Salue Samie,
ich denke, der (Haus-/)Arzt hat eine ganz schwere Rolle: zwar muss er das Thema Alkohol sehr ernst nehmen, darf aber den Patienten menschlich nicht verlieren - ist das Vertrauen weg, dann auch der Patient und jegliche Chance auf "Heilung".
Weißt Du Samie, zwar denke ich bei den mir bekannten Alkoholikern auch so, dass sie keine zwei Tage trocken bleiben könnten, dennoch habe ich nicht das Recht ein Urteil zu sprechen und auch nicht die Befähigung, da ich nicht weiß wie es in diesen Menschen aussieht, ob evtl. deren Druck schon hoch genug ist sich vielleicht doch helfen zu lassen.
Der Aggression und der Wut kannst du Dich nur leider selbst entziehen. Ich habe es selber durchgemacht und muss sagen, bei mir wurde alles extremer. Je mehr ich mich um mich kümmerte, desto wütender wurde die Gegenseite - zumal der Helfer immer weniger zur Verfügung stand. Davon mal abgesehen ist es fast logisch, dass der Konsum steigt, da er vermutlich Angst hat vor den Dingen, die da noch kommen werden.
Ich selber bin noch ganz ganz weit entfernt meine Co-Abhängigkeit besiegt zu haben. Nur eines weiß ich für mich : ich konnte den ständigen Wutanfällen und Übergriffen nicht mehr gegenüber stehen ohne selber größtmöglichen Schaden zu nehmen. Ich musste mich räumlich trennen, um zumindest meinen Körper in Sicherheit zu bringen. Die Seele gesundet langsam nach der Trennung auch wieder - es wird noch dauern, aber jetzt habe ich die Chance - die ich vorher nicht hatte, als ich mir noch Gedanken machte, ob nicht ein Arzt ihn bitte mit der Wahrheit konfrontiert, der Arbeitgeber endlich einschreitet oder der Führerscheinverlust ein Aufwachen begünstigt.
Je mehr Gedanken ich mir über ihn machte, desto weniger Zeit hatte ich für mich - zwangsläufig ist bei einem Zusammenleben an Abstand nicht zu denken, da man/frau ja zusätzlich auf die eigene Sicherheit achten muss.
Viel Glück auf Deinem Weg wünscht Dagmar