Co-Abhängigkeit generationsübergreifend?

  • Guten Morgen,

    habe mich heute morgen durch das Forum geklickt und bin von einem Beitrag wirklich sehr berührt gewesen. Leider weiss ich nicht mehr wo ich es gelesen habe...

    Es geht darum den Alkoholismus und auch die Co-Abhängikeit über die Generationen zu betrachten.
    Eltern geben das Verhalten an ihre Kinder weiter, werden von Opfern (gegenüber ihren Eltern) zu Tätern gegenüber ihren Kindern.

    Darüber habe ich, was meine Familie angeht auch schon so oft nachgedacht!
    Meine Großeltern von der einen Seite waren auch Suchtkrank. Von der anderen Seite gab es eine Stiefgroßmutter, die Suchtkrank war und vor meinen Großeltern gab es auch schon Suchtkrankheiten in der Familie soweit ich das weiss.

    Der interessante Ansatz ist für mich, dass es dann erst recht wichtig ist, diesen Kreislauf endlich zu durchbrechen und die eigene Rolle in dieser Familie nicht mehr als "unfügsames Kind" zu sehen sondern als diejenige, die endlich den Schlussstrich zieht und die "Erbfolge" dieses Themas stoppt!!!

    Was denkt Ihr darüber und wie ist es in Eurer Familie??

    Ganz liebe Frühlingsgrüße,
    Liza Löwenherz.

  • ...soll heißen, es macht es mir noch mal einfacher, bei meiner Entscheidung zu bleiben, mein eigenes Leben zu führen!

  • ...das Ganze habe ich von Linde gelesen, im Thread "Stabilisierung". Jetzt hab ich's wiedergefunden.

    Danke Linde für diese Ausführungen.

    Ganz liebe Grüße,
    Löwenherz :wink:

  • Hallo Löwenherz,

    ich sehe es auch so wie du, mütterlicherseits gibt es bei uns auch einige Alkoholkranke, teilweise sind sie schon daran gestorben. Jeder weiß es und jeder schweigt, man tuschelt dann lieber hinter dem Rücken weiter.

    Ich selbst habe vor einiger Zeit einen Bericht gesehen, wo es auch erwähnt wurde, dass sich die Verhaltensweise der Eltern auf die Kinder übertragen. Da ich auf jeden Fall Kinder möchte, möchte ich es anders machen und möchte nicht meine Verhaltensweise auf sie übertragen. Sie sollen mal gefestigt im Leben stehen. Ich mache es also einerseits für mich und andererseits für die Generationen nach mir (wenn man das so sagen mag).

    Liebe Grüße Morgenröte

  • Hallo Morgenröte,
    genau das ist der Punkt, meine Kinder werden keinen Kontakt zu den Großeltern mütterlicherseits haben, da ich möchte, dass sie in einem Umfeld aufwachsen, das ihnen gut tut.

    Klar, wenn Du auch Kinder haben möchtest, ist es doppelt so wichtig, sein eigenes Verhalten aus diesem Muster heraus zu dividieren.

    Was ich wohl nie verstehen werde ist, dass jeder über seine gesundheitlichen Beschwerden und Krankheiten redet und ausgerechnet der Alkoholismus so ein tabu darstellt...

    Ich freue mich schon jetzt auf meine Kinder. Wir haben gerade angefangen zu planen und ich bin schon völlig überwältigt, wenn ich daran denke.

    Das Leben mit Kindern wird ein ganz anderes sein als jetzt und ich arbeite hart daran, bis dahin noch einige Punkte für mich zu klären. Ich bin froh, dass ich die Unterstützung meines Mannes habe, obwohl das eher eine zurückhaltende Unterstützung und ein "machen lassen" ist..

  • Danke fürs Trennen :D

    Was mich auch beschäftigt, ob wir tatsächlich die Suchtgene erben oder ob unsere Prägung/Erziehung u. z. B. daraus resultierender Stress (kann viele Formen haben) uns zu Süchten führt?

    Meine Schwester ist nämlich das Gegenteil von mir, weder trinke noch rauche ich, meine Schwester raucht sehr viel und trinkt auch Alkohol, mal mehr mal weniger. Da sie noch zuhause wohnt, hat sie letztens zu mir gemeint, dass sie aufpassen muss und nicht auch anfängt sich mit Alkohl wegzukippen, weil man das zuhause ja nicht aushalten würde.

    Liebe Grüße Morgenröte

  • Hallo Morgenröte,

    alles was ich bisher an Informationen gelesen habe deutet darauf hin, dass beides eine Rolle spielt: sowohl das Erbgut als auch die Erziehung. Jedoch denke ich, dass beides "bearbeitet" werden kann, indem man sich Dinge sucht, die in schwierigen Situationen helfen.

    Wie alt ist denn Deine Schwester? Kann sie noch nicht ausziehen?

    Für mich sind das Rituale. Ich habe mir ein paar Aktionen überlegt, die ich mache, wenn es mir seelisch schlecht geht. Mir hilft zum Beispiel Sport sehr gut, wenn ich mit einer Frage nicht weiter komme um den Kopf frei zu bekommen oder auch um Wut abzubauen und wieder zu mir zu kommen.

    Schreiben ist für mich auch ein ganz wichtiger Aspekt. Ich nehme mir einen Block und schreibe alles auf. Anschließend zerreisse ich es und entsorge es oder wenn ich später weiter schreiben möchte, hebe ich es auf. Gut finde ich auch, alles am Computer zu schreiben und dann die Datei nicht zu speichern.

    Musik spielt bei mir auch eine große Rolle wenn ich antriebslos bin. Ich suche mir etwas raus, dass mich in Aktion bringt und lege los..

    Früher habe ich viel geraucht und auch diverese Drogen konsumiert um "abzuschalten". Das wäre genau der Weg gewesen in eine Abhängigkeit...

    Ganz liebe Grüße,
    Löwenherz.

  • Hallo liebe Löwenherz,

    meine Schwester ist 23, zum Ausziehen reicht ihr Geld wohl nicht (sie macht eine Ausbildung), daher verbringt sie die meiste Zeit im Moment bei ihrem Freund. Ihr Freund hatte früher wohl ein Alkoholproblem, raucht auch trotz seiner Krankheit übermäßig viel und ich persönlich würde sagen, das bei ihr die Theorie, dass man sich auch einen suchtkranken Partner aussucht, zutrifft.
    Wobei ich schon denke, dass es Möglichkeiten gibt um auszuziehen, sei es ne WG oder so, keine Ahnung warum sie das nicht macht. Vielleicht ist ihr das auch zuviel Verantwortung für sich selber. Aber ich mische mich da nicht ein. Ansich schade, weil sie mir den Anstoss gegeben hat, es selbst aber wohl nicht hinbekommt.

    Für mich ist das noch ein sehr schweres Thema, muss mich damit noch intensiver beschäftigen, ich weiß noch einiges nicht, aber deshalb bin ich ja hier. Schreiben ist für mich auch wichtig und wenn ich mit jemanden darüber gesprochen habe, bin ich wie ausgewechselt, das ist richtig befreiend.

    Liebe Grüße Morgenröte

  • Liebe Morgenröte (schöner Nickname!)
    verstehe. Deine Schwester ist ja noch jung und sicher wird sie sich auch ihre Gedanken machen...

    Schön, dass Dir das Schreiben auch so gut hilft. Mir geht es damit auch so und je mehr ich mich hier aufhalte, desto intensiver wird die Auseinandersetzung mit meinem "Status".

    Die Verantwortung für das eigene Leben ist wirklich das, was für mich am schwersten war und ich habe im Aussen damit angefangen bevor ich mich emotional selbst unterstützt habe.
    Für mich war es sehr wichtig, die Trennung von meinen Erzeugern zu vollziehen, da die Beziehungen sehr destruktiv waren.
    Als ich beschlossen hatte, nicht mehr ans Telefon zu gehen, wenn ich Suff-Anrufe erhielt, ging es bei mir aufwärts mit meinem sozialen Umfeld.
    Das war wohl die erste wichtige Entscheidung FÜR MICH und gegen das Gefängnis aus diesen Beziehungen.

    Meine früheren Partner hatten allesamt auch Suchtprobleme und nach der letzten Beziehung dieser Art war ich ein Jahr solo und wollte bloß oberfächliche soziale Kontakte.

    LG, Löwenherz

  • Hallo,

    habe kürzlich einen interessanten Artikel gelesen, der darüber berichtete, dass unsere Persönlichkeit nur zu EINEM Teil aus dem Elternhaus der Erziehung und den Genen resultiert! Das hat mich sehr gefreut und irgendwie entspannt.
    Andere Teile unserer Persönlichkeit werden durch ERFAHRUNGEN geprägt.

    Jetzt könnte man sagen, toll: Erfahrungen hab ich doch zuhause haufenweise schlechte gemacht.
    ABER: Es gelten sämtliche Erfahrungen und ich bin bester Laune gewesen, nachdem ich das gelesen hatte.

    Für mich war das eine Bestätigung dafür, dass es für mich genau richtig war, so wenig Zeit wie möglich zuhause zu verbringen - damals. Und andere soziale Kontakte aufzubauen und zu pflegen.
    Dadurch habe ich auch viele positive Erfahrungen gesammelt, vor allem das Gefühl von FREIHEIT.
    Letztlich hat mir folgende Einstellung geholfen, die "Schädigung" durch meine saufenden Eltern nicht anzunehmen: ICH KANN MEIN EIGENES LEBEN GANZ ANDERS FÜHREN.

    Das bedeutet, dass mein Verhaltensmuster, dass ich für zuhause entwickelt habe auch aufhören konnte zu existieren, sobald ich zur Tür rausging....

    ALSO: Ich wünsche Euch allen eine positive Einstellung, dass wir unsere negativen Erfahrungen mit unserer kranken Familie akzeptieren und ein anderes Leben führen. Natürlich indem wir uns selbst lieb haben und uns immer wieder für unser eigenes Leben entscheiden.

    Ganz liebe Grüße, Löwenherz

  • Hallo Löwenherz, auch für mich ist die Familie eine großes Thema. Vorallem als ich mich im letzten Jahr doch sehr verändert habe kommt das ganze nun jetzt nochmal hoch.
    Ich bin auch der Meinung das uns das Umfeld am meisten prägt. Wir Muster erlernen nach denen Wir dann ein Leben lang handeln..außer wir arbeite daran. Und selbst dann ist es sehr schwer. Ich merke das ganz stark an meinen Beziehungen zu Männern. Es fällt mir schwer bei mir zu bleiben und mich nicht anzupassen.
    Wenn ich da meine Familie so anschaue passiert da viel ähnliches. Ich sehe auch viel krankes Verhalten und viel Verbitterung und Schweigen...
    Doch ich denke auch dadurch das mir das alles inzwischen klar ist kann ich etwas ändern und einen anderen Weg gehen.
    Der Weg ist das Ziel.
    Grüße Karotte

    Das Leben ist Widerspruch: Das eine ist und das andere auch.

  • Liebe Karotte,

    zum Glück ist es ja möglich, sich ausser der eigenen Familie auch andere Familien anzusehen und uns dort etwas abzugucken.

    Mir hat ein Sportverein dabei sehr geholfen, denn auch der "färbt auf mich ab" und das in positivem Sinne.

    Ich bin mir sicher, dass wir uns nicht mehr so schlecht fühlen, wenn endlich AUSWEGE in Sicht sind weg von unserer Kindheit voller Schwermütigkeit und Hilflosigkeit. ENDLICH KANN ICH SELBST BESTIMMEN WAS ICH MÖCHTE.

    Ich wünsche Dir alles Liebe und Du ich sehe es genauso: Der Weg ist das Ziel und auch wenn es schwer ist, es ist auch schön, die Veränderungen zu sehen und ich halte mich immer wieder dazu an, mir meine Erfolge anzusehen und mir für das Geleistete auch etwas zu gönnen, sei es noch so klein - ein schönes Buch, ein paar Blümchen...

    Liebe Grüße, Löwenherz.

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