Ist Co-Abhängigkeit "einteilbar"?

  • Hallo, ihr Lieben "da draußen", ich bin neu hier (freue mich unendlich auf Austausch :D ) und auch das Wort und die Bedeutung "Co-Abhängig-Sein" ist neu für mich.
    Gestern, als ich endlich ein Wort zu meinem "Zustand" hatte, konnte ich nach Monaten endlich weinen...es war richtig befreiend.

    Heute frage ich mich, ob es wohl so etwas wie eine Einteilung gibt, an der man erkennen kann, wie stark die Co-Abhängigkeit ist?

    Es ist doch so, dass Partner sowieso immer co-abhängig sind: Der Mann geht arbeiten, die Frau kümmert sich um die Kinder. Das ist ein "normales" menschliches Verhalten.
    Wo beginnt eine richtige Co-Abhängigkeit und welche Auswüchse kann sie annehmen?

    Ich selbst kann mich ja nur aus meiner Sicht sehen und würde sagen, dass ich eine leichte, kleine Co-Abhängigkeit habe. Ich bin aber auch erst seit zwei Monaten mit meinem Freund zusammen und hab` nur für mich kleine Beobachtungen gemacht.

    Dass ich jetzt mein gesamtes Leben auf sein "Wohlbefinden" ausrichten würde, stimmt nicht. Ich hab` meine Wohnung, er hat seine. Wir sehen einander täglich, er ist lieb, nett, aufmerksam, geht einer Arbeit nach....und braucht täglich seine "Biere". Er wird danach aber nicht ungut oder aggressiv, ich hab` nur beobachtet, dass er nach fünf Bieren depressive Ansätze hat (mit Selbstbeschuldigungen) und nach einem sechsten Bier total gut drauf ist, .... lebensfroh, aktiv.
    Den einzigen Gedanken, den ich vielleicht habe, ist, dass er nach einem "5. Bier-Pegel" um alles in der Welt einen "6. Bier-Pegel" haben soll.

    Es kommt noch dazu, dass ich energetisch voll gut drauf bin und weiß, dass er, wenn er sich 6 unbehandelte Themen aus seinem Leben endlich anschaut, kein Bier mehr zum "Betäuben" braucht.
    Also schätze ich mal, dass ich ein Helfersyndrom noch zusätzlich habe....

    Vielleicht könnt ihr mir Hinweise und Tipps geben und womöglich gibt es auch wirklich eine Einteilung, dass ich weiß, wo ich in etwa stehe (mit meiner Co-Abhängigkeit).

    Ich danke euch jetzt schon vielmals,
    viele liebe Grüße,
    Amai

  • Hallo Amai, wir kennen uns ja schon aus meinem Thread. Co-abhängigkeit ist offiziell nicht so anerkannt, deshalb gibt es in dem Sinne keine konkrete Einteilung, zumindest soweit ich das weiß. Aber es gibt doch einige Literatur dazu: Wenn der Partner trinkt, z.b. oder direkt mit dem Titel Coabhängigkeit. Es hat damit zu tun das Du dich in vielen Sachen von deinem Partner, oder der Bezugsperson abhängig machst. z.B. in deiner Stimmun und deinem Selbstbewußtsein...das sind dann schon die härteren Fälle in meinen Augen...was so das übliche Haushaltszeug angeht finde ich es sehr verschwommen...wenn man in Ehe lebt o.ä. ist das ja wirklich oft so das die Rollen aufgeteilt sind...wenn man es so mag. Aber Ihr habt ja beide Eure eigene Wohnung und seid auch noch nicht so lang zusammen, also: Wäscht Du schon seine Wäsche? Erinnerst Du Ihn an Termine oder machst sogar welche für Ihn aus? Sorgst Du sich um seine Nahrung? Hast Du Hobby aufgegeben?...prüf das mal...es finden sich hier auch einige Notizen was Coabhängigkeit heißt und wie ich raus komme....es gibt auch dieses Buch: Wenn Frauen zu sehr lieben...lohnt sich reinzuschauen.
    Ich kann noch partnerschaftlich zu Info folgendes Buch empfehlen (viele Typenbeschreibungen und Lösungsansätze): Wenn Liebe zum Disaster wird, Mobbing in der Partnerschaft, da wird auch auf solche Themen eingegangen, aber auch auf mehr...

    Viele Grüße
    und Kraft bei der Selbstfindung :wink:

    Das Leben ist Widerspruch: Das eine ist und das andere auch.

  • :D vielen lieben Dank für Deine Antwort (gäbe es jetzt einen Kuss-Smily, würde ich ihn reinstellen 8) ).

    Nein...er macht seinen gesamten Haushalt selbst, wäscht seine Sachen und hält seine Termine ein. Wir essen gemeinsam (ich koche sowieso, für mich und meine Tochter und die Portionen sind größer, wenn ich koche). Er lässt mir meinen Freiraum, meine Freunde, ebenso wie ich ihm seinen Freiraum und seine Freunde lasse.

    Er ruft an, wenn er sich verspäten würde oder er ruft an, damit ich weiß, wo er gerade ist (wenn er seinen Standort gewechselt hat). Ich hab` ihm zwar gesagt, dass er das nicht braucht, aber er meint, dass ich wissen soll, wo er ist. (Anm.: Ich glaube, dass er von den Frauen in der Vergangenheit kontrolliert worden ist, das möchte ich persönlich aber nicht machen, weil ich auch nicht kontrolliert werden möchte).

    Ich danke Dir für Deine Literatur-Tipps....meine Freundin, die mich gestern auf das Thema aufmerksam gemacht hat, ist ebenfalls eine "Betroffene" und hat mir gleich zwei Bücher geborgt, ich habe sofort mit dem Lesen begonnen: Mut zur Unabhängigkeit von Melody Beattie.
    Interessantes Buch, es enthält zwölf Schritte, beim ersten Schritt steht: "Wir gaben zu, dass wir keine Macht über andere haben - und unser Leben nicht mehr meistern konnten."

    Viele liebe Grüße
    Amai

  • Na, das klingt doch gut...die Beattie möchte ich auch noch lesen...Aber sag mal wo genau siehst Du denn dein Problem, wenn das alles so gut läuft?

    Cu Karotte

    Das Leben ist Widerspruch: Das eine ist und das andere auch.

  • Hallo Amai,

    den Begriff CO-Abhängigkeit gibt es seit den 80ger Jahren, er wurde in den USA sozusagen erschaffen und ist auch seit langem in Fachkreisen hier bekannt.
    Das Wort ist ein wenig irreführend, weil man denken könnte, der Partner trinkt mit. So erging es erst mir :oops: ich wußte auch nicht viel darüber. Heute weiß ich, das mein damaliger Partner auch Ansätze zur CO-Abhängigkeit zeigte, er log für mich und besorgte mir am Ende auch Schnaps, als er nicht mehr weiter wußte, bzw. um Ruhe vor mir zu haben. Ansonsten grenzte er sich von meinem Verhalten eher ab.

    Es gibt auch Therapien gegen CO-Abhängigkeit, man nennt es auch „Beziehungssucht“. Ein Helfersyndrom ist relativ typisch für CO-Abhängigkeit, aber nicht zwingend erforderlich :wink: . Es gibt viel Literatur zu dem Thema und auch eine Broschüre von der deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V., die man umsonst bestellen kann und meiner Meinung sehr lesenswert ist.

    Die CO-Abhängigkeit hat natürlich viele Abstufungen, ich sag zum Spaß manchmal, es gibt Light-CO`s und Hardcore-CO`s und auch alles mögliche dazwischen.
    Natürlich ist jeder ein wenig CO in Beziehungen, sonst würden sie gar nicht funktionieren.

    Das ganze kann aber krankhaft werden, die Anlage dazu wird meist schon in der Kindheit gelegt, kann sich aber auch erst in Partnerschaften entwickeln. Bezeichnund sind wohl ein geringes Selbstwertgefühl, nicht in der Lage sein, Grenzen zu ziehen, kränkendes Verhalten des Partners zu tolerieren bzw. ihn noch dafür in Schutz nehmen ( die bekloppte Denke beispielsweise „bei und is ja alles noch nich so schlimm“, weil man nicht bereit ist Konsequenzen zu ziehen) oft kommt noch ein Helfersyndrom dazu, was sich immer gut macht. Denn damit steht man auch in der Öffentlichkeit gut da, was für ein lieber, hilfsbereiter Mensch… dabei frönt man eigenen Suchtverhalten. Das Helfersyndrom dient dazu, andere Menschen von sich abhängig zu machen, sie so an sich zu binden. Für einen Alkoholiker kann sowas durchaus tödlich enden, denn ein CO kann dafür sorgen, das er immer wieder rückfällig wird. Der „Sinn“ dahinter ist, das man sich ja um den Rückfälligen Partner dann wieder klasse kümmern und so dem eigenen Sucht-Verhalten wieder frönen kann.
    Denn ein Trockener Alkoholiker wird sich aus diesen Fesseln zu befreien versuchen. Er wird wieder ein eigenständiger Mensch, der selbst Entscheidungen für sein Leben trifft, schwer zu ertragen für einen „Liebes-Süchtigen“….

    Denn CO-Abhängigkeit IST eine Sucht, sie ist nur nicht stofflich, sondern bezieht sich auf andere Menschen. Das kann nicht nur der Partner sein, es kann auch Eltern und Freunde treffen, sowie als auch. Auch Eltern können sich zu CO`s von ihren Kindern machen und umgekehrt ebenso, bei Freunden ähnlich… dazu mehr hier im Kinder-CO-Bereich. Es zerstört allerdings die Kinder innerlich, ein CO-Kind zu sein, und sie werden evtl. sich selbst später sehr wahrscheinlich einen suchterkrankten oder andersweitig hilfsbedürftigen Menschen als Partner suchen.
    Du siehst, das ganze ist ein SEHR komplexes Thema, ich habe es hier nun nur ein wenig angerissen.

    Für CO-Abhängigkeit kann man nix, da die Anlage meist sehr früh angelegt wird, als man noch ein Kind war. Für Alkoholismus kann man auch nichts, der eine wird abhängig, ein anderer nicht. Es sind aber beides Krankheiten, und man kann etwas dagegen tun. CO-Abhängigkeit ist nur nicht so unmittelbar tödlich, wie Alkoholismus in akuten Faällen werden kann und sie ist unauffälliger, weil die Droge nicht sichtbar ist.
    So, nun frage ich mich allerdings, liebe Amai, was DICH hier herführt ?
    Bei Euch ist doch alles in bester Ordnung… er säuft und Du kannst damit leben, wo ist das Problem ?? Du fühlst Dich nicht als CO-Abhängig, höchstens leicht, dann leidest Du doch nicht darunter, oder ?
    Das das alles noch gaaaaanz anders kommen kann, bei den hohen Alk-Konsum Deines Partners, ist voraussehbar, falls er alkoholkrank ist. Aber das zu erkennen, wird für ihn wahrscheinlich noch ein weiter Weg sein, ihm geht’s doch noch gut, er trinkt seine Feierabendbiere, is dann mal melancholisch, mal gut drauf, so what ??

    Bei Euch ist noch kein Leidensdruck da, der zum Handeln zwingt, also wird das noch lange so weiter gehen, bis ihr Eure persönlichen Tiefpunkte erreicht. Den muß wohl ein CO-Abhängiger ebenso erreichen wie ein Alkie. Der Tiefpunkt, wo GARNIX mehr geht !

    Beispiele dafür könnten sein, nicht mehr tolerieren zu können, das der Partner jede Nacht das Bett vollpinkelt, die Kinder enorm unter dem Verhalten leiden (und evtl. selbst CO werden), was der alkoholkranke Mensch an den Tag legt, seine Unfähigkeit zur Liebe, da Alk alle Gefühle immer mehr abtötet. Aggressivität bis hin zu Gewalttätigkeiten können auch vorkommen. Ein nasser Alkoholiker wird immer dat blaue vom Himmel lügen über seinen Alk-Konsum. Wird es zu eng, säuft er heimlich weiter, das war „meine Spezialität“ beispielsweise. So eine Säufer-Karriere kann lange dauern, meine dauerte üer 15 Jahre. Alkoholismus ist eine furchtbare Krankheit, die ungestoppt tödlich verläuft. Er zerstört am Ende alles, nicht nur die eigenen Gehirnzellen, sondern auch Beziehungen, Jobs, und das gesamte eigene Wesen.

    So, dat war mal so kurz ad hoc von mir zusammengeschrieben hier, aber Alle hier beantworten sicher gern auch gezieltere Fragen.
    Ich selbst bin keine CO, sondern seit 6 Jahren trockene Alkoholikerin, kann es also eh nicht vollständig nachvollziehen, wie eine CO fühlt und denkt. Ich trage aber sicher auch CO-Tendenzen in mir und bin außerdem auch ne Frau… aber ich ziehe eindeutige Grenzen. Ich würde auch imemr zu meinem Partner halten, auch wenn der mal Mist gebaut hätte. Aber ich würde gewisse Dinge nicht tolerieren und mich dann eher trennen, ehe ich unsägliches Leid in Kauf nehmen würde. Und jede Suchterkrankung, die unbehandelt bleibt, bedeutet unsägliches Leid für den Betroffenen selbst und für sein gesamtes Umfeld.

    Liebe Grüße
    Lilly

  • Zitat von Karotte

    Na, das klingt doch gut...die Beattie möchte ich auch noch lesen...Aber sag mal wo genau siehst Du denn dein Problem, wenn das alles so gut läuft?

    Cu Karotte

    :roll: es waren die Worte meiner Freundin, die mich stutzig oder eigentlich "munter" gemacht haben.... Ich hab` sie gefragt, im Vertrauen, ob es möglich ist, dass mein Freund "Spiegeltrinker" ist. Sie sagte: 100prozentig, das weiß ich schon lange, aus den Beobachtungen meines Sohnes, weil er ihn jeden Tag etwas trinken sieht, in dem Gasthaus unseres Ortes. Du, stell` Dir die Frage, warum Du mit ihm zusammen bist und wo Deine Abhängigkeit ist.

    Verstehst Du, Karotte? Es ist alles noch so neu, ich liebe ihn, hab` auch sicher meine "rosa-rote-Brille" auf und übersehe wahrscheinlich 1000 Dinge. In meiner Famile war es der Großvater, der täglich einen Doppelliter Wein brauchte, um "gut" drauf zu sein. Meine Großmutter hat das volle Programm einer Co-Abhängigen abgezogen (Wein versteckt, gelitten, ist in einer "Opferrolle" gewesen, ohne Mut irgendetwas zu ändern). Mich hat es als Kind insofern betroffen, dass ich gesehen habe, wie alle gelitten haben, wenn mein Opa "mies" drauf war (Beobachterrolle). Und instinktiv habe ich geschaut, dass es allen gut geht und meine Bedürfnisse zurückgestellt.

    Diese Thema (Nicht-meine-Bedürfnisse-leben) habe ich mit meinem Ex-Mann aufgearbeitet und das Thema (Für-alles-verantwortlich-fühlen) mit meinem Ex-Lebensgefährten (Trennung im März 2008). Ehrlich gesagt wollte ich "männerfrei" leben und dann läuft mir dieser Engel in Form meines Freundes über den Weg...... :roll: Na ja....der Mensch denkt und Gott lenkt....

    Viele liebe Grüße
    Amai

  • Nachtrag:

    Liebe Amai,
    ich lese in Deinem letzten Beitrag hier, das bei Euch sogar alles in ALLERBESTER ORDNUNG ist ! Gratuliere ! Ein toller Partner, nur das er n bisschen viel säuft... aber sonst...alles prima... :?

    Amai, hier sind Betroffene Menschen, die hart an sich arbeiten, um sich von ihren Süchten zu befreien, bzw. bei CO-Abhängigkeit, sie zumindest abmildern zu können.

    Und DICH hat sicher auch nicht die pure Neugier oder der Zufall hier hergetrieben :wink: Du wirst schon gezielt gesucht haben... Denn das Thema würde Dich überhaupt nicht interessieren, würdest Du Dir keine Gedanken machen...

    Wie wäre es mal mit "Butter bei die Fische"... :wink: was wirklich los ist bei Dir/Euch.
    Und nochwas, ich bin die Letzte, die jemand etwas einreden möchte, SO ist das NICHT gemeint !
    Das alles ist nämlich traurig genug, damit macht man keine Scherze... :(

    LG
    Lilly

  • Zitat von Amai

    ...wollte ich "männerfrei" leben und dann läuft mir dieser Engel in Form meines Freundes über den Weg...... :roll: Na ja....der Mensch denkt und Gott lenkt....

    Siehst Du das wirklich so????

    Wahrscheinlich hast Du schon ne Veranlagung, wenn ich so lese was in deiner Kindheit lief...Lies mal die Zeilen von Lilly, hat Sie mal wieder wirklich phantastisch geschrieben...

    Grüße
    Karotte

    Das Leben ist Widerspruch: Das eine ist und das andere auch.

  • Zitat von Amai


    In meiner Famile war es der Großvater, der täglich einen Doppelliter Wein brauchte, um "gut" drauf zu sein. Meine Großmutter hat das volle Programm einer Co-Abhängigen abgezogen (Wein versteckt, gelitten, ist in einer "Opferrolle" gewesen, ohne Mut irgendetwas zu ändern). Mich hat es als Kind insofern betroffen, dass ich gesehen habe, wie alle gelitten haben, wenn mein Opa "mies" drauf war (Beobachterrolle). Und instinktiv habe ich geschaut, dass es allen gut geht und meine Bedürfnisse zurückgestellt.

    und schon schrillen meine Alarmglocken HEFTIGST... :shock::?

    Zitat

    Diese Thema (Nicht-meine-Bedürfnisse-leben) habe ich mit meinem Ex-Mann aufgearbeitet und das Thema (Für-alles-verantwortlich-fühlen) mit meinem Ex-Lebensgefährten (Trennung im März 2008). Ehrlich gesagt wollte ich "männerfrei" leben und dann läuft mir dieser Engel in Form meines Freundes über den Weg......

    Hast Du das WIRKLICH ?? Du bist an einen trinkenden Menschen geraten, ich sehe sowas KEINESFALSS als Zufall !! Die Sache hat nämlich meist System !!
    Und ich denke nicht, das man CO-Abhängigkeit mit einem Partner aufarbeiten kann, man benötigt dafür professionelle Hilfe !! In Form von Therapien, dieses Forum hier kann aber auch SEHR hilfreich sein, durch den Austausch hier.
    In den USA haben sich eine Kombination aus Thera und SHG übrigens bewährt, aber das nur mal am Rande....

    LG
    Lilly, die nu aber echt still ist :lol:

  • :D ich danke Dir unendlich für Deine offenen Worte. Ich bin sicher nicht wegen "Jux und Gaudi" hier, 100prozentig nicht.

    Ich glaube, dass gestern mein "Erinnerungstag" war, wie schrecklich es ist, wenn ein geliebter Mensch (sprich: Mein Opa) trinkt und die Kontrolle über sich und sein Leben verliert.
    Ich war es, die ihn im Mai 1999 persönlich ins Krankenhaus gebracht hat (Verdacht auf Leberzirrohse...schreibt man das so?), ich war es, die ihm im Juli 1999 den Pfarrer ins Haus geholt hat, damit er ihm die letzte Beichte abnimmt und ihn salbt und ich war es auch, die als erste bei seiner Leiche im Wohnzimmer gestanden ist und Psalm 23 "Der Herr ist mein Hirte" gelesen hat. Er ist an Leberkrebs gestorben, elendiglich. Das sind Erinnerungen, die gestern hoch gekommen sind.

    Und dann die Erkenntnis, dass ich einen wunderschönen, lieben Freund habe, dem ich jetzt, derzeit, nicht helfen kann ....

    Das ist der Hauptgrund, warum ich hier bin.
    Viele liebe Grüße
    Amai

  • :roll: o.k., ich fasse zusammen:

    Er wird panisch, wenn ich in der Nacht in meine Wohnung gehe (glaubt, dass er etwas falsch gemacht hat, glaubt, dass er mich seelisch verletzt hat)....Anm.: Ich wohne praktischer Weise auf der gegenüberliegenden Seite von seiner Wohnung, ich brauch` nur über die Straße gehen.... :D

    Als ich einmal, mitten in der Nacht, als er schlafen ging, unbedingt in einem Forum schreiben wollte (Esoterikforum) und ihm sagte, dass ich gehe, dass wir einander dann Morgen sehen, ...... hat er am nächsten Tag weder vom Handy abgehoben, noch auf meine sms geantwortet und auch nicht die Tür aufgemacht, obwohl er zu Hause war.....
    Ich wusste, dass er in sich zurückgezogen dieses "Verlassenwerden" bearbeitet und spätestens nach 5 Tagen wieder auftaucht (ich bin Empath). Er hat mir am zweiten Tag eine sms geschrieben, dass es ihm leid tut, dass er mit seinem Augenproblem nicht fertig wird (hatte Wasseransammlungen, sah schlecht, wurde operiert), dass ich eine wunderbare, liebe Frau bin, .....

    Das war das erste Mal, das ich etwas getan habe, das ich nicht machen wollte, aber dennoch machte, damit der andere (Partner) nicht leidet, weil ich manchmal lieber statt zu fernsehen in dem Forum schreiben würde.

    Viele liebe Grüße
    Amai

  • Zitat von Lilly12

    und schon schrillen meine Alarmglocken HEFTIGST... :shock::?


    Hast Du das WIRKLICH ?? Du bist an einen trinkenden Menschen geraten, ich sehe sowas KEINESFALSS als Zufall !! Die Sache hat nämlich meist System !!
    Und ich denke nicht, das man CO-Abhängigkeit mit einem Partner aufarbeiten kann, man benötigt dafür professionelle Hilfe !! In Form von Therapien, dieses Forum hier kann aber auch SEHR hilfreich sein, durch den Austausch hier.
    In den USA haben sich eine Kombination aus Thera und SHG übrigens bewährt, aber das nur mal am Rande....

    LG
    Lilly, die nu aber echt still ist :lol:

    ich hatte 20 Gesprächstherapie-Einheiten, die mir sehr gut getan haben und in denen ich auch mein Thema "Selbstwert, Selbstbestimmung" behandelt habe.

    Es gibt doch so viele Wege, wie man ein Thema aufarbeiten und anschauen kann....

    Viele liebe Grüße
    Amai

    PS: Als ich mich in ihn verliebt habe, wusste ich nix von seinem Alkoholkonsum....also, ich habe mich nicht in einen Trinker verliebt, den ich retten möchte.

  • [quote="Lilly12
    LG
    Lilly, die nu aber echt still ist :lol:[/quote]

    :D nein...bitte nicht still sein, ich freue mich über Deine Beiträge. Du "kratzt" etwas an der Oberfläche bei mir und das ist gut so. Wie gesagt: Ich kann mich nur aus meiner Sicht wahrnehmen und Erkenntnisse haben. Du und die anderen zeigen mir eine andere Sicht von mir.

    Viele liebe Grüße
    Amai

  • Liebe Amai, das mit dem verlieben und deiner Meinung nach wußtest Du es nicht: Das ist unbewußt...Wahrscheinlich aber haben Dich schon bekannte Strukturen angezogen....

    LG Karotte

    Das Leben ist Widerspruch: Das eine ist und das andere auch.

  • 8) ich bin im März in meine Wohnung eingezogen, er im Jänner. Ich hab` ihn öfters von meinem Küchenfenster (1. Stock) auf der Straße vorbeigehen gesehen....und ich dachte mir nur: Wauw....danke für diesen schönen Anblick, danke für diesen schönen Mann.

    Kein Zeichen von Betrunkenheit, kein Zeichen von irgendwas, es kam nur Schönes "rauf" zu meinem Küchenfenster.

    Ich weiß es nicht, warum und wieso, ich weiß nur, dass es sicher einen Sinn hat, warum ich mit ihm zusammen bin.

    Viele liebe Grüße
    Amai

  • Ja, Amai, so ähnlich ging mir das auch...dieser Mann in unserem Hof vor 3 Jahren...tierische Blinkeraugen, richtig tolle Gespräche...
    Und bis mir dann klar war das er jeden Tag tinkt, das hat lange gedauert...und bis mir meine Strukturen klar wurden, das hat ungefähr genauso lang gedauert....

    Das Leben ist Widerspruch: Das eine ist und das andere auch.

  • :roll: hmmmm....wie hat das alles angefangen...??? Wenn Du, wie Du sagst, auch das Schöne zuerst gesehen hast (ich sag`"rosa-rote-Brille" dazu), dann war doch einmal eine Situation oder ein Punkt da, an dem Du stutzig wurdest, oder?

    Ich habe mir, für mich selbst, weil ich mich wirklich sehr gern habe 8) , vorgenommen, dass ich reagieren werde, wenn meine persönliche Grenze überschritten wird. Ich, nicht er, werde dann reagieren.

    Viele liebe Grüße
    Amai

  • Zitat von Amai


    Als ich einmal, mitten in der Nacht, als er schlafen ging, unbedingt in einem Forum schreiben wollte (Esoterikforum) und ihm sagte, dass ich gehe, dass wir einander dann Morgen sehen, ...... hat er am nächsten Tag weder vom Handy abgehoben, noch auf meine sms geantwortet und auch nicht die Tür aufgemacht, obwohl er zu Hause war.....
    Ich wusste, dass er in sich zurückgezogen dieses "Verlassenwerden" bearbeitet und spätestens nach 5 Tagen wieder auftaucht (ich bin Empath). Er hat mir am zweiten Tag eine sms geschrieben, dass es ihm leid tut, dass er mit seinem Augenproblem nicht fertig wird (hatte Wasseransammlungen, sah schlecht, wurde operiert), dass ich eine wunderbare, liebe Frau bin, .....

    Liebe Amai,

    als ich noch ne nasse Alkie war, rate mal, was ich in diesen 5 Tagen getan hätte ?? Ich "zog mich auch in mich zurück"..."mußte mal allein sein"... blablabla... in Wirklichkeit verpasste ich mir gepflegt die Breitseite. :oops:
    Und am besten vorher noch nen Streit provozieren, weil ich dann wenigstens n "Grund" zum Saufen hatte. So wie er mit seiner Ablehnung Deines Tuns und entsprechend folgender Reaktion.
    Alles unter der Voraussetzung, das er n Alkie ist, natürlich nur.
    Das sind nämliche GANZ TYPISCHE Verhaltensweisen.
    Und klar schickt man ne sms in halbswegs klaren Momenten, oder ne mail, ans Telefon geht man aber nicht, weil es ja dort bemerkt wird, wenn man gesoffen hat.
    Das taten die meisten so, sich dann persönlich unerreichbar zu machen.
    Ich isolierte mich am Ende völlig.

    Karotte schrieb:

    Zitat

    Liebe Amai, das mit dem verlieben und deiner Meinung nach wußtest Du es nicht: Das ist unbewußt...Wahrscheinlich aber haben Dich schon bekannte Strukturen angezogen....

    Damit hat sie 100% recht ! Es LÄUFT unbewußt ab, man muß nicht "wissen", das der andere trinkt. Das Verhalten ist so sehr verinnerlicht, finde ich auch unheimlich, aber es ist so.
    Beide Partner senden unbewußte Signale, die schon "richtig" beim anderen ankommen. Das können winzigste Kleinigkeiten sein. Beim Alkie beispielsweise ein gebückter Gang, ein trauriger Gesichtsausdruck in "Melancholie-Zeiten", man spürt die Verzweiflung direkt.

    Du schreibst, Du bist ein Empath. Liebe Amai, auch damit bist Du nicht allein :wink: COs sind wahrscheinlich sehr empathisch, so meine Meinung. Du weißt aber auch, was mit Empathen passiert, gelle ? Sie lassen sich von Stimmungen des anderen extrem mitziehen, leiden mit, wenn es dem anderen schlecht gehen, sind glücklich, wenn er es ist. Empathie ist ein großer Vorteil im sozialen Miteinander, denn Empathen sind hochsensible Menschen, was mir im übrigen auch nachgesagt wird. Aber Empathie kann auch negative Auswirkungen haben.

    Ich habe auch ziemlich empathische Fähigkeiten :wink: man nennt sowas ja auch "emotionalen IQ". Sonst könnte ich ja hier im CO-Bereich gar nicht schreiben, es wäre sinnlos, ich könnte nix wirklich nachvollziehen...
    Ich kann Dir mit ziemlicher Sicherheit beispielsweise sagen, wer ein Alkoholproblem hat und wer nicht. Ich brauche nur winzigste Verhaltensweisen registrieren und ich lag bisher nie falsch. Ich grenze mich aber innerlich davon ab, denn ich weiß natürlich auch von meinen Fähigkeiten, sonst werden sie mir in meiner eigenen Trockenheit nämlich gefährlich.
    Es geht beides, empathisch veranlagt zu sein und sich innerlich abgrenzen zu können, CO`s wird das aber erheblich schwerer fallen, durch ihre Vorgeschichte.

    LG
    Lilly

  • ich hab` Deinen Beitrag gelesen und mir gedacht: Ohhhhhhhhhhhhhhh mein Gott....auf so etwas wäre ich nie gekommen..... :shock:

    Ja, das ist natürlich eine plausible Erklärung für zwei Tage "U-Boot-Sein". Er war aber in dieser Nacht wirklich "geschockt", als ich zu ihm ins Schlafzimmer ging und ihm sagte, dass ich noch in meine Wohnung rüberschaue.... Also, er hat definitiv keinen Streit zum Trinken provoziert.

    Ich hab` meine Empathie sehr gut unter Kontrolle, ehrlich. Ich bin Energiearbeiterin (Reiki-Meister, Holistic Healer nach Mauro Ambat....beides mit Engelsenergien), ich gehe nie "ungeschützt" außer Haus, sonst sauge ich wie ein Staubsauger die Empfindungen der Mitmenschen auf.

    Ein hilfreicher Schutzsatz für alle Empathen lautet: NEC PLURIBUS IMPAR (laut oder in Gedanken gesprochen schützt er vor Energien jeglicher Art).

    Dass ich schon einige Leben mit ihm hatte, weiß ich definitiv und dass ich "nur" eine Wegbegleiterin bin, das weiß ich auch. Ich lerne von ihm und er von mir.

    Es ist eigentlich unglaublich, dass ich so ruhig und gelassen darüber reden kann, dass diese Partnerschaft nicht bis an mein Lebensende dauern wird.
    Na ja...jetzt ist jetzt.

    Viele liebe Grüße
    Amai

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