Und die Reise geht weiter...

  • Ich fasse es nicht!

    Da habe ich Backmaus eine - zugegebenermaßen - etwas umfangreichere Antwort schreiben wollen, und als ich auf "Absenden" gehe, fliege ich raus! :evil:

    Liebe Backmaus, sorry, ich werde - sobald meine Enttäuschung weg ist - eine neue Antwort starten, jetzt erst einmal nur soviel: nein, von meiner Alkoholvergangenheit wissen tatsächlich nur meine Mutter, meine Geschwister mit deren Familien und meine beiden engsten Freundinnen.

    LG
    espoir

  • Hallo espoir

    vor meiner letzten kurzen Frage hatte ich diese auch megamässig lang verpackt und---zack ---auch 'rausgeflogen!


    SABOTAGE!!!!

    L.G.

    Backmaus

  • *lach*

    Zwei Blöde, ein Gedanke, gell? :D

    Also, habe jetzt rausgefunden, dass man beim Einloggen so'n niedliches Häkchen setzen muss, so'n kleines, feines. Dann bleibt man drin, es sei denn, dass man sich selber ganz bewusst ausloggen will.

    LG
    espoir
    (die sich schon wieder halbwegs eingekriegt hat...*lach*)

  • Doch, bestimmt.
    Geh mal nach ganz oben auf die Leiste, wo Logout und dann dein Nick in eckigen Klammern steht. Dann auf "Logout". Und dann wieder auf "Login", wo du deinen Nick und dein Password eintippen musst. Daneben - oder darunter? - wirst du gefragt, ob du automatisch eingeloggt sein willst oder bleiben möchtest oder ... äh, also da musst du das Häkchen machen!

  • hallo espoir

    Hatte kurz den technischen Supergau -hatte mich selbstaus dem Forum geschmissen.

    Naja vor einigen Wochen wusste ich garnicht wie ich einen Laptop aufkriege -geschweige denn anbekomme.

    Also ich bin automatisch eingeloggt gewesen bin aber trotzdem 'rausgeflogen.

    Gruss

    Backmaus

  • Huhu Backmaus,

    also ich weiß ja nicht, ob es dich überhaupt noch interessiert, aber ich werde dir jetzt ein zweites Mal versuchen zu erzählen, was es mit meiner Heimlichtuerei so auf sich hat. Sollte ich - ähnlich wie du - trotz Häkchen erneut rausfliegen, dann war's das für heute und ich gehe morgen nicht zum Sport, sondern zum Baumarkt und kaufe mir einen schönen tragfähigen Strick... :wink:

    Also, als ich damals gemerkt habe, dass mit meinem Trinkverhalten etwas nicht stimmt, habe ich mir als erstes überlegt, wie wohl mein Chef bzw. meine Kollegen reagieren würden, wenn ich frank und frei bekannt gebe, dass ich eine Trinkerin bin und nun einen Entzug anstrebe. Leider war die einzige Erkenntnis, dass ich mich dann auch gleich erschießen könnte. Ich habe einfach zuviel mitbekommen, wie das so läuft, wie jemand stigmatisiert wird, obwohl er doch eigentlich das Richtige tut, und in zwei konkreten Fällen wusste ich, dass das in die Akte mitaufgenommen wurde und tatsächlich auch die Beurteilung mitbeinflusst hat. Nun strebe ich nicht unbedingt einen höheren Posten an, aber trotzdem, der Gedanke, dass mich das alles bis ans Ende meiner Tätigkeit verfolgen wird, also nee, das wollte ich nicht. Ich wollte einfach nur mein Ding machen, den ersten Schritt unternehmen und das möglichst unbehelligt von meinem Chef, möglicherweise den Kollegen oder sonstigen Menschen, mit denen ich zu tun habe.

    Also habe ich alles generalstabsmäßig geplant und dann in die Wege geleitet. Alles, was ich brauchte, waren die bereits erwähnten 14 Tage Ruhe, und danach ging - zumindest rein äußerlich - alles seinen gewohnten Gang.

    Im Laufe der folgenden Wochen habe ich sehr zurückgezogen gelebt. Du musst wissen, dass meine Kolleginnen z.T. auch meine Freundinnen sind, mit denen ich mich auch abends gerne mal getroffen habe. Aber dann hat sich der Ton im Job verschärft und die Konsequenz war, dass wir uns privat weniger gesehen haben, einfach, weil jeder froh war, seine Ruhe zu haben. Hinzu kommt, dass ich in einer anderen Stadt arbeite, als ich wohne, also hatte ich das zusätzliche Argument der ewigen Fahrerei. Es fiel also nicht weiter auf, dass wir uns zunehmend weniger gesehen haben - und ich auch noch ganz dankbar darüber war.

    Ich mach' mal sicherheitshalber 'ne Pause und schicke das hier los, OK?

  • Super, hat geklappt, also weiter.

    Drei Monate nach der Entgiftung kam dann das erste Zusammentreffen mit mehreren Leuten und ich war so wenig gefestigt und von mir und meiner Abstinenz überzeugt, dass ich - mit 'nem richtig blöden Gefühl im Bauch - tatsächlich wieder Sekt trank. Halbherzige Proteste halfen nicht: "Hä? Wie jetzt, du bist mit dem Auto da? Du hast doch früher auch getrunken und bist noch gefahren!" :roll: Äh...ja... das stimmt leider. Also nix war's.

    Ab dann ging's abwärts. Mehrere Wochen nichts getrunken (stets die Faust in der Tasch), im Urlaub - na klar doch. Muss ja keiner wissen... Bei Konzerten? Aber hallo! Zu Weihnachten? Na klar doch, ist ja schließlich Weihnachten. Das blöde Gefühl im Bauch sagte zwar immer noch: "Mensch, hör' auf, deine Entgiftung war doch für die Katz'!", aber ich wollte es nicht hören. Im Gegenteil. jetzt wurde mein bis dahin recht unspektakuläres Leben erst richtig spannend, jetzt galt es, den wenigen Eingeweihten vorzutäuschen, dass alles OK wäre.

    Wieder kurze Pause - nur sicherheitshalber...

  • alles klar bis jetzt und genauso gehandelt wie ich es auch getan hätte,da abschreckende Beispiele vorhanden gewesen.

  • Ich fing an, wieder jeden Tag zu trinken - und das heimlich. Das kannte ich noch nicht. Vorher hatte ich die Sektflaschen immer offen auf dem Tisch stehen - oder den Weißwein, oder den Cognac - , aber das ging ja nun nicht mehr. Ich hatte doch entzogen, und gut is'. Ich wollte doch niemanden unnötig Kopfschmerzen bereiten, warum fällt es denn der xxx so schwer, abstinent zu bleiben? Also tat ich so, als sei ich wirklich abstinent.
    Ich änderte die Einheit von "Flasche" auf "Piccolo", die konnte ich so gut in meinem Arbeitszimmer verstecken, hatte bloß meine liebe Not, die Dinger dann zu entsorgen, die klimpern nämlich genauso verräterisch im Jute-Beutel wie große Flaschen.
    Früher habe ich die Berge von leeren Flaschen ganz offen entsorgt, nun musste ich einen richtigen Altglascontainer-Tourismus veranstalten, denn genau wie die Angst im Supermarkt, man könne auf mich aufmerksam werden, hatte ich nun Angst, man könne mich beim Entsorgen beobachten. Mei, so lernst wenigstens deine Stadt a weng kennen... :roll:

    Geht's noch? Noch mal Pause? :D

  • Huhu Backmaus, sehe du bist da!
    Keine Angst, kommt nicht mehr soo viel!

    Der Kontakt zur SHG und zum Therapeuten wurde immer schwieriger. Vereinzelt bin ich alkoholisiert in der Gruppe aufgetaucht, sogar zum Einzelgespräch konnte ich manchemal nicht einmal auf wenigstens ein Glas Sekt verzichten. Ich hoffte, dass Zähne putzen und ein teures schweres Parfüm mir helfen würde. Und ich hoffte, dass ich "es" nicht so ausdünsten würde, weil nämlich, ich hatte ja die Entgiftung, jahaaaaa...

    Die für mich grauenhafteste Zeit meines Lebens brach dann an, etwa Ostern. Ich kapitulierte sowohl vor meinem Mann als auch vor meinem Therapeuten, heulte Rotz und Wasser - und beide konnten mir nicht helfen. Je mehr ich zappelte, desto enger zog sich der Strick um meinen Hals. Ich hatte alles beherzigt, Entgiftung, Therapie, SHG, Fachliteratur, ich wusste alles - aber ich konnte es nicht umsetzen. Unmöglich. Wie Fahren mit angezogener Handbremse, nämlich gar nicht. Und dann fing ich an, mir selber unheimlich zu werden. alle meine Dämonen waren wieder da, das Schwitzen in der Nacht, die üblen Träume, das Würgen morgens beim Zähneputzen, das Händezitter, das Fahrige, Unkonzentrierte, das leicht Reizbare, die Vergesslichkeit, die unausgewogenen Emotionen, von super-gelaunt bis cholerisch- austickend.

    Und ich stellte mich dem Trinken. Obwohl ich es nicht wollte. Ich kaufte wieder die großen Flaschen und lebte mein Leben wieder so beschissen, wie damals, vor der Entgiftung. Ich war nur noch müde, meines Lebens müde geworden. Ich fühlte mich wie eine Ertrinkende, die hilflos im Meer treibt und sich an einer Schiffsplanke festhält und nicht weiß, ob sich das Festhalten noch lohnt oder ob es nicht an der Zeit wäre, die Planke endlich lozulassen und nach unten zu sinken. Ruhe. Endlich Ruhe. Stille in meinem kranken Hirn.

    Bäh, jetzt muss ich heulen. Kurze Pause, sorry.

  • Bitte verstehe mich nicht falsch, ich versinke nicht in dem so vielbeschworenen Trinker-Selbstmitleid, es ist nur so, dass diese letzten Monate, bevor endlich die Wendung zum Guten kam, wieder so plastisch vor mir stehen...

    Kurz nach Pfingsten brach ich zumindest vorübergehend den Kontakt zur Gruppe und zum Therapeuten ab, obwohl die mir gerade jetzt doch so fehlten. Aber was soll ich da, wenn ich so nass bin?
    Ich entschied mich immer weiter für die Isolation und focht meinen Kampf mit mir selber aus. Ich redete endlos mit meinem Mann, versuchte ihm klar zu machen, dass es mir nicht wurscht ist, dass ich nicht wieder trinke, weil ich eine doofe Kuh bin oder nicht wüsste, was ich mir einbrocke, und dass ich sehr wohl sehe, dass er leidet und enttäuscht ist und, und, und... ABER ICH KANN NICHT!!! ICH KANN NICHT AUFHÖREN!!!

    Mitte Juni verschärfte sich die Lage auch im Job, die Luft brannte, Hektik pur an allen Ecken und Kanten, die Kollegen genau wie ich im Hamsterrad, funktionieren, jetzt bloß nicht schlapp machen, und ich konnte mit niemandem reden, weil ich ja nichts gesagt hatte, und so konnte ich mir auch keinen Trost oder ein bisschen Aufmunterung holen. Naja, und dann habe ich eben schlapp gemacht.

    Nicht etwa vor allen Leuten, nein nein, ich hatte einen kleinen Kollaps morgens direkt nach dem Duschen zu Hause. Mein Mann erkannte wohl den Ernst der Lage, meldete erst mich krank und sich selber dann im Büro ab und brachte mich zu meiner Hausärztin, die mich schon seit Jahren kennt, mich auch zur Entgiftung eingewiesen hat und die nicht lange fackelte und mich für 14 Tage aus dem Verkehr zog. Anschließend überwies sie mich zum Neurologen, EEG, Gott sei Dank zumindest organisch alles OK da oben, aber ab jetzt bitte mit AD!

    Und was soll ich dir sagen?
    Das war das Beste, was mir in meinem ganzen Leben passiert ist! Es wirkte schon nach wenigen Tagen, vor allem, nachdem ich die Tabletten ohne Wein einnahm :roll: , und so kann ich heute sagen, Montag, der 07.07. war mein erster komplett nüchterner Tag, an dem hatte ich zwar noch heftige Entzugserscheinungen, aber egal jetzt, ich habe das durchgestanden und bin seit diesem Tag konsequent abstinent! :D

  • Und seitdem geht es stetig bergauf.

    Seitdem kann ich wie von Geisterhand das umsetzen, was ich schon damals gelernt habe, kann an meiner Nüchternheit und an meiner Abstinenz arbeiten, bin offen für alles, probiere viel aus, verwerfe auch wieder, finde einfach für mich raus, was mir gut tut und was nicht.

    Und ja, um mal wieder auf deine Anfangsfrage zurückzukommen - ich habe das alles noch niemandem erzählt. Ich dachte damals, ich sei feige, weil ich meine Krankheit nicht öffentlich gemacht habe. Heute weiß ich, dass ich den harten Weg gegangen bin.

    Aber wie sagte Bohlen einst so schön: "Nur die Harten kommen in den Garten!" :wink:

    Puuh, und jetzt muss ich erst einmal gucken, ob du überhaupt noch da bist. Wenn ja, möchte ich mich ganz herzlich für deine Geduld bedanken, wenn nicht, dann magst du meine Zeilen ja vielleicht morgen lesen...

    Alles Liebe
    espoir

  • Bin noch da-aber nicht mehr lange.

    Sei stolz !!!!

    Was sagt Dein Mann?Ist da noch Misstrauen?Bei meinem Mann hat es schon 'ne Zeit gedauert.Obwohl ich schon nach dem 1.Besuch meiner SHg gesagt habe"das isses"-endlich Leute die mitreden können;obwohl der Gedanke "nie mehr Alkohol"etwas ganz Schreckliches hatte.Ohne meine Shg --ich weiss nicht wo ich heute wäre.

    Ich geh' jetzt in die Heia--vertipp mich laufend u.wer weiss wo das hier alles wieder landet.Liebe Grüsse u.gute Nacht

    Backmaus

  • Hallo Espoir

    Kam gestern abend gegen 22.30 nicht ins Forum-wegen Überfüllung gschlossen-oder so.

    Hatte auch wenig Zeit gestern u.Kopfschmerzen.Mal schauen was der heutige Tag so bringt.Ich weiss nicht ob Du meinen Beitrag "Rückfall eines SHG-Mitglieds"kennst,jedenfalls war es gestern morgen wieder so weit u. sie hat mich "angetörnt" wieder angerufen .Hatte dann noch Telefongespräche mit SHg
    -Mitgliedern u.Gruppenleiter.Alles ziemlich deprimierend.Der heutige Tag kann nur besser werden!

    Lieber Gruss

    Backmaus

  • Hallo espoir

    War heute den ganzen Tag unterwegs-bin ziemlich platt u.happy das morgen Relax angesagt ist.Kopfschmerzen sind auch noch da-früher wusste ich wenigstens wovon der Schädel brummt.

    L.G.

    Backmaus

  • Guten Morgen, Backmaus,

    ich wollte mich nur kurz bedanken, dass du hier warst!
    Leider muss ich ausgerechnet heute noch ein paar Kleinigkeiten kaufen, weißt schon, frisches Brot und so, und ich bin mir im Klaren, dass das heute - und vor allem um diese Uhrzeit - das reinste Kamikaze-Unterfangen wird, aber mei, wat mutt, dat mutt, ne?

    Ich melde mich heute Nochmittag noch einmal, OK?

    Ach ja, und liebe Grüße natürlich auch an alle anderen, gell! :wink:

    espoir

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