besser gehts nicht!

  • Teaser, 34, beide Elternteile Alkoholiker, viele Jahre „problemfrei“ gelebt, ganz normal in Familie und Job funktioniert, jetzt von der Vergangenheit eingeholt, schwer Depri, Selbsthass bis hin zu Selbsttötungsfantasien, beziehungsunfähig wie man es nur sein kann, mauere mich ein, ertrage die Einsamkeit nicht mehr, will trotzdem niemanden sehen, staune über das hier allgegenwärtige Wort Verantwortung, habe jahrelang die Verantwortung übernommen, ohne Erfolg, kein Land mehr in Sicht, einfach keine Kraft mehr….

  • Hallo Teaser,

    was heisst denn

    Zitat

    jetzt von der Vergangenheit eingeholt

    Trinkst du auch? Hast du getrunken? Vielleicht schreibst du noch ein bisschen mehr über dich, dann kann man dir gezielter Ratschläge geben.

    Grüße Josu

  • "Was heisst von der Vergangenheit eingeholt?"
    Wie beschreibt man Dinge, die man selbst nicht versteht? Wie soll ich erklären, dass etwas, was 10 Jahre kein Thema mehr war nun wieder so aktuell ist, wie zu den schlimmsten Zeiten? Ohne bestimmten Anlass!
    Nein, ich trinke nicht!

    Gruß
    Teaser

  • Hallo Teaser,

    dass ist leider noch alles sehr allegemein.

    Zitat

    dass etwas, was 10 Jahre kein Thema mehr war nun wieder so aktuell ist, wie zu den schlimmsten Zeiten?

    Man kann nur sehr schwer etwas daraus lesen, außer das es dir schlecht geht, aber leider nicht, weshalb und wie man dir helfen kann.

    Wenn du wirklich schwere Depressionen hast und Selbsthass, würde ich dir raten, einen Therapeuten aufzusuchen.

    Ansonsten ist meine Erfahrung, dass es bei Depressionen hilft sich jemanden anzuvertrauen. Wer das sein wird, musst am Ende du selbst entscheiden, aber wenn du willst, kannst du hier im Forum ein Anfang machen. Einfach mal alles von der Seele schreiben, was dich so bedrückt. Du wirst sehen, es hilft ganz bestimmt, wenn einem einfach mal einer zuhört.

    Wenn du hier nicht das nötige Vertrauen hast, kannst du notfalls auch die Seelsorge Notfall Nummer anrufen. Angaben dazu findest du sicher im Netz

    Ich hoffe, dass du die Kraft findest, dich mehr zu öffnen,

    Josu

  • Ich war bei einem Therapeuten, außer Klinik fällt dem auch nichts ein.
    Nicht das ich dagegen Vorbehalte hätte, aber was, wenn ich da rauskomme und selbst das nicht geholfen hat? Was bleibt dann noch?
    Sorry, bin im Moment wenig empfänglich für Argumente. Trotzdem danke.

    Es ist echt schwer konkreter zu schreiben, ich könnte meine Umwelt beschreiben aber die ist nicht das Problem. Die Probleme sind in mir, erst totale Leere, dann wieder totales Chaos. Unsicher wie ein kleines Kind. Und am Schlimmsten ist, dass die letzte Hoffnung weg ist. Ich habe mein Leben bis jetzt nicht im Griff, wann soll es den endlich losgehen?

    Vielleicht hätte ich heute gar nichts schreiben sollen....

  • naja, ich denke du hast geschrieben, weil du vllt. Hilfe erwartet hast, das war ein guter Schritt und du solltest keinen Rückzug machen.

    Wenn man jahrelang seine Probleme und Gefühle unterdrückt, ist es klar, dass man ersteinmal eine große Leere fühlt, wenn man dann darüber sprechen will, wurde es doch jahre lang weggeschoben.

    Ich habe mal ein sehr gutes Buch empfohlen bekommen:

    Alice Miller, "Drama des begabten Kindes"

    begabte Kinde meint, Kinder, die ihre Kindheit nicht leben können, und sich mit Problemen auseinandersetzen müssen, für die sie zu jung sind, weil die Eltern ihre eigenen Probleme auf sie abwälzen. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn die Eltern trinken. Über diese Kinder wird dann immer gesagt, wie selbstständig und begabt sie doch seien, doch ihre eigenen Probleme und Ängste können sie meistens niemanden anvertrauen. Das Buch erzählt die Probleme die diese Kinder als Erwachsene haben und gibt Anstöße sich davon zu lösen.

    Allerdings weiss ich wirklich nicht, ob es für dich hilfreich ist. Ich habe es gelesen und sehr viel daraus mitgenommen, meine Schwester ist danach nur noch mehr in Slebstmitleid verfallen und hat meiner Meinung nach, daran eine Begrünfung gesehen nichts an ihrem Leben ändern zu müssen, da sie ja als Kind so vernachlässigt wurde (unser Vater war auch ALkoholiker)

    Lesen würd ichs auf alle Fälle mal.

    Sorry wenn ich dir sonst nicht weiter helfen konnte

    Josu

  • Zitat

    naja, ich denke du hast geschrieben, weil du vllt. Hilfe erwartet hast, das war ein guter Schritt und du solltest keinen Rückzug machen.

    Der Satz hat mir schon etwas geholfen, danke.

    Was rätst Du Deiner Schwester? Was kann man tun wenn die Kraft zum Kämpfen nicht (oder nicht mehr) reicht?

    Teaser

  • Meiner Schwester kann ich momentan nicht viel raten, weil sie trinkt. Das heisst aber nicht, dass ich nicht einiges versucht habe, aber sie denkt, ihre Probleme dadurch lösen zu können, dass sie trinkt.


    [/quote]Was kann man tun wenn die Kraft zum Kämpfen nicht (oder nicht mehr) reicht?

    Zitat

    Naja ich würde mich fragen, wofür ich kämpfe (oder wogegen), was ich wirklich will, und was ich eigentlich nicht will, aber von mir erwartet wird. (leider kann ich das jetzt nicht deutlicher ausführen, weil es schon so spät ist, und ich dann schlafen gehen muss... aeh will. Ich werde aber nochmal darüber nachdenken, und dir dann noch etwas genauer erklären können, was ich meine.)

    Noch etwas zum Buch, dass heisst im Untertitel, "die Suche nach dem wahren Selbst", genau die ist wichtig! Folgendes ist damit gemeint:

    Verdrängung von eigenen Wünschen und Impulsen und die Herausbildung eines falschen Altruismus. Auffallend sei dabei - so Miller, dass begabte - das heißt feinfühlige und intelligente - Kinder dafür besonders empfänglich seien. Diese Kinder bemühten sich besonders, den Ansprüchen und Hoffnungen ihrer Eltern gerecht zu werden. Als Erwachsene nehmen sie ihre eigenen Gefühle und Wünsche nicht wahr oder nicht wichtig. Die Gefühle, Ängste und Hoffnungen ihrer Eltern nehmen sie jedoch besonders deutlich wahr. Nicht die Eltern kümmern sich um die Sicherheit und Bedürfnisse der Kinder, sondern umgekehrt

    Zitat

    Wenn du willst können wir das Gespräch morgen fortführen, vielleicht siehst ja dann alles weniger grau aus.

    Guts Nächtle

    Josu

  • So sollte es richtig aussehen, naja bin wirklich schon etwas müde:

    Meiner Schwester kann ich momentan nicht viel raten, weil sie trinkt. Das heisst aber nicht, dass ich nicht einiges versucht habe, aber sie denkt, ihre Probleme dadurch lösen zu können, dass sie trinkt.


    Zitat


    Was kann man tun wenn die Kraft zum Kämpfen nicht (oder nicht mehr) reicht?

    Naja ich würde mich fragen, wofür ich kämpfe (oder wogegen), was ich wirklich will, und was ich eigentlich nicht will, aber von mir erwartet wird. (leider kann ich das jetzt nicht deutlicher ausführen, weil es schon so spät ist, und ich dann schlafen gehen muss... aeh will. Ich werde aber nochmal darüber nachdenken, und dir dann noch etwas genauer erklären können, was ich meine.)

    Noch etwas zum Buch, dass heisst im Untertitel, "die Suche nach dem wahren Selbst", genau die ist wichtig! Folgendes ist damit gemeint:


    Zitat

    Verdrängung von eigenen Wünschen und Impulsen und die Herausbildung eines falschen Altruismus. Auffallend sei dabei - so Miller, dass begabte - das heißt feinfühlige und intelligente - Kinder dafür besonders empfänglich seien. Diese Kinder bemühten sich besonders, den Ansprüchen und Hoffnungen ihrer Eltern gerecht zu werden. Als Erwachsene nehmen sie ihre eigenen Gefühle und Wünsche nicht wahr oder nicht wichtig. Die Gefühle, Ängste und Hoffnungen ihrer Eltern nehmen sie jedoch besonders deutlich wahr. Nicht die Eltern kümmern sich um die Sicherheit und Bedürfnisse der Kinder, sondern umgekehrt


    Wenn du willst können wir das Gespräch morgen fortführen, vielleicht siehst ja dann alles weniger grau aus.

    Guts Nächtle

    Josu

  • Hallo Teaser,

    ich lese eine tiefe Verzweiflung in Deinen Sätzen und das wird seinen Grund haben. Wenn ich mich durch Deine Beiträge lese kann ich so langsam ein Puzzle zusammensetzen was Dich bewegt.

    Ich möchte Dich dazu ermuntern im Co-Bereich einen eigenen Thread zu eröffnen um allen die Möglichkeit zu geben Dir evtl. zu helfen.
    Ich schreibe evtl., weil wir online natürlich nicht die Möglichkeiten haben, die ein therapeutisches Gespräch bietet.
    Aber vieleicht hilft es Dir,- über das zu schreiben was Dich bewegt, über das was Dich immer wieder überrollt.

    Manchmal können auch unscheinbare Dinge eine grosse Hilfe sein, ausprobieren solltest Du es in jedem Fall.

    Viele Grüsse

    White

    m. , Bj. 67 :wink: , abstinent seit 2005

    Wir gehen unseren Weg, weil wir nur den Einen haben. Hätten wir mehrere zur Auswahl, wären wir total zerrissen und unglücklich. Einzig die Gestaltung unterliegt uns in gewissen natürlichen Grenzen.

  • Hallo Teaser

    Ich habe deine Beiträge gelesen, aber irgendwie werde ich aus daraus nicht ganz schlau? Das einzige was du deutlich schreibst, ist dass du Probleme hast, aber nicht weißt was es ist. Whitewolf hat recht, eine Therapie kann man über das Internet nicht bieten, trotzdem will mal schreiben, was ich für mich erkannt habe, vielleicht siehst du ja Parallelen:

    Mein Vater hat gesoffen und ich bin als Kind deshalb in vielerlei Hinsicht vernachlässigt wurden (emotional, materiel, ...). (Punkt!) Wir hatten oft nichts zu essen, sind schmutzig aus dem Haus gegangen, keine Liebe usw. (Punkt!) Anstatt darüber zu reden, habe ich meine eigenen Wünsche und Bedürfnisse verdrängt, und sozusagen einen falschen Altruismus entwickelt. (Punkt!) Nach außen hin haben wir das Bild einer fast perfekten Familie abgegeben, da war kein Platz seine eigenen Verletzungen und Kränkungen zu kommunizieren.

    Dieses Verhaltensmuster habe ich auch in mein Erwachsenenleben hineingebracht, habe weiterhin alles nach außen hin perfekt scheinen lassen und in mir drin eine große Leere gespürt, dann kamen die Depressionen und dann (Gott sei Dank!)die Erkenntnis, dass diese Art der Beziehung mich krank gemacht hat, weil ich selbst „alles hineingelegt habe und von der anderen Seite nichts zurück kam“. Nun habe ich mich gelöst und stehe nicht mehr unter dem Druck, meinem Vater alles recht machen zu müssen. Ich brauche nicht mehr die Anerkennung meines Vaters, um mit mir zufrieden zu sein. Ich kann jetzt über meine Verletzungen und Kränkungen, sowie über meine Wünsche und Bedürfnisse reden (natürlich nicht mit meinem Vater, aber mit anderen Menschen).

    Lieber Teaser, leider weiß ich nicht, ob dir das weiterhilft, aber es scheint mir, als ob das sich bewusst machen, was falsch gelaufen ist, der erste Schritt sein kann. Dieses Bewusstmachen erreicht man am ehesten dadurch, dass man darüber redet oder eben schreibt. (Du könntest ja auch ersteinmal für dich aufschreiben, was dich bedrückt, und dir dann in Ruhe überlegen, ob du vllt. hier mitteilen möchtest oder nicht.)

    Grundsätzliches läuft meiner Meinung nach bei Kindern von Alkoholikern falsch:

    Zitat

    Nicht die Eltern kümmern sich um die Sicherheit und Bedürfnisse der Kinder, sondern umgekehrt.

    Das ist aber nicht nur falsch, sondern bringt die Kinder oftmals in eine lebenslange ABhängigkeit, denn die Kinder können sich auch als Erwachsene nur schwer von den Eltern lösen, weil sie sich permanent Sorgen machen. Die eigene Entwicklung, und das eigene Leben wird dabei immer noch hinten angestellt.

    Vielleicht kannst du da ansetzen?

    Josu

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