Wie gewinnt man seine innere Ruhe?

  • Liebes Trudchen,
    hallo Namensvetterin,

    Du siehst, Du bist in guter Gesellschaft: viele von uns waren langjährig in Partnerschaften. Auch bei mir waren es 8 Jahre, wobei die Eskalation ruckizucki innerhalb von Wochen ging.

    Aber Trudchen: alle Jahre der Welt dürfen nicht dafür sorgen, dass wir uns noch länger vergessen. Nun gut, was passiert ist, ist passiert. Ich - Du - Er - Sie . Es wussten es nicht besser und haben sich so verhalten wie es richtig erschien....

    Nun "wissen" wir "eigentlich" was wir uns angetan haben und vielleicht sollten wir nun beginnen uns auf uns zu konzentrieren. Liebes Trudchen, ich verstehe alle Deine Gedanken und Fragen nur zu gut, weil ich bald 3 Monate versucht habe alles zu verstehen, um es für mich abschließen zu können.

    Allerdings habe ich während dieser Zeit mich selber zu sehr in den Hintergrund gestellt. Ich denke nämlich, sonst wäre es mir schneller besser gegangen.

    Warum machen wir den Terror so lange mit? Vielleicht weil wir an das Gute im Menschen glauben wollen und nicht erkennen dass die Sucht viel stärker ist? Wenn Du oder ich etwas versprechen, dann besteht die Chance, dass wir uns bemühen unsere Versprechungen zu halten. Ein Suchtkranker ist krank - wie das Wort schon sagt - selbst wenn er/sie will so kann er /sie nicht so wie er "will" weil der Körper schon ein Eigenleben entwickelt hat durch den Stoffwechsel.

    Liebes Trudchen, mein Ex hatte eine Neue, wollte mich jedoch gleichzeitig behalten - na klar, zwei Co's sind besser als keiner, oder :) Alles das blabla, alle die Stories, alles vermeintliche Geplappere über seine Gefühle bzw. er wisse nicht was er tue, was richtig oder falsch wäre. Alles das war einfach in meinem Fall ein leeresch Gewäsch, durch das versucht wurde so lange wie möglich so geschützt und gut wie möglich innerhalb der Sucht zu bleiben.

    Kannst Du es unseren (Ex-)Partnern nich nachsehen? Sie merken vielleicht selber dass irgendwas nicht stimmt, könnte ich mir vorstellen. Sie müssten aber an ihren Kern kommen um ihre Mitschuld zu sehen. Das aber geht a) durch den Alk nicht mehr, der das Realitätsbewusstsein einschränkt und b) durch das Gefühl "minderwertig" zu sein oder eben "Hochwohlgeboren" zu sein. Egal was: es ist ausserhalb der Realität.

    Ich glaube Erdling beschreibt es sehr gut, obwohl ich es mir bei ihm gar nicht vorstellen kann, dass er in einem solchen Strudel war. Denn wenn ich mir ansehe, wir klar und deutlich er jetzt - also Du Erdling, ich rede nicht so gerne über andere sondern lieber mit Ihnen - alles beurteilen kann und was da ist an Wissen über die Dinge, die gelaufen sind, so kann ich mir nicht vorstellen, dass diese Einsicht bei vielen Suchtkranken vorhanden ist. Auch nicht bei allen jenen, die "trocken" sind oder gerade "Pause" machen. Das was von Erdling kommt scheint mir schon eine beklemmende und bekennende Offenheit zu sein, deren Deutlichkeit vielleicht auch selber verhindert dass ein Genesener rückfällig wird.

    Sind wir nämlich am nächsten Punkt: erkennen, wahrnehmen und etwas ändern. Diese Stärke haben nicht viele Menschen.

    Liebes Trudchen, versuch Dich nicht unterkriegen zu lassen! Auch ich wurde ersetzt durch eine Lady die trinkt - nun gut :) Die beiden haben miteinander Spaß und ich nunmehr mit meinem Leben. Aber das musste ich mir hart erkämpfen, ich weiss nun aber für was: für mich, mein Leben und meine Tiere. Für einen neuen Job und dafür stolz darauf zu sein, wie ich beginne für mich zu sorgen.

    Trudchen :) Und wie gut viele von uns verstehen können wie es Dir geht. Weil viele von uns diesen Schmerz erlebt haben. Aber Trudchen, selbst wenn bei mir Kummer und Trauer zu finden waren, so auch der Wunsch zu überleben. Da, wo meines Erachtens große Agression oder Sachzerstörung von einem Suchtkranken ausgeht, da ist schon eine sehr niedrige Hemmschwelle.... Irgendwann vielleicht auch nicht mehr Dir gegenüber .... Ich persönlich bin mir in meinem Fall sicher .... nur noch wenige Wochen, und ich hätte mein Leben angekratzter gehabt als es jetzt ist.

    Traurig sein ist o.k. Abstand zu brauchen ist o.k., aber dabei immer wieder versuchen bei sich selber zu sein und nach dem eigenen Besten und den eigenen Wünschen zu sehen. Wenigstens versuchen.....

    Das geht nicht von heute auf morgen - muss es auch nicht - aber einfach Schritt für Schritt vorwärts zu Deinem Leben.

    Lieben Gruß und viel Kraft wünscht Dagmar

  • Hi Trudchen,
    bin wieder zurück. Toll, wieviele dich hier unterstützen.
    Ich bin mir sicher, du bist schon an einem Punkt, an dem es kein Zurück mehr gibt. Kein Zurückmehr in den Wahnsinn mit deinem Ex. Du hast schon den Anfang gemacht, bewegst dich schon in die richtige Richtung, ganz sicher. Das ist nach deiner so schweren Zeit ein großer Erfolg, Trudchen. Sei stolz auf dich, wenn du auch noch so viel Schmerz empfindest.
    Jetzt ein Schritt nach dem anderen.
    Denk an dich, was tut dir JETZT gut? Und wenns der Klöppelverein um die Ecke ist.
    Mehr is jetzt vielleicht nicht möglich.
    Und mit jedem Schritt nach vorne, zu dir zurück, wird deine Kraft zurückkommen. Da ist sie ja, sie wurde die letzten Jahre halt falsch eingsetzt.
    Ich zermarterte mir auch schon oft das Hirn nach dem großen WARUM.
    Kostet auch nur Kraft, die brauchst du jetzt für dich.
    Liebes, liebes Trudchen ich drück dich ganz fest,
    LG Thelma

    P.S. schreib ruhig weiter, dass die Tasten qualmen.

  • Nachtrag: hab ja einen interessanten Satz geschrieben: einen Schritt nach VORNE, zu dir ZURÜCK. Muss man das jetzt analysieren ? Naa, is ma z'bläd.
    Ich bin Erdling sehr dankbar, dass er sich hier zu Wort gemeldet hat. Im Alkoholikerbereich hab ich bis jetzt noch nicht gelesen, muss mich erstmal hier sortieren.
    LG Thelma

  • Ja, Trudchen,
    ich hab mich auch immer gefragt: warum macht er es? Er hat doch Verantwortung den Kindern gegenüber, er ist intelligent, er hat doch, er ist doch,...........
    Ich beginne auch gerade zu verstehen, dass Sucht wirklich nichts mit Ratio zu tun hat. Nichts mit Böswilligkeit. Und somit verschwindet die jahrelange Wut auf meinen Mann ein bisschen. Noch nicht ganz, das muss ich zugeben. Zuviel ist zerstört worden.
    Es persönlich zu nehmen, das ist ein großer Fehler.
    Mach ich auch nicht mehr. Sie sind so in der Sucht gefangen, wie wir ja auch in unserer. Du willst da raus, er nicht, also tschüss und ab in die Stadt mit dir. Kauf dir was schönes, hab ich gestern auch gemacht. Gottseidank hab ich nach meiner Shopping-Tour die Zusage für den Job bekommen, hatte schon ein schlechtes Gewissen.
    Viel Spass,
    LG Thelma

  • Hallo Ihr Lieben,
    mir selber ist über die Monate aufgefallen, dass "wie fühlst Du Dich" eigentlich erwartet wird mit gut, schlecht oder mittel oder einfach einer allumfassenden Antwort.

    Nun, für mich habe ich es anders gelöst. Mir selber kann es gut gehen, ja ich mich nahezu glücklich fühlen innerhalb meiner Lebenssituation. Das kann mir aber dennoch Trauer und Abschiedsschmerz erlauben ohne meine Grundverfassung massgeblich zu trügen. Für mich war die Trauer ein sinnvoller Begleiter. Warum tut mir etwas weh, warum beziehe ich es auf mich? Warum suche ich meine Fehler?

    Ach Trudchen, Namensvetterin ;)
    Was meinst Du welche Gründe ich alle gehört habe weil es nicht mehr gut geht, nur einen nannte er nicht: die Neue. In meinem Fall war die Lady ein vielfaches älter als ich. Die Gründe die ich gehört hatte weil er der Meinung war es tut nicht gut waren so was von irrwitzig und somit nicht mehr glaubwürdig. Im ersten Schmerz und der Verletzung des Egos ist mir aber gar nicht aufgefallen was da für ein Mist verzapft wird.

    Erst ganz viel später fiel mir auf, im Prinzip war er zu feige zum Schluss machen, aber nicht feige genug "auf zwei Frauen tanzen zu wollen". Meinst Du wirklich, jemand, der krank ist ist noch in der Lage zu sagen ich will Dich nicht mehr weil Du zu eigenständig wirst und mich nicht mehr in meiner Sucht unterstützt?

    Ich hatte meinem Ex ein Foto von ihm in erbärmlichsten Zustand nebst Brief übergeben mit der Aussage ich sehe mir das alles nicht länger an, diese Schlägereien, Bewustlosigkeiten ect.

    Ihm blieb nichts anderes übrig als sich eine Nachfolgerin zu suchen, die nunmehr meine Co-Aufgaben übernimmt. Das aber kann er wohl so nicht definieren ohne sich Schwach zu zeigen, oder?

    Jetzt mal ganz im Ernst liebe Dagmar: es tut weh wenn eine Beziehung endet, man darf traurig sein und muss es verarbeiten. Aber glaubst Du wirklich ein Mensch, der im Teufelskreis der Sucht gelandet ist, kann langfristig und zuverlässig fühlen und handeln? Selbst wenn er wollte, er kann nicht mehr, denke ich.

    Ich wollte verstehen und begreifen - ich konnte nicht nachvollziehen warum sexuelle Übergriffe und pure Gewalt oder Drohungen erfolgten. Einige der trockenen Alkoholiker haben mir ganz deutlich gemacht dass es kein erklären und verstehen geben kann weil so vieles irational oder abhängig ist von der aktuellen Situation - somit also auch nicht berechenbar.

    Ich stolperte immer wieder über die Aussage - auch meine - aber ich liebe ihn doch, oder habe ihn geliebt....

    Wenn das so ist, dann ist es ein Akt der Fairness für beide Seiten wenn jeder in die Selbständigkeit entlassen wird. Denn eine krankmachende Beziehung ist für keinen der Partner gesund. Sollte wirklich eine "Liebe" da gewesen sein, dann kann diese irgendwann vielleicht einmal gelebt werden, ausserhalb des Dunstkreises der Sucht.

    Dazu ist aber notwendig, dass beide Menschen sich ihrer Schwäche bewußt werden, und dadurch die Stärke beweisen zu sich selber zu stehen. Dann können Menschen an sich arbeiten und versuchen sich wieder zu finden.

    Die Wut, die man am Anfang empindet ist nur zu verständlich. Auch spürte sie ganz stark in mir. Aber sie wurde merklich weniger, mit jeder Freude die ich in meinem Leben habe. Vielleicht geht das ein bischen damit einher dass wenn ich mir verzeihe, ich auch dem anderen verzeihen kann - damit also meine Wut nicht mehr notwendig ist und keine Kraft mehr unnötig verbraucht.

    Ich denke auch, eines dürfen wir nicht vergessen: während wir gerade versuchen an uns zu arbeiten und zu erkennen, so ist der (Ex-)Partner noch mitten in seiner Sucht. So wir wir vielleicht noch vor wenigen Wochen uns selber schlecht behandelt haben und nachlässig uns gegenüber waren, so sind wir nun ein paar SChritte weiter gekommen....

    Unser Ex-Partner hat sich jedoch vermutlich nicht weiterbewergt sondern ist in seiner Spiral gefangen.

    Lieben Gruß und haltet Euch wacker,

    Dagmar

  • Hallo Ladies, (natürlich auch die Gentlemen ;)
    hallo Namensvetterin,

    ich denke, Du hast hier ein ganz wichtiges Thema angesprochen, welches auch ich zur Genüge erleben musste "Angst".

    So, wenn ich jetzt alle Enttäuschung auf die Seite packe dann stelle ich fest dass es sich um eine ängstliche Natur handelt, die vor dem Leben und den alltäglichen Problemen davon rennt. Ein Mensch also, der nicht meine Wut oder meinen Hass verdient, sondern ein Mensch, der sich nicht auf die Reihe bekommt.

    Ich habe meinem Ex-Partner einmal gesagt er verdiene eine Medaille weil er dafür sorgte dass ich die Beziehung beenden musste. Ich selber hätte es nie getan weil ich dazu zu krank war.

    Und er verdient diese Medaille!!! Ich wäre Zeit meines Lebens in diesem Trott geblieben, meine Kraft wäre immer geringer geworden und unser Leben immer schlechter - für beide Seiten.

    Schau, ich bin heute morgen zum Brunnen um Wasser zu holen, sah die Mülltonnen und dachte: "Mensch, alle die Jahre waren das Dinge, die waren für ihn selbstverständlich. Nunmehr ist das nicht mehr interessant, ebenso wenig wie Hobbies und Interessen. Oder sagen wir lieber so, vor 4 Monaten war es so, was jetzt ist weiß ich nicht weil wir keinen Kontakt haben und ich auch den Kontakt zu ehemaligen Nachbarn meide. Diese "klären mich auf" was mir nicht gut tut, auch wenn die Neugierde sagen würde "Her mit allen Infos".

    Schau, Du und ich schreiben von den Ängsten unserer Alkoholkranken Partner. Aber ebensolche Ängste hatte ich und damit habe ich mich mit ihm zu einer ängstlichen, krankmachenden Symbiose verbunden. Er hatte da keine Ängste wo ich sie habe (Existenz ect.) und keine Interessen oder Emotionen, wo ich zu viele habe. So: ich bin also ebenso defekt wie er!

    Ich sah den Alk als Grundproblem, was falsch war. Grundprobleme lagen schon in jeder von unseren Persönlichkeiten, der Alk sorgte lediglich dafür, dass es eskalierte und am Ende eigentlich kriminell wurde.

    Wie lange aber habe ich gebraucht mich aus diesen Mustern zu entfernen, zu begreifen was läuft und wo meine Beteiligung liegt. Und das obwohl mein Hirn nicht von Substanzen benebelt wird oder toxisch vergiftet ist.

    Wie soll es nun jemand begreifen dessen Leben nicht mehr autonom ist sondern nur noch in Verbindung mit einer täglichen Infusion Alk am Leben gehalten werden kann.
    Die Scheinwelt von der Du sprichst ist glaube ich die Realitätsverkennung, die scheinbar nicht selten ist, wie ich gelesen habe. Aber hier könnten uns Erdling und andere vielleicht besser in Sachen Aufklärung helfen.

    Vielleicht hasst er Dich?? Vielleicht hasst er sich?? Vielleicht ist in ihm einfach ein Bollwerk von Emotionen, Süchten und Chaos, mit denen er nicht klarkommt.

    Du bist ihm voraus! Du beginnst an und mit Dir zu arbeiten. Du beginnst Dein Leben zurück zu erobern. Egal, wie jung oder wie alt jemand ist, das Leben kann so viele Facetten haben, die schön und lebenswert sind, dass es sich immer lohnt neu anzufangen.

    Ich bin jetzt 47 und nun derzeit die ärmste Kirchenmaus, die ich je war. Dennoch: ich bin glücklich in meinem Heim, mit meinen Tieren, meinen Freunden und mit mir selber. Ich hatte mein Leben lang wenig Geld, aber immer das doppelte von jetzt .... komischerweise gehe ich jetzt das Thema Existenzangst ganz anders an - und komischerweise reagiert mein Umfeld.

    Ich hatte schriftlich beim Sozialamt um einen Antrag auf Mietkostenzuschuss gebeten. Dieser wurde mir gleich zugeschickt. Ich habe meine beschämende Situation offen deklariert und um Hilfe gebeten. Gestern kam ein Anruf vom Sozialamt, damit wir einen Termin noch in diesem Jahr machen (Unterlagen könne ich dann falls noch nicht vorhanden nachreichen) damit ich gleich zum 1. Januar Unterstützung/Mietkostenzuschuss erhalten kann.

    Es wird mir geholfen. Ich versuche nicht mehr eine Sucht zu decken, eine Beziehung, in der sich beide Partner etwas vormachen oder ein Leben, welches nicht mehr lebenswert ist. Jetzt bin ich also pur - das Umfeld kann mich so akzeptieren oder ablehnen, bleibt jedem überlassen. Meine persönliche Lebensqualität hat sich jedoch um eine vielfaches erhöht, auch wenn die Mäuschen viel weniger wurden und ich bei weitem unter dem normalen Sozialhilfesatz lebe....

    Ich drück Dir die Daumen, Du gehst es gut für Dich an und ich wünsche Dir einfach die Kraft, die auf diesem Wege noch erforderlich ist.

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Guten Morgen ihr alle,
    dieses Thread wühlt mich sehr auf.
    Mir fällt auf, dass bei den denjenigen, die sich schon weitgehend aus ihrem Angst- und Suchtgefängnis befreit haben, sehr starke Persönlichkeiten zum Vorschein kommen. Ohne das lange Leiden wäre das vielleicht nie passiert. So kann man Krisen im Nachhinein absolut als Geschenk sehen, wenn sie genutzt wurden, sich zu verändern.
    Wovor hat man nur Angst, dass man sich jahrelang so klein und schwach macht? Wovor habe ich Angst?
    Ich habe schon oft hier gelesen, dass die hier schreibenden nach aussen die absoluten Powerfrauen abgeben. So auch ich.
    Und tief drin sitzt die kleine Maus, die Angst vor der Eigenständigkeit, vorm Alleinsein hat.
    Als ich mich aus meiner alten Ehe kopfüber in die jetzige Beziehung gestürzt habe, um ja nicht mit zwei KleinKindern allein zu sein, hat eine sehr laute Stimme in mir gerufen: STOP!!!!! Werde endlich erstmal eigenständig! Doch die Angst war größer und ich bin sehenden Auges in die nächste Abhängigkeit getaumelt. Diesesmal noch ne Nummer extremer: Zu einem Alkoholiker. Bin sofort wieder schwanger geworden. So war die gegenseitige Abhängigkeit perfekt.
    Ich glaube, solange ein Mensch seine Lebensthemen, die er so vor sich herschiebt, nicht bereit ist anzupacken, sich aus Selbstlügen, Verstrickungen etc zu lösen, solange kommt es mit jedem Mal immer dicker und dicker. Bis man mit der Nase im Haufen steckt und sagt: OK, danke, jetzt hab ichs kapiert.
    Jeder braucht da seinen individuellen Haufen, seinen berühmten persönlichen tiefpunkt.
    Ich hab mal einen schönen Satz gehört:
    Manchmal muss man ganz runter auf den Grund, um sich dann wieder abstossen zu können. Nur so gehts wieder nach oben.
    Ja Mädels, gehen wir sie an, unsere Lebenslügen. Dagmar , ein dickes Lob, du bist schon so bei dir, ich freue mich sehr für dich. Du hilfst mir sehr weiter mit diene Postings.
    Liebe Grüße von Thelma

  • Es freut mich liebe Thelma,
    wenn ich den einen oder anderen Anstoß geben kann.

    Ja, liebe Thelma, ich habe Kraft und Energie wenn es um Jobbewerbungen geht, darum, dass ich als mollige damals 35jährige als erste und damals einzige Frau Kung-Fu-Vollkontakt begonnen habe und den Ausbilder gemacht habe. Aus alleiniger Kraft ein privates Katzenasyl aufgebaut und auf eigene Kosten kastriert dass das Elend auf dem Land aufhört.

    Aber das sind alles ganz reale Dinge - die sachlich abgehandelt werden können.

    Anders sieht es im Gefühlsbereich aus: Verstrickt in eine kranke Beziehung obliegt diesen nicht den Gesetzen von Logik, Verstand oder realer Erfüllung der Ziele. Vielleicht ist genau das das Problem???
    Als Powerfrau die Ziele umsetzen und als Partnerin das eben nicht können?
    Sich einfach nicht auf das Leben einlassen können, welches sich ständig ändert?

    Powerfrau zu sein hat nichts mit Selbstwertgefühl zu tun. Vielleicht sogar eher das Gegenteil: vielleicht ist eine Powerfrau deshalb Powerfrau um sich Selbstwertgefühl zu "erarbeiten"?

    Ja, liebe Thelma, ich war unten - mein Leben keinen Pfifferling mehr wert. Nicht wert aus meiner Sicht sondern aufgrund der Gefahren die sich rund um mich herum ergaben und aufgrund der Arbeitslosigkeit. Arbeitslos ohne Heim und dann auch ohne Partner.

    Was hätte ich noch zu verlieren gehabt??

    Vor was hatte ich zuvor Angst:
    Kleines Gehalt, die Kosten für Autoreparaturen dadurch nicht bestreiten zu können, durch das Wohnen auf dem Land lange Anfahrt zum Arbeitsplatz, Angst vor Pannen. Meine Tiere, denen ich ein Asyl aufgebaut hatte, sollten ihr Dach über dem Kopf verlieren? Ich selber konnte nicht brutal sein, oder egoistisch genug - mein Ex-Partner sehr wohl! Habe ich dadurch eine kranke Symbiose angestrebt, wo einer quasi den anderen ersetzt?

    Er keine Emotionen - ich zuviel
    Ich Überlebensängste - Er Überheblichkeit
    Wenn wir das aufteilen, dann sind wir wieder auf einer vermeintlichen Normalität.

    Während ich keinen Alkohol trinke, so trank mein Ex zuviel - sind wir auch hier nun beim Pro-Kopf-Durchschnittsverbrauch??

    Alles für mich persönliche ärmliche Resultate. Aber vermutlich die Realität. Und schau, liebe Thelma, wie schlimm muss es für einen Abhängigen sein eben das auch anzunehmen (wie ich dazu gezwungen war und bin). Wie soll ein ängstlicher Mensch (der sich selber mit Alkohol medikamentös behandelt) damit fertig werden?

    Ja Thelma, ich war am Ende:
    ich habe mich meinem Hausarzt anvertraut was im Job innerhalb eines Pflegeheimes läuft, was ich nicht mehr verkrafte. Er verstand sofort war abging - ich fand auf die schnelle eine Psychotherapeutin, die wusste, was in eben diesem Pflegeheim abgeht; sie kannte es selber von Hausbesuchen. Ich habe zugegeben, dass ich das Leben so nicht mehr bewältigen kann und Hilfe benötige - die mir ganz doll zu Teil wurde - sogar von Seiten der Krankenkasse!!!
    Nicht jeder Abhängige hat die Kraft Ärzte, Therapeuten oder Fachleute in seine Probleme einzuweihen und die Kraft sich von ihnen helfen zu lassen. Das aber war bei mir der Einstieg in den Ausstieg!

    Schau, wenn wir als nicht stoffbezogene Abhängige schon solche Probleme mit Ängsten oder dem Leben haben, wie soll es jemandem, der ein Suchtmittel benötigt (welches ihn sozial evtl. ausgrenzt) leichter gelingen als uns? Mal ganz ehrlich Thelma, ich empfinde keine Wut mehr gegen diesen Menschen. Ich bin traurig was aus dem wurde, was ich als Zuneigung und Liebe empfand, aber ich kann nur traurig sein über einen Menschen, der sein Leben wegwirft. Aber es ist seines und er kann damit tun und lassen was er möchte.

    Und auch bei Dir gelingt es liebe Thelma, Dich mit Dir zu treffen um Dein Leben glücklich zu gestalten! Jeder benötigt eben dazu seine Zeit, sein Tempo und seine Auslöser bzw. Erkenntnisse.

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Hi Trudchen,
    wollte mich mal wieder bei dir melden.
    Ich hoffe, du bist ein bisschen zur ruhe gekommen.
    Wann fängst du denn mit deinem Job an?
    Bei mir geht es im Januar los. Freue mich schon darauf.
    Ansonsten kann ich nur sagen, dass ich momentan ein emotionaler Wackelpudding bin.
    Liebe Grüße, einen guten Rutsch und alles, was du dir wünscht, wünscht dir
    Thelma

  • Hallo Trudchen

    ich hab grad hier bei dir die Gedanken von dir und Dagman ein bißchen gelesen und musste an ein paar Zeilen aus einem meiner Lieblingslieder denken:

    Es kommt die Zeit, wo Licht auf deine Schatten fällt
    Und du umarmst dich leise und die ganze Welt
    So wie die Blume ihren Weg durch Mauern fand
    So wuchs in dir durch deine Kraft ein Diamant!

    Schöne Grüße

    julchen

  • Hallo Trudchen
    das mit der Richtung hab ich auch immer gedacht als ich noch mit meinem Mann zusammen war. Ich dacht immer, schlimmer kanns nicht werden. Aber es ging immer noch ein Stück abwärts.
    Jetzt leb ich in der Hoffnung daß sich die Richtung doch mal ändert.
    Das Lied , aus dem die Zeilen sind , ist schon lang mein Lieblingslied wenns mir total dreckig geht. Wenn ich eure Geschichten les, auch wenn ich Zeit hab am Anfang wie es bei euch angefangen hat, muss ich oft an diesen Text denken daß aus ganz schlimmen Sachen was Gutes werden kann.
    Und das gibt mir Kraft, daß ich das auch schaffen kann.

    Schöne Grüße

    julchen

  • Hallo Trudchen

    ich hoff ich bin irgendwann auch so weit wie du.

    Heut hat mir mein Mann das Auto gebracht und er war so ruhig und verständnissvoll. Er versteht sogar, warum ich keinen Neuanfang mehr will.
    Ich war ganz ruhig und distanziert. Aber jetzt danach tuts halt doch weh.

    Aber eines Tages werd ich auch so weit sein wie du, wenn ichs mir im Moment auch nicht vorstellen kann.

    Falls wir nichts mehr voneinander hören wünsch ich dir einen guten Rutsch und alles Gute fürs neue Jahr.

    Julchen

  • Hi Trudchen,
    freue mich, dich online zu sehen.
    Bei mir gibt es nichts neues.
    Warten auf den 6.1.2009
    Teils freue ich mich, etwas zur Ruhe zu kommen, teils belastet es mich, weiterhin dieses Damokles-Schwert über mir zu haben: wird alles gut oder nicht?
    Abgesehen davon, dass ich auch Therapie mache, bin ich doch irgendwie abhägig davon, ob mein Mann den Ausstieg schafft oder nicht.
    Und das Gefühl, dass er lebenslang gefährdet ist, machts nicht leichter.
    Momentan denke ich, würde ich einen Rückfall nicht aushalten.
    Ich versuche krampfhaft, nicht an die Zeit nach der Kur zu denken.
    Aber ich hab eine scheiß Angst vor der Zukunft.
    Manchmal beneide ich euch alle, die Ihr euren Weg allein weitergeht.
    Ihr könnt euch voll und ganz auf euch konzentrieren.
    Wäre da nicht meine Hoffnung auf eine halbwegs "normale" Beziehung ohne Alkohol.
    Ach Trudchen, mich schmeißt es hin und her zwischen Hoffnung und Verzweiflung.
    Alles ist offen.
    Naja, mein Mann ist guter Dinge, er will es echt packen. Ich wünsche es ihm. Und uns.
    LG Thelma

  • Guten Morgen Trudchen,
    na, gut gerutscht?
    ein halbwegs normales Leben mit Endstation Klapsmühle klingt spannend 8) .
    Muss ich mir wenigstens keine Sorgen um die Finanzen machen.
    :D
    Du hast recht, ein Dasein in Angst und Lauerstellung ist absolut nicht lebens- und erstrebenswert. Das wird harte Arbeit für mich, aber ich will es schaffen.
    Es ist irgendwie komisch, seit wir gestern dieses schwierige, aber anscheinend wichtige Jahr weggeballert haben, ist mir leichter.
    Etwas Neues beginnt. Heute fängt er an zu packen, weil sein Gepäck übermorgen von einem Versanddienst abgeholt wird. Jetzt kommt Bewegung in die Sache.
    Und schon fallen ein paar Kieselsteinchen Ballast von mir ab.
    Meinem Mann brummt eh der Schädel, nicht vom Saufen, sondern von dem Rattenschwanz an Organisatorischem, der an solch einer Kur hängt.
    Dazu die Erwartungsspannung auf beiden Seiten, da liegen natürlich die Nerven blank. Jetzt wird es dann leichter, mein Kopf freier.
    Und dann schauen wir mal, wie es weitergeht. Gottseidank habe ich meinen Job, das tut mir gut, auch wenn er nur auf 400-Euro Basis läuft.
    Der Fuß ist drin.
    So Trudchen, das hat jetztgutgetan, danke für deine Anteilnahme, bist ein Schatz.
    Gruß und Kuss Thelma

  • Hey,
    Du klingst richtig gut. Freut mich aufrichtig für dich.
    Übrijens, fürn echtn Balina sin wir Bayern "Batzis".
    glg Thelma

  • Nee, hab ick nich verjessn, drum sach ick ja: Fürn ECHTN Balina...
    Rheinländer...
    Das sind doch die mit den Konfettis in der Hosentasche, oder?

    LG Thelma

  • Liebes Trudchen,
    hab mal deinen Thread rausgekramt, weil es ja um dich geht.
    Hab die Neuigkeiten aus der Landeshauptstadt gelesen.
    Ich muss sagen, viel fällt mir dazu nicht ein, nur :
    Es ist immer wieder unglaublich, wie patente, intelligente Frauen so lange in solch unsäglichen Schmierenkomödien mitspielen!
    Du bist ja gottseidank dabei, dich von diesem Stoff, aus dem die (Alp-)Träume sind, zu verabschieden.
    Trudchen, halte dich wacker, schau nach vorne und hak ihn peu a peu ab. -Den Traum und den Mann.
    Fette Umarmung aus Oberbayern

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