Servus Trinity,
egal, was Du Dir gerade für Sorgen machst, glaube bitte eines: Der Einzige, der an einer Alkoholabhängigkeit etwas ändern kann, ist der Alkoholiker. Und sonst Niemand. Du kannst so einen Prozess auch nicht aufhalten - nur der Betroffene kann dies.
Das Schlimme an der Suchterkrankung "Alkoholismus" ist einerseits das langsame, aber kontinuierliche Voranschreiten der Krankheit. Andererseits, dass es eine Familienkrankheit ist. Es betrifft die ganze Familie, weil jede(r) in seinem Leben eingeschränkt wird: durch mangelnde Zuneigung, fehlende Aufmerksamkeit, Steit, Ärger, sinnlose Diskussionen, finanzielle Einbußen, Vernachlässigung,... - die Liste kann hier noch ewig weiter geführt werden.
Trinity, auch wenn Du im Miniröckchen Handstand gemacht hättest, es wäre genau so gekommen, wie es jetzt eben ist. Und es wird weiter so gehen, so lange, bis der Betroffene von sich aus bereit ist, gegen seine Krankheit etwas zu unternehmen.
Und auch da will/muss ich Dir eine Illusion rauben: ob dieser Zeitpunkt jemals kommt, liegt auch nicht in Deiner/eurer Macht. Manche Alkoholiker sind sehr leidensfähig, ihr Suchtmittel ist für sie so stark, dass sie lieber den Tod wissentlich in Kauf nehmen, als sich notwendigen Veränderungen zu stellen und diese dauerhaft umzusetzen.
Das ist bitter, das ist traurig, aber auch das ist die Wahrheit.
Das alles ist vielleicht "starker Tobak" für Dich, und vielleicht auch Neuland. Und es ist mit Sicherheit nicht unbedingt das, was Du gerne lesen wolltest.
Aber es gibt auch etwas -hmm...- positives?
Du kannst lernen, Dich von dieser Familienkrankheit abzugrenzen. Du kannst verstehen lernen, dass nicht Du der Auslöser bist, nicht Du Verantwortung dafür trägst, nicht Du versagt hast, nicht Du Schuld bist - und Du ein Recht darauf hast, ein eigenständiges Leben ohne all diese Sorgen und Nöte zu führen. Daß Du lernen kannst, wieder Spaß an Deinem Leben zu haben, auch wenn sich an der Situation des Kranken nichts zum Besseren ändert. Du kannst lernen, loszulassen, ohne den kranken Menschen aufzugeben.
Wenn Du Dich darauf einlassen willst, dann wirst Du hier eine Menge Menschen treffen, die alle ganz unterschiedliche Herangehensweisen an dieses schwierige Thema haben.
Eines eint uns: die Krankheit. Alles andere trennt uns aber nicht, wir geben hier unsere Erfahrungen weiter, jeder seine eigene. Was Du davon für Dich als "passend" empfindest, das nimm Dir mit. Was nicht passt: lass es liegen.
Und vor allem: ja, lade hier ab. Schreib dir den Ballast von der Seele. Dafür ist eine Selbsthilfegruppe da, seine Nöte hier zu lassen, sich zu sortieren, getragen zu werden, von Zeit zu Zeit einen Tritt in den Hintern zu kriegen, um sich selbst nicht (wieder) zu verlieren... all das und noch viel mehr.
Ich wünsche Dir einen guten Austausch hier - und die Kraft, Dein Leben zu verändern, raus aus dem Sog der Familienkrankheit Alkoholismus.
LG
Spedi