Kann ich einfach so gehen?

  • liebe nina,

    willkommen hier im forum, schön dass du hergefunden hast.

    zuerst einmal ein ganz großes lob an dich, du analysierst schon ziemlich klar, was bei euch läuft, das schafft nicht jeder. nun hast du ein paar konkrete fragen.

    Zitat

    Ich habe eingesehen, dass nur meine Mutter sich selber helfen kann und das es verdammt nochmal nicht meine Pflicht Chauffeur und so zu spielen, wenn ich meine Bedürfnisse, meine Studium und damit meine Zukunft zurückstelle! Oder ist das zu egoistisch??

    nein, nein nein und nochmal nein. es ist ihre gesundheit, die sie sich ruiniert. und dein vater lässt das zu. aber das ist seine sache. du hast alles recht der welt, dein leben relativ unbeschwert leben zu wollen.

    meine eltern sind/waren auch alkoholiker (mein vater ist inzwischen tot) und ich bin auch zum studium ausgezogen. ich hatte dieselben bauchschmerzen wie du, ich fühlte mich auch verantwortlich und dachte, ohne mein regulierendes eingreifen würde alles den bach runtergehen. ist es dann auch, aber das hatte NICHTS mit mir zu tun, das wäre auch passiert, wenn ich dageblieben wäre. und mir hat das weggehen buchstäblich das leben gerettet. mit dem schlechten gewissen habe ich noch lange gekämpft, aber jetzt WEISS ich, das ich garnichts hätte tun können. meine eltern wollten trinken, sie haben nichts angenommen, es war ihre entscheidung und ich konnte und musste mich retten. kann dir nur raten, das ebenfalls zu tun.

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    Mein Freund weiß über die ganzen Dinge Bescheid, er möchte dass ich so schnell wie möglich zu Hause raus und zu ihm und seinen Eltern ziehe. Finanziell ist alles geregelt, ich verstehe mich mit seinen Eltern super super gut und Platz ist auch vorhanden (hätten eine eigene Wohnung in dem Haus seiner Eltern)! Es wäre wirklich ein Traum! Ich würde näher an der Uni wohnen und könnt mich endlich endlich ganz auf mein Studium und meine Zukunft konzentrieren!! Ich könnte endlich MEIN Leben leben!

    tu das. kümmere dich um dich und deine zukunft, geniess dein leben, du hast alles recht der welt dazu. und wenn es so problemlos klappt, dann zögere nicht.

    Zitat

    Auch wenn es fies klingt, aber mittlerweile bin ich soweit, dass es mir egal ist, was aus meiner Mutter wird, aber ich hätte gegenüber ´meinem Vater und meiner Schwester ein schlechtes Gewissen!
    Was wird mit dem Auto, wer fährt die beiden durch die Gegend und einkaufen?

    auch das ist nicht dein problem. ganz krass gesagt, es wäre die sache deines vaters, seinen hintern hochzukriegen und etwas zu tun. er muss/will gefahren werden. es ist SEINE frau, die trinkt.

    angesagt wäre in solch einer situation, mit ihr das gespräch zu sichen, wenn sie nüchtern ist und ihr zu sagen, dass er mit ihr so nicht mehr leben will. dass sie etwas tun soll, um von der sucht loszukommen. und wenn sie das nicht tut, er/ihr sie fallen lassen werdet. denn sieh mal: sie hat doch gar keinen grund aufzuhören. ihr umfeld funktioniert doch ganz prima ohne sanktionen für sie. erst wenn ihr irgendwas richtig weh tut, fängt sie vielleicht an darüber nachzudenken, dass es so nicht mehr weitergeht. das abstreiten, ein problem mit alkohol zu haben ist übrigens ganz typisch, kein alki hat ein problem mit alkohol, bis es irgendwann mal richtig knallt :wink:.

    Zitat

    Mein Auto bräuchte ich theoretisch nicht mehr, wenn ich zu meinem Freund ziehe, weil wir uns dann seines teilen!
    Wenn ich es also meinen Eltern überlasse? Was dann? Ich kann doch nicht verantworten, dass meine Mutter dann wieder besoffen damit fährt uns somit sich und vor allem andere in Gefahr bringt?? Und was ist wenn ichs mitnehme oder verkaufe? Dann hätten sie keins mehr und müssten wieder alles mit dem Fahrrad erledigen?
    Was soll ich nur tun?

    wenn es dein auto ist, und dein vater und deine schwester nicht fahren, solltest du es selbstverständlich mitnehmen, allein schon, damit deine mutter nicht betrunken damit fährt. dann bist du nämlich letzten endes auch noch mit verantwortlich, wenn etwas passiert.

    also: gespräch suchen mit ihr. vielleicht sogar als ganze familie, damit sie merkt, dass es euch ernst ist und sie euch nicht gegeneinander ausspielen kann. wege aufzeigen: hausarzt, entgiftung, therapie. wenn sie nicht dazu bereit ist: fallen lassen. etwas anderes hilft nicht. und ihr beiden töchter solltet dann so schnell wie möglich ausziehen und euer eigenes leben leben.

    hört sich brutal an, aber die erfahrung zeigt, dass es nicht anders geht.

    lieben gruß

    lavendel

  • Servus Nina,

    ganz klar - Du musst da raus, und Du bist keinesfalls dafür verantwortlich, wie es mit Deinen Eltern weitergeht!

    Deine Mutter: Nun ja, sie wird dann etwas gegen ihre Alkoholsucht unternehmen, wenn sie ihren persönlichen Tiefpunkt erreicht hat. Wann das ist, und ob das jemals eintritt, kann Dir niemand sagen. Aber so lange sie von sich aus nichts ändern möchte und zu ihrer Krankheit steht, ist jeder Versuch zwecklos.

    Dein Vater: Ich denke mal, er wird eine Transportmöglichkeit in die Arbeit finden - sei es mit ÖPNV oder Fahrgemeinschaft oder oder oder. Viel wichtiger erschint mir hier, dass er sich Hilfe als Angehöriger oder gar Co-Abhängiger sucht, um zu verstehen, was da mit ihm passiert und wie er manipuliert wird duch diese Krankheit seiner Frau.

    Du und Deine Schwester: auch Euch kann ich nur empfehlen, holt Euch qualifizierte Hilfe - lest über die Familienkrankheit Alkoholsucht, tauscht Euch mit anderen Angrhörigen aus. Damit auch ihr versteht, wie ihr manipuliert wurdet und vor allem, dass Euch daran keine Schuld trifft!!!

    Ja, und zum Schluß noch eine Beobachtung von mir: auch wenn ihr jetzt erst mal froh seid, aus dem "trinkenden" Elternhaus raus zu sein, begebt Euch bitte nicht von der Abhängigkeit Elternhaus in die Abhängigkeit Partnerschaft.
    Ich weiss, dass das für Dich jetzt erst mal blöd klingt, Du bist alt genug für eine Partnerschaft.
    Darum geht es auch nicht. Es geht darum, dass Du bislang ohne die Erfahrung gelebt hast, nur für Dich verantwortlich zu sein. Du kennst nur den Zustand, Dich (extrem) anpassen zu müssen, und würdest Dich wieder in eine Situation begeben, in der Du Dich anpassen musst. Davor warne ich!

    LG
    Spedi

  • oh mann, hättest du die altersangeben nicht reingeschrieben, hätte ich dich als erstes gefragt ob du meine schwester bist. die ganzen vorwürfe und hinterher entschuldigen (meine mutter leugnet auch oft, das überhaupt gesagt zu haben) is mir nur allzu vertraut.

    ich kann dir nur sagen, ich hab seit 7 jahren meine eigene wohnung, die is zwar im gleichen kaff, aber es tut so gut sich dahin zurückziehen zu können. also wenn du die möglichkeit hast rauszukommen tu das bitte.

    das wollte ich dir nur kurz sagen, kann eigentlich den anderen beiträgen im moment nix hinzufügen.

    grüßle

  • Servus Nina,

    das klingt vielleicht jetzt überzogen, aber ich meinte es so: jeder sollte die Chance haben, wenigstens eine gewisse Zeit in seinem Leben ausschliesslich für sich selbst verantwortlich zu sein - um sich selbst zu kennen, um effektiv unabhängig zu sein - einmal in seinem Leben.

    Ich erlebe sehr häufig mit, wie jüngere Paare mir dann sagen "ich habe noch nie was für mich getan", "ich habe immer auf andere Rücksicht nehmen müssen" - das sind exakt diejenigen gewesen, die aus der Abhängigkeit Elternhaus nahtlos in die Abhängigkeit Partnerschaft wechselten. Ich habe diese Aussagen aber noch nicht von Paaren gehört, bei denen beide Partner eine Zeit ihres Lebens jeder auf sich gestellt waren.

    Es soll auch nur zum Nachdenken anregen.

    LG
    Spedi

  • hallo nina,

    im prinzip sehe ich das so wie spedi. von der vernunft her sowieso, und ausserdem macht es unglaublich viel spass, eine EIGENE wohnung oder ein EIGENES zimmer einzurichten. mein 12 m2-studentenzimmer war für mich DAS paradies. vielleicht geht es ja auch, auszuziehen ohne gleich zu deinem freund zu ziehen? du schreibst ja, dass das finanziell möglich wäre. überlegs dir.

    wenn es dir aber leichter fällt über den zwischenschritt freund, dann hat auch das seine berechtigung. das wichtigste ist, dass du halbwegs zufrieden leben kannst.

    gruß

    lavendel

  • Und da hat jetzt wieder Lavendel recht - hauptsache raus aus dem krank machenden Umfeld.

    LG
    Spedi

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