Hallo zusammen,
Ich wollt hier mal fragen wie ihr das seht, haben Co´s ein Suchtgedächnis und wie sieht das aus, wie funktioniert das? Wie kann man da gegen steuern?
Liebe Grüsse
Elocin
Hallo zusammen,
Ich wollt hier mal fragen wie ihr das seht, haben Co´s ein Suchtgedächnis und wie sieht das aus, wie funktioniert das? Wie kann man da gegen steuern?
Liebe Grüsse
Elocin
Hi Elocin,
ein Suchtgedaechtnis???? Kannst Du das mal naeher erlaeutern wie Du das meinst.
Dank Dir,
Jenny
Hi Elocin,
ja, ich würde das auch so bezeichnen. Beim Alkohol oder auch beim Rauchen gibt es bestimmte Rezeptoren im Gehirn, die angesprochen und mit zunehmender Abhängigkeit vermehrt werden.
Je mehr Rezeptoren, umso mehr braucht es auch den suchtauslösenden Stoff, damit diese Rezeptoren "besetzt" werden. Besetzt werden sie jedoch nicht vom Stoff selbst, sondern u.a. von Dopamin, dem Stoff, den der Körper selbst "als Belohnung" ausschüttet, wenn er etwas erkennt, welches er positiv verknüpft hat.
Ein Beispiel: Ein Alkoholiker, der am Anfang, einfach weils gemütlich war, mitgetrunken hat, dann gemerkt hat, dass er dadurch lockerer, gespächiger, "vielleicht umgänglicher" wurde, dass seine Probleme auf einmal in den Hintergrund rückten, verknüpft also Alkohol mit all diesen, für ihn (anfangs) angenehmen Zuständen. Das funktioniert wie bei der positiven Konditionierung. Sein Gehirn verknüpft also "angenehm" mit "Alkohol".
Suchtauslöser (Alkohol) + angenehmer Zustand = der Körper will dies immer wieder herbeiführen (=Suchtgedächtnis)
Das dumme ist nur, je mehr der Körper erhält, umso mehr ("Botenstoff zum Glücklichsein") wird ausgeschüttet, umso mehr Rezeptoren werden gebildet und umso mehr braucht es dann, damit der Körper dieses "Botenstoff-Glücksgefühl" als Belohnung wieder herstellen kann.
Jedoch und das ist die Krux - jeder Körper ist dann auch in Gefahr der Alkoholintoxikation, denn irgendwann muss der Alkoholiker soviel trinken, um seine "Rezeptoren zu befriedigen", dass vor dem angenehmen Zustand die Alkoholvergiftung kommt.
Oje, war das jetzt wohl deutlich? Vielleicht noch 'ne Kurzfassung:
Suchtgedächtnis = Erinnerung des Körpers an einen angenehmen Zustand, ausgelöst (hier) durch Alkohol, und Streben danach, diesen Zustand immer wieder herbeizuführen.
Hoffe, dass ich einigermassen verständlich war?
Liebe Grüsse
Skybird
Hi Elocin,
merke gerade, dass ich in meinem Eifer nur auf das Suchtgedächtnis der Alkoholiker eingegangen bin.
Sorry, aber an dem Thema bin ich schon solange fasziniert dran.
Es lässt sich jedoch 1:1 auf die Co's übertragen. Der Mechanismus ist der gleiche. Ausschüttung im Gehirn eines "Glücklichmachers" als Antwort auf eine Situation, die ich als Co positiv verknüpfe. Jedoch die Verknüpfung ist sehr vielfältig - beim einen das Gefühl von Selbstbestätigung, dass ich gut helfen kann (oder es mir einbilde?), beim andern das Machtgefälle zu spüren zwischen der starken Frau / dem starken Mann und dem jeweiligen Schwächeren / der jeweiligen Schwächeren...jeder muss wohl für sich herausfinden, was für ein (bisher unerfülltes) Bedürfnis mit dem Co-Verhalten belohnt wird.
Liebe Grüsse
Skybird
Hallo Jenny,
ein Alkoholiker hat ja ein Suchtgedächnis, d.h. er verbindet z.B. bestimmte Orte oder Gegebenheiten mit Alk und es könnte dadurch ein Verlangen nach Alk entstehen. Also eine Gefahr zum Rückfall, wenn er nicht weiß wie er in diesen Situationen damit richtig umgeht. Mal ganz grob geschildert.
Und wie ist das bei uns Co´s. Gibt es auch etwas was uns in alte krankmachende Verhaltensweisen fallen lassen könnte?Z.B. Ins kontrollieren oder sich zu viel kümmern.
Liebe Grüsse
Elocin
Hallo Elocin,
ja, auf jeden Fall denke ich, dass es sowas bei uns Co's gibt. Ich denke sogar noch versteckter als wir ahnen. Hatte gerade in meinem Thread etwas darueber geschrieben.
Ich denke unsere Co-Abhaengigkeit kann sich ziemlich gut verlagern, ich z.B. muss immer aufpassen, dass ich nicht zum Workaholic werde oder dass ich meiner krebskranken Mutter oder meinen Geschwistern Problem abnehme bzw. uebernehme. Irgendwo will ich helfen, verbessern, ich muss aufpassen, dass ich mich nicht ueber etwas zu identifizieren versuche. Sozusagen meine Lebensberechtigung erhalte, sondern ich muss auch meine Grenzen ziehen koennen, nicht soviel Ueberstunden, auch mal nein zu bestimmten Personen sagen. Es ist wichtig daran tagtaeglich zu arbeiten.
Ein Beispiel von mir. Als die Krebserkrankung meiner Mutter ans Tageslicht kam, da habe ich wie wild gearbeitet, einfach um vorsichtshalber ein Polster zu haben, wenn etwas passiert. Ich hab also meiner Mutter und meinen Geschwistern sofort die Verantwortung abgenommen. Ich habe zwei Jobs gehabt und habe eine 70 Stunden Woche gehabt, irgendwann einmal hab ich mich dann zurueckgepfiffen und mich gefragt, warum ich das mache, ich habe sofort reagiert, meinen Zweitjob gekuendigt und arbeite jetzt nicht mehr soviel.
Ich denke Co-Abhaengigkeit hat ganz viel mit Anerkennung zu tun, so war es zumindestens bei mir und ich muss mich noch jetzt sehr gut beobachten, pfeife mich aber schneller zurueck.
Alles Liebe,
Jenny
Hallo Elo,
also ich glaube, dass Co-Abhängigkeit noch sehr viel subtiler wirkt als eine stoffliche Abhängigkeit. Unsere Veranlagung dazu setzt sich, jedenfalls hab ich das bei mir gelernt, aus mehreren Komponenten zusammen. Perfektionismus, die Suche nach Anerkennung, Sozialisation zur „Für- und Versorgerin“ der Familie, das „Brave-Mädchen-Syndrom, die Erziehung, die uns Egoismus und einen eigen Willen abgesprochen hat und uns zu der Überzeugung brachte, dass wir nur gut und geliebt sind, wenn wir unsere eigenen Bedürfnissen nach ganz weit hinten stellen. Suchtgedächtnis würde ich es nicht nennen wollen. Anerzogene und angenommene Verhaltensstrukturen sind meines Erachtens am meisten dafür verantwortlich, dass wir co- oder beziehungsabhängig leben. Verhaltensstrukturen können umgelernt werden. Wir können uns also selber zu selbstbewussten Menschen umerziehen und lernen, uns zu lieben mitsamt unseren kleineren oder größeren Defiziten. Was es hier jedoch sehr schwer macht ist, dass unser Verhalten sich in Jahrzehnten entwickelt und manifestiert hat. Aus diesem Grund ist es sehr schwierig, es zu verändern. Es erfordert sehr viel Konsequenz und „Kopfarbeit“, sich aus alten Verhaltensmustern herauszuarbeiten. Zudem ist es nicht gerade bequem, weil wir uns dazu verändern müssen. Deshalb wohl auch immer wieder Rückfälle in altes Verhalten. Veränderung ist nur selten bequem und einfach zu bewerkstelligen. Wie ein Reflex tauchen dann die alten Strukturen wieder auf. Mir geht es vor allem dann so, wenn ich sowieso einen schlechten Tag habe und nicht so viel Energie aufbringen kann, bewusst mein Verhalten zu betrachten.
Bestimmt macht das dann nach außen auch den Anschein einer Art Suchtgedächtnis. Ich denke aber, dass es anders funktioniert als eine stoffliche Abhängigkeit, die wirkliche Veränderungen der Rezeptoren im Gehirn verursacht. Co- oder Beziehungsabhängigkeit findet, meine ich, eher auf einer emotionalen Ebene statt und nicht wie eine stoffliche Abhängigkeit in der körperlichen Chemie.
LG
Ette
Hallo ihr Lieben,
ja, Ette, ich denke damit hast Du Recht.
Was mir auch ungemein auffaellt, dass hier mehr Frauen co-abhaengig sind als Maenner, damit will ich nicht sagen, dass es keine Maenner gibt, die co-abhaengig sein koennen, aber wenn ich mir das hier so anschaue, dann sind doch wesentlich mehr Frauen hier bei den Angehoerigen als Maenner.
Ich selbst kenne das nur zu gut was Ette geschrieben hat, immer aufopfernd sein, am besten die Klappe halten, wenn es brenzlig ist und man darf sich auf gar keinen Fall an erste Stelle setzen. Dann kam noch dazu, dass ich ja die Aelteste von vier Kindern bin und natuerlich schon die Grosse, also wurde ich dann schonmal prompt mit 5 Jahren weiterhin so erzogen, dass ich nicht den Mund aufmachen soll, wenn mir was nicht passt und ich halt zurueckstecken muss, weil ich ja die Aelteste bin. Nun lernt man ja als Kind ziemlich schnell und man moechte natuerlich auch seine Eltern nicht veraergern, man denkt natuerlich, da noch, dass die Eltern ja schon wissen was sie tun, die Augen wirklich sind mir dann so ungefaehr mit 10 Jahren aufgegangen, soviel damit, dass Kinder nicht soviel mitbekommen, denn wir beobachten ja, bleibt uns ja nichts anderes uebrig, weil wir wollen unsere Klappe ja nicht aufmachen und uns beschweren, denn dann wird man ja wieder zurecht gewiesen. Somit wird man also ganz einfach so wie bei mir schon schoen in die Co-Rolle mit erzogen, ohne es eigentlich wirklich zu merken. Meine Mutter hat dieses Verhalten auch schon frueh genug gelernt und ich habs einfach mit uebernommen.
Es ist tatsaechlich viel Selbstarbeit und Verarbeitung angesagt. Man muss anfangen sich an erste Stelle zu setzen und vorallem ganz doll wichtig fuer mich, sobald ich nicht gluecklich bin, nehm ich mir die Zeit rauszufinden, was es ist, das hab ich frueher nie getan, da hab ich verdraengt und immer schoen weitergemacht, konnte ich doch auf mich Stolz sein wie sehr ich mich aufopfere.
Wer co-abhaengig ist, der muss ein ganzes Leben genauso bewusst leben wie ein Alki, wir haben genausoviele Stolpersteine.
Alles Liebe,
Jenny
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