Hallo Jessy,
Herzlich Willkommen hier in unserem Forum.
Verständnis und Austausch wirst Du hier sicher bei Deinem Problem finden, für Angehörige gibt es hier den CO-Bereich, wo sicher Dein Austausch hauptsächlich stattfinden wird.
Ob Dein Mann ein Alkoholiker ist, kann ich schlecht beurteilen. Das weiß nur er selber am besten. Aber es ist auch sehr schwer, das vor sich selber zuzugeben, man verdrängt es meist, so lange es noch geht. Man denkt ja lange, man habe es noch unter Kontrolle.
Und Du hilfst ihm mit Deinem Verhalten noch dabei, indem Du ihn vor der Familie in Schutz nimmst. Sowas nennt man CO-Verhalten. Man lügt für den Partner, deckt ihn, weil andere davon nichts erfahren sollen. Oft schämt man sich auch für den Partner und hat Angst vor einer Trennung. Darum lässt man das oft viele Jahre lang über sich ergehen.
Wann und wieviel Dein Mann trinkt (ob nur am WE oder jeden Tag) sagt nichts über die Abhängigkeit aus. Nicht jeder Alkoholiker trinkt jeden Tag, eine Abhängigkeit kann trotzdem bestehen.
Die Persönlichkeitsveränderung kommt vom Alkohol, das ist ja klar. Manch einer wird seinem Partner gegenüber verbal aggressiv, der andere vieleicht sogar handgreiflich, ein anderer wieder badet dann gern in Selbstmitleid, die ganze Welt ist schlecht und er ist am ärmsten dran, das Verhalten hier ist recht unterschiedlich.
Gründe fürs Saufen gibt es nicht, das mal gleich vorweg gesagt.
Aber Alkoholiker finden immer "Gründe" fürs Saufen: Belohnung für einen "harten" Arbeitstag, der dann immer häufiger wird, WE-Bier (ach, ist doch WE, da kann man ja wohl mal was trinken, leider wird daraus dann meist die volle Breitseite), andere trinken doch auch Alkohol, ist doch "normal" bla bla bla, Gründe fallen uns immer neue ein, da sind wir recht erfinderisch.
Alkoholiker müssen trinken weil sie abhängig sind und an einer Suchterkrankung leiden, so einfach ist das. Und man kommt aus dieser Sucht kaum mehr allein raus, man braucht einfach Hilfe. Ich hätte ohne Hilfe niemals trocken werden können. Man muss aber selber bereit sein, sie anzunehmen. Und der Weg in die Trockenheit ist auch nicht einfach, er muss an erster Stelle stehen, alles andere muss unwichtig werden, dann hat man eine Chance, es zu schaffen.
Ich wünsche Dir erstmal alles Gute auf Deinem weiteren Weg, wir lesen uns dann sicher noch im CO-Bereich.
LG an Dich
Lilly