Hallo Sunshine,
erstmal herzlich willkommen hier im Forum. Das Beste für Dich wäre Abstand zwischen Dich und Deine Mutter zu bringen. Ich weiß allerdings auch wie schwer das ist. Ich kenne das, dieses ständige kreisen von Gedanken, die Fragen was macht sie jetzt, geht es ihr gut, was hat sie jetzt wieder angestellt, wie viel hat sie wieder getrunken, wo soll das enden, was soll ich noch tun usw. Da zu sagen, ich denke jetzt an mich, wenn einen auf der anderen Seite die Sorge um die Mutter fast auffrisst, ist nicht einfach. Mir ging das jahrelang so, obwohl ich nicht mehr bei meinen Eltern gewohnt habe.
Letztendlich ist es jedoch das einzig richtige für Dich und um Dich geht es hier. Deine Eltern sind erwachsen und können für sich selbst sorgen. Es ist nicht Deine Aufgabe. Natürlich ist es für Deinen Vater nicht leicht, aber es ist an ihm dafür zu sorgen, dass es ihm besser geht, nicht an Dir. Es ist niemandem geholfen, wenn Du ihm etwas abnimmst, was er selbst regeln muss. Er kommt so nie aus seiner Situation die ihn belastet, weil er ja nicht muss, Du bist ja da und Dir geht es noch schlechter.
Noch bist Du die einzige die noch Kraft für alles hat und wie lange noch und wo bleibst Du dabei?
Im Moment macht es mir nicht den Anschein, dass Deine Mutter ernsthaft trocken werden will, sonst wäre sie in der Klink geblieben. Überhaupt hat es wenig Sinn, den Alkoholiker zu überreden. Oft gehen sie dann nur, damit sie Ruhe haben und trinken weiter, wenn sie wieder zu Hause sind. Frei nach dem Motto: Ich hab’s doch immerhin versucht. Meine Mutter hat das dieses Jahr schon ein paar Mal gemacht, Erfolgt null. Einmal ist sie sogar rausgeflogen, weil sie sich Alkohol mitgebracht hat. Soviel zum Thema Ernsthaftigkeit. Sie ist immer dann gegangen, wenn mein Vater ihr zu sehr zugesetzt hat.
Sunshine, Alkoholiker sind sehr erfinderisch und sehr gerissen, wenn es darum geht ihre Helfer nicht zu verlieren. In diesem Fall Deinen Vater und Dich. Sie wissen schon was sie tun müssen, wie sie Hoffnung wecken, damit die Angehörigen bei der Stange bleiben. Das geht auch schon mal sehr schnell in Richtung emotionale Erpressung, wie z. B. ständiges ich liebe Dich. Ich weiß nicht wie oft ich ähnliches zu hören bekommen habe. Es hat irgendwann aufgehört und zwar als es nicht mehr funktionierte, als ich nicht mehr funktionierte. Ich glaube nach wie vor, dass meine Mutter mich liebt, aber sie sagt es nicht mehr. Sie hat diese Worte überwiegend als Werkzeug benutzt um mich zu manipulieren. Damit ich bei der Stange bleibe, sie weiter in ihrer Sucht unterstütze. Das ist leider die traurige Wahrheit. Die Sucht ist so mächtig, das auch vor Kindern und Partnern nicht halt gemacht wird, nur um die Helfer der Sucht nicht zu verlieren. Das ist kein böser Wille, sondern Sucht.
Natürlich liebt Deine Mutter Dich, aber das ist kein Grund bei Deinen Eltern wohnen zu bleiben. Meine Meinung ist, dass Du das Angebot der Eltern Deines Freundes annehmen solltest. Es geht hier darum, dass es Dir besser geht und glaub mir je länger der Abstand anhält, desto besser und erleichterter wirst Du Dich irgendwann fühlen. Es geht nicht darum, dass Du etwas tust oder lässt, damit es Deiner Mutter besser geht. Dafür ist sie ganz allein zuständig. Aber das ist nur meine Meinung. Letztlich ist es Deine Entscheidung und wie immer sie ausfällt, Du musst mit ihr leben und nicht ich.
Der Hausarzt hat Recht, natürlich kann so was nach hinten losgehen, anders herum gibt es aber auch keine Garantie, dass Deine Mutter etwas für sich tut aufhört zu trinken wenn Du da bleibst. Das Gegenargument wäre, dass es Deine Mutter wachrüttelt wenn Du ausziehst. Das sie sieht, was sie verliert, weil sie trinkt. Es kann also auch ein Auslöser sein ernsthaft etwas gegen die Krankheit zu tun.
So jetzt steckst Du richtig im Dilemma nicht? Egal was Du tust, es kann schaden es kann nutzen. Was sollst Du denn jetzt tun? So ähnlich denke ich mir ist die Frage die Du Dir stellst.
Es geht nicht darum, dass Du etwas für Deine Mutter tust. Wie das Beispiel zeigt, kannst Du es im Grunde nicht. Denn egal was Du tust, Du weist nie wie Deine Mutter reagiert, also weist Du nicht ob das was Du tust gut oder schlecht ist für sie. Es geht darum, dass Du tust, was Du für Dich als das Beste ansiehst und nicht als das Beste für Deine Mutter. Entscheidungen kannst Du nur für Dich treffen. Für Deine Mutter kannst Du nicht entscheiden. Entweder sie tut es selbst oder keiner.
Denk an Dich und kümmere Dich um Dich, Deine Eltern sind erwachsen, sie können für sich selbst sorgen.
Gruß und gute Nacht
Skye