Professionell? ...und doch völlig ratlos

  • halle jaelle,

    herzlich willkommen hier, schau dich doch gerne mal um, vielleicht findest du da auch antworten auf fragen, die dir vielleicht noch gar nicht durch den kopf geschossen sind.

    du schreibst deine mutter sieht kein problem in bezug auf ihren alkoholkonsum? dann denke ich nicht, dass sie sich so einfach helfen läßt.

    rede nur mit ihr, wenn sie nüchtern ist, anders hat es gar keinen sinn. sag ihr, wie es dir geht, aber mach ihr dabei keine vorwürfe; erkläre ihr was der alkohol für gesundheitlichen folgen hat und das du das nicht möchtest; biete ihr deine hilfe an, soweit es dir möglich ist.

    grundsätzlich würde ich deiner mutter erstmal den weg zum hausarzt empfehlen. er wird sie körperlich untersuchen und ihr dann weitere wege vorschlagen, sei es selbsthilfegruppe, therapeut oder evtl. ein klinikaufenthalt. ihr könntet es auch über die suchtberatung oder so versuchen.

    aber prinzipiell gilt solange sich deine mutter nicht helfen lassen will, könnt ihr nichts machen, sie muss es selber und für sich wollen, anders wird es nicht von langer dauer sein.

    du schreibst du hast es vor ca. 8 monaten bemerkt. wie lange weiß dein vater schon davon? hast du mit ihm schon ausführlich darüber gesprochen (wahrscheinlich schon)?

    liebe grüße

  • Hallo Jaelle,

    ein Teil Deines Jobs umfasst die Arbeit mit suchtkranken ...

    Darf ich Dich fragen, was genauer Deine Tätigkeit ist ? Mußt Du aber nicht beantworten.

    gruß craving

  • Servus Jaelle,

    das liest sich wie aus dem "Musterbüchlein" und es beweist wieder einmal mehr, dass Alkohol eine Familienkrankheit ist, die die ganze Familie schädigt.
    Dein Vater hat bisher "eher indirkekt mit ihr geredet und Deine beiden Brüder und Dich um Stillschweigen gebeten" - also wird die Suchtproblematik totgeschwiegen und die Fassade nach außen aufrecht erhalten. Der perfekte Einstieg in eine Co-Abhängigkeit, mit Vertuschen, Decken etc..
    Jaelle, wenn Du im Suchtbereich tätig bist, dann ist Dir das Thema Co-Abhängigkeit auch bewusst.
    Deine beiden Kommentare wirken auf mich so, als würdest Du und Dein Vater schon ziemlich hart an der Grenze zwischen Angehörigen und Co-Abhängigen stehen, immer vorausgesetzt, Deine Mutter ist wirklich Alkoholikerin.

    Das wiederum kann nur sie selbst beantworten, und wenn es so ist, dann kann auch nur sie von sich aus den Weg aus der Sucht heraus antreten.

    LG
    Spedi

  • also ich würde deinem vater empfehlen deine mutter zu fragen ob er mit dem arzt sprechen kann. und wenn ja soll sie dem arzt auch die erlaubnis geben. dieser hat nämlich schweigepflicht und darf gar nichts ohne erlaubnis sagen. unser ehemaliger hausarzt hat damals mit der schwester meiner mutter gesprochen, obwohl meine mutter es nicht erlaubt hatte, ergebnis war, dass meine mutter das vertrauen in die ärzte verloren hat. kann ich ehrlich gesagt auch verstehen.

    falls du noch weitere fragen hast, kannst du sie hier gerne stellen, auch wenn man theoretisch die erfahrung hat wie du, ist es nachvollziehbar, dass man nicht mehr weiter weiß, wenn es um einen selber geht.

    liebe grüße

  • jaja das mit der heilen familie nach außen kenn ich allzugut. aber der schein kann halt trügen.

    wann ist denn der nexte besuch bei deiner mutter geplant? ich denke es wäre das beste wenn du mal mit ihr persönlich mit ihr über dieses thema redest, aber wie schon erwähnt, wenn sie nüchtern ist und in ruhigen worten und (wenn möglich) ohne vorwürfe.

    zu dem hausarztbesuch deines vaters habe ich ja schon meine meinung gesagt, er sollte wenigstens deine mutter fragen, dann sieht er wie sie reagiert.

    liebe grüße

  • Ich denke, dass die Leute, die bei dir im Krankenhaus landen , wohl schon einen Schritt weiter sind als eien mutter. Entweder schon so abgestürzt oder freiwillig dort?
    Diesen berühmten Tiefpunkt muß deine mutter wohl erst erreichen oder zur einsicht geraten, dass sie alkoholikerin ist. zu dieser einsicht kann wohl die beste therapeutin einem alkoholiker nciht verhelfen und ist ja nciht dessen aufgabe. sondern als therapeutin setzt man dort an, wo jemadn kommt und von sich aus hilfe sucht. Also nützt dir im grunde alles theoretische wissen nichts. leider. wenn deine mutter soweit ist, kannst du ihr vielleicht beistehen. aber selbst das ist sicher nicht einmal empfehlenswert, was die therapeutische behandlung angeht, denke ich.
    Kurzum glaube ich, dass du garnicht mal viel tun kannst. mir scheint es auch, dass dein wissen auch nicht so fundiert ist.
    In der Regel wird hier ja immer eins empfohlen. Sprich mit deienr mutter im nüchternen Zustand. Besser dein Vater. ER könnte sie vor die Wahl stellen: ich oder der Alkohol. Bei manchen klappts, bei anderen nicht ( zb. bei mir)

  • hi jaelle

    ja das mit der selbstbeherrschung kenne ich, manchmal möchte man einfach nur schreien...

    aber aus erfahrung kann ich dir sagen, dass das absolut nix bringt. außerdem würde ich dir raten nur mit deiner mutter zu reden, wenn sie nüchtern ist, wenn sie getrunken hat, geh einfach wieder, da hat alles weitere eh keinen sinn. da fällt dir das ruhig bleiben vielleicht leichter.

    finds auf jeden fall gut, dass der arzt mit deiner mutter redet. anscheinend hat er ja schon mit ihr geredet bevor dein vater da war bzw. vielleicht ist deine mutter ja auch selber mit dem anliegen gekommen.

    ich wünsche dir noch viel kraft und glück, dass dein gespräch gut verläuft...

  • hi jaelle

    gespräche ham bei meiner mutter eigentlich nix genutzt, was aber eher daran lag dass sie da meistens dann betrunken war. wenn sie nüchtern war, hat sich keiner getraut aus angst sie trinkt dann wieder. wir ham's mal geschafft, sie durch gespräch dazu zu bringen, zum hausarzt zu gehn, da is sie dann auch mal zur suchtberatung, aber dann hat's der hausarzt verbaut, da er die schweigepflicht verletzt hat. er hat auch den ernst der lage absolut nicht erkannt, hats lange runtergespielt.
    dann hat mal ne ehemalige bekannte meiner mutter angerufen, die ebenfalls getrunken hatte, nachdem bei uns in der umgebung des gerücht rumgegangen ist sie wollte sich umbringen. sie hat ihr halt einfach mal ihre story verzählt und hat sie überreden können mal mit ins blaue kreuz zu gehn. das hat aber auch nicht viel gebracht, da sie da anscheinend selber nur zugehört hat, aber nie was gesagt hat.
    letztendlich habe ich dann mal die polizei gerufen und meine geschwister in der woche drauf ne andere ärztin und anschließend ging sie dann auf kur. sie hatte inzwischen zwei rückfälle, momentan läufts wieder gut, aber stabil ist sie noch nicht. ich hoffe sie schafft es jetzt endlich mal, vorher hat sie so ca. alle 5 wochen 1 wochen lang heftigst durchgetrunken, inzwischen sind glaub schon 7-8 wochen vergangen, ein kleiner lichtblick.

    danke wünsch dir auch ne schöne woche. gut angefangen hat sie schon mal, hab ausnahmsweise nicht verschlafen, is ne krankheit bei mir :( außerdem fahr ich freitag zu ner freundin nach berlin, freu ich mich schon voll drauf :D

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