Weis nun auch nicht mehr weiter !

  • Hallo Jessy,

    Herzlich Willkommen hier in unserem Forum.
    Verständnis und Austausch wirst Du hier sicher bei Deinem Problem finden, für Angehörige gibt es hier den CO-Bereich, wo sicher Dein Austausch hauptsächlich stattfinden wird.

    Ob Dein Mann ein Alkoholiker ist, kann ich schlecht beurteilen. Das weiß nur er selber am besten. Aber es ist auch sehr schwer, das vor sich selber zuzugeben, man verdrängt es meist, so lange es noch geht. Man denkt ja lange, man habe es noch unter Kontrolle.

    Und Du hilfst ihm mit Deinem Verhalten noch dabei, indem Du ihn vor der Familie in Schutz nimmst. Sowas nennt man CO-Verhalten. Man lügt für den Partner, deckt ihn, weil andere davon nichts erfahren sollen. Oft schämt man sich auch für den Partner und hat Angst vor einer Trennung. Darum lässt man das oft viele Jahre lang über sich ergehen.

    Wann und wieviel Dein Mann trinkt (ob nur am WE oder jeden Tag) sagt nichts über die Abhängigkeit aus. Nicht jeder Alkoholiker trinkt jeden Tag, eine Abhängigkeit kann trotzdem bestehen.

    Die Persönlichkeitsveränderung kommt vom Alkohol, das ist ja klar. Manch einer wird seinem Partner gegenüber verbal aggressiv, der andere vieleicht sogar handgreiflich, ein anderer wieder badet dann gern in Selbstmitleid, die ganze Welt ist schlecht und er ist am ärmsten dran, das Verhalten hier ist recht unterschiedlich.

    Gründe fürs Saufen gibt es nicht, das mal gleich vorweg gesagt.
    Aber Alkoholiker finden immer "Gründe" fürs Saufen: Belohnung für einen "harten" Arbeitstag, der dann immer häufiger wird, WE-Bier (ach, ist doch WE, da kann man ja wohl mal was trinken, leider wird daraus dann meist die volle Breitseite), andere trinken doch auch Alkohol, ist doch "normal" bla bla bla, Gründe fallen uns immer neue ein, da sind wir recht erfinderisch.

    Alkoholiker müssen trinken weil sie abhängig sind und an einer Suchterkrankung leiden, so einfach ist das. Und man kommt aus dieser Sucht kaum mehr allein raus, man braucht einfach Hilfe. Ich hätte ohne Hilfe niemals trocken werden können. Man muss aber selber bereit sein, sie anzunehmen. Und der Weg in die Trockenheit ist auch nicht einfach, er muss an erster Stelle stehen, alles andere muss unwichtig werden, dann hat man eine Chance, es zu schaffen.

    Ich wünsche Dir erstmal alles Gute auf Deinem weiteren Weg, wir lesen uns dann sicher noch im CO-Bereich.

    LG an Dich
    Lilly

  • Sorry Jessy,

    Du hast ja im CO-Bereich geschrieben, bist also eh schon im richtigen Bereich für Dich, hab ich nicht so schnell gesehen :oops:

    LG
    Lilly

  • Hi Jessy,
    ich kann dir nur aus eigener Erahrung sagen: Zieh die Notbremse! Nur du kannst für dich etwas ändern - ihn kannst du nicht ändern. Dafür ist seine Einsicht gefragt, und die hat er nicht, wenn ihr schon so oft drüber geredet habt! Mach nicht so weiter. Auch mein Mann hat früher nur am WE getrunken, am Schluss war es fast täglich - zwar war er nicht immer betrunken, aber darauf kommt es ja auch nicht an... Es wird schlimmer, ich sag es dir. Und es liegt an dir, ob du das ewig mitmachst oder nicht! Ich kenn das mit den Versprechen - wer kennt das hier nicht... Das sind alles Hinhaltetaktiken, damit man ruhig ist... sonst nichts!!!

  • Guten Morgen Jessy,

    es wird deinen Mann sicher nicht davon abhalten, in die Kneipe zu gehen, wenn du wütend bist. Und mit deiner Wut nimmst du dir selbst Energie, die du schöner und angenehmer einsetzen kannst. Ich weiß, dass sich das blöd anhört, aber es ist so. Ich habe damals irgendwann beschlossen, dass ich mir die Sachen, die ich machen wollte, nicht mehr von ihm vermiesen lasse. Denn oftmals, wenn wir Pläne für Unternehmungen hatten, hat er einen Streit vom Zaun gebrochen und es war dann schlechte Stimmung. So habe ich einfach Freundinnen gefragt, ob sie mit mir weggehen mögen und hab ihn einfach zu hause grummeln, trinken oder was auch immer machen lassen.

    Aber es hat auch eine ganz Weile gedauert, dass ich akzeptiert habe, dass es nichts nützt, wenn ich mich darüber ärgere und ängstige, dass ER trinkt. Zumal der Kopf immer leichter begreift als die Gefühle.

    Hast du schon einmal über eine Alternative für das kommende Wochenende nachgedacht? Etwas, das für DICH schön ist? Ich glaube, es wäre für ihn schon eine ganz andere Erfahrung, die ihn vielleicht zum Nachdenken bringt, wenn du nicht rumschimpfst, sondern dich einfach zum Weggehen fertigmachst und verschwindest.

    Alles Gute!

    ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Noch etwas ist mir gerade eingefallen. Wenn du in therapeutischer Behandlung bist wegen der Fehlgeburten, stell dir vor, du hättest jetzt noch so ein kleines Würmchen, das all deine Pflege und Aufmerksamkeit braucht! Ich weiß, es ist ein schwacher Trost, aber vielleicht ist es im Moment gar nicht so schlecht, dass du noch kein Baby bekommen hast.

    ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Guten Morgen Jessy,

    auch ich habe einen alkoholkranken Mann. Bin seit 16 Jahren verheiratet und habe erst jetzt den Absprung geschafft.

    Nach einem Ultimatum, dass ich gestellt hatte, an das er sich nicht gehalten hat, bin ich einfach gegangen.

    Ich kenne dieses rumgeeire nur zu genau, mein Mann hat auch einfach einen Streit angezettelt, um in Ruhe weiter zu trinken. Ich bin schliesslich Schuld, denn wenn ich nicht so wäre, wie ich bin, müßte er ja nicht trinken.

    Ausserdem gehe er ja schliesslich jeden Tag arbeiten und da hat er sich sein Feireabendbier doch verdient!

    Erst jetzt, nachdem ich ihn verlassen habe, hat es Klick gemacht und er trinkt jetzt seit dem 21.1.07 keinen Alkohol mehr. Bis jetzt ist es aber nur eine Trinkpause und ich werde noch nicht nach Hause zurückgehen. Ich muss erst wissen, dass er es wirklich ernst meint.

    Da wir keine Kinder haben, war mein Weggehen natürlich nicht so schwierig. Für mich war es aber trotzdem ein großer Schritt, den ich ohne Hilfe der Menschen hier im Forum, niemals geschaftt hätte.

    Du weisst ja Jessy, ohne seine Einsicht wird sich nichts ändern und Du kannst ihm leider nicht helfen.

    Aber eins kannst Du tun, halte ihm nicht mehr den Rücken frei, lasse ihn seine Dinge selber regeln. Und wenn er in die Kneipe will, lass ihn ziehen.
    Jede Diskussion wird ihn erst Recht dort hin ziehen.

    Tue was Für Dich, triff Dich mit Freundinnen, gehe ins Kino, ins Schwimmbad oder mache sonst etwas schönes.

    Lass Dich überraschen, wegen des versprochenen alkoholfreie Wochenende. Aber versprich Dir nicht zu viel davon. Alkoholiker sind Weltmeister im Versprechen brechen, im Lügen und im Verdrängen.
    Schuld sind immer die Anderen!

    Aber das hast Du ja sicher schon gelesen.

    Bleib stark, liebe Jessy! Ich wünsche Dir alles Gute und ganz viel Kraft!

    Liebe Grüße
    Speedy

  • Guten Morgen Jessy,

    das hört sich doch schon sehr positiv an! :wink:

    So ist es richtig.....!

    Versuche nicht, Dein ganzes Leben auf ihn auszurichten, sondern sieh zu, dass es Dir gut geht.

    Und das mit dem Kino am Wochenende finde ich eine tolle Idee.

    Viel Erfolg heute Abend bei Al-Anon! Vielleicht kannst Du dort auch noch etwas für Dich rausziehen.

    Liebe Grüße an Dich
    Speedy

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