Liebe Forumsmitglieder,
vielleicht kann mich hier jemand aufklären, ob ich in Bezug auf den Alkoholkonsum meiner Partnerin an einer Wahrnehmungsstörung leider, mich evtl. in etwas hineinsteigere, oder ob ich der Wahrheit ins Gesicht schauen sollte.
Seit etwa einem Jahr bin ich mit einer Frau zusammen, die ich sehr liebe. Wir leben nicht zusammen. Es dauerte zu Beginn unserer Beziehung sehr lange, bis ich sie in ihrer Wohnung besuchen durfte. Die Erklärung: "Ich bin sehr unordentlich" Irgendwann durfte ich die Wohnung besuchen und fand diese nicht so besonders unordentlich. Was mir allerdings auffiel waren die vielen Wein- und Bierflaschen auf ihrer Terrasse. Naja, dachte ich, die haben sich bestimmt im Laufe der Jahre angesammelt. Irgendwann haben wir alle Flaschen entsorgt. Allerdings war die Terrasse auch relativ schnell wieder mit Flaschen gefüllt.
Wenn wir uns manchmal mittags zum Essen getroffen haben, hat sie häufig Weinschorle oder ein Bier getrunken.
Abends hat sie allerdings selten in meiner Gegenwart getrunken - ich habe sie auch fast nie richtig betrunken erlebt. Allerdings hat sie mich oft gebeten zu mir zu fahren, da sie Ruhe und Entspannung für sich benötigte.
Einmal fragte sie mich, ob ich ihr von der Tankstelle einen Flachmann mit Rum mitbringen könne, da sie Lust auf Kakao mit Rum hätte. Ich habe aber das Regal in der Tankstelle nicht gefunden und kam ohne Rum zurück. Sie war erstaunt und schilderte mir genau wo dieses Regal war. Eine Woche später habe ich dann einen kleinen Flachmann mit Rum in ihrer Küche gesehen. Sie sagte mir, dass sie den Kakao mit Rum quasi nachgeholt hätte.
Zugespitzt hat sich die Situation im Herbst, da eines ihrer Familienmitglieder verstorben ist. Seit dieser Zeit ist sie etwa 1x pro Woche stark angetrunken.
Im Dezember hat sie mir mitgeteilt, dass sie unter Depressionen leidet und ein großes Problem mit ihrer "Zigarettensucht" hätte. Irgendwann kurz vor Weihnachten klingelte bei mir das Telefon. Sie war dran und sagte, dass sie mich nur aus Versehen angerufen hätte. Ihre Stimme war sehr lallig. AM nächsten Tag erklärte sie mir, ohne dass ich etwas gesagt habe, dass sie etwas zuviel Glühwein getrunken hätte; es hätte sich quasi verselbständigt.
Kurz vor dem Jahreswechsel habe ich ihr meine Ängste bezgl. ihres erhöhten Alkoholkonsums dargestellt. Am Tag dieses Gesprächs reagierte sie folgendermaßen "Ja, ich habe da evtl. ein kleines Problem. Soll ich dir jetzt etwa versprechen, dass ich weniger trinken werde?" Ich sagte ihr, dass sie es für sich machen sollte und nicht für mich.
Einen Tag später brach ein riesiger Streit aus, da sie mir vorwarf ich hätte ihr am Vortag unmögliche Dinge unterstellt. Sylvester, wir hatten mit Freunden eine kleine Hütte gemietet, hat sie mich beschimpft, dass ich ihr den Jahreswechsel verdorben hätte, weil sie sich in ihrem Trinkverhalten jetzt beobachtet fühlt und sich dann etwas später dafür entschuldigt. Am Neujahrstag kam sie zu mir und sagte, dass sie ganz stolz auf sich wäre, da sie nur ein Glas Sekt getrunken hätte. An den folgenden Tagen in der Hütte war sie absolut reserviert zu mir, eine Kälte die ich vorher nicht kannte. Jetzt kam nach dem Urlaub eine Mail: Sie müsse Zeit für sich haben und unsere Beziehung reflektieren.
Jetzt meine Frage an euch. Sehe ich die ganze Sache zu verkniffen, wenn ich denke, dass ihr Verhalten darauf beruht, dass sie sich von mir ertappt gefühlt hat. Braucht sie jetzt tatsächlich Zeit zum Nachdenken oder holt sie jetzt den Alkoholkonsum nach, den sie in den Tagen des Urlaubs in meiner Gegenwart eingeschränkt hat?
Vielleicht sind das hier komische Fragen. Natürlich möchte man seiner Partnerin nicht unterstellen, dass sie trinkt, aber ich habe das Gefühl es ist so. Wie seht ihr die Sache und wie sollte ich nach der Auszeit damit umgehen?
Vielen Dank und viele Grüße