Liebes Trudchen,
hallo Namensvetterin,
Du siehst, Du bist in guter Gesellschaft: viele von uns waren langjährig in Partnerschaften. Auch bei mir waren es 8 Jahre, wobei die Eskalation ruckizucki innerhalb von Wochen ging.
Aber Trudchen: alle Jahre der Welt dürfen nicht dafür sorgen, dass wir uns noch länger vergessen. Nun gut, was passiert ist, ist passiert. Ich - Du - Er - Sie . Es wussten es nicht besser und haben sich so verhalten wie es richtig erschien....
Nun "wissen" wir "eigentlich" was wir uns angetan haben und vielleicht sollten wir nun beginnen uns auf uns zu konzentrieren. Liebes Trudchen, ich verstehe alle Deine Gedanken und Fragen nur zu gut, weil ich bald 3 Monate versucht habe alles zu verstehen, um es für mich abschließen zu können.
Allerdings habe ich während dieser Zeit mich selber zu sehr in den Hintergrund gestellt. Ich denke nämlich, sonst wäre es mir schneller besser gegangen.
Warum machen wir den Terror so lange mit? Vielleicht weil wir an das Gute im Menschen glauben wollen und nicht erkennen dass die Sucht viel stärker ist? Wenn Du oder ich etwas versprechen, dann besteht die Chance, dass wir uns bemühen unsere Versprechungen zu halten. Ein Suchtkranker ist krank - wie das Wort schon sagt - selbst wenn er/sie will so kann er /sie nicht so wie er "will" weil der Körper schon ein Eigenleben entwickelt hat durch den Stoffwechsel.
Liebes Trudchen, mein Ex hatte eine Neue, wollte mich jedoch gleichzeitig behalten - na klar, zwei Co's sind besser als keiner, oder
Alles das blabla, alle die Stories, alles vermeintliche Geplappere über seine Gefühle bzw. er wisse nicht was er tue, was richtig oder falsch wäre. Alles das war einfach in meinem Fall ein leeresch Gewäsch, durch das versucht wurde so lange wie möglich so geschützt und gut wie möglich innerhalb der Sucht zu bleiben.
Kannst Du es unseren (Ex-)Partnern nich nachsehen? Sie merken vielleicht selber dass irgendwas nicht stimmt, könnte ich mir vorstellen. Sie müssten aber an ihren Kern kommen um ihre Mitschuld zu sehen. Das aber geht a) durch den Alk nicht mehr, der das Realitätsbewusstsein einschränkt und b) durch das Gefühl "minderwertig" zu sein oder eben "Hochwohlgeboren" zu sein. Egal was: es ist ausserhalb der Realität.
Ich glaube Erdling beschreibt es sehr gut, obwohl ich es mir bei ihm gar nicht vorstellen kann, dass er in einem solchen Strudel war. Denn wenn ich mir ansehe, wir klar und deutlich er jetzt - also Du Erdling, ich rede nicht so gerne über andere sondern lieber mit Ihnen - alles beurteilen kann und was da ist an Wissen über die Dinge, die gelaufen sind, so kann ich mir nicht vorstellen, dass diese Einsicht bei vielen Suchtkranken vorhanden ist. Auch nicht bei allen jenen, die "trocken" sind oder gerade "Pause" machen. Das was von Erdling kommt scheint mir schon eine beklemmende und bekennende Offenheit zu sein, deren Deutlichkeit vielleicht auch selber verhindert dass ein Genesener rückfällig wird.
Sind wir nämlich am nächsten Punkt: erkennen, wahrnehmen und etwas ändern. Diese Stärke haben nicht viele Menschen.
Liebes Trudchen, versuch Dich nicht unterkriegen zu lassen! Auch ich wurde ersetzt durch eine Lady die trinkt - nun gut
Die beiden haben miteinander Spaß und ich nunmehr mit meinem Leben. Aber das musste ich mir hart erkämpfen, ich weiss nun aber für was: für mich, mein Leben und meine Tiere. Für einen neuen Job und dafür stolz darauf zu sein, wie ich beginne für mich zu sorgen.
Trudchen
Und wie gut viele von uns verstehen können wie es Dir geht. Weil viele von uns diesen Schmerz erlebt haben. Aber Trudchen, selbst wenn bei mir Kummer und Trauer zu finden waren, so auch der Wunsch zu überleben. Da, wo meines Erachtens große Agression oder Sachzerstörung von einem Suchtkranken ausgeht, da ist schon eine sehr niedrige Hemmschwelle.... Irgendwann vielleicht auch nicht mehr Dir gegenüber .... Ich persönlich bin mir in meinem Fall sicher .... nur noch wenige Wochen, und ich hätte mein Leben angekratzter gehabt als es jetzt ist.
Traurig sein ist o.k. Abstand zu brauchen ist o.k., aber dabei immer wieder versuchen bei sich selber zu sein und nach dem eigenen Besten und den eigenen Wünschen zu sehen. Wenigstens versuchen.....
Das geht nicht von heute auf morgen - muss es auch nicht - aber einfach Schritt für Schritt vorwärts zu Deinem Leben.
Lieben Gruß und viel Kraft wünscht Dagmar