Somadi - Mein Mann, der Alkohol und wieder ein zerstörtes Weihnachtsfest

  • Hallo Ihr Lieben.

    Ich muss mich mal wieder melden. Heute war es nach 1,5 Wochen wieder so weit - mein Mann ist betrunken, laut und verletzend. Während ich abends mit dem Hund spazieren war, hat er sich die Kante gegeben. Ich hab mich jetzt im Gästezimmer eingeschlossen und schaue TV. Eigentlich wollte ich sofort wegfahren, wenn es so weit ist, aber es schneit gerade wie verrückt und es ist ziemlich glatt. Das wäre gerade sehr gefährlich und unvernünftig… trotzdem komme ich mir gerade wieder so schwach vor…

    Ich sehe es aber als kleinen Schritt, dass ich nicht mehr zu diskutieren versucht habe, sondern mich sofort aus der Situation rausgenommen habe. Ich hoffe, dass er nicht wieder nach mir ruft, wenn er volltrunken in seinem Arbeitszimmer sitzt oder dort am Boden liegt und nicht mehr aufstehen kann. Ich will ihm nicht helfen in seinem Suff, habe aber Angst, dass ich dann Angst bekomme und mein schlechtes Gewissen oder die Angst mich dazu bringt, doch nachzusehen.
    Jedenfalls liegen der Hund und ich jetzt ungestört vor dem Fernseher und schauen „unsere“ Serie weiter. Und morgen früh fahren wir erst mal in die kleine Wohnung…

    Es tut mir leid, dass ich nicht stärker bin…

    Du bist so stark. Mein Mann hat es sich heute mit seiner Mutter und mir verdorben. Sieh nichts ein. Gekocht habe ich umsonst. Er ist ins Bett ich hab Mama rüber begleitet

    Z.K. Ich hatte ihm die Pistole auf die Brust gesetzt mit dem Ergebnis dass ich es mir permanent vorwerfen lassen muss. 🫩 Mein Seelenhund und ich liegen auch in unserem Ruhebereich und genießen es...

  • Hallo Findus, hallo Somadi,

    es kommt mir alles so bekannt vor, was Ihr schreibt.

    Alkoholkranke gibt es beim einfachen Handwerker bis zum Professor, also in allen Schichten.
    Auch ich hatte und habe teilweise immer noch Probleme zwischen den beiden Zuständen, also dem alkoholisierten Mann, der brüllend und tobend die Wohnung /das Haus niederschreit, mich beschimpft, bedroht, beleidigt, schubsen, etc. und dem Menschen am Menschen am nächsten Tag. Ich mache das jetzt seit bald 18 Jahren mit. Am Anfang habe ich den Zusammenhang nicht mal gesehen (sprich, dass er betrunken war), später habe ich gedacht, es ist ja nur ab und an, aber die "ab" und an"-Abstände werden immer kleiner. ich bin schon mal ausgezogen und in mein eigenes Haus geflohen. Nun wohnt er wieder bei mir seit knapp 8 Jahren und irgendwann fing alles wieder von vorne an und ... es wurde immer schlimmer. Bis zu dem Tag wo ich das alles nicht mehr wollte.

    Inzwischen bin ich an dem Punkt, dass ich einfach nicht mehr kann und das alles will. Und je mehr ich hier im Forum lese oder in einem früheren Medizinbuch über Alkoholismus, um so weniger will ich das auch zukünftig haben. In einem anderen Beitrag habe ich geschrieben, dass ich die Zeit bereits vorbereite, wenn er (hoffentlich) in der Klinik ist. Je mehr ich vorbereite und mir Lösungen für die Probleme suche, um so mehr bestärkt es mich auch, dass ich das hier vielleicht doch alleine schaffe. Die Angst, das hier alles nicht alleine zu schaffen war es nämlich, warum ich immer geblieben bin. Diese Planungen machen mir auch klar, wie meine wirtschaftliche Lage ist, was ich bei einer Trennung ändern muss, was ich schaffe und der Klinikaufenthalt ist auch so eine Art Probelauf, wenn es danach wieder nicht klappen sollte.

    Natürlich gab es viele schöne Zeiten und Erinnerungen, aber inzwischen ist mir klar, das ist Vergangenheit, eine Vergangenheit die es so nicht mehr gibt. Was die Zukunft bringt, weiß ich nicht, aber die Gegenwart kann ich noch gestalten und ändern. Auch wenn ich hier im Augenblick (!) sage, ich schaffe das, ich will es schaffen, so weiß ich nicht, ob ich es schaffe. Aber wenn ich es nicht versuche, wird sich nichts ändern.

    Es ist ein SEHR langer weg, bis man zu dieser Einsicht kommt. Der ist schmerzhaft und vielleicht ist es auch am Anfang noch nicht das, was man will. Die Angst vor Veränderung, evtl. finanzielle Einbußen, ggf. dem Verlust des Zuhauses, dem zukünftigen Alleinsein hat wohl jeder. Aber will ich wirklich den Rest meines Lebens mit einem brüllenden, tobenden Alkoholiker zusammen sein, der immer weniger Verantwortung übernimmt, mit dem ich immer weniger schönes erleben kann? Das ist die Frage, die man sich unbedingt stellen muss, wenn der alkoholkranke Partner nicht einsichtig ist. Und selbst wenn er eine Einsicht zeigt, weiß man nicht, ob er die Einsicht nicht nur spielt. Das weiß man auch erst, wenn man auch erst, wenn eine Therapie erfolgreich war und selbst das ist eine Garantie, dass er später irgendwann nicht wieder rückfällig wird.

    Wie bei mir geschrieben, bin ich völlig überrascht, was mein konsequentes Verhalten verändert hat. Es hat Jahre gedauert, bis ich an den Punkt kam, bis hier und nicht weiter. Ich kann das, was Ihr hier alle schreibt, so gut nachvollzeihen, da ich das alles auch erlebt habe. Ich wollte es nicht wahrhaben, dass es so ist.

    Ich kann keinen anderen Menschen ändern, nur mein Verhalten, das kann ich ändern.

    und vielleicht noch ein kleiner Hinweis: Die Mehrzahl meiner Freunde/Bekannte ist in den letzten 10 Jahren verstorben, aber es gibt immer noch welche, mit denen ich ab und an Kontakt habe. Und siehe da, als ich mich bei ihnen gemeldet habe und meine Situation geschildert habe, haben die beiden, die ich gefragt habe, sofort ihre Hilfe angeboten, wenn ich Hilfe benötige. Das hat mir enormen Druck und Angst genommen und mich psychisch sehr gestärkt, denn ich habe festgestellt, ich bin nicht alleine.

    Sprich mit Deinen Freunden und bitte sie, wenn Du Dir sicher bist, dass Du was ändern willst und den jetzigen Zustand nicht mehr erträgst, um Hilfe. Es ist unglaublich, was dieses Hilfsangebot von Freunden verändert. Du wirst Dich stärker und sicherer fühlen, etwas zu verändern!
    Ich habe noch nie das Alkoholproblem von meinem Mann gedeckt, im Gegenteil. Bei Feiern habe ich extra darauf hingewiesen und darum gebeten, dass es keinen Alkohol gibt oder er möglichst schwierig dran kommt. Das verhindert natürlich nicht, dass ein Alkoholiker trinkt, aber er kommt u.U. nicht so einfach dran und es macht mir das Leben nicht noch schwerer als es eh schon ist. Vermutlich käme ich auch nie auf die Idee, einen betrunkenen Ehemann vom Boden aufzuheben, alleine schon, um ihm am nächsten Morgen zu zeigen, wo er endet, wenn er trinkt. Ich greife nur ein, wenn der Blutzucker entgleist und das Messgerät Alarm schreit. Dann hat er meist zu viel Insulin auf den Alkohol gespritzt. Dann fordere ich ihn auf, etwas zu essen oder der Krankenwagen kommt (wieder).

    Ich bin froh hier mitlesen zu können, denn es bestärkt mich immer mehr in meiner Haltung. Ich hoffe, dass ich nicht umfalle, wenn er entgegen seiner Zusage nicht in die Klinik geht. Ich wünsche Dir viel Kraft und starke Nerven!

  • Hallo Julia,

    Da gebe ich dir recht. Unterstützung von Freunden und auch eventuell von Familie sind ein gutes Gefühl und stärken den Rücken aber ich schaffe es nicht zu sagen jetzt gehe ich. Eigentlich wohnen wir nur noch zusammen in einem Haus mehr nicht. Wenn wir so wie gestern mit meiner Schwiegermutter zusammen sitzen und er dann den Schnaps rausholt eskaliert es wieder. Schwiegermutter sauer nach Hause weil er verbal alles gibt und er beleidigt ins Bett weil ich provoziert habe. Essen braucht man nicht. Ich hasse die Wochenenden. Bin froh wenn ich arbeiten darf. Das ist kein Leben mehr und das ist mir bewusst und ich weiß nicht was noch passieren muss , damit ich es endlich schaffe.

    Wir sind stärker als wir denken.

    Fühlt euch gedrückt.

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