• Hallo ihr beiden,
    eure Situationen sind mir sehr bekannt. Habe selbst einen trinkenden Vater, ich kann mich nicht erinnern, ihn irgendwann etwas alkoholfreies trinken gesehen zu haben. Trinkt Bier und Wein/Mineralwasser und wenn er darauf angesprochen wird, hat er ja kein Problem damit. Durch den jahrelangen Missbrauch tauchen auch die bekannten Problemchen auf, körperlich und geistig. Die begründete Angst, dass er ein Pflegefall wird, ist natürlich auch da.
    Ich muss hier noch erwähnen, dass ich auch auf dem besten Wege dorthin war, einmal aber gottlob ordentlich auf die Schnautze gefallen bin und mich dann ohne wenn und aber für professionelle Hilfe entschieden habe und somit schon mein 3. Alk-freies Jahr angefangen habe.
    Ich habe im Zuge der Therapien sehr viel gelernt und vor allem, sehr wichtig - ich wollte nicht mehr trinken und das ganze Drumherum haben (Probleme in der Ehe, Arbeitsplatz, beim Autofahren etc.). Unsere Väter oder Alkohol trinkende Menschen allgemein müssen oft einen Tiefpunkt erreichen, damit sie bereit sind, sich helfen zu lassen. Als Angehöriger kann man da weniger helfen, es muss vom Trinker ausgehen.
    Ich in meiner Situation halte einen gewissen Abstand, so geht es mir am besten. Und ich weiss auch, wie kampfgeisterin schrieb, "Papa, ich habe Angst um Dich" - das würde ihn nicht umstimmen.
    Wir müssen hier davon ausgehen, dass diese Menschen - auch wenn es unsere nächsten Angehörigen sind - krank sind. Man muss als Angehöriger auch sehr vorsichtig sein, sich nicht auch noch gefangen nehmen zu lassen (Co-abhängig!). Co-abhängig ist man zum Beispiel, wenn man den Trinkenden indirekt unterstützt, seine Sucht auszuleben (man macht für Ihn Behördenwege, kauft die Getränke, meldet ihn am Arbeitsplatz krank usw.).

    Ich hoffe, ich war mit meinem Beitrag nicht zu hart, er beschreibt nur meine persönliche Meinung.

    Mein abstinentes Leben begann am 25. Okt. 2005

  • hallo jockel

    zuerst möchte ich dich herzlich im forum begrüßen und dir den rat geben, dich hier im kinderbereich und vielleicht auch mal im alkoholikerbereich durchzulesen - so wirst du einiges verstehn bzw. zumindest ansatzweise verstehn.

    so, etz aber mal ans eingemachte 8)

    Zitat

    Was können meine Brüder und ich tuen?


    mit ihnen reden, möglichst im ruhigen ton und in der ich-form, beschreib ihnen wie es dir geht, wenn du sie trinken siehst.
    das ist aber auch alles was du tun kannst und leider erreichen unsere worte den alkoholiker nicht und er trinkt weiter - die sucht ist stärker als die liebe zu den kindern - so weh das auch tut.

    Zitat

    Meine Mutter sagt im Augenblick, dass sie Zeit für sich braucht, verständlich, wenn im Moment auch nicht besonders hilfreich.


    sorry, aber das verstehe ich etz net so ganz. inwiefern braucht sie zeit für sich? um von deinem vater abstand zu bekommen oder um zu trinken? täglicher alkoholkonsum ist übrigens nicht zu unterschätzen auch wenn deine mutter noch relativ nüchtern abends ist. es gibt auch sogenannte pegeltrinker, da merkste gar net das die soo betrunken sind bzw. manchmal merkst des gar net, aber wenn du dann den promillwert hörst, ziehts dir den boden unter den füßen weg. (nur so als hinweis - weiß ja net ob des auf dei mutter zutrifft)

    Zitat

    Mein Vater sieht im Augenblick seine Alkoholabhängigkeit nicht ein!


    das ist meistens so und da wern auch immer ganz viele "tolle" gründe dafür gefunden - "andere trinken mehr wie ich", "alkoholiker sind doch nur die penner auf der parkbank oder unter brücken", "gönn mir doch das bißchen alkohol" und und und
    solang dein vater seine abhängigkeit net einsieht, hast du keine chance, da kannste dich genauso gut mim kühlschrank unterhalten.

    Zitat

    Wie können wir, kann ich helfen?


    das willste etz wahrscheinlich gar net hören, aber dir bleibt nur mit ihnen versuchen zu reden. mehr gibt es leider net, tut anfangs ganz schön weh, aber vielleicht kannst du das ja (irgendwann) akzeptieren.

    bei einem alkoholiker gibt es übrigens kein reduzieren, das funktioniert auf dauer nicht, es hilft nur absolute abstinenz.

    etz hab ich irgendwie nur von deinen eltern geschrieben (du ja eigentlich auch), aber die sind ja gar net hier um hilfe zu bekommen. aber du bist hier, wie geht es denn dir? wie weit wohnst du denn von deinen eltern entfernt und wie oft siehst du sie? du hast etz net geschrieben wie alt du bist, daher weiß ich etz auch net wie alt du warst als dein vater angefangen hat und wie das für dich war - bestimmt nicht angenehm, für mich zumindest wars nicht schön und ich bin froh, dass ich früh ausziehn konnte. also ich würd etz auf jeden fall gern mal was über dich lesen :lol:

    liebe grüße

  • Hallo Jockel,

    wie schon gesagt, bei meinem Vater war es auch ähnlich, getrunken schon immer, seit er in Rente ist, natürlich regelmässig, "hat ja mehr Zeit jetzt".
    Ich kann mich auf einen Ausspruch seinerseits erinnern, sicher schon 10 Jahre her (beim Übergang vom Beruf in die Rente) - "Ich habe mich in meinem Leben genug abrackern müssen, ich gönne mir meinen Alkohol". Wenn man ihm zuhört, stimmt das ja auch, Du weisst ja, aufgewachsen in den Nachkriegsjahren und beruflich hatte er auch eine Doppelbelastung bis zu seiner Pension - Arbeit in einer Firma und nebenbei eine kleinere Landwirtschaft. Diese jahrelange Doppelbelastung war auch, so meine Meinung, mit ein Grund seines Alkoholkonsums - mit Hilfe von Alkohol hat er "abgeschalten". Irgendwann dann, schleichend, hat sich eben die Abhängigkeit eingestellt, es ging nicht mehr ohne. Heute ist es so, dass er verhältnismässig viel schläft, wie soll´s sonst sein, und halt immer einen gewissen Promillepegel halten muss. Man merkt aber als Aussenstehender den langsamen Verfall, den der jahrelange Missbrauch hervorruft - Zittern, Unruhe, jähzornig sein, die Körperhaltung, die ständige "Fahne" usw.
    Wie ich hier schon schrieb, war ich ja auch auf dem Weg dorthin, habe mir dann aber professionell helfen lassen - für diese Entscheidung meinerseits bin ich heute noch dankbar - aber ich habe durch die Therapie und die Selbsthilfegruppe, die ich derzeit noch besuche, sehr viel zum Thema Alkohol dazugelernt. Ich bin hier sehr feinfühlig geworden.
    Ich habe beruflich viel mit Kunden zu tun und oftmals merke ich es verschiedenen Menschen an, dass sie dem Alkohol nicht abgeneigt sind.
    Zurück zum Thema: Mein Vater hat noch immer den Führerschein/PKW und kauft den Wein, den er braucht, selber ein. Schnaps und harte Getränke trinkt er so gut wie nie. Er holt den Wein beim Weinhändler, dort ist er gern gesehen, natürlich.
    Eine Polizeikontrolle auf der Strasse hat er dabei noch nie gehabt, dann wär`s mit der Fahrerlaubnis vorbei, denn er hat immer seinen Pegel. Wie man es bei Menschen wie meinem Vater sieht, sind sie morgens recht unruhig - dies ändert sich mit dem Konsum des ersten alkoholischen Getränkes. In bestimmten Abständen wird dann "nachgefüllt" und so zieht sich der Tag dahin. Nach diversen ärztlichen Untersuchungen - Blutkontrolle etc. - ist es mit dem Konsum wieder etwas besser, was wiederum seiner Frau, meiner Mutter, freut. Sie sagt jedesmal "jetzt ist es mit dem Trinken bei ihm wieder besser, hoffentlich bleibt`s so". Nach ca. 1 - 2 Wochen ist alles wieder beim alten. Meine Mutter ist eben Co-abhängig - sie weiss es nicht - und nimmt eben alles hin. Ich muss auch sagen, er hat meine Mutter oder uns Kinder nie geschlagen, es sind auch fast nie so richtig "die Fetzen geflogen", das ist vielleicht auch ein entscheidender Punkt, warum meine Mutter es so hinnimmt. Er ist jetzt 68 Jahre (sein Bruder-mein Onkel ist älter und trinkt wenig, ist körperlich deswegen auch noch viel gesünder) und er macht die verschiedenen leichteren Arbeiten auf seinem Bauernhof auch noch selber. Aber wie schon gesagt, immer mit dem gewissen "Spiegel". Ich habe übrigens nebenan mein Haus gebaut und sehe meine Eltern fast täglich. Ab und zu jammert meine Mutter über das Trinkverhalten des Vaters, wie sie aber bei mir gesehen hat und inzwischen weiss, wird sich da nichts ändern, solange er das nicht selber will. Ich kann mich noch an einen Ausspruch eines Mitpatienten bei meiner Kur erinnern, er war etwa gleich alt wie mein Vater, er sagte: Mit dem Alter lässt du dir ziemlich sicher nicht mehr helfen, ausser du hast vielleicht vor Jahren schon mal eine Entwöhnungskur gemacht.
    Als Trinker hat man ja die schlimmsten Vorstellungen davon, ich muss im Nachhinein sagen, ich weiss nicht, warum diese blöde Rederei entstanden ist, es gibt nichts besseres, weil da ja auch auf die Gründe für das Trinken eingegangen wird. Mir z.B. hat geholfen u.a.
    - ein guter Therapeut, dem ich voll vertraut habe
    - und die Teilnahme an Familienaufstellungsseminaren, das heisst, ich habe von März 2006 - Jänner 2007 bei 20 Familienaufstellungen mitgemacht, das hat mir persönlich sehr geholfen, mich emotional von trinkenden Angehörigen/Freunden zu lösen.
    Am Ende, Jockel, erwähne ich noch, dass wir 5 Geschwister sind, einen Bruder habe ich 1993 durch Selbstmord verloren (war leider, das kann ich heute sagen, Alkoholiker), eine Schwester hatte ein Alkoholproblem, ist jetzt auch schon jahrelang trocken, hat sich aber der Familie abgewandt, wir "restlichen" drei haben ein gutes Verhältnis zueinander, ich bin jetzt 43 und habe zwei Söhne (16 u. 17 J.), denen ich ein gutes Vorbild sein will.

    So, jetzt habe ich einen Teil meiner Geschichte erzählt, tut mal gut.
    Was mich noch interessiert hätte, Jockel, du hast geschrieben, mit deinem älteren Bruder war`s genauso, vielleicht noch extremer. Was meintest Du damit?

    Ich hoffe, ich habe Dir, Jockel, und alle Interessierten meine Geschichte und Meinung gut rübergebracht, wenn nicht, seht darüber hinweg, ich hatte heute einfach Zeit und Lust zu schreiben.


    euer
    klarerkopf

    Mein abstinentes Leben begann am 25. Okt. 2005

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