wie weit eingreifen?

  • hallo, bin neu hier und muß dringend etwas loswerden.
    mein freund ist alkoholiker.haben uns kennengelernt ohne kenntnis seiner erkrankung.nach einem halben jahr eröffnete er mir, daß er alkoholkrank sei und sich deshalb immeer wieder von mir zurückzieht.ich habe ihm gesagt, daß er deswegen für mich nicht weniger wert ist,und ich zu ihm stehe. habe ihm aber auch ganz klar vermittelt, daß er etwas tun muß. er war erleichtert, daß er sich nun nicht mehr zu verstecken brauchte. und das war mir auch wichtig, daß er sich dessen bewußt sein konnte, daß er eine partnerin hat, die trotzdem zu ihm steht.und dies will er auch. er erzählte mir, daß er schon einen kalten und einen stationären entzug hinter sich hat.

    wir wollten gemeinsam in die suchtberatung, hat bis jetzt nicht stattgefunden.
    seit einiger zeit war er sehr glücklich, denn er trinkt, weil er sich ungeliebt fühlt. doch nun, aus beruflichen schwierigkeiten heraus, geht es ihm wieder sehr schlecht. und die einzige konsequenz, die er zieht, ist, daß er sich von mir zurückzieht, weil er nicht allein den absprung vom alkohol schafft. in die klinik will er auch nicht...er hat angst!
    er spricht davon, daß er mich und meine kinder schützen will, und ich ihn deswegen in ruhe lassen soll. meiner meinung nach ist dies nur eine ausrede, nicht in den entzug zu gehen.

    ich bin verzweifelt, denn ich weiß, wie sehr er die bestätigung meiner liebe benötigt, aber auf der anderen seite stößt er mich weg, weil er sich minderwertig fühlt. und diesen kreislauf setzt er selbst in gang, denn er trinkt umso mehr, weil er mich so schlecht behandelt.er möchte meine unterstützung geniessen, mich lieben und geliebt werden.kann es nicht ertragen und trinkt deshalb weiter. dann leidet er so sehr, daß er aus diesem kreislauf nicht rauskommt.
    was soll ich tun? wer kann mir einen rat geben?

    susa

  • Hallo lovelygirl,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Der Kreislauf ist soweit klar und viele von uns kennen den auch.
    Er hat in letzter Konsequenz noch nicht damit abgeschlossen das er unheilbar krank ist und nichts mehr trinken darf.
    Sonst hätte er Dich früher informiert. Er schämt sich wohl noch wegen seines "Makels". Das ist aber Blödsinn, weil man sich für eine Erkrankung nicht schämen muss....wenn man etwas dagegen unternimmt.

    Da er weiss das es ihm nach der Entgiftung besser geht und er mit Dir einen Neuanfang wagen kann, jetzt wo die Karten auf dem Tisch liegen, verstehe ich nicht so recht warum er es nicht anpackt und zum Arzt geht.

    Da liegt die Vermutung nahe das er noch zu gerne trinkt, der Alkohol noch zu wichtig ist.

    Das solltest Du dringend mit Ihm abklären bevor Du Dich weiter aufreibst.
    Denn darauf läuft es ja hinaus. Da brauchst Du Dich nur mal hier umschauen.
    Was gibt er denn für "Angstgründe" an ?

    Es ist übrigens gänzlich unmöglich jemanden "trockenzulieben", das nur vorweg.
    Er muss selbst an sich arbeiten.

    Viele Grüsse

    White

    m. , Bj. 67 :wink: , abstinent seit 2005

    Wir gehen unseren Weg, weil wir nur den Einen haben. Hätten wir mehrere zur Auswahl, wären wir total zerrissen und unglücklich. Einzig die Gestaltung unterliegt uns in gewissen natürlichen Grenzen.

  • hallo micha.
    erstmal vielen dank für deine antwort.
    er fühlt sich nicht wert geliebt zu werden, hatte bisher wohl auch nur partnerinnen, die ihn erstens beim trinken *unterstützt*haben und ihnm auch das gefühl von nichts wert sein vermittelt haben. er behauptet immer, er wolle mich vor ihm beschützen, denn er sei nicht gut.
    ich denke auch, daß der Alkohol ihn noch zu fest im griff hat, als das er aufhören will. auf der einen seite leidet er darunter, aber er weiß genau, daß es ihm besser gehen würde, wenn er aufhört bzw.etwas dagegen tut.
    ich denke, er hat angst davor, daß er sich dann in den spiegel schauen mu und an seiner psychischen situation arbeiten muß. er ist scheinbar sein leben lang davor weggelaufen, an seiner liebe zu sich selbst zu arbeiten. er fühlt sich nicht nur wegen seiner krankheit minderwertig..das problem liegt tiefer.
    nur weißt du, es ist für mich so schwer, zu unterscheiden, wie ich es richtig mache.auf der einen seite will ich ihm vermitteln, daß er wirklich aufrichtig geliebt wird, nur wie weit soll ich gehen, wenn er mich schlecht behandelt? laß ich ihn fallen, bestätigt es sein gefühl, er sei es nicht wert.versuche ich seine verletzungen, wenn er drauf ist, zu ertragen, tu ich mir nicht gut.
    wenn ich ihn ignoriere, fühlt er sich schlecht und trinkt umso mehr.bezeuge ich ihm mein verständnis(immer wenn er drauf ist) und meine liebe, stößt er mich weg. es ist so ein be...teufelskreis. :cry:

  • vielen dank,
    es tut gut, daß man damit nicht allein steht.
    in einer selbsthilfegruppe bin ich schon.
    Ja, ich weiß, daß er mich und meine kinder sehr liebt.und es bricht mir das herz, daß der teufel alkohol immer wieder dazwischen kommt. zussehen zu müsen, wie er sich durch sein schlechtes gewissen immer wieder von mir entfernt, bringt mich fast um den verstand.nur irgendwann weiß ich nicht mehr, ob ich die kraft dazu habe. sein bedürfnis nach liebe ist so groß, aber deer teufel ist stärker. dann trinkt er wieder, und der kreislauf ist wieder da.
    ich wünsche dir und deinem freund alles liebe, daß ihr es schafft. und mir wünsche ich das selbe.......
    danke dir!

  • hallo,

    um in irgendeiner Form eine Veränderung zu erreichen, muss der Alkohol weg.
    Durch den Aklkohol werden auch seelische Mißstimmungen, Depressionen und Minderwertigkeitsgefühle ausgelöst.
    Das muss klar sein.
    Wenn derjenige nicht mir dem Trinken aufhört, kommt nie das wahre Selbst zum Vorschein.
    Und da rede ich nicht von ein paar Tagen Trockenheit. Das kann Monate dauern bis sich die Psyche wieder normalisiert.

    Gruss

    White

    m. , Bj. 67 :wink: , abstinent seit 2005

    Wir gehen unseren Weg, weil wir nur den Einen haben. Hätten wir mehrere zur Auswahl, wären wir total zerrissen und unglücklich. Einzig die Gestaltung unterliegt uns in gewissen natürlichen Grenzen.

  • hallo susa und mausy,

    willkommen hier im forum. ihr beide steckt wohl in einer ähnlichen situation, und ihr solltet verflixt aufpassen, dass ich euch jetzt hier nicht bestätigt in dem kreislauf "er liebt mich und meine kinder, hat eine schlimme kindheit gehabt, liebt sich selbst nicht, zieht sich deshalb zurück und trinkt (und jetzt sagt nicht, das findet ihr rücksichtsvoll), ach der arme kerl möchte so gerne und kann nicht.

    ich glaube, dass eure männer noch garnicht wollen, es geht ihnen (noch) nicht schlecht genug. das soziele umfeld funktioniert noch (halbwegs), ihre frauen halten zu ihnen, familienanschluss, unendliches mitleid und unendliche liebe. warum sollten sie aufhören zu trinken?

    ich sags jetzt mal ganz knallhart: das wird so immer so weitergehen, irgendwann kommt dann mehr alk, irgendwann vielleicht böse worte und sogar gewalt... wenn sie abhängig sind, wird sich die spirale schneller drehen, und ihr sitzt mittendrin. ihr solltet euch überlegen, ob ihr das riskieren wollt, oder nicht doch lieber nägel mit köpfen macht, nämlich euren freunden die pistole auf die brust setzt und sagt "bis hierher und nicht weiter, überlegt euch, was euch wichtiger ist". und dann auch konsequenzen zieht.

    gruß

    lavendel

  • hallo lavendel,
    ja, du hast recht. ich habe gestern schweren herzens den strich gezogen.ich werde jetzt versuchen, mein leben in den griff zu bekommen. es bricht mir das herz, denn ich werde ihn gehen assen....trinken lassen. ich weiß, daß er jetzt noch mehr trinken wird, aber der schmerz, immer wieder zusehen zu müssen, ist größer.
    ich weiß zwar nicht, wie man mit dem schmerz, loszulassen, fertig werden soll, aber ich hoffe, daß ich das durchhalten werde. mein traum zerplatzt, aber es wird besser so sein...für ihn und mich.
    danke für deine ehrlichen worte.

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