jetzt mal ne Frage und hoffentlich viele Antworten und Tipps

  • Hallo Maude,

    herzlich Willkommen hier im Forum.

    Hast Du Dich hier schon ein wenig durchgelesen?

    Ja, im Namen der Liebe versuchen wir zu helfen, im Namen der Liebe schweigen wir über den Alkoholkonsum unseres Partners. Im Namen der Liebe decken wir ihn und halten ihm den Rücken frei....zum trinken!

    Ein Alkoholiker, der nicht einsichtig ist, wird niemals zugeben, dass er ein Problem hat. Für ihn ist es ja kein Problem!

    Und leider wirst Du ihm nicht helfen können. Er muss den ersten Schritt machen.

    Du kannst versuchen, mit ihm zu reden, aber nur, wenn er nüchtern ist. Sonst bringt es nichts. Du kannst ihn vor die Wahl stellen; entweder mit mir ohne Alkohl oder mit Alkohl, aber ohne mich!!

    Ob es hilft, ich weiss es nicht!!!

    Ich wünsche Dir alles Gute und

    liebe Grüße
    Speedy

  • Hallo Maude,

    ich möchte Dir nicht zu nahe treten, aber vieleicht bist du zu naiv.

    Wenn Du hier schon gelesen hast, dann wirst Du sehen, das Liebe allein einen nassen Alkoholiker noch nie "trocken gelegt" hat!

    Erst einmal muss er überhaupt einsehen, dass er ein Alkoholproblem hat.

    Dann kannst Du ihm "im Namen der Liebe" anbieten, ihm zur Seite zu stehen, wenn er sich professionelle Hilfe sucht.

    Sonst hast Du keine Chance!!

    Bitte Maude, lies noch ein wenig hier. In diesem Bereich sind Menschen wie Du, deren Partner Probleme mit Alkohol haben.

    Du wirst Dich in ganz vielen Geschichten wiederfinden.

    Wir alle hier sitzen im gleichen Boot und möchten Dich unterstützen.

    Liebe Grüße
    Speedy

  • Hallo Maude,

    um auf Deinen ersten Beitrag mit den drei Affen zurückzukommen.

    Ist es denn für Dich wichtig wie andere mit seiner Krankheit umgehen? Wichtig ist doch nur wie Er bzw. Du damit umgeht/umgehst.
    Bei den Erfahrungen die Du ja schon gemacht hast weisst Du wie hilflos Du eigentlich bist. Diese Kämpferei kannst Du Dir also sparen.

    Der einzige der kämpfen muss ist Er.

    Dabei kannst Du ihm hilfreich zur Seite stehen und selbst das nur mit Vorsicht. Nur allzuschnell liegt die Hauptlast auf dem der ja wirklich ohne Alkohol leben will---dem Co.

    Wichtig ist, das zumindest Du offen mit der Sache umgehst. Teil Dich mit, sag Ihm was Du denkst.
    Aus der Vertuscherei und Lügerei wird irgendwann ein riesiger Bumerang.

    Es wird Dir nicht gelingen jemanden mit Liebe 'trockenzulegen'. Diese Krankheit verlangt nach Taten, Änderungen, evtl. Therapie.
    Er muss das anpacken weil er es will, nicht weil Du ihn liebst. Es nützt auch nichts jetzt dies und das oder das ganze Leben umzukrempeln während die Flasche auf dem Tisch steht.

    Ein Schritt nach dem anderen.

    Du kannst seine Hilferufe zur Kenntnis nehmen und ihn bestärken z.B. hier mal reinzuschauen, zur Suchtberatung oder zum Arzt zu gehen.

    MACHEN muss er das aber selber.

    Viele Grüsse

    White

    m. , Bj. 67 :wink: , abstinent seit 2005

    Wir gehen unseren Weg, weil wir nur den Einen haben. Hätten wir mehrere zur Auswahl, wären wir total zerrissen und unglücklich. Einzig die Gestaltung unterliegt uns in gewissen natürlichen Grenzen.

  • Hallo Maude,
    ja, da schreibst Du was.

    Es ist diese Mischung aus Hilflosigkeit und Unwissenheit gepaart mit dem Deckmantel der Verschwiegenheit. Schliesslich ist es ja 'peinlich' und soooo schlimm ja nun auch nich....oder doch?

    Das alles tut dem Süchtigen nicht gut. Es ist zusätzlicher Stress mit dem er zu kämpfen hat.
    Die Reaktionen auf Offenheit mit dem Thema sind allerdings auch sowas von unterschiedlich, das man nie weiss was einen erwartet.
    Dabei ist es genaugenommen keine Schande von einem Nervengift abhängig zu werden das man über sehr lange Zeiträume konsumiert hat. Es kann jeden treffen. Und sehr viele haben auch ein schlechtes Gewissen....aber soooooo schlimm ist es ja nun doch nicht.

    Zumindest solltest Du ihm in der Hinsicht eine klare Richtung vorgeben. Kein Vertuschen, keine Peinlichkeit, es zum Thema machen und aus der Tabuzone holen.

    Mit der falschen Hilfe der anderen, aus welchen Gründen auch immer, wird er lernen müssen umzugehen. Solange die Alkoholkrankheit in der Bevölkerung ein Tabuthema ist, stehen wir Alkoholiker vor diesem Problem.
    Aber irgendwann stört es nicht mehr, wir lernen auch damit umzugehen.

    Viele Grüsse

    White

    m. , Bj. 67 :wink: , abstinent seit 2005

    Wir gehen unseren Weg, weil wir nur den Einen haben. Hätten wir mehrere zur Auswahl, wären wir total zerrissen und unglücklich. Einzig die Gestaltung unterliegt uns in gewissen natürlichen Grenzen.

  • Hallo Maude,

    möchte Dir hier auch mal aus Alkoholiker-Sicht schreiben. Nasse Alkoholiker werden Dir das Blaue vom Himmel versprechen, können es aber nicht halten, denn die Sucht ist viel stärker. Auch stärker als Liebe.
    Ich habe gelogen, was das Zeug hält, nur um nicht zu auffällig zu werden, ich habe meinen Mann zum CO gemacht, auch er log am Ende für mich und besorgte mir Schnaps, er wußte einfach nicht mehr weiter. Ich denke, wenn ich für Alkohol hätte stehlen müssen, wäre ich auch davor nicht zurückgeschreckt.

    Der Körper verlangt immer mehr nach Alkohol, bis einen die Sucht fest im Griff hat. Da kommt man auch allein nicht wieder raus. Du kannst da wenig machen, sich aus der Alkoholsucht befreien zu wollen, muss von einem selber kommen, alles andere wird nix. Dann ist eine Entgiftung angesagt, um das Gift aus dem Körper zu bekommen, man kann nach langjährigen Alkoholkonsum nicht mehr klar denken, drehen sich doch alle Gedanken um die Beschaffung und des Konsumierens desselbigen.

    Und auch eine Entgiftung ist nur der Anfang eines langen Weges in die Trockenheit, unter anderen zerbrechen daran auch Partnerschaften, weil man plötzlich auch den Partner klarer sieht und er vielleicht doch nicht derjenige ist, mit dem man sein restliches Leben verbringen möchte.

    Ja, warum spricht ihn seine Familie nicht darauf an? Um nicht erkennen zu müssen, das sie selber ein Alk-Problem haben, kann einer der Gründe sein.
    Ein anderes ist, man will ihn nicht verletzen, weil es ja weh tut, die Wahrheit zu sagen, für den Betroffenen selber und auch für die Angehörigen.

    Ein anderer Grund ist, das unsere Krankheit immer noch ein Tabu-Thema ist, keiner möchte gern zugeben, das der eigene Partner ein Alkie ist. Könnten doch andere evtl. sogar denken, man selber hätte ihn dazu getrieben. Diese Scham nutzen Alkies dann auch wieder aus, sie bringen den Partner dazu, sich schlecht zu fühlen, er soll Schuld an allem haben. Das geschieht aber nur, um in Ruhe weitersaufen zu können. Am Ende machen sie dann so auch ihren eigenen Partner und auch die Kinder zu CO-Alkoholikern, auch sie werden beginnen, für den Alkie zu lügen, aus Scham.

    Tut mir leid, das sich das so hart anhört, aber mach Dir keine Illusionen, die Liebe ist nie so stark wie die Alkoholsucht. Es ist eine schwere Krankheit, die auch nie wieder weg geht. Sollte Dein Partner trocken werden können, trägt er doch sein weiteres Leben diese Krankheit in sich, denn sie ist unheilbar. Wir können sie nur stoppen, im besten Fall ein Leben lang. Das sind leider die Fakten, je eher Du sie klar erkennst, desto besser für Dich. Dein Partner wird also immer Alkoholiker bleiben, im besten Fall ein trockener.

    Wenn er sich keine Hilfe holt, dann ist es am besten, ganz schnell die Klamotten zu packen, sonst hast Du ein sehr langes Leiden vor Dir, leider :( .

    Sprich ihn ganz direkt auf seine Krankheit an, vielleicht auch mit Verweis, auf unser Forum, er wird sich hier in vielen Geschichten wiedererkennen. Wenn er dazu bereit ist.

    Anonym, falls Du das hier liest, dann auch nochmal an Dich. Ich war schwer alkoholabhängig und bin trotzdem jeden Tag meiner Arbeit nachgegangen, fragt sich nur, wie ? Als Alkie kann man keine adäquate Leistung mehr bringen, und meist wissen die Kollegen schon lang Bescheid. Aber auch sie trauen sich oft nichts zu sagen. Das ist auch mir so passiert, ich war relativ beliebt auf der Arbeit (hab meinen Job aufgegeben nach 29 Jahren, um mal andere Wege zu gehen) und mir nochte niemand was sagen, um mir nicht weh zu tun. So habe ich viele Jahre als nasser Alkie so vor mich hingewurschtelt.

    Lieben Gruß
    Lilly

  • Liebe maude,

    so leid es mir tut, Du ziehst hier falsche Schlüsse.

    Aufhören zu Rauchen und Aufhören zu Saufen sind 2 völlig verschiedene Paar Schuhe.

    Ich seh, wie Du versuchst, es Dir "schönzureden"

    Und auch ist die Todessehnsucht sicher kein Schlüsselpunkt. Man kann in die Sucht immer mehr hineinrutschen, das hat nicht mit Todessehnsucht zu tun, sorry.
    Der Prozess des Abhängigwerdens ist schleichend, darum auch so heintückisch. Man merkt es leider erst, wenn es zu spät ist, wenn man schon abhängig ist.

    Ich kann nur für mich sprechen, ich hatte mit Sicherheit keine Todessehnsucht, als ich abhängig wurde.

    Ich bin sehr früh Mutter geworden (mit 17) mußte meine Lehre zuende machen, arbeitete dann in meinem Bruf als Konstrukteurin, ich fühlte mich oft überfordert. Dann folgte die Scheidung, eine Beziehung zu einem verheirateten Mann, ich fühlte mich oft einsam und begann zu trinken. Als ich meinen Mann kennenlernte, war ich bereits abhängig, wenn ich das so im Nachhinein betrachte.
    Eine Todessehnsucht war aber nie vorhanden.

    Die kam aber später, als ich schwer abhängig war, ich wollte so nicht weiter leben, mir war es am Ende gleich, ob ich nochmal aus dem Rausch erwache, ich konnte einfach nicht mehr, war körperlich und psychisch am Ende. Ich dachte, ich komme nie wieder raus aus der Sucht.

    Das mit den CO`s sieht Du übrigens richtig. Einen Zeitraum, in dem man das werden kann, zu nennen, ist unmöglich. Genauso wenig man sagen kann, in welcher Zeit man alkoholabhängig wird.

    LG an Dich
    Lilly

  • Hallo Ramona,

    meine Mutter trinkt schon sehr viele Jahre. Sie hat mittlerweile massive gesundheitliche Einschränkungen und Schäden, ich will sie gar nicht einzeln aufzählen. Wenn Du sie jedoch fragst, dann haben sie alle andere Ursachen, aber keine einzige ist der Alkohol.

    Ich liebe meine Mutter und vermisse sie. Da ich es nicht mehr aushalte sie betrunken zu erleben, zu sehen wie sie ihr Leben zerstört, habe ich den Kontakt auf ein Minimum beschränkt. Ich tue das, um mich zu schützen, denn ich kann ihre Sauferei nicht mehr ertragen. Etwas das ich ihr gesagt und auch geschrieben habe. Ich habe ihr aufgeschrieben wie ich mich fühle, wenn ich mit anschaue wie sie sich Schluck für Schluck dem Tod näher bringt. Sie könnte es also nachlesen, wenn sie wollte, was sie übrigens nicht tut. Es passt ihr überhaupt nicht, sie würde mich gerne mindestens einmal die Woche sehen und auch täglich mit mir telefonieren. Zur Zeit telefonieren wir vielleicht einmal die Woche und sehen uns wenn’s hoch kommt einmal im Monat. Sie hat sich inzwischen auf Erpressung verlegt indem sie mir z. B. erzählt, sie wäre wieder gestürzt und auf den Kopf gefallen (das hatten wir schon zweimal mit ziemlich heftigen Auswirkungen). Was aber absolut nicht stimmt, was eine kurze Nachfrage bei meinem Vater ergeben hat. Das ist ihre Art erreichen zu wollen, daß ich mich wieder mehr kümmere.

    Sie sagt immer ich wäre der wichtigste Mensch in ihrem Leben. Die einzige Chance, dass ich darüber nachdenke! sie wieder mehr in mein Leben zu lassen ist, das sie trocken wird. Das weiß sie und trotzdem trinkt sie weiter, belügt mich weiter und versucht auch weiterhin mich zu erpressen.

    Wenn ich Deiner Argumentation folge, sollte man doch meinen, daß die Liebe zwischen Eltern und Kindern stärker ist als der Alkohol. Doch genau das ist der Punkt es ist eine Sucht und bei Sucht lassen sich keine normalen Verhaltensmaßstäbe ansetzen. Die Sucht ist stärker als Liebe und in vielen Fällen leider auch stärker als der Lebenswille, egal was Du für Anreize zu schaffen glaubst. Alkohol ist eine bewusstseinsverändernde Droge, daß hat nichts mit Todessehnsucht zu tun.

    Ich wünsche Dir viel Glück und vor allem sehr viel Kraft für diesen Weg, den Du Dir scheinbar ausgesucht hast. Du wirst von beidem eine Menge brauchen……

    Skye

  • Hallo Maud,
    ich galube dass Du Dich so im Kreise drehst. Du suchst nach den Ursachen des trinkens, was ja auch nicht verkehrt ist. Aber dadruch dass Du die Ursachen des trinkens bekämpfst ist die Sucht , die körperlcihe Abhängigkeit nicht bekämpft. Und der 'Wille' dazu liegt im Moment bei Dir und nicht bei ihm. Sollte Dein Mann sich entschließen trocken zu werden, dann kannst Du ihn allenfalls seelisch damit unterstützen und er kann isch eventuell vor Rückfällen schützen, wenn die Ursachen des Trinkens bekannt sind. Aber jetzt gilt es erstmal die Sucht zu bekämpfen.
    Falls du noch nicht so 'abgenervt' von ihm bist hast DU vielleicht Glük und kannst ihm in einer glücklichen Phase erwischen und mit ihm reden, ohne Vorwürfe usw. Mag sein, dass aus deinem Verständnis heraus und der Liebe , die Du ihm entgegenbringst er zumindest zugibt, dass er ein Problem hat. Natürlich ist es effektiver, wenn Du ihm die Pistole an den Kopf setzt und sagst: Ich oder der Alkohol. Das wirkt bei vielen, aber auch nicht bei allen. Mach ihm immer wieder deutlich, dass er krank ist, Hilfe braucht. Dass er nicht der einzige ist, dem es passiert ist, vielleicht kann er sich selber auch im Forum informieren. Das schlimste , was passieren kann ist, dass Du ihm ständig drohst, Vorwürfe machst und dann nicht konsequent bleibst. Dann wirst Du unglaubwürdig und hast überhaupt keinen Einfluß mehr auf ihn.
    Du mußt Dir erstmal selber bewußt machen, wie groß diese 'Macht Alkohol' ist. Was sie aus Menschen macht. Wenn das so einfach mit Liebe zu heilen wäre...
    Du hast ja selber mit rauchen aufgehört und weißt wie schwer das schon war. Aber der Unterschied ist: DU SELBER hast die Entscheidung getroffen. Wärest Du nicht dazu bereit gewesen und Dein Kind wäre gekommen und hätte Dich darum gebeten und gebettelt... was glaubst Du? Ich kenne genügend Mütter, die ohne Rücksicht auf ihre Kinder sogar im Auto rauchen. Erwachsene , die ihre Kinder mit in die Kneipe nehmen oder ihre Alkoholreste aus den Gläsern lecken lassen.

  • Liebe maude,

    Ich habe Dir nur geschildert, wie Alkie`s ticken, und glaub mir, wir ticken alle relativ ähnlich.

    Noch mal zu einigen Punkten:
    es hat immer einen Grund warum eine Mensch so wird wie er ist ....und wenn man ganz tief in sich hineinhört dann kann man ihn finden

    Dies ist aber unmöglich, solange man ein nasser Alkie ist. Erst wenn man trocken ist, kann man die Gründe sehen und die Probleme klar erkennen und ändern. Vorher ist das nicht möglich.

    ....ich glaube das ich bei dem Einen oder anderen schon wüßte warum er trinkt ....wenn man das aufarbeitet kann man sich doch von dem Fluch befreien ....

    Sicher weiß man, warum der eine oder andere trinkt, das ist ja nun wirklich oft klar ersichtlich. Aber ist das ein Grund zum Saufen ? Und auch nochmal hier, etwas "aufzuarbeiten" ist nur trocken möglich, nicht, solange man noch trinkt. Und die Alkoholsucht als Fluch zu bezeichnen, hmmm ich weiß nicht ? Es ist eine schwere Suchterkrankung, die unbehandelt zum Tod führt, in dem Sinne schon ein Fluch. Aber wir können sie stoppen.
    Die Ansicht, man müsse nur etwas aufarbeiten und könne DANN aufhören zu trinken, ist falsch. Es wird nur anders herum ein Schuh draus. Erst muss man aufhören zu trinken, DANN kann man die Dinge aufarbeiten. Dazu kannst Du auch mal im Alkoholsucht-Bereich explizid nachfragen, es wird Dir dort bestätigt werden.

    will wissen was im Kopf von jemandem vorgeht wenn er Alkoholabhängig ist welchen Kampf er kämpft und warum Angehörige nichts sagen oder wegschauen ...

    Was in ihm vorging / vorgeht, steht ja in aller Ausführlichkeit im Alkoholsucht-Bereich, lies mal ein bischen da rein, dann wirst Du viele Antworten finden. Warum Angehörige nix sagen, schrieb ich ja bereits. Alkoholismus ist ein Tabu-Thema, findet aber trotzdem in fast jeder Familie statt. Jeder 11.te hat ein Problem, jeder 18.te ist abhängig, brauchst also nur durchzuzählen. Ich würde es geradezu als Volkskrankheit bezeichnen. Trotzdem wird geschwiegen. Man spricht den anderen nicht darauf an, weil man ihm damit weh tun könnte. Und das ist auch so, man tut ihm damit weh. Dieser Schmerz kann heilsam sein, der eine oder andere wird handeln, oder aber auch nicht, kommt immer auf den Menschen persönlich an. Und wie tief man in der Sucht steckt.

    Außerdem hält man ihm sozusagen den Spiegel vor, wie man sein könnte, wenn man nicht trinkt. ALLE Alkies scheuen aber diesen Blick in den Spiegel, machen ganz fest die Augen zu. Und das sehr lange Zeit, derweil sie immer tiefer in die Sucht geraten. Die den Blick in den Spiegel wagen und rein schauen, haben die Chance, trocken zu werden.
    Die Rückfallquote bei unserer Krankheit liegt übrigens bei über 90 %, sollte danach keine Therapie stattfinden oder eine SHG besucht werden, dann sinkt sie auf ca. 50-60 %. Ich denke, diese Zahlen sprechen für sich, wie schwer es ist, trocken zu bleiben.

    Auch sprechen viele das Verhalten von nassen Alkies nicht an, weil sie selber ein Alk-Problem haben. Darum auch oft dieses : Ach komm, trink doch einen mit, oder 2 oder 25 oder so ähnlich. Auch diese Menschen müßten dann in den Spiegel schauen, das wollen sie aber vermeiden, darum lieber nicht den anderen ansprechen, müßte man doch dann über den eigenen Alk-Konsum nachdenken.

    Ich liege über einem Abhang halte seine Hand und er ruscht mir langsam weg ...und ich kann nichts dagegen tun .....

    DAS ist richtig, er rutscht Dir weg, ganz langsam, immer mehr und DU kannst wirklich nichts dagegen tun. ER muss was dagegen tun. DU wirst ihn auch nicht festhalten können, die Sucht ist nämlich viel schwerer, unmöglich, ihn festzuhalten.
    Er muss erst den ganzen Hang allein runterrutschen, bis ganz unten in den Dreck und dort muss er eine Weile bleiben, bis er vollkommen dreckig und durchweicht ist. Erst dann kann er, wenn er ganz viel Kraft, einen starken Willen und Mut hat, langsam wieder den Hang hochkrabbeln.
    Erst, wenn er damit begonnen hat, wird er Deine Hand nehmen und Du kannst ihn vielleicht ein bisschen beim krabbeln unterstützen, ihn allein hochzuziehen, solltest Du gar nicht erst versuchen, das funktioniert nicht.

    Will Dir damit sagen, jeder Alkie muss seinen persönlichen Tiefpunkt erst erreichen, ohne das ist Trockenwerden NICHT MÖGLICH !
    Der eine muß erst seinen Job, Führerschein, Partner verlieren und wird wach.
    Der andere muß erst alles obengenannte verlieren, morgens in seiner eigenen Kotze aufwachen, mit vollgepinkelten Hosen und schweren körperlichen Schäden, den Körper voller blauer Flecken, die er sich im Suff zugezogen hat, von dem er nichts mehr weiß (Filmriss) , und auch dann wird noch nicht jeder wach, die meisten wohl aber schon.

    Sorry, ich weiß, klingt verdammt hart, das weiß ich selber. Aber so sieht das leider aus.

    Ich sehe, wie Du verzweifelt versucht, an Deinem Partner festzuhalten. Wenn er Alkoholiker ist, wirst Du einen sehr langen, leidvollen Weg vor Dir haben, an dem Du am Ende selber zerbrechen kannst. Sicher liebst Du ihn, darum ist das ja auch so schwer. Du verschliesst aber momentan noch sehr die Augen, Du denkst, Du kannst ihn da rausholen, das ist leider unmöglich.
    Er ganz allein kann das nur, und wenn er dazu bereit sein sollte, kannst Du ihn unterstützen. Trocken werden aber muß er ganz allein, DU kannst das nicht für ihn tun.

    Ich schreib Dir das auch nicht, um Dir weh zu tun, aber Du solltest Deine rosa-rote Helferbrille absetzen, die trübt Dir sehr die Sicht der Dinge. Sieh die Fakten, sprich ihn deutlich darauf an, wenn er nüchtern ist, ohne Vorwürfe, mache ihm klar, das er krank ist, zeig ihm Möglichkeiten auf, wo ihm geholfen werden kann (Suchtberatung, Arzt, Entgiftung). Mehr kannst Du leider momentan nicht für ihn tun.

    Lieben Gruß an Dich
    Lilly

  • Hallo Maude,

    vielen Dank für Dein Mitleid. Doch ich habe nicht von meiner Mutter geschrieben um dieses zu bekommen. Ich habe es geschrieben um Dir deutlich zu machen, wie weit unten sie inzwischen ist und wie egal ihr das ist, solange sie den Alkohol hat. Sie hat auch immer gedacht, sie hat alles im Griff. Nun der Alkohol hat sie im Griff….. Es deckt schon lange niemand in der Familie oder in der wenigen noch verbliebenen Bekanntschaft mehr ein Mäntelchen über ihre Sucht. Die einzige die das nach wie vor noch macht ist sie. Sie hat ein Problem mit Alkohol mehr nicht, sie kann sich trotz über die Jahre sehr umfangreicher Suchtbetreuung immer noch nicht Alkoholikerin nennen. Wenn ich sie so nenne, schaut sie mich an als hätte ich sie geschlagen. Sie verschließt die Augen obwohl ihr Körper kurz davor ist aufzugeben.

    Glaubst Du wir, ihre Familie haben ihr nicht alles nur Mögliche an Liebe und wohlgemeinter Unterstützung und Verständnis über Jahre entgegen gebracht? Das haben wir. Es hat nur dazu geführt, dass sie vielleicht ein noch schlechteres Gewissen hatte wegen der Sauferei, aber aufgehört hat sie nicht. Unternommen hat sie immer nur dann etwas, wenn etwas für sie sehr Einschneidendes passiert ist, wie Stürze, extrem schlechte Leberwerte oder mit 3 Promille am Steuer sitzend von der Polizei aufgegriffen zu werden. Aber alles war nur vorübergehend, frei nach dem Motto wenn dem Esel zu wohl wird geht er auf’s Eis. Nach relativ kurzer Zeit hat sie immer wieder getrunken. Sie war nicht bereit sich sich selbst zu stellen. Das einzige was es mir gebracht hat waren massive Probleme in meinem Leben. Du steuerst für Dich auch geradewegs auf einen Abgrund zu, wenn Du versuchst Deinen Mann trocken zu lieben und trocken zu verstehen. Das hat nichts mit Pessimismus zu tun, sondern mit Realismus. Co-Abhängigkeit heißt nicht nur co-abhängig zu einem Süchtigen, es heißt Abhängigkeit von dem Leben eines anderen, man kann es auch mit Helfersyndrom bezeichnen.

    Ich denke im Großen und Ganzen ganz gut zu Wissen, was meine Mutter trinken lässt, was sie versucht mit dem Alkohol abzuschwächen bzw. aufzuwerten. Trotz dieses Verständnisses kann ich ihr nicht helfen. Es hat im Gegenteil mir geschadet. Ich habe gesehen was Sache ist und es hat mich schier wahnsinnig gemacht, dass sie es selbst nicht sieht und auch nicht sieht, dass der Alkohol nichts ändert. Ich sehe das sie ohne Alkohol all das ist, was sie nicht zu sein glaubt und was ihr ihrer Meinung nach der Alkohol geben kann. Doch sie sieht das nicht, da ihr Gehirn vollkommen Alkohol vernebelt ist. Alles reden, dass sie ein wertvoller Mensch ist hat nichts gebracht. Sie sieht es nicht, sie glaubt es sich antrinken zu müssen. Der Alkohol verhindert, daß sie es sieht.

    Du kannst überspitzt gesagt doch einem Alkoholiker nicht nehmen, was ihn seiner Meinung nach zu einem besseren Menschen macht und glauben er ist Dir dankbar. Entweder erkennt er selbst, das etwas nicht stimmt und zieht die Reißleine oder es wird nichts passieren. Erst wenn er nicht mehr unter Drogen steht, die ihm eine verzerrte Wirklichkeit vorgaukeln kann er etwas aufarbeiten. Erst wenn er bereit ist seine ganzen Gefühle, positiv wie negativ auszuhalten, dann wird sich etwas ändern. Es ist ein Kreislauf, eine Katze die sich in den Schwanz beißt. Dies kann nur der Alkoholiker selbst unterbrechen. Alle Liebe und Verständnis, so schön sie sicherlich sind, werden nicht erreichen, dass er das tut solange er keine Notwendigkeit sieht. Im Gegenteil zuviel Liebe und Verständnis können das Leiden verlängern.

    Die Abhängigkeit von bewusstseinsverändernden Drogen ist eine Krankheit. Wir haben von klein auf gelernt, wie man mit Kranken auch psychisch Kranken umzugehen hat. Sie werden gepflegt, sie bekommen erhöhte Aufmerksamkeit und Fürsorge, vielleicht Medikamente und nach einer Weile sind sie wieder gesund oder die Krankheit beeinträchtigt ihr Leben weniger.

    Du kannst jedoch Sucht nicht mit anderen Krankheiten gleichsetzen, solange das Suchtmittel konsumiert wird. Solange ein Abhängiger auf Droge ist und nichts anderes ist Alkohol, werden diese Maßnahmen nicht fruchten. Im Gegenteil für den Abhängigen ist doch alles in Ordnung, alles funktioniert, er wird umsorgt, versorgt, geliebt, verstanden, warum sollte er etwas ändern? Genau darum ist es für Abhängige und Angehörige gleichermaßen schwer, Sucht „funktioniert“ nicht wie andere Krankheiten.

    Ich habe mich nach jahrelanger „Pflege“ zurückgezogen, weil ich am Ende war. Ich habe das nicht getan, in der Hoffnung das meine Mutter wach wird, dass möchte ich mal ganz deutlich klarstellen. Vielleicht ist es ein Nebeneffekt, aber es war nicht der Auslöser für diesen Schritt. Ich habe es getan, weil ich mir selbst zuviel wert bin, als mich weiter von der Sucht meiner Mutter zerstören zu lassen. Ich bin mir selbst zuviel wert, als weiter gegen Mauern anzurennen und gegen Windmühlen zu kämpfen. Ich habe ein eigenes Leben und ich will etwas davon haben, bevor es für mich zu spät ist.

    Gruß
    Skye

  • Servus Maude,

    mich würd's ja interessieren, wie weit Du mit dieser "Methode" kommst. Meinst Du, Du hast die Kraft, mal das nächste halbe Jahr ab und an eine Rückmeldung zu geben?
    Ganz ehrlich: ich halte es persönlich für mehr als unwahrscheinlich, dass diese Methode im von Dir beschriebenen Fall funktioniert, aber ich würde mich gerne eines Besseren belehren lassen- es soll ja doch immer wieder Wunder geben.

    Sollte Dir auf dem Weg dorthin auffallen, dass es doch nicht funktioniert, würde ich einfach mal die hier in allen Variationen beschriebenen "klassischen" Wege probieren. Also keine Scheu, sich auch dann erneut um Hilfe zu bemühen.

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