• Da Erdling und Saila hier schonmal toll geholfen haben damit ich mehr verstehe würde ich Euch gerne nochmals was fragen.

    Ich bin jemand, der gerne auch beim vorbeigehen mal eine Zärtlichkeit zeigt, mal einen flüchtigen Kuß, aber auch mal einen liebevollen längeren. Das war auch zu Beginn der Beziehung zwischen meinem Ex und mir so. Über einen ganz, ganz langen Zeitraum.

    Damals versuchte er auch noch über Gefühle zu sprechen. In der letzten Woche nach dem Neubeginn fiel mir auf, dass er zwar so tat als hätte er Gefühle, dass aber gleichzeitig eine Eiseskälte von ihm ausging. Nicht nur die Eiseskälte, sondern auch ein Gefühl, dass ihm alles das nicht angenehm war, was früher scheinbar von ihm geliebt worden war.

    Mein volltrunkener Exfreund kam nun vor einer Stunde volltrunken und torkelnd, scheinbar mit Augenverletzung (erzählt er) und nach vermeintlichem Unfall - ich weiss nicht, was er alles so lallte mit viel blabla erklärte er mir, dass sein wochenendliches Ausbleiben daran gelegen habe, dass Streicheleinheiten und Knutscherei für ihn zuviel waren zum Neuanfang der Beziehung - eigentlich hatte ich den Eindruck er wolle mir sagen er will das überhaupt nicht hatte ich den Eindruck.

    Upsala - das bedeutet für mich nunmehr zwei Dinge:
    Er weiß schon nicht mehr wie der Anfang bei uns war
    die Nähe erdrückt ihn - klar, die Flasche ist dadurch weiter weg, weil sie ja meinen persönlichen Umkreis durchbrechen muss.

    Hilfe Leute, das war jetzt gerade noch nichtmal mit Trauer für mich verbunden. Ich konnte da nur noch sagen, "da danke ich dem lieben Gott dass es aus ist".

    Aber hallo, das muss ich erstmal verarbeiten.

    Lieben Gruß von Dagmar

  • weil ich dadurch klar und deutlich die Veränderungen an ihm sehe. Denn da ziehe ich persönlich jetzt viel weniger den Bezug zu mir als Exfreundin sondern viel mehr zu einer Persönlichkeitsveränderung die selber nicht mehr jonglieren kann zwischen Nähe und Angst vor Nähe.

    Davon einmal abgesehen, ich bleibe so ein Kuscheltiger wie ich immer war, das muss keinesfalls bei diesem Mann sein.

    Es schockt mich derzeit viel mehr zu sehen was er für ein Wragg zu werden scheint.

    Lieben Gruß von Dagmar

  • in denen er sich genauer ausdrückte. Er sprach davon, dass ich eine komplette Veränderung an mir entdecken lasse und er sich nicht hätte vorstellen können, dass diese dauerhaft ist.

    Ich habe ihn dann angesprochen und ihm gesagt dass ich der Meinung bin, dass er mich nicht mehr kennt, Angst vor dem Kontrollverlust hat bzw. ich mit ihm die Beziehung so und so beenden würde und er somit einfach den Schritt vor mir machen wollte. Das bejate er und teilte mir so ganz nebenbei mit dass er nicht mehr in den Spiegel blicken könne.

    Natürlich weiß ich nicht welche Aussage Berechnung war und was ihm wirklich zu glauben ist denn ich denke schon, dass manches mit Show einher geht. Beispielsweise saß er weinend vor dem Laptop vor Fotos von mir. Ich denke das alles ist Show um jemanden zu beeindrucken und zu manipulieren.

    Aber eines merke ich bei diesen sinnlosen Gesprächen: das Problem liegt vor dem Alkohol. Der Alkohol ist eine Art Medizin für Menschen die mit sich selber nicht ganz zu Rande kommen. Manchen mag er helfen doch eine Problemlösung zu finden, bei anderen wird der Alkohol dann zum Problem.

    Ich habe so einen Respekt vor den Menschen die das schaffen: die haben nämlich nicht nur den Alkohol besiegt sondern auch die eigenen, inneren Ängste, die jeder Mensch hat.

    Was Du schreibst Saila mit dem zurückziehen, weil man sich schämt kann ich nachvollziehen. Konntest Du das damals in Worte packen? Warst Du befähigt darüber zu sprechen?

    Es gibt da ganz viele Dinge, die ich ganz, ganz schwer begreife. Einfach weil ich ja ganz anders ticke. Während ich Probleme lösen will - am besten sofort und ohne Geduld - machen es Menschen die mit dem Alkohol Probleme lösen ja komplett gegenteilig. Sie schieben es ja durch den Alkoholgenuß heraus sich um das Problem zu kümmern.

    Verflucht schlimm, dass man-/frau sich da gegenseitig verletzt innerhalb der eigenen Suchtstrukturen - das betrifft mich als Co wie Euch, die Ihr mit dem Alk mal Probleme hattet.

    LIeben Gruß von Dagmar

  • Als unsere Beziehung einige Jahre vor sich hin getragen wurde durch unsere Süchte merkte ich dass wir keinen Weg zueinander finden und hatte ihm das vorgeschlagen. Allerdings schlug er es für sich aus da er kein Alkoholiker sei.

    Wir wollten vor zwei Wochen einen Neustart wagen, da stand für mich fest dass zumindest eine neutrale Paartherapie bzw. Partnerschaftsberatung involviert sein muss, einfach um durch Neutralität auf ein "gesunden" der Partnerschaft von außen zu gewährleisten. Damals sagte ich ihm, eventuell bedeutet das auch unserer beider Trennung, aber alleine schaffen wir es nicht.

    Laut seinen Worten hätte er sich auf eine Paartherapie, niemals aber etwas mit Alkohol zusammenhängendes, eingelassen. Allerdings beendete er diesen Neuversuch schneller als ein Termin geholt werden konnte ;)

    Ich habe zwar noch nicht registriert ob er morgens trinkt, aber evtl. reicht ihm da noch der Spiegel vom Vortag. Aber ich denke, was Du sagst mit den Misserfolgen kann ich gut verstehen. Denn für jemanden der weiss, dass er Belastungen nicht aushalten kann, der dadurch Alkohol trinkt (was vom Umfeld ja so und so schon missmutig betrachtet wird) um sich selber "stark zu reden" der bekommt zumindest mit dass er nicht pur sein kann. Dieser Mensch muss in jedem Fall registrieren dass er Mechanismen benötigt, ohne die sein Leben nicht funktioniert.

    Das sind Dinge, die ich in der Form nicht verstand. Er war früher ein toller Bastler, das wurde immer weniger. Aber die Verletzungen, die er sich bei solchen Sachen holte wurden immer mehr und immer blutiger. Richtig schade, wie jemand seine eigenen Kenntnisse und Fähigkeiten - die sicher auch Erfolgserlebnisse darstellten - immer mehr reduziert.

    Vor vier Jahren baute er mir einen genialen Kratzbaum im Haus
    Vor drei Jahren einen supertollen Naturkratzbaum in meinem Katzenasyl
    dieses Jahr fiel es ihm schwer einen kleinen Astableger fest zu schrauben.

    So schade um Fähigkeiten, um die er sich beraubt. So schade um die Kreativität, die er früher mal besaß. Das wären nämlich Dinge gewesen, auf die er hätte stolz sein können. Aber eben er hätte stolz darauf sein müssen und nicht ich immer wieder widerholen wie toll das ist. Es tut weh zu sehen, wie jemand der Ideen hatte und einfach etwas anpacken konnte nunmehr nur noch von "Überforderung" redet.

    Ich kann es nicht ändern, ich habe meine Kratzbäume - es geht hier also nicht um meinen Nutzen! Sondern darum woraus er für sich eine Zufriedenheit und Stolz hätte resultieren lassen können. Es waren Werke, die er geschaffen hat. Auch die Autos, die er repariert oder restauriert hat, da war viel Wissen, Energie und Ausdauer. Alles das hat er nun irgendwie ab und weg gestellt.

    Aber ich denke, er vermisst das nicht bzw. stellt sich diese Fragen gar nicht. Es ist eben einfach nicht mehr da - kein Bestandteil seines Lebens mehr. Da wo ich beginne meine Räumlichkeiten und mein Katzenasyl zu verschönern um sich selber daran zu erfreuen, da nimmt er Abstand von dem was er mal geleistet hat. Schade um ihn - schade für ihn - aber seine Entscheidung.

    Dennoch: ein Mensch, der sich selber und der Gesellschaft verloren geht.
    Lieben Gruß von Dagmar

  • das ist ganz, ganz lieb von Dir gesagt, dass Du für ihn hoffst dass er die Kurve kriegt. Ich würde es ihm wünschen, aber es gibt so viele Baustellen in seinem Leben, dass er sich vermutlich nicht einmal zutraut diese abzubauen, geschweige denn die Sucht, die eben seine Krücke zum Leben ist.

    Ich glaube nämlich, lieber Erdling, dass auf dem Weg der Abstinenz noch viel mehr Punkte wichtig sind als der Wille aufzuhören. Gilt ja ebenso für mich als Co. Aufhören wollen den anderen zu "lieben" oder "festzuklammern" ist eines. Das andere ist das bewältigen, aus dem Kopf ins Herz in die Tat. Dazu benötigt man/frau Freunde, die ehrlich und pur sind - die eben keine Co Abhängigen sind. Ich habe keine Masse an Freunden, aber zuverlässige Menschen, die mir den Kopf waschen und nicht unbedingt das sagen, was ich hören möchte. Sie halten mich in der Realtität.
    Mein Ex-Partner hat keine Beziehungen, was auch daran liegen könnte, dass er selber nicht in der Lage ist zu kommunizieren.

    Interessen, Werte, Beständigkeit wurden mir vom Elternhaus mitgegeben, auch das Gefühl alles selbst erarbeiten zu müssen - aber im Notfall Hilfe zu erhalten. Quasi dann, wenn ich mir selber geholfen habe, dann kommt Unterstützung, aber nicht vorher.
    Anders als bei meinem Ex-Partner wo beim zweiten Führerscheinverlust der Vater (der nun nicht mehr lebt) die Bestechung übernahm um den Führerschein zurückzuführen.

    Diese unterschiedlichen Arten schon als Kind ins Leben geworfen zu werden waren wohl für unseren weiteren Lebensweg prägend. Während ich nun, wie bereits als Kind, kämpfe um mich wieder in ganz logischen Schritten zu bewegen könnte er wieder auf den "Retter" warten. Das mag eine andere Partnerin sein, das mag das neue Umfeld sein, ich kann es Dir nicht sagen, aber wie es für mich aussieht will er ganz weit weg - geografisch und kopftechnisch von den Dingen, die einmal sein Leben ausmachten.

    Sein Boot, sein Auto, meine Person und auch seine Handwerklichkeit scheinen nicht mehr interessant zu sein. Er versucht sich nunmehr einfach nur in gesellschaftlichem Beisammensein grillen und Festen ein schönes Leben zu machen. Dagegen spricht nichts, ich habe im Leben viel zu wenig gefeiert, sondern war mehr ernst und auf Leistung bedacht, was ganz sicher für mich selber nicht gut war.

    Ich denke, er versucht sich nun zu erproben wie er sein Leben führen kann ohne mit großen Umwandlungen konfrontiert zu werden. Ich denke das ist auch o.k. für ihn, er ist so und das ist anders, als ich mein Leben leben möchte. Schon daran sieht man eigentlich, dass wir als Paar nicht zusammenpassen: ich bin eine sehr ernste Persönlichkeit, die zwar auch gerne lacht, die aber zuallererst Verpflichtungen versucht zu erfüllen. Habe ich Schulden kaufe ich kein Fahrrad.
    Er ist genau entgegengesetzt: er will etwas - tut sich dieses Gute und kauft sich das, auch wenn er es sich nicht leisten kann.
    Also spielt bei uns eigentlich der Alkohol gar keine Rolle - die Grundsätzlichkeiten sind schon zu unterschiedlich, dass wir eigentlich nie passten. Auch wenn es mir weh tut, ich bin eine Schmusekatze, er mag das wohl, sagte aber zu mir er habe Angst diese Schmuserei dann wieder zu verlieren. Also sind wir auch hier anders, ich möchte einfach mal kuscheln, bei ihm verursacht das wohl weniger Interesse, was für mich kuscheln - nahe sein - bedeuetet, schien für ihn in Sex ausgelegt zu werden. Schon da treffen sich dann zwei Unvereinbarkeiten.

    Wobei: ich habe ihn damals geliebt, hatte Hoffnung, die sich nicht erfüllt haben und bin nun traurig. So ist es einfach - keine Chance auf eine Zukunft, eine nicht gerade schöne Vergangenheit, aber das ist ein Kapitel in meinem Buch "(Über-/)Leben.

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Kuscheln, Nähe, Zärtlichkeiten....

    Ich denke, dass es hier auch Diskrepanzen gibt, wenn nicht einer der Partner Alkoholiker ist. Lernen musste ich dabei, und akzeptieren, dass meine Bedürfnisse diesbezüglich nicht mit denen meines Partners übereinstimmen müssen. Nur weil er nicht das gleiche Bedürfnis nach Nähe und Zärtlichkeit hat wie ich, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass ich ihm nichts bedeute. Bedürfnisse sind einfach unterschiedlich. Das zu lernen und zu akzeptieren, hat bei mir eine ganze Weile gedauert. Mein Maßstab ist für mich der richtige, nicht jedoch der allein seelig machende für die Menschen, mit denen ich umgehe.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Wißt Ihr, auch wenn mein Bedürfniss anders ist, wäre es kein Problem gewesen das dennoch ohne einen bitteren Nachgeschmack zu kombinieren. Da es aber eine Suchtbeziehung war, in der alles Vertrauen verloren war gab es weder Stabilität noch das Gefühl übehaupt einer Beziehung. Ich hatte auch Partnerschaften vor ihm - bzw. am Anfang unserer Beziehung war das auch anders. Problemlos konnte ich vereinbaren dass er es "anders" will.

    Auch hätte ich vom Grundprinzip kein Problem mit Unterschiedlichkeiten der Personen. Wenn beide in der Lage sind darüber zu reden, gemeinsam fühlen, Kompromisse eingehen und sich gegenseitig mit Fairness, Ehrlichkeit und menschlicher Achtung betrachten. Bei uns war es nicht der Fall. Deshalb handle ich das speziell für unseren Fall alles als gegessen ab.

    Nicht weil ich das möchte, sondern weil alle Randbedingungen und alle Vorkommnisse so einschneidend sind und auch eine Perspektivlosigkeit für die Beziehung darstellen. Ich würde ihm ein Umdenken in Suchtfreiheit wünschen, sehe aber für uns beide keine Möglichkeit oder Chance. Das beginnt damit dass ich mir bei ihm keine Einsicht vorstellen kann das geht dahin weiter, dass er seinen Aufenthaltsradius in einen anderen Ort, zu einer anderen Dame verlegt hat. Laut seiner Aussage liefe nichts, sondern es wäre "nur" die Geselligkeit. Aber das ist alles nicht meine Sache und mein Problem, ich denke einfach er hat da eine bessere Co als mich entdeckt und ich würde einfach sagen, trotz aller seiner Tränen mir gegenüber, wird er nun eine Art Beziehung mit ihr führen in der er eventuell die Verhaltensmuster unserer Beziehung veruscht neu aufleben zu lassen. Oder anders - ich weiß es nicht....

    Seine Hobbies, die wichtig waren sind es nicht mehr, wenn er von dort zurückkommt gibt es sich erstmal die Kanne zum Umfallen, bis ins Haus hineinfallen um mir dann hier drei Tage zu sagen wie viel ich ihm noch bedeute. Drei Tage keine Waschung mehr durchgezogen, keine Dusche gesehen, einen abgebrochenen Zahn einfach gelassen, Medikamente für die verletzten Augen vergessen. Alles das zeigt mir einfach das der Weg straight bergab geht. Fast so, wie ich an Stärke gewinne scheint sich bei ihm das Gegenteil einzupendeln. Und das obwohl wir ja derzeit unabhängig voneinander leben.

    Meine Zukunft Erdling:
    Ich bewerbe mich munter weil mein Arbeitsplatz wegrationalisiert wurde. Heute sind wieder drei Stück - eine basiert auf einer Blindbewerbung - recht gut in Schriftform gebracht worden, bzw. über Telefonate abgecheckt worden ob es passen könnte.

    Ich inseriere jede Woche in einer anderen Zeitung dass ich ein kleines günstiges Haus für mich und meine Tiere suche. Sollte nach vier Wochen noch nichts funktionieren, so muss ich den Anzeigentext ändern.

    Ich beginne meine Dinge in Kartons zu packen und zu beschriften. Wenn ich das Glück haben sollte ein passendes Objekt zu finden, dann will ich lieber gestern als heute gehen.

    Morgen habe ich einen Termin bei einer Psychologin, um auch dort das Thema anszusprechen und eventuell für mich von ihr die eine oder andere Brücken bauen zu lassen.

    Die Finanzierung für einen eventuellen Umzug ist durch und weitestgehend gesichert, trotz Arbeitslosigkeit.

    Da ich noch nichts habe und wir derzeit noch zusammen wohnen habe ich die Schlafzimmer getrennt, damit jeder für sich ist und somit keine Gefahren des Routinekuschelns auftreten. Da er so und so immer in seinem Keller ist habe ich das Wohnzimmer umgestaltet, damit ich selber mich wohl fühle. Andere Farben, andere kleine Dekorationen, einfach damit ich mich hier wohl fühle, für die Zeit, die ich noch hier sein muss.

    Nach eins kommt zwei: mein Leben birgt Veränderungen in sich, dass sie eigentlich zu viel sind für eine Person. Aber vermutlich sagt das Leben: Liebes Mädchen all die Jahre hast Du mit Dir machen lassen was Arbeitgeber und Lover wollten, jetzt lasse ich Dich zusammenbrechen damit DU SELBER es wieder neu aufbaust.

    Diese Herausforderung muss ich wohl annehmen. Denn: bei allem schlimmen was mir gerade widerfährt, habe ich Freunde, die ehrlich sind, bekomme Unterstützung von meiner Mutter und auch insgesamt habe ich mich optisch und persönlich gut entwickelt, wenn das keine Vorzeichen sind...

    Lieben Gruß von Dagmar

  • dass es Dir jetzt gelingt alles in Worte zu packen und mir klar darzustellen. Ich denke nämlich das ist eine ganz wichtige Sache bei der Bewältigung: Dinge, Gefühle oder Tatsachen auszusprechen und sie in Worte zu packen. Dadurch, dass sich im gesprochenen Satz ein Inhalt ergibt denke ich dass es ein Stück weit Bewältigung und das "Ja" zu sich selber ist.

    Du schreibst "Ihr wart so weit voneinenader entfernt". Ich habe mir überlegt, wann es bei uns so richtig eiskalt wurde und er quasi den Ort auch körperlich verlassen hat. Als mir klar war es geht nicht vor und nicht rückwärts habe ich ihm in seinen Hobbykeller-/Alkgenußstelle ein Plakat gehängt. Es war ein BIld wie er besinnungslos und besoffen auf dem Boden lag. Ich schrieb dazu daß ich mir diese Anblicke zukünftig ersparen möchte und nicht sehen möchte was aus ihm derzeit wird - ein aggresives Wesen, welches ich nicht mehr kenne.

    Das hatte ich schon vergessen, wie so vieles, was in diesem unglücklichen Spiel passiert ist. Somit ist natürlich klar, daß auch ein geografischer Abstand her muss für ihn, dass eben solche Beweisfotos auch nicht mehr entstehen. Irgendwann war mir aufgefallen daß hier im Haus kaum persönliche Dinge von ihm sind - er hier wohl nie richtig lebte. Von mir gibt es so viel was mir etwas bedeutet, Bücher, Fotos, BLumen und und und. Er hat hier die Klamotten und das war es. Schon komisch, wenn man bemerken muss, dieser Mensch hat kaum ein "Leben". Nunmehr wohl auch keine INteressen, einfach so leer.

    Ist traurig zu sehen, daß ein Mensch alles verliert was die Menschlichkeit ausmacht. Das einzige hobbymässige, an dem er noch konzentriert in der letzten Woche arbeitete war ein Lederrock für mich. Er kann gut nähen und es machte ihm immer Spaß da etwas für mich zu "zaubern" was er toll konnte. Man muss dabei auch sagen dass es Eigennutz war, denn dieses nähen ergab Anproben und diese versuchte er dann natürlich als Aufhänger für Sex zu verwenden.

    Etwas, von dem ich sehr geschockt war als er vor zwei Tagen meinte "machen wir noch Sex". Er hat eine vermeintliche Beziehung in Würzburg (von der er selber sagt sie sei viel zu belastend weil zu chaotisch, außerdem liefe nix.... blablabla nicht mein Problem). Früher hätte er das nicht gemacht - weniger weil er es nicht gewollt hätte - sondern mehr weil er viel zu viel Angst vor einer solchen Frage gehabt hätte. Ich hatte ihn mal als "treu" vermutet. Aber irgendwie scheint er alles das zu sein, was ich nicht in ihm sehen wollte...

    Es ist grausam zu sehen, dass da kein Mensch mehr übrig geblieben sondern eine triebgesteuerte Saufmaschine, die sich durch Lügen einen sauberen Anblick in der Öffentlichkeit versucht zu bewahren.

    Lieben Gruß von Damar

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