Meine Mutter liegt nun im Bezirkskrankenhaus

  • hallo martin,

    willkommen hier im forum. deine geschichte gleicht ganz vielen anderen hier, das wirst du feststellen, wenn du mal ein bisschen liest.

    ja, und auch die antworten, die ich dir geben kann, gleichen allen anderen: letztlich kannst du nichts tun, um deine mutter auf einen trockenen weg zu bringen.

    ein alkoholiker muss selbst trocken werden wollen, und dazu bedarf es in der regel eines tiefpunktes, an dem irgend etwas wertvolles verloren zu gehen droht. bei manchen ist es der job, bei anderen die wohnung, der partner, die gesundheit. solange alles halbwegs läuft gibt es für den alki keinen grund, von seinem liebling nummer eins, dem alkohol, die finger zu lassen. das hört sich brutal an, ist aber so. die beste hilfe ist also nicht-hilfe, hoffend dass der alki seinen tiefpunkt so schneller erreicht. ich weiss, dass man sich das kaum vorstellen kann, als kind schon mal garnicht, weil man sich ja doch verantwortlich fühlt. mir ging das nicht anders mit meinen trinkenden eltern.

    du könntest ihr in einem nüchternen augenblick mal erzählen, welche sorgen du dir machst und wie du dich fühlst. ihr vielleicht auch skizzieren, wie ein weg in die trockenheit aussehen könnte: suchtberatung, therapie, selbsthilfegruppe. ob sie das will, steht auf einem anderen blatt, aber du hättest es gesagt. du könntest auch mal mit deinem vater reden, ob er nicht etwas für sich machen will, zum beispiel eine selbsthilfegruppe zu besuchen. da lernt man sehr gut, wie man mit dem alkoholkranken partner umgeht und welche fehler man nicht machen sollte. man lernt auch manipulationen zu erkennen, den alkis sind begnadete schauspieler.

    wovon ihr beide :!: euch freimachen müsst ist das schlechte gewissen. ein alki trinkt, weil er trinken will, bzw. muss. nicht weil der mann böse ist, die kindheit schlecht und der sohn unartig ist. das ist alles quatsch. auch wenn dien vater plötzlich nicht mehr nervig wäre, würde sich am trinken deiner mutter ziemlich sicher nichts ändern.

    Zitat

    Deswegen kann ich mich auch nicht alle Wochenenden um meine Eltern kümmern, da sonst mein Leben auf der Strecke bleibt.

    das solltest du auch auf keinen fall, du bist für DEIN leben verantwortlich, und deine eltern für ihres. wie gesagt: lass dir bloss kein schlechtes gewissen machen!

    wünsche dir viel kraft

    lavendel

  • hallo martin

    Zitat

    Deswegen kann ich mich auch nicht alle Wochenenden um meine Eltern kümmern, da sonst mein Leben auf der Strecke bleibt.


    ganz ehrlich, dass musst und solltest du auch nicht. deine eltern haben ihr leben, du hast deins und deins hat für dich vorrang. das ist richtig so. auch wenn du evtl. ein schlechtes gewissen wegen deines vaters hast, er könnte sich ja auch von deiner mutter trennen, wenn alles gut zureden nix hilft. er macht den sch... ja eigentlich freiwillig mit und du als kind bist nicht verpflichtet immer für ihn da zu sein. hat er denn schon mal über eine trennung nachgedacht? er könnte sich ja auch mal nach ner selbsthilfegruppe für angehörige umsehn, die gibts normal in jeder stadt. vielleicht wäre das auch etwas für dich.

    aber was ich dir bzw. deinem vater ganz dringend empfehlen würde:
    er soll das suchen nach flaschen sein lassen. es wühlt ihn einerseits selber auf und zweitens bringt das überhaupt nix. wenn deine mutter trinken will, trinkt sie, meine mutter fährt dann halt zu jeder tages-und nachtzeit zum einkaufen bzw. wenn wir ihr auto fahruntüchtig gmacht ham, läuft sie halt die 6 km in die stadt, auch in der nacht.

    eins hast du schon mal richtig erkannt und das ist gut so. du und dein vater habt keine schuld an der sucht deiner mutter, sie allein hat sich dafür entschieden zu trinken. sie allein ist es auch die sich dafür entscheiden muss, wieder aufhören zu wollen.

    im moment ist sie etz im bkh, da is sie etz erstmal in sicheren händen. eigentlich heißt es immer bei selbstmordabsicht erfolgt zwangseinweisung, aber das stand bei meiner mutter auch auf der rechnung (sie ist privat versichert), aber sie wurde trotzdem entlassen.

    ich würde dir etz den rat geben, ihr keine vorhaltungen zu machen sondern ruhig mit ihr zu sprechen. das is leichter gesagt als getan, ich weiß das, da möchte man mitunter manchmal einfach nur schreien. aber versuchs doch mal, sag ihr das du dir sorgen machst, das du sie gern hast, aber nur wenn sie nüchtern ist und du nicht willst, dass ihr etwas passiert. es ist fraglich ob es was nützen wird, falls nicht, hast du dir schon mal gutes getan indem du es ausgesprochen hast.

    liebe grüße

  • hi martin

    oje diese paranoia kenn ich auch, mei mutter is da auf die witzigsten ideen kommen, was wiederum sehr traurig war. da ham wir nur noch den kopf geschüttelt. klar is sie etz sauer auf deinen dad, meine mutter war deswegen auch jedes mal sauer. an dem punkt zu erkennen, dass sie hilfe möchte is sie wohl noch nicht, aber redet mit ihr, wer weiß vielleicht folgt ja noch ne wandlung. bei meiner mutter is das ganz plötzlich gekommen.

    im moment liegt deine mutter zur entgiftung im krankenhaus, da wird nur der körperliche entzug durchgeführt. therapiegespräche gibts da normal net. das muss sie erst selber wollen und das passiert dann danach entweder in form einer langzeittherapie oder sie kanns auch von daham aus machen durch selbsthilfegruppe, regelmäßigen besuch eines therapeuten, suchtberatung etc. aber red mal mit dem behandelnden arzt, er kann dir bestimmt auch wege zeigen und wird wegen des alkoholproblems bestimmt auch scho mit deiner mutter geredet ham.

    liebe grüße & viel glück & kraft

  • Hallo Martin,
    und herzlich Willkommen!

    Hier vieleicht einmal ein Tip von mir,ich bin selbst Alkoholiker.

    Viele Krankenhäuser,haben Räumlichkeiten,in denen Selbsthilfegruppen,ihre Meetings abhalten,meine reale SHG,befindet sich auch in solch einem!

    Erkundige dich doch einmal,ob so etwas auch im dortigen Krankenhaus stattfindet,und wenn ja,können die Ärzte deiner Mutter diese einmal ans Herz legen.War nur so ein Tip von mir,vieleicht hilft er Dir weiter.

    Gruß Andi

  • hi martin

    na wie war der besuch heute bei deiner mutter? hast scho fleißig angefangen zum lesen oder überlegst no mit welchem buch du anfangen sollst? :wink:

    na ich denke der arzt wird sie da haben wollen wegen der selbstmordabsichten. aber rein theoretisch denke ich, dass es eigentlich egal is, in welcher abteilung sie liegt. hauptsache sie is erstmal unter beobachtung. darauf kommt es an. so habt ihr angehörige wenigstens mal ein paar tage um zur ruhe zu kommen und auch zum nachdenken.

    redest du eigentlich mit deinem vater drüber? wie sieht er denn das ganze?

    liebe grüße

  • hi martin

    hm... das mit dem einbauschrank muss ich mir merken, den hab i no net ghört. i nehm als vergleich immer nen pappkarton, auf den man a gesicht draufmalt :wink: aber ja dieses gefühl kenn ich, es macht traurig, wenn man merkt, das man es nur gut meint und sich öffnet, aber bei dem anderen kommt nix an...

    super idee mit den büchern, drin blättern wird sie bestimmt drin, dann ein paar passagen lesen. wenn sie sich in manchen punkten selber findet, wird sie bestimmt weiterlesen und kommt ins nachdenken. wahrscheinlich wird sie trotz allem nicht auf langzeittherapie gehn, da sie das angebot der ambulanten therapie hat, bleibt zu hoffen, dass sie diese auch nutzt. kann sein, dass ihr das schon langt, aber da muss sie dann schon mitarbeiten.

    wie hat ein arbeitskollege vor kurzem zu mir gesagt? kritisierst du einen mann z.b. beim autofahrn, denkt derjenige sich ok er mag meinen fahrstil net. maxt du dasselbe bei einer frau, fühlt sie sich nicht nur in ihrem fahrstil kritisiert sondern in ihrer ganzen person. irgendwie ist da wohl was wahres dran. also wenn man in meiner umgebung überleben will, sollte man keine kritik an meinem fahrstil und meiner arbeit auslassen (außer sie ist wirklich berechtigt), aber ansonsten werd ich tierisch sauer :wink: besonders wenn deine mutter von klein an immer nieder gemacht wurde, wird sie sich da gleich angegriffen fühlen. is wohl auch irgendwo verständlich, sie hat ja nie ein selbstbewußtsein aufbaun können.

    im endeffekt kannst du nix machen, solange deine mutter net will, aber das weißt du ja. meine mutter hat auch erstmal ne ambulante therapie probiert, dann selbsthilfegruppe, irgendwann war sie dann doch soweit, dass sie gemerkt hat, dass ihr das allein net langt und hat sich zur langzeittherapie entschlossen. vielleicht merkts deine mutter ja auch, falls ihr die ambulante nicht weiterhilft und is zum nexten schritt bereit.

    liebe grüße

  • Servus Manie_de,

    wie geht's Dir eigentlich mit diesem Zwiespalt? Kommst Du damit klar, oder brauchst Du Hilfe?

    Sag mal...

    LG
    Sepdi

  • hi martin

    kann deine wut über die einstellung deines vaters verstehn, aber du hast wohl recht, geh doch lieber zum frisör... da werden wohl alle gut gemeinten worte umsonst sein

    die gleiche frage wie spedi wollte ich dir auch stellen :)

  • hi martin

    bitte bitte, wir hören dir gerne zu, außerdem ist es schön zu lesen, dass sich jemand um die gleichen sachen gedanken macht wie man selbst.

    steh im moment selber da und überleg ob und was ich meiner mutter am sonntag schenke :( verdient hat sie es ja eigentlich net...

    könntest ihr ja nen kuchen backen, den du ihr noch net geschenkt hast, den sie vielleicht auch noch net kennt, nur halt auf jeden fall ohne alkohol. aber das muss ich dir ja net sagen...

    andererseits könnte sich deine mutter auch denken, wenn du sie net besuchst "oje ist es wirklich so schlimm wie ich trinke, dass net mal mehr mein sohn mehr kommt"
    aber letztendlich würde ich wohl das gleiche wie du machen

    liebe grüße

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