Die Co-Abhängigkeit - mein schlimmster Feind!

  • Hi Sunny,

    erstmal herzlich Willkommen.

    Dein Beitrag ist ziemlich lang und in all den vielen Woerten die Du da geschrieben hast, hab ich gar nichts ueber Dich gehoert nur all die Leidensgeschichten von Deinem Freund, wo bist Du denn da in dem Beitrag :shock:

    Deine Gedanken kreisen wie verrueckt nach wie vor noch um die Suchterkrankung Deines Freundes, Du solltest anfangen Dich endlich um Dich zu kuemmern, denn Deinem Freund kannst Du nicht helfen und Du solltest Dir im Klaren sein, ob Du ueberhaupt noch eine Beziehung mit ihm fuehren kannst. Ich sehe keine Selbstachtung und auch keine Selbstliebe bei Dir, typische Coverhalten und sehr stark verankert und zum Schluss die Hoffnung, dass Dein Freund nun eine Therapie macht.

    Konzentriere Dich auf Dich, was erwartest Du vom Leben, was sind DEINE Ziele, was kannst DU fuer DICH tun, damit DU wieder gluecklich bist.

    Alles Liebe,

    Jenny

  • Hi Sunny,

    vielleicht kannst Du ja mal mehr ueber Deine jetzige Situation schreiben, was sind Deine ersten Schritte aus der Co-Abhaengigkeit. Welche Erwartungen stellst Du an Dich, gibt es noch Erwartungen, die Du an Deinen Freund stellst. Wie empfindest Du die Therapie in der Du bist und wie bist Du zu einer Therapie gekommen. Sowas ist sehr wichtig, fuer alle die hier mitlesen und auch einen Weg aus der Co-Abhaengigkeit suchen. Du hast viel nur ueber Deinen Freund geschrieben und dort sieht man, dass er den ganzen Platz in Deinem Leben eingenommen hat und nirgendwo irgendwo Deine Wuensche und Deine Erwartungen geschrieben stehen.

    Schreib mal mehr ueber das JETZT.

    Alles Liebe,

    Jenny

  • Hi Sunny,

    Dank Dir fuer Dein Schreiben im JETZT. Es ist sehr gut, dass Du aktiv Dein Leben in die Hand genommen hast, ja Du tust wieder etwas fuer Dich und laesst Dich nicht mehr so in Probleme von anderen Menschen mit reinziehen. Sei froh, dass Du diesen Schritt gemacht hat.

    Versuch mal die Co-Abhaengigkeit nicht als Feind zu sehen, sondern eher, dass es ein Anzeichen ist Dein Leben zu aendern und Deine innere Einstellung zu Dir und Deinem Leben zu aendern. Das Leben ist nicht immer dunkelgrau und truebe, nein es ist absolut lebenswert und es gibt soviele positive Dinge, die im Leben passieren. Wenn DU an Deiner Selbstliebe und Selbstachtung arbeitest, dann ist dass schonmal ein grosser Schritt weiter und ich hoffe Du schaffst das in Deiner Therapie.

    Alles Liebe Dir, von heute an kann es nur bergauf gehen,

    Jenny

  • wenn ich ihn mir ganz bewußt überlege. Du und ich und wir anderen haben natürlich nicht die Flasche an den Mund gesetzt. Problemtrinker sorgen von alleine - ohne uns - für ihren Vorrat.

    Aber ....
    Wir, bzw. ich möchte für mich sprechen, spiegeln ihnen vor dass ja noch alles geht. Ich blieb bei meinem Ex obwohl ich gefühlsmässig vereinsamt bin, also meint er es ist doch alles o.k. Seine Mutter stellt fest, er trinkt nur drei Bier, das ist doch o.k. - dabei vergißt sie dass er sich vermutlich im Rahmen der Familie zusammenreißt um nicht aufzufallen.

    So, wir lieben Co's also bieten die eine oder andere Entschuldigung für sein Verhalten, wir waschen seine Wäsche, erinnern ihn an seine Rechnungen von Autoversicherung und die Medikamente. Er oder sie hat sich also trotz Alkohol noch in einem gesunden sozialen Level --- weil wir dafür sorgen ---

    Wenn wir, die Familien der Angehörigen, der Arbeitgeber und auch wirkliche Freunde am selben Strang ziehen würden, so würden wir sagen "Du bist ein lieber Kerl, aber der Zustand in dem Du mit Alkohol bist, den ertrage ich nicht in meinem Umfeld".
    Wir würden - ihn/sie nicht an Medikamente erinnern
    Wir wecken ihn/sie nicht wenn er arbeiten soll
    Wir sorgen nicht für seine/ihre Nahrung und Gesunderhaltung
    Wir hindern sie nicht am selbst vor programmierten Absturz

    und w ü r d e n ihnen (einfach nur durch Nichtstun) einen Spiegel vors Gesicht halten. Mein Ex ist nun gezwungen selber seine Zahnschmerzen zu ertragen, sein Problem, wenn er nicht zum Zahnarzt geht. Seine Augenverletzung schmerzt, gut ich fahre ihn zum Arzt zu Behandlung (da er selber im PKW eine Gefahr für andere wäre) aber wenn er nicht an seine Medis denkt, sind das seine Augenschmerzen. Er hat kein Geld und kauft sich ein Fahrrad um mit seiner neuen Gesellschaftstruppe grillen zu gehen. Seine Sache - sein Kontostand und seine Überlegungen wie er dann gegen Monatsende zu Rande kommt. Bis vor kurzem bekam er mein Fahrrad.

    Und so ist das ein unendlicher Kreislauf, den wir Co's am Leben halten.

    Die Schuldfrage stelle ich mir schon lange nicht mehr - aus alleine dem Grund: jeder ist für sein Leben selber verantwortlich.

    Nur: ich habe meinem Ex die Verantwortung abgenommen - ihm dadurch ein falsches Bild von Stärke und totaler Kontrolle gegeben. Nicht nur über sein Ansehen in der Öffentlichkeit sondern auch über mich.

    Jetzt:
    - lege ich seine Rechnungen auf einen Stapel, unkomentiert
    - lasse mich von ihm nicht mehr "bekochen" weil das nur seine Rechtfertigung war beim Einkaufen seinen Vorrat zu beschaffen
    - sollen seine Medis liegen wo sie sollen, es ist seine Gesundheit
    - interessiert es mich nicht ob er mit Alk fährt, denn er muss verantworten wenn er seinen Deckel zum dritten Mal verliert
    - seine Fahne am Arbeitsplatz, sein unausgeschlafenes Gesicht und seine derzeit ungepflegte Erscheinung, interessiert mich nicht und ich spreche ihn nicht darauf an, das kann ja gerne sein Arbeitgeber tun

    ***was mich persönlich schafft***
    ist dass seine Schritte seit dem ganz radikal schnell in Richtung Absturz gehen. Da wo ich dachte, er hatte mich per Seitensprung betrogen, definiert sich das nun als Trinken weit unter Niveau - also mit Personen unter Niveau.... das schafft mich in mir selber fast mehr als ein Seitensprung....

    - aber auch das ist sein Problem -

    6 Jahre trank er gemässigt
    2 Jahre Abwärts im schnellen Tempo
    seit 4 Wochen sieht es aus, als wäre nun alles rasend schnell im Abwärtstrend

    was wäre, wenn ich 8 Jahre nicht gewaschen, gekocht und geweckt hätte.....

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Ach wie gut kann ich Dich verstehen. Denn sie wissen genau, wo und wie sie uns treffen können. Sie wollen uns ja, aber eigentlich nur wenn wir so spielen, wie sie es wünschen.
    Wenn nicht, dann gehen sie zum Kumpfel saufen oder suchen eine neue Co-abhängige. Traurig und grausam, aber so ist es - sollen wir das wirklich mit uns machen lassen?

    Schau, ich habe einen gehabt (mit dem ich leider noch zusammen lebe) der mir ständig erklärt wie viel ich ihm noch bedeute. Aber seine Prinzessing Alkohol, die würde er nie für mich aus dem Weg räumen. Da hier in der Region niemand mehr mit ihm trinkt genießt er seine Wochenenden in Würzburg und hebt dort den Alkspiegel. Einfach weil weder seine Zweckgemeinschaften (Freunde hat er keine) noch ich mitspielen oder mittrinken. Und trinken alleine ist für ihn glaube ich nicht prickelnd, weil er sich da nicht in Szene setzen kann.

    Aber warum sollst Du nun bitte spielen wie er will damit es Dir dreckig geht?

    Auch ich werde bei jeder Begegnung und bei jedem Telefonat zurückgeworfen. Meine Gefühle drehen durch, das Herz schlägt bis zum Umfallen.

    Aber ich will nicht mehr Umfallen. Ich brauche meinen Abstand, und das was Du schilderst sind für mich Schmerzen die Dir angetan werden und Forderungen, die an Dich gestellt werden. Und das von einer Person, von der ich mich frage, mit welchem Recht sie Forderungen stellt.

    Dein/mein/unser Leben ist sicher besser sortiert als das der (Ex-)Partner. Warum sollen wir es uns antun uns weiter mit diesen Leuten abzugeben. Sind sie in Therapie, so kann man es überdenken - aber immer noch mit Sicherheitsabstand.

    Ich weiß genau von welchen Schmerzen Du sprichst, ich mache sie gerade durch - gestern dachte ich ich gebe auf und werfe mich weg, weil der Schmerz so unerträglich war dass ich nur noch ein heulendes Wrack war. Sehnsucht, Schmerz, Verlustgefühl - aber es wäre kein wirklicher Verlust sondern nur der Verlust unserer Schmerzen. Vielleicht sind wir die Schmerzen so gewöhnt, dass wir meinen ohne diesen Auslöser geht es nicht mehr weiter.

    Mein Leben, JOb und Wohnung, muss derzeit komplett neu aufgebaut werden, eigentlich stehe ich vor einem nichts. Aber eine Chance vielleicht, wie Phönix aus der Asche zu erstehen. Nur - entweder mit einem gesunden Partner oder alleine! Anders würden wir zu keinem Ergebniss kommen sondern nur HOch-Tief-Frustrationen erleben.

    Es verlangt niemand von Dir dass Du ihn fallen lässt! Du setzt Regeln und die sollten für ihn gelten - Er revanchiert sich doch auch mit seinen Regeln. Wobei seine schädlich sind dafür was er scheinbar vorhat. Mensch, wo ist sein Wille zum Aufhören wenn er vorher noch ne Runde Kiffen muss? Sich wieder wegdopen, oder? Ehrlich gesagt, ich frage mich ob er eigentlich erkannt hat um was es geht bzw. selber etwas ändern will. Er sagt es, da bist Du schon weiter, besser gesagt er.... aber will er es halten?

    Mein Herz ist ebenso im Keller wie Deines und mein Schmerz und meine Tränen sind zuweilen, wie Deine, weder zu trocknen noch unter Kontrolle zu bekommen. Aber wir sollten nicht um sie weinen sondern um uns, was wir mit uns machen ließen. Und wir sollten damit nicht weitermachen sondern uns etwas gönnen ....

    Glaubst Du nicht dass wir liebevolle Partner verdient hätten, die mit uns so umgehen, wie es liebevoll sein könnte? Sollen wir wirklich warten ob sie irgendwann einmal vielleicht erkennen was Sache ist? Sollen wir uns weiterhin von ihren Launen und Verfassungen abhängig machen?

    Natürlich bin ich es derzeit noch ebenso wie Du! Jede Diskussion endet gleich - bis in die Morgenstunden gibt es ein hüh und hot im Sinne von wer bedeutet wem noch was oder wie regelt man den Auszug den keiner so ganz endgültig will und überhaupt. Aber es sind, zumindest bei mir Diskussionen ohne Gehalt.

    Jedes Treffen mit ihm macht mich schwächer - ich kann es hier im Haus nicht verhindern wenn er hier ist. Aber ich genieße jeden Tag wo er weg ist. Ich würde gerne mit Dir tauschen. Denn Du kannst in Frieden leben wenn Du willst!!!!!! Mach Dir das nicht selber kaputt!!! Du bist mehr wert als Finanzier zu sein für seine Ration bis zum Entzug!

    Viel Kraft wünscht Dir Dagmar

  • Weißt Du was, Sunny,

    als ich hier herkam, wußte ich nicht mal, was CO-Abhängigkeit ist.
    Ich dachte, das sind Menschen, die mit dem Suchterkrankten mitsaufen… :oops:

    Und die Vielschichtigkeit ist mir eigentlich erst hier bewußt geworden. Die Veranlagung dazu wird in der Kindheit gelegt, so habe ich es bisher nachgelesen, aber auch da bin ich mir nicht so 100%, ob es wirklich so ist.
    Könnte vielleicht auch sein, das man die CO-Abhängigkeit erst später entwickelt, man will eine besonders gute Mutter und Partnerin sein, opfert sich selbst dafür auf, mh… aber auch diese Verhaltensweisen sind ja besonders bei Frauen erwünscht und werden ihnen auch von klein auf so suggeriert
    Und es muß auch nicht unbedingt ein Elternteil Alkoholkrank sein, eigentlich kann alles dazu beitragen, was disharmonisch in der Familie läuft. Auch besondere Strenge, fanatische Religiösitat, übertriebener Geiz, Spielsucht, übertriebener Schlankheitswahn der Eltern, Medikamentensucht, schlagende Eltern, oft streitende Eltern, sexueller Mißbrauch …. und anderes.

    Ich habe auch immer gesagt, das ich eine Kindheit hatte, die okay war. Aber als ich näher bei einigem hinsah, stellte ich fest, das ich nie gelobt wurde von meiner Mutter, geschweige denn mal in den Arm genommen. Und mir wurde auch oft der Mund verboten, so nach dem Motto „das Kind nu wieder“ :roll: . Noch heute hängt mir das nach, ich denke, ich hab irgendwas nicht verdient, bin nicht gut genug. Und wenn ich was nicht ganz genau weiß, schweige ich, anstatt was falsches zu sagen. Sind halt auch so Verhaltensweisen, die in meiner Kindheit angelegt wurde.
    Aber ich würde nicht sagen, das ich deshalb Alkoholikerin wurde, da kam noch erheblich mehr dazu.
    Muß jeder mal so bei sich selbst nachsehen…
    Und hier viel lesen, dann wirst Du noch einige Aha-Erlebnisse bekommen :wink:

    LG an Dich
    Lilly

  • Servus sunny 83,

    wärest Du Mitglied in meiner r/l-SHG, würde nun die ganze Gruppe stöhnen:

    Zitat

    Mir geht´s so schlecht und keiner kann mir helfen...

    um Dir vor Augen zu führen, dass nur Du für Dein Wohlergehen zuständig bist.

    Niemand sonst!

    Ich schreibe es mal Deinem jugendlichen Alter und der daraus resultierenden fehlenden Lebenserfahrung zu, dass Du so unselbständig denkst. Warte mal, bis Du erwachsen bist, dann legt sich auch das und Du wirst wissen, was Du für Dich willst, und was Du dafür zu tun bereit bist.
    Du wirst dann auch wissen, was Du von Dir selbst erwartest, und wie ein Partner (der den Namen verdient) zu sein hat, mit dem Du eine Partnerschaft (die diesen Namen verdient) eingehen willst.

    Bis dahin: nimm's als eine Erfahrung an, und konzentriere Dich ab jetzt auf Deine Zukunft und nicht auf ihn und seine Vergangenheit...

    Ich wünsch' Dir mal alles Gute auf Deinem Weg!

    LG
    Spedi

  • Ach Sunny,
    lassen wir uns so leicht beeindrucken? Ich doch auch, kaum meine ich, dass er ein paar Tage klar ist (hähä, ist er wahrscheinlich gar nicht, aber mir erscheint es so) meinen wir, "ach so schlimm ist es vielleicht nicht". So, meinen wir, meine ich, warum? Weil ich schon wieder nicht für mich selber zuständig sein will, oder?
    Wenn ja der arme Kerl gar kein Trinker ist, dann kann ich ja bei ihm bleiben, er ist dann schuld wenn es mir schlecht geht. Ich, Dagmar, muss nicht umziehen, mit meinen Katzen kein neues Heim suchen und wieder nicht für mich sorgen.

    Ich sehe es bei mir so - denn ich muss leider auch sehen das Alkohol Schäden hinterlässt. Wer sagt Dir oder mir wie ein Partner mal wird? Wie lange er durchhält ect.? Welche Spiele er trocken mit uns spielt - oder wir mit ihm?

    Bei mir dürfte gelten ein Leben ohne Therapie gibt es nicht - bei Dir könnte gelten ein Leben nach Therapie muss erst ausprobiert werden.

    Natürlich tut es weh, natürlich bricht das Herz, natürlich sind die Tränen nahe, natürlich ist jetzt alles Mist. Aber lass uns einfach die Mistgabel nehmen und langsam aufräumen. Bei mir klappt vieles, auch noch nicht alles, aber je mehr mir einzelne Punkte klar werden, desto kompakter wird das Bild und desto eher passt dann mein Rahmen (für mich!)

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Sunny,
    was meinst Du, was ich um den Kern meines Ex heulen könnte. Nur, dieser Kern hatte schon immer die Haut des Alks, was ich nicht sehen konnte. Beide Personen sind da: der charmante, hilfsbereite und auch der egozentrische, überhebliche Mensch. Vielleicht liegt gerade daran bei manchen das Problem, dass sie die vielen Seiten, die jeder Mensch hat, nicht kombinieren können.

    Ach Sunny, meine Worte finde ich in Dir - aber ich lüge mich an, wenn ich meinen Worten, HOffnungen oder Gedanken weissmachen will, dass "er" sich ändert und einen Weg aus der Sucht findet. Selbst wenn, wenn ich mich nicht ändere, dann hätten wir so und so keine Zukunft. Wie ich es auch drehe - ich treffe mich wieder bei mir.

    Glaubst Du, ich finde es toll gegen eine andere Co eingetauscht worden zu sein, weil ich sagte das sehe ich mir nicht mehr an. Ich könnte ständig heulen weil ich etwas liebesnwertes verloren zu haben meine. Aber, wo beginnt mein Selbstbetrug und wo hört die Selbstzerstümmelung auf?

    Sunny, Hoffnung ist legitim, Wünsche sind legitim, alles ist o.k., solange es nur am Rande läuft und Du der Kern bist, um den Du Dich kümmerst, würde ich mal für mich sagen.

    Weißt Du, was ich mich die letzen Tage dauern frage, nachdem mein Ex meinte "er wolle mich zurück" - ob ich das überhaupt noch kann, selbst wenn ich es wollte. Ich persönlich bin zu keinem Vertrauen mehr in der Lage, ich wurde zu oft angelogen. Und mittlerweile bin ich auch nicht mehr willens mir das anzuhören.

    Heute morgen erzählte er mir eine wirre Story über einen Arztbesuch, gleichzeitig erwartet ein ehemaliger Bekannter von ihm einen reparierten PC (dessen Innenleben nun leider nicht mehr heil ist). Ich sagte nur zu ihm "ich habe keinen BOck auf Deine Lügen, Du hast mal wieder Angst vor Muppet, der seinen PC holen will der nun auch noch kaputt ist, angeliefert wurde er ganz.

    Diese Arztgeschichte war ein Rumgekaspere, von dem er mich vermutlich auf den Trichter bringen will er geht zu einem Facharzt in Sachen Alk. IN Wirklichkeit war ihm letzte Woche ein Zahn ausgebrochen und er wollte nun nach Würzburg zum Zahnarzt. Also eigentlich eine ganz einfache Geschichte, die er mit tausend wenn und abers und dunklen Andeutungen erklären wollte.

    Darauf habe ich keinen BOck, ich weiß nicht, ob es solche Geschichten auch bei Dir gab, aber mir wird das auch langsam zu doof. Es gelingt ihm noch zwischendurch meine Mechanismen zu aktivieren, aber meistens beende ich solche Gespräche.

    Gespräche ? Apropos.... Habt Ihr im letzten Jahr gute geführt? WIR NICHT! Was also meine ich persönlich zu vermissen - nur die Sicherheit des Chaos welches ich seit Jahren hier habe. Chaotischer kann ein allein leben nicht sein.

    Nur: es ist für mich schwierig ein passendes Haus in der passenden Preisklasse zu finden, da ja meine Katzen mit müssen. Dann habe ich Angst vor dem Umzug - aber ..... das könnte mir auch mit ihm passieren, der evtl. den Job nicht behält, den Verstand ertränkt oder oder oder.....

    Glaub mir Sunny, so sehr wir jetzt auch weinen - es wird nicht schlimmer, was nachkommt - nur neu für uns und somit angst einflößend.

    Laß Dich nicht unterkriegen

    LIeben Gruß von Dagmar

  • Liebe Sunny,
    ehrlich gesagt, ich kann mir schon vorstellen dass die Therapeutin Recht hat. Auch ich bin der Meinung, dass an den Orten, an denen früher "gesoffen" wurde genau dieses Charisma und diese Erinnerung hängt. Ich sehe es ja bei mir selber: in meinem Zimmer habe ich weniger Sehnsucht nach ihm als im Schlafzimmer (wo es ja auch mal Liebe gab). Deshalb schlafe ja ich nicht mehr im Schlafzimmer.

    Ja, ich glaube dass auch für uns Co's die Gefahr besteht einen "Trockenen" ins Trinken zu führen. Denn auch wir waren Erinnerungsfaktoren der Trinkerzeit. Haben vielleicht durch die eine oder andere Aussage, die uns nicht bewußt sein muss, das Trinken angestoßen.

    Ehrlich gesagt, was mich etwas stört "er spricht von kaputten Typen". Dort sind Menschen, die den Ausstieg schaffen wollen. Vielleicht sind sie derzeit alle )!) kaputt durch die Sucht, aber wie wertvoll sie später werden dass dürfte sich nach der Therpie zeigen (ich sage es deshalb weil eine solche "kaputte" Heroinabhängige nach ihrer Therapie die beste Arbeitskraft war, die ich kannte). Irgendwie ist das für mich so eine Aussage in Form von "ich bin besser". Bemittleide ihn nicht für seine Gesellschaft, es ist ein Resultat seines Vorlebens, denke ich - aber vielleicht sehe ich das falsch.

    Gefühle spüren - oh, ich denke, dass da ganz viel verschütt gegangen ist über die Jahre der Sucht und frage mich ob das überhaupt innerhalb von Monaten geht. Was jahrelang nicht gespürt wurde muss ja erst einmal wieder verstanden, gelebt und gefühlt werden. Ich denke, es ist normal.

    Ich befürchte ja fast, dass Dir der Besuch nicht gut tun wird, aber wer weiß, vielleicht bewirkt er das Gegenteil und ihr freut Euch beide.

    Viel Glück wünscht Dagmar

  • Oh sunny, es gibt nichts zu beneiden, ich leide ebenso wie jede von Euch. Mir geht es ebenso beschissen und mir tut es ebenso weh wie Euch.

    Aber ich will diesen Schmerz nicht mein Leben lang spüren. Ich will leben, dem Alltag entgegensehen ohne zusätzlicher Probleme, die alkoholgemacht (also unnötig) sind. Ich sag Dir ganz ehrlich, durch die Zusage mit dem Haus fühle ich mich jetzt ein bischen wie ein Teenager, der zum ersten Mal selbständig wird. Ich freue mich auf die Obstbäume in meinem Garten, die große Rasenfläche und das meine Tiere bei mir sind.

    Gewiß, ich werde noch in viele Löcher fallen, ich finde das alles todtraurig. Auch sucht er derzeit das Gespräch und bietet mir filmreife Leistungen um mir quasi Interesse an der Person zu zeigen bzw. mir klar zu machen, dass er mir doch gar nicht egal sein kann (meint er).

    Aber ich werde stärker. Mittlerweile ist das was ich sage auch im Herzen. Natürlich auch noch der Schmerz, aber was sollen wir so miteinander anfangen? Ich co - er Alkoholkrank? Uns gegenseitig runterziehen, nein danke!

    Ich versuche mich wieder in den Griff zu bekommen und werde nachher backen, was ich die letzten Monate nicht mehr geschafft habe. Der Rhabarber ist schon eingeweicht.

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Danke Sunny,
    das hört sich gut an :)

    Aber machen wir uns nichts vor, das ist derzeit der zielstrebige Weg, von dem ich weiß er muss in die Normalität zurückführen. Er kostet Kraft. Es springt noch nicht aus mir die Überzeugung sondern das Wissen was ich "tun muss".

    Ja, ich gehe den Weg nach vorne - dennoch ist mir klar, dass es vermutlich nicht einmal einfacher wird. Denn noch zieht er nicht alle Register weil er noch nichts davon weiß dass ich alles in trockenen Tüchern habe.

    Da wird noch manches kommen können was mich erschüttert.

    Tja, vermutlich wird ein Großteil des Kuchens eingefroren, alleine ist man ja keinen ganzen Kuchen. Aber a) kommt heute eine Freundin und b) eingefroren tut ein frischer fruchtiger Rhabarberkuchen beim Umzug bestimmt auch gut. Ich will zuerst das Esszimmer ausräumen (da geht er nie rein) und das in die Küche stellen. Damit gleich die Kaffeemaschine dazu kommt und der Kühlschrank da ist. Das ist dann gleich bei Putzen & Co. der Mummacher.

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Hallo Sunny!

    Hab in den letzten Tagen auch mal bei dir mitgelesen...
    Kompliment! Find ich richtig stark von dir, dass du nicht zu ihm gefahren bist!
    Bin auch gerade dabei, meine Grenzen zu finden, zu setzen und dann zu festigen... :wink: Is gar nicht so leicht, gelle? :lol: Wie fühlst du dich denn damit?
    Hey, Dagmar! Du hast das Haus?! Glückwunsch! Freu mich für dich!
    Hört sich ja richtig gut an, mit Öbstbäumen und gaaaaanz viel Ruhe und Entspannung für DICH! Das sei dir gegönnt! Wann gehts denn los?
    Kannst für mich auch 'n Stück Rhabarberkuchen mitessen... :wink:

    Liebe Grüße

    fish

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