du schon den Hoerer abhebst und fuer Dich der Abend gelaufen ist, wenn Deine Mutter dran ist. Manchmal ist Abstand das Richtige. Aber Dir muss auch ganz doll klar sein, falls Deine Mutti sterben sollte aufgrund ihres Alkoholkonsums, dass Du wirklich keine Schuldgefuehle hast.

    Ich selbst lebe nun seit September 2004 hier in Cornwall und mein Mann ist Englaender.

    Alles Liebe,

    Jenny

  • hallo steph...

    auch von mir ein herzliches willkommen hier im forum..

    als aller erstes ,möcht ich dir sagen das ich dich absolut verstehen kann!das man da kein bock mehr drauf hat,ist nachzuvollziehen.und "wir"haben schon geduld,mir unseren betroffenen...irgendwann gehts halt nicht mehr..ende im gelände und man möchte sich nur noch "in sicherheit"bringen..

    als ich deinen letzten beitrag las,fiel mir auf,das du deiner mum nicht DEUTLICH GENUG signalisierst..das SIE dich nervt..das SIE dir den abend versaut ect....denn wenn du an dieser art von gespräch teilnimmst,wirde sich NICHTS ändern.
    bei mir war es auf jeden fall so..meine mum quasselte mich voll..schöne sachen,schlechte sachen und auch sehr entscheidene sachen besprachen wir.mit dem endresultat das meine mum sich immer öffter NICHT mehr erinnern konnte "so etwas"jemals besprochen zu haben.sie wies alles von sich..sie beschuldigte mich,schitte zu erzählen..sie machte mir vorwürfe die sich kein mensch gefallen lassen würde.doch solange ich ihr spielchen mitspielte,ÄNDERTE sich GARNICHTS.sie brachte mich soweit das ich wirklich nicht mehr ans telefon ging,sie brachte mich soweit das ich ihr sagen musste..ich red mit dir nicht mehr,wenn du was getrunken hast..ja und ich brachte sie dadurch soweit..das SIE nichts mehr mit mir zu tun haben wollte.dann kam ne pause..war hart aber wirkungsvoll.irgendwann war mum soweit..hilfe anzunehmen..wie und was das ist nen anderes thema.ich will dir nur sagen:mach es..sage ihr NEIN,so nicht mehr.ruf an wenn du nichts getrunken hast.dann rede ich gerne mit dir.

    liebe grüsse caro

    dem was über mich einstürmt,möchte ich gelassen gegenüber stehen...

  • Hi Steph,

    ich denke auch, dass Du da haertere Grenzen setzen musst, Du hast nun Dein Leben und Du willst Dir das doch nicht verderben lassen, weil jemand meint Deine Grenzen total zu ueberschreiten und absolut dort rumzuwueten. Deine Mutter bastelt sich wahrscheinlich solange etwas zusammen solange sie noch jemanden hat mit dem sie diese Spielchen spielen kann.

    Ich weiss, wir Angehoerigen haben es schwer unsere Grenzen zu setzen, aber auch Du hast nur eine gewisse Kraftreserve und die kann nicht durch die Sucht Deiner Mutti aufgebraucht werden. Dein Freund ist da fuer Dich, Du hast Dein Leben, geh raus mach was schoenens, Schottland ist so wunderschoen, zwar ziemlich kalt dort, aber richtig schoen. Geht doch mal ritterlich in einer der Burgen dort essen oder macht irgendwas, damit Du nicht immer daheim erreichbar bist und wenn sie anruft, dann sag ihr, dass Du mit ihr in ihrem derzeitigen Zustand nicht reden moechtest und dann leg auf.

    Alles Liebe,

    Jenny

  • ich nochmal...

    also ich persönlich würde ihr kein geld überweisen...würde kein mittäter an ihrem zustand sein wollen.ist n bisschen makaber aber vielleicht "dieses"geld besser für ihre grabpflege zur seite legen.BITTE nicht falsch verstehen..deine mum soo meinetwegen 100 und älter werden.aber ICH persönlich würde ihre krankheit nicht mit den "falschen" dingen unterstützen wollen..

    ist nur lieb gemeint..

    liebe grüsse caro

    dem was über mich einstürmt,möchte ich gelassen gegenüber stehen...

  • Hi Steph,

    ja da muss ich Caro Recht geben, ich wuerde Deiner Mutter auch kein Geld geben. Aber das ist ja die Sache Deines Bruders. Ich wuerde mit den 100 Euro eher was anderes anfangen, aber das soll Dich nicht interessieren, was Dein Bruder macht, aber nicht, dass er im nachhinein ein schlechtes Gewissen bekommt.

    Das Deine Mutter euch Aasgeier nennt, daraus spricht die pure Sucht. Eure Oma hat sich schon was dabei gedacht, dass sie es so gemacht hat und somit ist das nunmal die Entscheidung der Oma. Fuer Deine Mutter und ihre Sucht ist das natuerlich schlimm, somit hat Deine Mutter es schwerer ihre Sucht zu finanzieren.

    Am Besten ist, dass Du wirklich Dir mal ein paar schoene Osterfeiertage machst, schalte das bloede Telefon aus, geht mal irgendwo schoen aus und geniesse Dein Leben. Geniesse, dass Du fuer Dich jeden Tag so leben kannst und gluecklich sein kannst.

    Alles Liebe,

    Jenny

  • Hallo Stephanie,

    auch von mir willkommen im Forum. Schön, dass Du hergefunden hast.

    Solche Telefonspielchen wie Du sie beschreibst habe ich auch lange mit meiner Mutter gespielt. Es sind Spiele, der eine will seine Legitimation zum Saufen (kein Widerspruch wenn sich über die schreckliche Welt beschwert wird, also muss was daran sein, = „Grund“ zum saufen oder wenn man nicht zuhört, meine eigenen Kinder sind undankbar oder was auch immer = „Grund“ zum saufen) der andere will sein schlechtes Gewissen beruhigen (sie hat doch niemanden mehr, es tut mir doch nicht weh, wenn ich ihr zuhöre, das bisschen kann ich doch erübrigen oder ich bin ein schlechtes Kind wenn ich ihr noch nicht mal zu höre = ich höre beim nächsten mal wieder zu).

    Grundsätzlich gesagt gibt es keine Gründe zum Saufen und auch keinen Anlass für ein schlechtes Gewissen wenn man mit seiner Mutter nicht reden will, erst recht wenn sie besoffen ist.

    Diese Spiele kann man nur zu zweit Spielen, wenn einer nicht mehr mitmacht, ist das Spiel vorbei. Deine Mutter wird wohl nicht aufhören, also ist es an Dir auszusteigen.

    Mir ging das nicht anders, ich war der Mülleimer für meine Mutter. Alle Klagen über andere, was sie getan oder nicht getan, was sie gesagt oder nicht gesagt haben landete bei mir. Nicht nur das wir solche Gespräche geführt haben, wenn ich zu Hause war, nein, sie hat mich auch auf der Arbeit angerufen. Irgendwann war ich nach solchen Gesprächen fix und fertig, meine Arbeit hat gelitten, ich habe mir Gedanken gemacht, was ich tun könnte, was ich vielleicht besser gesagt oder auch nicht gesagt hätte, aber das kennst Du ja selbst gut genug.

    Irgendwann habe ich dann gesagt, ruf mich nicht mehr auf der Arbeit an, wenn Du getrunken hast. Natürlich hat sie sich daran nicht gehalten, es ist soweit gegangen das ich mich habe verleugnen lassen oder aufgelegt habe, kaum das sie die Begrüßung raus hatte. Glaub mir, es ist mir nicht leicht gefallen, das schlechte Gewissen, meine eigene Mutter so abzuwürgen hat mich arg geplagt. Aber ich habe es durchgezogen, war konsequent, sie hat dann nicht mehr angerufen und mit der Zeit ging es mir besser.

    Zu Hause, wo ich offener reden konnte, habe ich gesagt, das will ich nicht hören oder das das ihr Problem sei und nicht meines und wenn sie weiter darüber geredet das Gespräch höflich aber bestimmt beendet. Wenn ich nicht gehört wurde mit dem was ich zu erzählen hatte, habe ich ganz offen gefragt, ob sie das nicht interessiert. Ich habe gesagt, was ich gedacht habe, wie es mir geht und was ich fühle und nicht mehr wie in der Vergangenheit alles geschluckt. Das hatte leider zur Folge, dass wir uns irgendwann gar nichts mehr zu sagen hatten. Doch im Grunde hatten wir das vorher schon nicht mehr, nur ist es da nicht zu Tage getreten, weil ich still gehalten habe.
    Wir kämen normalerweise nie auf die Idee uns mit einem Menschen zu unterhalten dem wir nichts zu sagen, mit dem wir nichts gemein haben. Es ist traurig, wenn es einem bei der eigenen Mutter so geht, aber warum sollten wir es dann tun und dazu auch noch den Mülleimer geben.

    Deine Mutter ist ein sehr kranker Mensch, doch sie hat es selbst in der Hand etwas dagegen zu tun. Alkoholismus der Eltern hat leider zur Folge, dass auch die Kinder leiden. Es ist nichts Falsches daran sich selbst vor Leid zu beschützen.

    Ich würde Deiner Mutter kein Geld geben. Wenn nach Abzug ihrer Abtragungen nicht mehr genug zum Leben bleibt, gibt es immer noch staatliche Stellen, die da unterstützen können. Nur muss sie das dann selbst anleiern, vielleicht der erste Schritt etwas für sich selbst zu tun. Bisher ist ja mit ihrer Sucht immer noch irgendwie aufgefangen worden. Die beste Hilfe ist immer noch nicht zu helfen und auch die einzige Möglichkeit die man hat, wenn man etwas tun will.

    Die Wut Deines Bruders macht mich betroffen, der eigenen Mutter mit solcher Inbrunst den Tod zu wünschen ist mehr als heftig. Wenn ich die Gefühle die dazu führen auch bis zu einem gewissen Punkt nachvollziehen kann. Ich glaube auch nicht, dass es ihm oder Dir besser gehen würde, wenn sie mal nicht mehr ist. Die Wut hat dann nur kein Ziel mehr. Ruhe ist dann nicht, denn das Problem was die ganze Palette von Gefühlen und Zwiespalt angeht ist man selbst, nicht der Alkoholiker. Man hat erst dann Ruhe und Frieden, wenn man bei sich selbst aufgeräumt hat. Wut und Hass sind schlechte Ratgeber und immer ein Zeichen, dass da noch mehr ist. Ein Mensch der mir egal ist, auf den kann ich nicht wütend sein und den kann ich nicht hassen. Wenn dieser Mensch leidet, macht es mein Leid nicht ungeschehen.

    Bei allem was passiert ist und vielleicht noch passieren wird, sollte man nicht vergessen, dass Deine Mutter ein schwerkranker Mensch ist. Ihre Krankheit hat sehr viel bei Euch zerstört, hat sehr viel Leid verursacht, das will auch gar nicht klein oder weg reden. Es sind und waren Folgen ihrer Krankheit, gegen die sie etwas tun kann auch keine Frage. Doch sie ist nicht mit der Absicht krank das Leben ihrer Kinder zu zerstören. Es geht mir auch nicht um Verständnis für Deine Mutter oder Alkoholiker allgemein, es geht mir um Respekt. Sie ist immer noch ein Mensch und hat zumindest das Mindestmaß an Respekt verdient, dass jedem Menschen gebührt. Diese Einstellung von mir ist auch nicht so selbstlos, wie es sich vielleicht anhören mag, sondern dient auch zum Schutz meiner Seele.

    Du hast allein schon durch die räumliche Trennung, wobei der Ausdruck ja schon fast niedlich ist wo Du auf der Insel sitzt, die Möglichkeit Abstand zu halten. Tu es Dir zu liebe auch weiterhin, wenn Du nicht mit ihr reden willst, dann sag ihr das und lege auf. Wenn etwas ist, wirst Du es früh genug erfahren, hast Du in der Vergangenheit ja auch. Dann kannst Du immer noch überlegen was Du tust. Mach Dir nicht soviel Gedanken über ungelegte Eier. Deine Mutter ist erwachsen, für sich selbst verantwortlich, Du bist nicht für ihr Wohl oder Wohlbefinden verantwortlich.

    Genieße die Tage im Glen Nevis. Wenn Du Dich verfolgt fühlen solltest, es ist ein kleines Bisschen Neid von mir. :oops: Aber nur ein Bisschen, denn da zelten um diese Jahreszeit ist echt Hardcore. :shock: Ich war letzten September noch da, es war wunderschön, aber übernachten hätte ich da schon draußen nicht mehr wollen, Daunensack hin, Daunensack her. Bevor ich jetzt das Schwärmen über Schottland anfange, wünsche ich Dir einen schönen Abend und viel Spaß.

    Gruß
    Skye

  • Liebe Steph,

    ich glaub Dir das aufs Wort, dass Du da etwas neidisch auf die Mutter und die Tochter dort im Zug warst. Aber wer weiss, was fuer Sorgen die beiden da haben. Wir wuenschen uns soviel im Leben, am liebsten sollte alles harmonisch sein, alles sollte voller Liebe und mit blauen Himmel ohne dicke schwarze Wolken sein.

    Ich mittlerweile liebe mein Leben und wenn Du Dich mal umhoerst, da gibt es soviele Menschen mit sovielen verschiedenen Problemen:

    Da ist die junge Mutter die gerade ihr 3jaehriges Kind verloren hat.

    Die junge Frau, frisch verheiratet, die merkt, dass ihr frischgebackener Mann sie immer schon betrogen hat.

    Da ist der Teenager, der im Rollstuhl sitzt und gelaehmt ist fuer sein Leben lang, weil er nie wieder laufen kann.

    Da sind wir, die mit einem suchtkranken Elternteil aufgewachsen sind.


    Jeder hat Probleme und weisst Du wir selbst, wir koennen unser Leben jeden Tag neu gestalten, in jeder Minute, jeder Sekunde kannst Du entscheiden wie es weitergeht, Du bastelst an Deinem Glueck. Ich hab mir immer gesagt, dass ich es jetzt wert bin gluecklich zu sein. Es fuehlte sich schon maechtig komisch an, wieviel Macht ich eigentlich habe ueber mein Leben zu entscheiden und wie komisch es doch ist, dass ich diese Macht damals in meinen aktiven Co-Zeiten nicht wahrgenommen habe. Grenzen setzten, gerade wir Frauen koennen das nicht, wir haben Probleme damit unsere Grenzen zu verteidigen, den Leuten mal gewaltig auf die Fuesse treten, dass sie merken, dass es Konsequenzen hat, wenn man einfach so in unserem privaten Grenzbereich rumwuetet.

    Ich wuensche Dir ein schoenes und nicht so kaltes Osterfest.

    Alles Liebe,

    Jenny

  • Hallo Stephanie,

    solche Situationen wie die im Zug kenne ich. Ich habe mir auch immer ein richtiges Mutter-Tochter-Verhältnis gewünscht. Obwohl es bei mir zu Hause lange nicht so schlimm war wie bei Dir, hat der Alkohol es trotzdem verhindert. Meine Mutter war nie sie selbst, ich wusste nie welche Maske ich als nächstes präsentiert bekomme. Sie war ausgeglichen wie ein Jojo, da hatte ich einfach nicht genug Vertrauen als das, das möglich gewesen wäre. Obwohl sie sich das gewünscht hat, aber ich konnte nicht. Meine Mutter, wie ich sie kannte, war schon lange nicht mehr da. Doch wie sehr ich mich an dieser und anderen Hoffnungen festgehalten habe, habe ich gemerkt, als sie letzen Dezember gestorben ist. Es ist nicht falsch sie zu haben, aber es ist nicht gut sein Herz an Wünsche zu hängen, die sich wohl nie erfüllen werden.

    Was ich bei Dir rauslese ist, Du willst ist Genugtuung, Du willst, dass sie einsieht, was sie falsch gemacht hat. Das wirst Du jedoch nicht bekommen, auf jeden Fall nicht solange sie trinkt. Wenn sie trocken würde, vielleicht, aber auch das ist fraglich. Das ist das Wesen der Sucht, Deine Realität ist ihr fremd, sie lebt in ihrer alkoholverseuchten Welt. Alkohol ist eine bewusstseinsverändernde Droge, wie Heroin z. B. auch. Sie sieht nicht wie sehr Du und auch Dein Bruder unter ihrer Sauferei gelitten habt und noch leidet. Der Alkohol, die Sucht verhindert das. Sie sieht nur ihr Leid und dabei auch nicht das es selbstgemacht ist. Selbst wenn sie mal einen klaren Moment hat, dann stürzt soviel auf sie ein, dass sie dem Druck nicht standhalten kann, die einzige Lösung die sie kennt ist Alkohol.

    Wenn Alkoholiker etwas gut können, dann ist das in Selbstmitleid baden, auch Ich-arme-Sau-Syndrom (IAS) genannt. Immer sind die anderen Schuld, immer sind die anderen die Bösen, die Fähigkeit zur Selbstkritik geht vollkommen verloren, auch das gehört zur Krankheit. Vielleicht liest Du mal ein bisschen bei den Betroffenen. Mir hat das und auch der reale Austausch mit trockenen Alkoholikern sehr geholfen. Ich hatte da so den einen oder anderen Augenöffner, was mir den Umgang mit meiner Mutter sehr erleichtert hat. Es hat mir vor allem erleichtert konsequent zu sein und an mich zu denken und es hat mir bei der Einsicht geholfen, dass sie ganz allein für ihr Leben und ihr Wohl verantwortlich ist.

    Sie hat meine Veränderung wohl manches Mal anders gesehen. Sie hat mir letztes Jahr in der LZT gesagt, ich hätte mich verändert. Auf meine Frage in welcher Form, meinte sie ich wäre rigoroser geworden. Ich habe das als Kompliment aufgefasst, wenn es wahrscheinlich auch nicht so gemeint war. Doch mir hat es gut getan Grenzen zu ziehen.

    Du rennst etwas hinterher, was Du höchstwahrscheinlich nie bekommen wirst, ihre Einsicht in die Fehler die sie gemacht hat. Verschwende Dein Leben nicht daran, lass los. Ich weiß wie schwer das ist, doch ich weiß auch wie gut es tut wenn man diesen ganzen Erwartungsballast, den man mit sich rumgetragen hat loswird. Mit Erwartungen an andere ist man grundsätzlich schlecht bedient, die meisten erfüllen sich ohnehin nicht, man wird häufig enttäuscht. Jedoch Erwartungen bei einem Alkoholiker zu haben ist absolut vergebens, da kann man nur enttäuscht werden.

    Ich habe meine Mutter zum Schluss einfach als Frau gesehen, die mit ihrem eigenen Leben nicht klar gekommen ist, nicht mehr, nicht weniger. Ich war als ihr Kind zwangsläufig ein Opfer dieser Tatsache, doch inzwischen war ich erwachsen, ich musste kein Opfer mehr sein. Jetzt hatte ich es in der Hand selbst etwas für mich zu tun. Meine Vergangenheit konnte ich nicht ändern, aber meine Zukunft habe ich selbst in der Hand.

    Vielleicht siehst Du es mal so, Du bist eine Überlebende. Du hast ein Leben, Deine Mutter nicht. Trotz Deiner Kindheit, trotz allem was Du mitgemacht hast, hast Du ein Leben. Du hast einen Partner, Du hast Freunde, Du hast Ausflüge (um die ich Dich beneide :wink:), Du hast Spaß am Leben. Du hast was aus Deinem Leben gemacht, schade, dass Du es nicht mit Deiner Mutter teilen kannst, doch heißt nicht dass Du Dich deshalb nicht daran freuen darfst und auch solltest. Du hast trotz allem ein Leben, was hat Deine Mutter? Nichts von alledem und das auch noch selbst verschuldet.

    Es geht mir nicht darum, dass Du Mitleid mit Deiner Mutter hast, sondern das Du vielleicht alles einmal aus einem anderen Blickwinkel betrachtest und für Dich Möglichkeit hast, dass nicht persönlich zu sehen und zu nehmen. Denn die Sucht Deiner Mutter richtet sich gegen sie selbst, nicht gegen Dich. Sie tut was sie tut nicht, weil Du nicht liebenswert bist, sondern weil sie sich selbst nicht als liebenswert ansieht. Das Du dabei auch Schaden genommen hast liegt leider in der Natur der Sache. Jetzt bist jedoch erwachsen und kannst Dich da rausziehen, Du musst nicht mehr mitmachen als Du selbst willst. Du trägst jetzt die Verantwortung für Dein Leben und kannst frei für Dich entscheiden.

    Zitat

    Manchmal habe ich glaube ich einfach Angst, dass ich ihr Unrecht tue und sie vielleicht doch gar nicht mehr trinkt oder nicht so viel - ich bin ja seit Jahren soweit weg, dass ich es ja nicht wirklich sehe.

    Es geht auch nicht darum ob Du ihr Unrecht tust. Nach Deinen Erfahrungen ist es Dein gutes Recht misstrauisch zu sein. Wenn sie Dein Vertrauen wieder haben will, dann muss sie sich das erarbeiten. Vertrauen ist nichts was man einfach so und umsonst bekommt. Wenn sie es will, muss sie etwas dafür tun. Da brauchst Du beim besten Willen kein schlechtes Gewissen zu haben wenn Du ihr nicht glaubst. Wäre ja noch schöner……

    Zitat

    Aber aus dem Zimmer im Haus meiner Oma haben wir auf der Suche nach Waesche fuers Krankenhaus 5 leere Vodga Flaschen zwischen Pullis und Bettlaken gefunden und noch mehr leere Flaschen in Schraenken und Faechern, kleine PE Flaschen mit Vodga anstelle des O-Saftes der drin sein sollte etc...

    Das liest sich für mich allerdings nicht, als würdest Du ihr Unrecht tun. Das ist geradezu klassisch. Das sie nicht lallt, ist kein Indiz, das hat meine Mutter auch mit 2 Promille nicht. Ich hätte da noch nicht mal mehr den Telefonhörer halten können, bei Alkoholikern mit ihrer erhöhten Alkoholtoleranz sieht das jedoch ganz anders aus.

    Ich wünsche Dir auf jeden Fall ein paar schöne Urlaubstage, ob nun Glen Nevis oder nicht. Orkanböen im Schneegestöber wären nicht meins, ganz bestimmt nicht, grusel….. Skye fehlt mir noch zu meinem Glück. Ich habe es bisher erst geschafft mir einen groben Überblick über die Lowlands, die Mitte und den Westen zu verschaffen, für Feinheiten war der Urlaub einfach immer zu kurz. Schottland ist ja auch nicht gerade ein günstiges Urlaubsland. :roll: Mir fehlt noch der Osten, der Norden und Arran habe ich neben Skye auch noch auf meiner Liste. Doch irgendwann werde ich auch das alles gesehen haben. Dann bleiben ja immer noch die Inseln, also genug Ziele für die nächsten Jahre. Dir jedenfalls viel Spaß.

    Gruß
    Skye

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