Floralia - Erste Schritte raus aus dem System als Angehöriger

  • Hab Vertrauen in deinen Prozeß.

    Und die Dissoziation hat mir geholfen meine Kindheit im Elternhaus zu überstehen. Jahre später war sie immer noch da und ich fühlte mich ihr völlig ausgeliefert. Was mich den Kontrollverlust hat überleben lassen, fühlte sich zwischenzeitlich selbst wie Kontrollverlust an. Schräg.

    Inzwischen kann ich sie wie eine Art eingebautes Barometer ansehen. Wenn ich merke, daß sie sich wie ein Nebel über alles zieht, dann ist es wie ein Alarmsignal: Aufpassen, Abstand verändern. Was genau ist gerade identisch oder nur ähnlich wie früher?

    Geringe Dosen, vielleicht irgendwann sogar nur noch homöopatische Dosen sind völlig o.k.

    Bei deiner Mutter "hängt die Schallplatte", so kommt es mir beim Nachlesen in deinem Thread vor. Das ist nicht despektierlich gemeint. Eher so, daß sie in ihrer Endlosschleife festhängt und sie darin unerreichbar ist. Da hilft nur Abstand. Jeder Appell, jedes Angebot, nichts kommt durch. Ich kenne das gut, da hilft nur Abstand verändern und sich nicht als Mülleimer, Therapeut, Beratungsstelle oder sonstwas benutzen lassen.

    LG, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Vielen Dank Linde <3

    Ja, die Schallplatte mit dem Titel Opferrolle wird rauf und runter gespielt seit ich denken kann. Wenn es wieder zur Sprache kommt, kann ich es ja nochmal anders probieren deutlich zu machen und dann weitersehen, deine Worte behalte ich jedenfalls im Hinterkopf, wenn Sinnlos - Energie sparen sozusagen.

    Meine Dissoziation ist tatsächlich besser geworden seitdem ich weiß, was es ist - genau das war auch mein Wunsch dahingehend wieder mehr "Kontrolle" zu haben und nicht eine benebelte Version von mir zu sein, irgendwie da aber doch auch handlungsunfähig. Das Bild des Barometers gefällt mir, auch das nehme ich gerne mit.

    LG Floralia

  • kann ich es ja nochmal anders probieren deutlich zu machen

    Naja, hast du nicht alles schon 95 mal durch...?

    Was ja echt effektiv ist, um etwas deutlich zu machen, ist Körpersprache. Wenn gewöhnliche Sprache nicht wirkt: Körpersprache wirkt unmittelbarer, weil sie älter ist.

    Nein ist ein ganzer Satz. Denn kannst du sagen, was aber schwer fallen kann. Du kannst dein Nein aber auch mit dem Körper zeigen.

    Wenn deine Mutter "es" zur Sprache bringt - was immer das dann ist, was du dir nicht länger anhören willst - dann lasse nicht den Mund, sondern den Körper sprechen, bzw. nimm ihn mit ins Boot. Füße anspüren, Beine fest auf den Boden stellen, aufrechte Körperhaltung, Raum einnehmen.

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Hm dass ich meiner Mutter gesagt habe, ich wäre gerne einfach wieder Tochter statt Abladestation ist noch nicht so lange her, aber vermutlich beziehst du dich auf die gesamte Periode.

    Das ist ein guter Punkt mit der Körpersprache - ich habe vor Jahren mal einen Kurs besucht wo es um Rhetorik ging, wo die Körpersprache natürlich auch eine wichtige Rolle spielt. Mir wurde damals gesagt, ich wäre quasi nicht wahrnehmbar im Raum, wie ein Geist. Macht ja auch irgendwie Sinn so in dem ganzen Kontext hier. Das ist auf jeden Fall nochmal ein Thema, wo ich nochmal nacharbeiten kann bei mir, sozusagen "mehr Raum" einzunehmen und meinen Standpunkt im wahrsten Sinne des Wortes zu vertreten. Besten Dank für den Hinweis :)

  • Hallo zusammen,

    wollte schon die ganze Zeit mal wieder ein Lebenszeichen da lassen, komme aber erst jetzt dazu. In meinem Urlaub hatte ich eigentlich Zeit geplant zum Nachdenken und für eine Neuausrichtung, ggf auch Briefe an meine Mutter und A., die ich nicht absende, aber tatsächlich war ich so von tollen Aktivitäten abgelenkt, dass ich überhaupt nicht dazu gekommen bin. Im Nachgang hat sich das als Segen erwiesen, mal ganz frei von Gedanken an die familiäre Situation zu sein.

    Jetzt aktuell habe ich auch gar keine Lust mehr, noch irgendwelche Energie mit Grübeln usw. weiter hineinzustecken.

    Interessanterweise hat durch die stille Post meine Unterhaltung mit einem nahen Familienmitglied den Weg zu meiner Mutter und damit den Weg zu A. gefunden (es war nicht vertraulich, also alles gut). Inhalt waren besonderen Begleitumstände bei A., die eine Abstinenz durch reine Willenskraft statistisch nahezu unwahrscheinlich machen. Das hat dazu geführt, dass sich sowohl meine Mutter, als auch A. näher mit der Krankheit auseinandergesetzt haben und A. denkt wohl nun auch über Behandlung nach oder schließt sie nicht mehr kategorisch komplett aus. Das war auch so ein Punkt der mich die letzten Wochen geärgert hatte, dass ich mich mehr auseinandergesetzt hatte mit der Materie, wie z.B. meine Mutter, die selbst mal nass war und früher wegen meinem kranken Vater selbst gelitten hatte. Über Umwege hat mein Wissen erfreulicherweise nun doch irgendwie zum Nachdenken angeregt.

    Meiner Mutter habe ich auch gesagt, dass von ihr keine Initiative ergriffen wird für gemeinsame Zeit und immer alles nur von mir ausgeht - lange Zeit keine Reaktion. Sie hat mich jedoch überrascht. Nachdem ein Treffen nicht so ging wie geplant, hat sie tatsächlich einen Alternativ-Vorschlag gemacht anstatt komplett abzusagen. Sie hat sogar vor, sich mehr um ihre Gesundheit zu kümmern. Bleibt abzuwarten ob es eine Eintagsfliege war bzw ihre Pläne in die Umsetzun kommen. Ich muss dazu sagen, dass mich mehrere in der Verwandschaft in den letzten Wochen angesprochen haben, dass ich meine Mutter doch motivieren könne/müsse, mehr für sich zu tun. Das hat mich wieder zornig gemacht und habe das entschieden zurückgewiesen. Habe es über Jahre versucht und gebracht hatte es rein gar nichts außer Verzweiflung- aber das System kämpft nunmal gegen Veränderungen. In Sachen Pause mit A. hingegen habe ich viel mehr Verständnis bekommen, als ich je erwartet hätte in der Familie.

    Ich beschäftige mich noch damit, wo und in welchem Rahmen ich mit der Körpersprache einen Kurs oder Coaching belege. Darüber hinaus habe ich mir das Ziel gesteckt mein Leben nicht mehr von den gelernten Mustern diktieren zu lassen.

    Der Weg der mir im Coaching aufgezeigt wurde geht weiter mit Achtsamkeit und Differenzierung der EKA Merkmale sowie Bejahung der Inneren Widerstände. Also wo zeigen sich die Muster oder Teile davon noch im Alltag? Und was ist da noch abseits davon? Also dass man aktiv nochmal nachspürt ob da z.B. eine Emotion ist und ggf. sogar eine körperliche Lokalisation dazu.

    Wie schon erwähnt, habe ich schon viel weniger Dissoziation bzw. verschwindet sie, wenn ich sie bemerke meist schnell, von daher bin ich guter Dinge, irgendwann ein freieres Leben führen zu können und dass die Macht des Alkohols auf mein Leben weiter schwindet.

    Viele liebe Grüße, eure Floralia

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