Meine Mutter ist Ärztin und lässt sich einfach nicht helfen!

  • Liebe Anni86,
    ich würde an deiner Stelle versuchen, mein Abi schnellstmöglich hinter mich zu bringen. Danach kannst du dir einen Job und eine eigene Wohnung suchen - genauso, wie du es vorhast! Du bist nicht für deine Mutter verantwortlich - es sollte eher umgekehrt sein. Und sie muss ihr Leben selbst in den Griff bekommen! Bau dir ein eigenes Leben auf! Eine andere Möglichkeit sehe ich für dich nicht! Ich wünsche dir alles Gute und viel Kraft für deinen weiteren Lebensweg.

  • Hallo Anni, ich bin Alkoholikerin und habe eine18 -jährige Tochter, die im kommenden Jahr ihr Abi macht.
    Sie ist kurz vor ihrem Geburtstag im Okt.letzten Jahres ausgezogen weil wir uns nur noch gestritten haben und ich sie durch meine unkontrollierten Wutausbrüche regelrecht aus dem Haus getrieben habe. Sehr oft habe ich auch geweint und nur aus dem Fenster gestarrt- das hat sie am meisten gehasst.
    Ich habe nach ihrem Auszug noch einige Monate gebraucht bis ich anfing nachzudenken und nicht mehr in Selbstmitleid zerfloss- ich trinke jetzt keinen Alkohol mehr! Durch ihre konsequente Haltung mir gegenüber hat sie mir und sich geholfen. Ich glaube nicht, dass sie sonst die12 .Klasse so gut gemeistert hätte.
    Wir haben uns inzwischen körperlich und vorallem seelisch erholt. Mittlerweile tasten wir uns wieder etwas voran-das heisst- sie kommt mal vorbei- zum Essen- erzählt auch wieder von sich und ihren Unternehmungen- fragt mich sogar hin und wieder um Rat.
    Ich bin so froh!
    Am Anfang habe ich abstinent gelebt um sie wieder zurück zu bekommen- das war mein gedanklicher Antrieb. Zu dem Zeitpunkt sicherlich gut- heute weiss ich, dass ich auch weiterhin abstinent leben werde wenn sie nicht zurückkommt. Es geht um mein Leben- was ich Jahre vergeudet habe. Ja, wo ist die Zeit geblieben? Anhand von Fotoalben kann ich sie gottseidank rekonstruieren- vorallem die Zeit des Heranwachsens meiner lieben Tochter- aber richtig genossen und teilgenommen habe ich nicht an dieser eigentlich so schönen Zeit.
    Ich bin mir nun bewusst, dass ich meinem Kind unendlich viel Leid zugefügt habe und ich weiss nicht, ob sie mich dafür hasst- gesagt hat sie es nie! Ihr Unglücklichsein habe ich ignoriert und in den letzten Jahren auf die Pubertät geschoben. Man sucht ja immer eine Entschuldigung für sein Handeln.
    Sie hat mir mal ein Gedicht geschrieben mit 14 Jahren. Eigentlich hätte ich schon damals hellhörig werden sollen.

    Ich habe es in meinem Kopf:
    "Ich wollte Dir helfen, aber Du wolltest es nicht,
    am Ende des Tunnels sahst Du kein Licht,
    wie es mir ging, war Dir egal,
    hauptsache, Dir ging es genial.

    Ich könnte jetzt noch weinen, wenn ich daran denke, dass ich ihr nicht zugehört und gehandelt habe. So sind weitere sinnlose Jahre ins Land gegangen.

    Erst durch ihr konsequentes Verhalten-ihre absolute Distanz- (sie hat nie mehr gefragt wie es mir geht- sie hat nie mehr gesagt: Mama, ich hab Dich lieb-) habe ich angefangen nachzudenken und gehandelt.

    Ich kann Vergangenes nicht rückgängig machen- nur besser !

    Du kannst Deiner Mutter nur helfen indem Du an ihrem Leben nicht mehr teilnimmst- Dein eigenes Leben führst.
    Sie muss von sich aus erkennen, dass es so nicht mehr weitergehen kann und dann wird sie sich auch ändern und nicht mehr trinken.

    Du bist machtlos- es muss ihr eigener Entschluss sein.

    Ich wünsche Dir alles Liebe und die Kraft diesen Weg - den Weg meiner Tochter - zu gehen

    LG Claudi

  • morgen anni

    leider kann auch ich mich den anderen nur anschließen, du mußt dein leben leben, deine mutter das ihre. alkoholismus ist eine schleichende krankheit, die ja keiner freiwillig kriegt, da nützt alles wissen nichts. wenn irgendwo im kopf eine warnlampe angehen würde, so nach dem motto wenn man jetzt nicht kürzer tritt wird man abhängig, ich bin sicher diese seite wäre ganz schön verwaist. weißt du ich bin krankenschwester, und morgen 5 jahre trocken, grade wenn man aus der medezin kommt ist es besonders schwer den ersten schritt zu machen, denn man hätte es ja besser wissen müssen und dann kennt man ja oft die leute die einen entgiften sollen und und und. da ist die schamgrenze besonders hoch. mich hat diese blöde scham etliche jahre gekostet.
    vielleicht kannst du deine ma ja überreden mal hier reinzuschauen, leg ihr doch mal unsere netadresse auf den tisch.
    ansonsten mußt du deinen weg gehen, du kannst nichts tun wenn sie nicht will, wenn du weiter machst hat sie nicht nur ihr leben zerstört, sondern auch deins, das bist du ihr aber nicht schuldig. sie muß sich bewegen.
    wenn du hier bleibst wirst du hilfe kriegen mit deiner situation klar zu kommen.
    ich wünsch dir trotzdem von ganzem herzen das deine ma die kurve kriegt.

    gruß doro

    Alkohol ist ein prima lösungsmittel es löst familien arbeitsverhältnisse freundeskreise und hirnzellen auf.
    trocken seit 18.10.2001

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