rückfall wann kann man mit rechnen?

  • Hallo,

    ich bin noch ganz neu hier, mein Freund ist Alkoholiker und wir besuchen seit September zusammen die meetings AA/Al-Alanon, seit ende september trinkt er nichts mehr.

    Er sagt von sich aus schon irgenntwie ging das zu einfach, mit dem saufen aufzuhören, ich hatte ihm mal vorgeschlagen das bei seinem meeting anzusprechen ob ers getasn hat weiß ich nicht. da wir auch nicht über unsere meetings reden.

    Ein doofes Bauch gefühl das sich wie ein Knoten in mir hält sagt mir das er im Januar/Februar rückfällig wird. das macht mich noch ganz verrückt.
    Ich trau mich aber auch nicht das im meeting oder mit ihm anzusprechen.

    Aber rumsitzen und heulen bringt auch nichts......


    colly

  • Hallo Colly,

    Zitat

    Er sagt von sich aus schon irgenntwie ging das zu einfach, mit dem saufen aufzuhören


    Das dachte ich mir damals auch. Was? Das war alles? Na das hätte ich ja schon längst haben können. Ich hatte einfach zu viel gehört, wie schwer es mit dem Aufhören sei. Ist offenbar nicht bei jedem so und einigen (wenigen?) fällt es sehr leicht.
    In der ersten "trockenen" Zeit hatte ich Angst vor einem Rückfall. Schnapsregal im Supermarkt, Einladung bei irgend wem.... aber: Nichts. Von heute auf Morgen war Alkohol einfach etwas aus einer fernen Vergangenheit.

    Zitat

    Ein doofes Bauch gefühl das sich wie ein Knoten in mir hält sagt mir das er im Januar/Februar rückfällig wird


    Warum gerade zu diesem Zeitpunkt?

    Kopf hoch, wird schon!
    Summer

  • Hallo Colly

    Ich weiß wirklich nicht, ob sich diese Frage überhaupt beantworten lässt mit dem Rückfall. Ich z.B habe sehr sehr starke Probleme an den Sonntagen weil ich da immer meine Sauftage hatte. Das sind nun die Tage an denen mir einfach was fehlt. Weiterhin habe ich festgestellt, dass TV Reklame für Bier bei mir recht stark anschlägt. Warum das so ist weiss ich nicht, aber stelle es halt an mir fest. Es würde mich sehr wundern wenn es Signale geben würde die einen Rückfall in 2 Monaten (wie von Dir befürchtet) ankündigen können. Aber ich werde das hier mal weiter verfolgen was die anderen so antworten. :wink:

  • Hallo Colly,

    ich bin auch noch ziemlich neu hier. Ich denke einen Rückfall kann man auf keinen Fall vorher sehen. Ich war vor neun Jahren in stationärer Therapie und bin mit eben diesem Gedanken nach Hause gegangen: Super, wie leicht das war und das ich das so einfach hinbekommen habe...
    Genau mit dieser leichtigkeit habe ich dann auch gelebt, habe keinen Bogen um den Alk gemacht. Ich war drei Jahre völlig trocken (vieleicht weil ich stolz darauf war auch ohne Alk feiern zu können im Gegensatz zu meinem Bekanntenkreis). Dann meinte ich kontrolliert trinken zu können (ich kann das) was dann nach und nach wieder mehr wurde was ich jedoch für mich nicht wahrhaben wollte, bis es dann vor einem Jahr wieder heimlich wurde. Nun hat es nochmal drei Monate gedauert bis ich mir eingestanden habe das es wieder so weit ist was zu tun.....
    Man kann sich so gut selbst belügen, nicht nur die anderen.

    LG Biene

  • Hallo Colly,

    da möchte ich Biene1967 widersprechen, ein Rückfall kann sich sehr wohl ankündigen, oft zugleich mit einem Rückfall in alte Gewohnheiten. Oder man hat die nie abgeändert, indem man sich dem Alk doch nicht fern hielt. Es kann aber sein, das man sich selber belügt, die Anzeichen nicht sehen will, Außenstehende erkennen sie oft früher als man selbst. Darum sind wir ja auch hier, wir wollen uns gegenseitig warnen und durch eigene Erfahrungen den anderen schützen. Daher auch immer wieder unsere Warnungen, bestimmte Dinge nicht zu tun, entscheiden tut aber jeder selbst.

    Ich sage mal ein paar Beispiele, die ich hier öfteres mal gelesen habe, wo Menschen rückfällig wurden, ich denke, es spiegelt die Gefahren recht gut wieder, erhebt aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit:

    Die Krankheit wurde nicht so recht für sich selbst angenommen

    Verzichtsgedanken

    Der Partner trank weiterhin, was im Endeffekt auch zu Verzichtsgedanken führen kann

    Alkohol im Haus (in Krisensituationen somit leicht greifbar)

    Gedanken, man könne wieder kontrolliert trinken (ich habs ja jetzt im Griff)

    Rückzug aus der SHG oder gar nicht mehr hingehen

    Aufenthalte im Dunstkreis des Alks, die Saufdruck auslösten

    Große Euphorie oder das Gegenteil (beides kann Saufdruck auslösen)

    Das sind jetzt mal so ein paar Beispiele.
    Aber Du solltest Dich nicht damit verrückt machen, NIEMAND ist 100% vor einen Rückfall gefeit. Bloss immer, wenn er eintritt, sollte man daraus lernen, dann lief nämlich irgendwas falsch. Dann gilt es, erstmal wieder aufzustehen, dann zu analysieren, was ist da passiert und dann weiterzumachen mit den neuen Erkenntnissen.
    Ich will hiermit Rückfälle aber nicht verharmlosen, manch einer überlebt ihn auch nicht, kann auch passieren. Denn wir haben nun mal eine Krankheit, die tödlich enden kann und zwar nun für immer. Sie ist nicht heilbar, nur zu stoppen, sie schlummert nur. Darum müssen wir immer weiter an unserer Trockenheit arbeiten.

    Ich kann Dich aber schon gut verstehen, das Du Angst hast. Jeder empfindet den Weg in die Trockenheit anders. Wer sich nur sehr schwer von alten Gewohnheiten lösen kann / möchte, der wird es wohl als schwerer empfinden.
    Ich kann hier nur für mich sprechen. Ich habe am eigenen Leib erfahren, wie Sucht ist, wie es ist, körperlich ganz am Ende zu sein, ich habe die Tödlichkeit selber erlebt, auf der Intensiv im KH. Ich war nur noch dankbar, als das Gift aus meinen Körper war und ich eine neue Chance bekam. Die wollte ich nutzen, denn ich hatte mich fürs leben entschieden. Und ich hätte ALLES dafür getan, nie wieder trinken zu müssen.
    Also dachte ich nie daran, es noch jemals in den Griff zu bekommen. Ich habe meine Krankheit schnell für mich akzeptiert. Das alles machte es mir wohl einfacher, trocken zu bleiben, als Menschen, die noch keinen schlimmen Tiefpunkt erlebt haben.
    Was aber wiederum nicht heißt, das ich nie Saufdruck hatte. Auch mein Suchtgedächtnis funktioniert einwandfrei. Ich tat dann, was zu tun war. Viel trinken, walken, mich ablenken, denn er geht auch wieder. Auch ich hatte Gedanken, wie es wäre, wieder zu trinken, aber ich kam da nie weit, denn ich wollte nicht noch einmal dort im KH landen.

    Colly, Du solltest über Deine Ängste ganz offen mit Deinem Partner reden. Überhaupt viel reden, denn er wird sich sicher noch sehr verändern, das tun alle trockenen Alkies. Und vielleicht änderst auch Du Dich sehr. Wenn dann das reden zu kurz kommt, verliert ihr Euch. Dann kann nämlich der eine den anderen auf seinen neuen Wegen nicht mitnehmen, die Beziehung zerbricht. Es könnte sogar sein, das ihr Euch irgendwann wie Fremde fühlt, die sich nix mehr zu sagen haben. Um dem entgegenzusteuern, hilft meiner Meinung nach immer nur wieder reden...reden...reden...

    LG an Dich und Euch BEIDEN alles gute
    wünscht
    Lilly

  • Hallo Biene,

    Nein, den ganuen Zeitpunkt wohl nicht, das stimmt wohl. Aber Rückfälle kündigen sich an, die passieren nicht einfach aus heiterem Himmel, ich kenne jedenfalls nicht so einen Fall.
    Leider ist es auch so, das man sich selber evtl. noch in Sicherheit wiegt, wo bei anderen schon die Alarmglocken schrillen.
    Und man neigt dann auch dazu, sich selbst zu belügen.
    Bei unserer Krankheit ist schonungslose Offenheit sich selber gegenüber notwendig, auch ein sich-immer-wieder-selber-abchecken, soweit das möglich ist.
    Mir war das so möglich, ich trainierte das regelrecht und tue das auch heute noch. Wo stehe ich, wie fühle ich mich, habe ich Gedanken an Alk etc. Und ich hüte mich auch heute noch vor Situationen, die alkdurchtränkt sind, das is nicht mehr meine Welt und ich vermisse sie auch nicht, ganz im Gegenteil. Ich reize nie mein Suchtgedächtnis absichtlich und ich weiß mittlerweile, wodurch es gereizt wird. An den Knöpfen spiel ich möglichst nie herum. Aber ich weiß auch, wie schnell man in unvorhergesehene Situationen wider Willen kommen kann, dann gilt es für mich, die so schnell wie möglich zu verlassen.

    Lieben Gruß an Dich
    Lilly

  • Moin,

    Danke an alle, die mir bisher geantwortet haben.

    @Summer: ich weiß nicht warum es gerade dieser Zeitraum ist, vllt. weil dann ein viertel Jahr rum ist und ich es vom "rauchen" aufhören kenne, das man dann wieder "Lust" zu hat. Ich weiß nicht ob man beides miteinander vergleichen kann, aber es ist beides eine Sucht.

    Ich war vorhin mit einer AA zum reiten,(ich kann dort auch ein Pferde reiten wo sie ist und ich habe mir heute das pferd angesehen)
    als wir wieder auf dem nach Hauseweg waren mußten wir noch was zu trinken kaufen. Ich also ran an HOL-AB-markt, denke mir da nichts weiter bei war für sie auch i.o. und bevor wir das Mineralwasser erricht hatten mußten wir im Zick-Zack um das ganze Bier......ich dachte das darf niocht war sein, mir ist das noch nie aufgefallen, aber ich habe gedacht wie kannst du mit ner trokenen AA in so einen Laden gehen????

    Ich hoffe das mir die Freundschaft zu ihr mir weiterhilft, ihn zu verstehen und auch die Kraft gibt das durchzustehen, wenn er rückfällig wird.
    Es tat vorhin echt gut mit ihr zu reden, über sie ihre sucht über meinen Schatz und seine und über mich, aber das war alles nur oberflächlich.

    Liebe Grüße Colly

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