Beiträge von B.Nyborg

    Was bedeutet Sucht für mich? Ich weiß, wie es ist an einer stoffgebundenen Sucht zu erkranken. Ich kann mich nur zu gut an das Gefühl erinnern, die warme Gleichgültigkeit und das Verdecken der inneren Unruhe, ..., wenn ich gekifft habe. Ich habe keine Lust mehr zu kiffen, aber die Gefühle, die damit einher gingen, fehlen mir manchmal. Als ich gekifft habe, waren die negativen Seiten auch nicht wirklich wichtig. Klar oft wusste ich, z. B. die Depressionen kommen mit dem Kiffen, das Nichts-auf-die-Reihe-Kriegen kommt mit dem Kiffen, mein inaktives Verhalten kommt mit dem Kiffen, viele Ängste kommen mit dem Kiffen. ... aber im Grunde war es mir egal. Ich wollte kiffen, also mussten die Nebenwirkungen eben sein. Ich musste kiffen, also musste ich auch mit negativen Seiten umgehen. Es waren letztlich nur Gedanken oder Worte ohne Hülle. Ich habe nicht hingesehen, das kam ja alles garnicht davon, ich bin eben einfach nicht normal... Meinen letzten Entzug empfand ich als ziemlich hart, 2 Wochen ging ich arbeiten und schlief den Rest der Zeit. Circa 2 Monate brauchte mein Körper um überhaupt wieder einigermaßen zu funktionieren und erst nach über 6 Monaten fühlte ich mich wieder fit genug, um aktiv raus zu gehen und erst nach 8/9 Monaten stellte sich ein zaghaftes Gefühl von Stolz oder Anerkennung für mich selbst ein. Ich weiß, sobald ich wieder an einem Joint ziehe, bin ich wieder drin im Kreislauf. Da gibt es nur schwarz und weiß - kein grau.

    Mein erster Gedanke, als ich mich mit dem Thema Co beschäftigte, war, das geht garnicht. Ich versuche mich von meinen eigenen Süchten loszusagen und ein Leben ohne Abhängigkeit zu führen, und dann bin ich abhängig von der Sucht eines Anderen? Ich las Einiges über das Thema und konnte fast überall ein Häkchen machen (ja hast du, ja bist du ...). Das hat mich geschockt, fast noch mehr als der Umstand, dass mein Freund nun wieder harte Drogen nimmt.

    Ich finde es unglaublich schwer für mich zu verstehen, was denn nun falsch in meinem Kopf läuft. Ich versuche es mir zu erklären: bei stoffgebundenen Süchten (z.B. Heroin ... glaube, dass ist beim Alkohol ähnlich) mutieren die Rezeptoren (verantwortlich für die Aufnahme von Endorphinen) im Gehirn durch den Konsum der Droge. Jetzt "wachsen" diese Rezeptoren in der Menge und schreien nach Mehr Mehr Mehr und die Toleranzbildung schreitet voran. Wenn der Konsum der Droge eingestellt wird, bleiben diese mutierten Rezeptoren auf Stand-By und das Geschrei kann immer wieder ausbrechen. Daher das Problem des gegebenen Rückfalls. Funktioniert mein Hirn als Co ähnlich? Schreien meine Rezeptoren im Gehirn auch aufgrund der nicht gesund gelebten Mechanismen? Bin ja im Stand-By-Modus, fühle es ja ganz genau.

    Wenn mein Körper krank ist und ich eine Wunde habe, dann tue ich eine Salbe drauf und die Wunde geht weg. Ich kann es sehen. So wie mit dem Kiffen, als ich aufgehört habe, haben sich wieder lebenswichtige Funkionen meines Körpers und Geistes eingeschalten. Ich konnte förmlich zuschauen welche Entwicklung ich machte, zumal ich dieses Suchtverhalten bis zum Letzten ausgereizt habe, körperlich und geistig am Ende war. Und jetzt stehe ich vor einer Sucht, die ich zwar irgendwie gedanklich greifen kann, weil ich die Symptome bei mir erkenne, aber in der Theorie und der Praxis liegt ja meist ein himmelweiter Unterschied. So richtig kapiert hab ich noch nciht, was ich eigentlich will von mir. Ich kann mir vor allem die Sache mit dem Schwarz-Weiß nciht so richtig vorstellen. Das Leben so gestalten, dass kein Alkohol (bei mir und auch bei meinem Gegenüber) mehr darin vorkommt? Abgrenzen, ja, aber schwer, wenn man seine Grenzen garnicht kennt, wenn man nicht weiß, wer man ist. Wo setze ich an? Vielleicht bedeutet es: erst einmal rausfinden, wer ich bin, was ich will. Ich will glücklich werden, ja. Und ein selbstbestimmtes Leben führen, ja. Gesunde Beziehungen führen, ja. ...

    Bitte stoppt mich jemand, wenn ich wirres Zeug schreibe. Mir kommt in Bezug auf meine Situation diese nicht stoffliche Sucht so viel schwerer vor, als mein stoffliche Sucht, viel ungreifbarer, schwer betrachtbar. Ich weiß jetzt, es ist nicht immer gut, auf alte und bewährte Mechanismen zurück zu greifen in einer Welt, die sich ständig ändert. Neue müssen her. Ich dümpel noch immer an der Oberfläche, ich finde keinen Weg runter, tiefer. Wo will ich hin? Können mir meine Erfahrungen als Drogenkosument helfen diese Sucht zu verstehen und mir vor allem helfen, hier raus zu finden?

    Klar werden. Mein alkoholisierter Partner will seine Droge zu sich nehmen, will nicht sehen, was er sich damit antut. Trägt die Konsequenzen (die es vielleicht in seinen Augen auch garnicht gibt) mit Fassung, sie gehören ja dazu. Er will das nicht ändern. Ich kann das nicht ändern! Kapiert. Muss zu mir schauen, in mich schauen. Mich fühlen. Mir helfen. Mir schwirren so viele Gedanken im Kopf. Denke unentwegt. Ich tue das so und so - was muss ich machen, damit ich anders tue. Das kann doch so schwer nicht sein. ICH, ICH bin doch das Übel des Ganzen. Ich bin es, die mir mein Leben schwer macht. Ich will niemals wieder so tief in eine Sucht rutschen, um wieder so daraus klettern zu müssen, wie ich es bei meinem Drogenkonsum tun musste. Brauche ich wirklich diesen "schweren Tiefpunkt" um in die Tiefe meinerselbst zu gehen? Ich weiß, wenn ich diesen "schweren Tiefpunkt" zu finden suche, dann sterbe ich, dann gehe ich elendig zu grunde. Das spüre ich ganz deutlich. Wenn ich mich wieder darauf einlasse, dann kann ich mir nicht mehr selbst helfen, dann gebe ich mich auf. Ich muss die Härte mir gegenüber aufgeben, die Wand die da ist, ich muss drüber springen oder sie umhauen. Gezielt hämmern, dass sie einstürzt; nciht wild drauf los schlagen. Ich bin nicht ungeduldig. Aber wird es besser? Ich will doch nciht den Rest meines Lebens so verbringen. Ich leide nicht, ich will nur einfach weiter vorwärts gehen.

    Nicht reden, machen. Aber was? Also: Aufgabe für die nächste Woche: Psychologen anrufen, Termin vereinbaren. Vielleicht kann ich mir jetzt nicht mehr allein helfen.

    k.

    heute in der Mittagspause bin ich mit einer Kollegin spazieren gegangen. haben uns bissl unterhalten. Irgendwann sagt sie zu mir, eigentlich müsste ich dir mal meinen Bruder vorstellen. So wie du redest, deine Zweifel, deine Lösungsansätze suchst und überhaupt ... ihr würdet total gut zusammen passen... Er ist trockener Alkoholiker und hat durch Thai-Chi seine Mitte gefunden.

    Ok... so offensichtlich Co bin ich also, dass man mir Kontakt zu einem Suchtkranken vermitteln will...........

    Hmm..

    Ich habe Angst vor der Macht, die er über mich hat. Wo ist der Aus-Knopf? ICH bin es doch, die ihm diese Macht zugesteht … Ich muss das doch auch abstellen können.

    Habe gestern einen Brief an IHN geschrieben mit lauter elektronischer Musik im Hintergrund – ohne nachzudenken, einfach losgeschrieben. Es ist ein guter Brief geworden. Werde ihn nicht abschicken, denn ich will keine schlafenden Hunde wecken. Hab ihn für mich geschrieben, um mir einiger Dinge bewusst zu werden.

    Man kann nun mal im Leben nicht ALLES haben. Ich kann ihn nicht haben, weil ich mich in ihm verliere. Ich an seiner Seite nicht mehr mein Leben führen kann, nicht mehr eigenständig denken kann und es nicht schaffe, meine Verantwortung bei mir zu behalten und nicht abzugeben. Er kann mich nicht haben, weil er ein solch hohes Suchtpotential hat, dass daneben nichts nichts anderes, niemand anderes existieren kann.

    Wir beiden haben in der Zeit unseres Zusammenseins nur ihn gesehen. Beide mit den besten Hoffnungen und Gedanken für ihn aber den völlig falschen Voraussetzungen. Ich als nasse Co-Abhängige und nasse Drogenabhängige (irgendwann trocken). Er in seiner nassen Drogen- und Alkoholsucht.

    Es überkommt mich, irgendwas schreit in mir, ICH LIEB IHN DOCH!!!! und ich merke, dass irgendetwas in mir mir etwas vorgaukelt – vortäuscht. Mein Verstand ist so meilenweit von meiner Emotion entfernt, dass fast kein Zusammenhang darin besteht.

    Liebe…?
    Als ich noch bei ihm war und so richtig nass, da hab ich gemerkt, ich mag ihn total, aber im Grunde bin ich nur noch hier, weil er mir leid tut. Und weil ich mich nicht so recht traute, allein loszustapfen und weil er mich bat - immer und immer wieder - zu bleiben. Ich bin irgendwann weiter gegangen. Schritt für Schritt: Hab mit den Drogen aufgehört, angefangen nach „Draußen“ zu gehen, aktiver zu werden... Er ist stehen geblieben, nein, er ist rückwärts gegangen. Lebt sein Suchtverhalten aus: PC, Alkohol, Drogen… und ist nur noch daheim geblieben.

    Schuld …!
    Er hat die Verantwortung für sich und seine Entscheidung. Ich hab die ganze Zeit Verantwortung abgegeben, hab ich ihn kaputt gedrückt? Er hat begonnen zu trinken, als seine große Liebe ihn verließ. Er hat angefangen harte Drogen zu nehmen, irgendwann nachdem ich ihn verlassen hatte. Er erschien mir immer als der Stärkere von uns beiden. Er hat mich immer abgeblockt und gemeint, wenn er das jetzt an sich ranlässt, dann macht ihn das kaputt. Warum also macht er sich selbst kaputt?

    Mein Gedanke ist, ich will nicht auf seinen Schultern aufstehen und ihn hängen lassen. Das hätte er mir auch nicht angetan. Ich denke, deswegen ist bei mir auch noch so ein starkes Gefühl da. Ich bin noch nicht soweit, dass ich mich komplett abgewendet habe. Es ist da das Gefühl zu warten, ob und was passiert. Es ist noch nicht vorbei! Das war es nie. Ich bin immer wieder gekommen. Ein Umstand, den er kannte und wusste ihn zu nutzen. Das waren auch seine letzten Worte, als ich ging um meine letzten Sachen zu holen.

    Ich mag mein Leben jetzt, wie es ist. Mag die Menschen darin, mag den Inhalt, mag die Zeit. Aber mein Grundgefühl ist ein Negatives. Ich kann mich nicht so recht an den schönen Dingen erfreuen. Ein materieller Kauf z.B. von Klamotten bringt mir nicht mal mehr eine Minute an Zufriedenheit. Ich tue viel für mich auch nicht-materialistische Dinge, aber es macht mich nicht satt. Ich löse mich von vielen Dingen. Verschenke jede Woche Sachen, die ich für mein Leben nicht mehr als wichtig erachte. Miste meine Wohnung aus, versuche mich zu befreien. Aber ein gutes Gefühl bleibt nicht lange. Ich blocke Verehrer bewusst und betrachte dabei, was es in mir auslöst - verehrt zu werden, gewollt zu werden (innere Wärme) und zu verneinen (Leere, Schmerz). Es ist gut, das zu reflektieren. Ich umarme mich jeden Abend wenn ich ins Bett gehe, nehme meine Tedder in den Arm, den ich mir (meinem inneren Kind) vor etwa 2-3 Jahren geschenkt habe. Ich esse und schlafe – etwas was ich mir oft verwehrt habe.

    Ich weiß, wenn ich zu ihm zurück gehen würde, würde ich selbst das bisschen wieder aufgeben. Das will ich auf keinen Fall! ICH kann eben nicht alles haben. Ich will mich!!! Also … wo/wer/wie bin ich?

    Gruß

    k.

    treffe eben eine bekannte, sie sagt mir ... ich habe gestern IHN gesehen ... und ich denk noch so: nein, erzähls mir nicht, will garnix darüber hören

    und im nächsten atemzug sagt sie: er sieht voll schlecht aus ... ARGGG... was für ein gedankenspiel danach ... ... wenn er jetzt schon sehr schlecht aussieht, ist sein tiefpunkt vielleicht bald erreicht ... ...

    wo soll das denn hingehen, wo soll das denn enden? endet das überhaupt mal irgendwann? ich dreh mich wenn es um ihn geht um die eigene achse und finde irgendwie das sprungbrett nicht oder das bremsbedal

    merken: schneller antworten, nicht zögern oder gar fragend schauen!
    aktion, reaktion steuern lernen.

    gruß

    k.

    Meine nun mir ab heute selbst gestellte Aufgabe (mit Hilfe meines neuen Buches):

    24 Stunden durchgängig positive Gedanken, kein Meckern oder Jammern usw.

    Wenn ich mich in Negativität ertappe, fangen die 24 Stunden von vorne an.

    Bis jetzt läuft es ganz gut. Die 24 Stunden haben erst einmal von vorne begonnen, gleich heute morgen beim Aufstehen bei einem Gedanken an ein heute anstehendes Gespräch mit meinem Chef, was ich mir dunkler malte, als es dann real war.


    Mir ist aufgefallen, dass ich viele Co-Strukturen schon viele Jahre sehe und versuche zu bearbeiten, ohne zu wissen, dass dies Co-Strukturen sind. Mir ist auch aufgefallen, dass ich manchmal nicht so recht einschätzen kann, was ist jetzt Co-Emotion oder Normal-Emotion. Habe ich überhaupt Normal-Emotion? Und ich fühle mittlerweile, dass ich und wie ich an der Oberfläche schwimme. Es ist wie im realen Leben. Schwimmen kann ich, aber zu groß ist die Angst vor tiefem Wasser, Angst dass ich absaufe, wenn ich nicht mehr stehen kann. Zu groß ist die Angst zu ersticken, deshalb habe ich mich auch noch nie getraut, zu tauchen. Selbst unter der Dusche bekomme ich manchmal innere Panik, wenn Wasser in mein Gesicht kommt, weil ich nicht traue zu atmen.

    Habe die Nacht zu Montag schlecht geträumt und bin mitten in der Nacht erschrocken am anderen Ende des Bettes erwacht, wie ich einschlief. Im dunklen Wald. Flucht vor etwas Bösem in einen Busch am Wegerand. Meine Begleiter laufen in Reih und Glied hintereinander auf dem Weg davon – alle in die gleiche Richtung. Schneller Herzschlag, ich die Einzige, die in diesem Moment nicht mehr verfolgt wird. Ich die Einzige, die helfen könnte und doch auch nicht wirklich etwas tun kann gegen diese Übermacht. Dann bin ich erwacht. Hab jedoch ziemlich schnell meine Fassung wieder erlangt. Konnte weiter schlafen. Fortschrittlich.

    Kann wieder weinen. Es tut gut. Weiß nicht, wie lang das nicht mehr ging – außer dem einen Mal. Fühlt sich an wie zurück fühlen und vorwärts gehen.

    Gruß

    k.

    eine woche krank, eine woche selbstmitleid, eine woche gedachtes chaos, eine woche im gefühllosen schockzustand, eine woche fragen ohne antworten, eine weitere woche tränenlos, eine weitere woche leben wie falschgeld.

    dann, am sonntag konnte ich weinen. bilder der vergangenheit und eine dämpfende leere in mir. ein knoten der platzte - endlich. weinen über mein unglück. weinen der traurigkeit wegen. weinen der verlorenen liebe wegen. weinen über seine entscheidung, die nichts mit mir zu tun hat und mich doch so unmittelbar betrifft.

    tränen, díe ich mir nicht mehr erlaubt habe, weil ich jetzt stark sein muss und will, weil ich mir doch wichtig bin und ich selbst nicht verstehen kann, dass ich das alles mit mir habe machen lassen.

    seitdem ist besser. seitdem kann ich wieder zu mir schauen. mein nächster schritt ist vielleicht, ihm zu sagen, dass er mich in ruhe lassen soll, wenn er sich das nächste mal meldet. aber ich frage mich auch, ob das überhaupt was bringt oder ob es für ihn nur eine bestätigung ist, sich wieder öfter zu melden, wenn ich auf ihn reagiere und antworte.

    habe mir ein neues selbsthilfebuch gekauft. werde jetzt mein eigener coach, mein eigener bester freund.

    grüße

    k.

    vielen dank ette.

    eine frage erlaube ich mir noch zum drüber nachdenken ...

    was veranlasst dich, meine art als so zu empfinden, dass ich mir die art der hilfe aussuchen möchte?

    ...
    ich frage mich auch, warum mein blick so ist, dass ich denke, dass ich angegriffen werde ...

    lieber gruß und danke! mein blickwinkel ist offener. kann annehmen, was du sagst, weil ich es fühle. fühl mich nicht gut. aber hätte mich auch gewundert.. hätte garnicht gewusst, wie es weiter geht, jetzt weiß ich es. trauma ist noch da, herz heilen. bin wieder traurig und das fühlt sich viel realer an, als das glück.

    danke!

    kk.

    Ich habe erkannt, dass ich mich noch immer festhalte, festhalte an meiner Co. Ein "normal Handelnder" hätte wohl längst die Sms bei Ankunft gelöscht. Ich schleppe sie mit mir rum, trug sie bei mir, jeden Tag und ja, ich stecke sie hierher. Das ist kein "trockenes" Verhalten. Das ist mein Sicherheitsdenken, mein Denken an das Hintertürchen, das ich mir schon immer versuchte, aufzuhalten. Das ist mein Denken, mich nicht entscheiden zu wollen, keine Verantwortung für mein eigenes Handeln übernehmen zu wollen.

    Und ich habe noch erkannt, dass ein "Rümpfer" mich in meiner Persönlichkeit ankratzt. Es fällt mir noch immer schwer, umzusetzen, Kritik nicht als das anzunehmen, was es ist, eine Hilfe, um mich zu betrachten. Dann rede ich und rede ohne etwas zu sagen, um Anerkennung von Außen zu finden.

    Ich erkenne, dass es mir noch immer schwer fällt, unter die Oberfläche meines Selbst zu schauen. Ich bin zwar mutiger, mein Leben für mich selbst zu gestalten, aber ich habe noch genauso viel Schiss wie vorher, zu sehen was es in mir zu sehen gibt. Angst, zu stürzen in meinen eigens aufgebauten und aufgestauten Dreck und darin nicht mehr Atmen zu können.

    Ich habe auch erkannt, dass ich mich im sog. Anfängerglück befand, habe einen neuen Weg eingeschlagen und postiv gedacht und mir ist das Glück nur so zugeflogen. Jetzt stolpere ich weiter und bin noch genauso Laie meinerselbst und noch genauso Co wie vorher, denn mein Hintertürchen ist offen, die Sehnsucht in mir fühlt sich noch immer warm und wohlig an.

    kk.

    Liebe Ette,

    ich schrieb:

    "du hast schon eíne brutale art an dir, aber das ist kein vorwurf. du bist du und ich bin ich. ich bin nicht undankbar dafür, denn manchmal braucht man eine harte stimme, die einen wach macht. ich wünschte, so etwas hätte mir jemand schon früher gesagt, vielleicht (aber auch nur vielleicht) wäre ich früher erwacht.

    ich bin auch nicht so vermessen, keine hilfe anzunehmen. ... bin für jeden input dankbar."

    Nachdem ich gestern die Frage zum Empfinden der Brutalität beantwortet habe, war mir körperlich total schlecht. Ich schrieb diese Worte nicht, um sie dir an den Kopf zu werfen, sondern ich gestand sie mir ein! Ich bin mir sehr wohl bewusst, dass du mir deine Zeit schenkst und ich hoffte, dass bereits angekommen ist, dass ich mir deine Worte und meine Empfindungen dabei sehr genau anschaue, um für mich etwas heraus zu finden. Nein, ich möchte mir nicht aussuchen, wie die Hilfe auszusehen hat.

    Zur Frage, was du mit meinem Gefühl zu tun hast: Mein Gefühl ist mein Gefühl. Du oder andere Menschen lösen ein Gefühl in mir aus. Und dieses will ich genauer anschauen und die Mechanismen verstehen und weitergehen zu können. Und dabei bin ich hoffentlich ehrlich zu mir selbst. Also Ette, das war gestern keine Verteidigungsstrategie von mir das war ein Eingestehen an mich. Den Abend vorher schrieb ich Seitenweise eine Antwort, schickte die Antwort aber nicht ab, ich gab sie auf, denn ich schrieb und schrieb ohne etwas zu sagen. Den Morgen danach (gestern früh) versuchte ich einfach nur ohne viel Drumherum zu antworten auf deine Frage.

    Lieber Gruß

    kk.

    Hallo Spedi,

    Ich lese gerade deinen Post und habe auch mal eine Frage an dich:

    Du scheinst ja ein sehr konkretes Bild davon zu haben, was in diesem Forum geschrieben werden soll und was nicht. Mir kommt es so vor, als ob du gerade sagst, geh bloß erst zum Arzt, wenn die Erkältung schon voll da ist. Bloß nicht vorher, denn dann überstrapazierst du den Arzt, verursachst nur Kosten und Wartezeiten und die Erkältung bricht wohlmöglich gar nicht aus, weil du ja vorher schon Vorsorge betrieben hast und z. B. Medikamente nimmst.

    Wir alle sind Lehrer und Schüler, Gleichgesinnte und Andersdenkende. Jeder geht seinen Weg und den in seiner Zeit. Niemand gehört in eine Schublade gesteckt.

    Es mag sein, dass Amai nicht in das Bild des typischen oder klassischen Co-Abhängigen gehört, aber dann gehöre ich wohlmöglich auch nicht in das Bild. Mir fehlt ein bisschen deine Hilfestellung. Wo bleibt deine konstruktive Beanstandung/Kritik (die man z. B. in Ette´s oder Käferchen´s Post findet), mit der man in der Lage ist, in Lösungen zu denken? Meistens sieht man nämlich in der eigenen Sache den Wald vor lauter Bäumen nicht.

    Was sind denn für DICH stilmäßige Symptome einer „klassischen“ Co-Abhängigkeit, mit welchen ist sie deiner Meinung nach behaftet?

    Wenn du das zu deiner Frage dazu gibst, dann gibst du eine Basis, auf der man aufbauen kann, auf der man nachdenken kann und auf der man Erkenntnisse für sich herausholen kann. Und jetzt sag du bitte nicht: … „in Bezug auf Alkoholabhängige und deren Partner“ …

    Vielleicht schreibt Amai derzeit noch „zu Allgemein“ aber deine Frage finde ich auch viel „zu Allgemein“ gestellt.

    Selbst deine Antwort finde ich zu allgemein, denn wenn du mal ins Impressum schaust:

    „Zweck dieses Forum's:
    Diese Internetseite richtet sich an Hilfesuchende ab einem Alter von 18 Jahren, die hier einen Erfahrungsaustausch unter Gleichgesinnten zum Thema Alkoholsucht und Coabhängigkeit suchen.“

    Auch ich danke fürs Erklären.

    Ein lieber Gruß

    kk.

    Hallo Ette,

    Wenn ich merke, dass Worte oder Taten in mir eine heftige Reaktion, Emotion wie z.B. Wut oder Traurigkeit, auslösen, dann schaue ich das, was in mir passiert, genauer an. Ich glaube an die Spiegelgesetze. Gesetze, nach denen ja auch du bewusst oder unbewusst lebst und agierst. Ich empfinde ebenso wie du, Worte oder auch Taten, die eine leidenschaftliche Gemütsbewegung in mir in Gang setzen, sind mit die hilfreichsten, wenn es darum geht, zu reflektieren, wohin ich schauen muss, um MEIN Problem zu erkennen. Jede Geschichte hat seinen eigenen Verlauf. Ich empfand die Menschen, die mich bedauern wollten noch nie als geeignete Zeitgenossen. Ich such(t)e immer Menschen, die mir offen gegenüber treten. Mir helfen Fehler zu erkennen, in der Lage sind, mich ausprobieren zu lassen und mich stoppen, wenn ich mich nur im Kreis drehe. Ich empfinde Klarheit ohne Gesäusel als eine der wundervollsten Eigenschaften eines Menschen. Eine Eigenschaft derer ich mich allzu gern bemächtigen möchte, weil auch ich allzu oft dazu neige, zu säuseln.

    Zum Teil hast du deine an mich gestellte Frage ja bereits beantwortet. Zu diesem Teil ist für mich nichts Gegenteiliges hinzuzufügen.

    Meine persönliche Empfindung deiner brutalen Art ohne viel Drumherum:

    Allein der Umstand, dass Jemand auf mich schaut, der einen kennenden und wissenden Erfahrungsblick hat, ist für mich als Menschen, der sich im Leben nur all zu oft durchgemogelt hat, unglaublich brutal.

    Allein der Umstand, dass du mir Fragen stellst und mich damit „zwingst“, das was ich sage, tue, bin genauer, tiefer anzuschauen, nicht mehr nur an der Oberfläche zu kratzen, empfinde ich als brutal.

    Allein der Umstand, dass du mir eine Frage zweimal stellst, so dass eine Intensität entsteht, derer die Antwort schon anhaftet, finde ich brutal, denn dann setze ich mich in die Verteidigungsposition und rede und rede und rede – ohne wirklich was zu sagen.

    Deine Wortwahl, z. B. „Hallo oder Guten Morgen Koketterie“ empfinde ich als brutal, denn diese Wortwahl hat nichts Umarmendes („Liebe Koketterie“) - Aber dazu bist du wohl auch nicht hier bei mir. Ich empfinde bei dir kein mich auffangendes Netz unter mir, falls ich stürze in die Tiefe meiner selbst.

    Lieber Gruß

    kk.

    sie durchschauen. mich selbst durchschauen. durchschauen, welche knöpfe muss man denn drücken, damit ich funktioniere. ja, darum gehts jetzt.

    sie durchfährt mich mit einer wohligen wärme. nicht die speziell sehnsucht nach ihm. der wunsch: das was wäre wenn, wenn denn das wenn nicht wäre. ein gefühl, was mich seit jeher begleitet. nicht erst bei diesem mann/menschen.

    was könnte es denn sein?
    die große liebe an der seite eines freundes. an der seite eines menschen, der das leben so nehmen kann, wie es ist. ein mensch mit guten ideen fürs leben und guten perspektiven. ein mensch an dessen seite ich vorbehaltlos ich sein kann - einfach sein. ein starker charakteristischer mann, den ich auch einfach sein lassen kann, weil er selbst so reflektiert ist, dass er sich selbst erkennt und durchschaut. ein mann der kritikfähig ist und romantisch aber auch eigenständig männlich.

    was ist es denn?
    eine beiderseitige abhängigkeitsbeziehung zwischen zwei suchtkranken. ein manipulativer zwerg, der nach unten drücken muss, um sich höher zu fühlen. eine manipulative zwergin, die sich gerne drücken lässt, weil sie dann überhaupt mal eine emotion in sich spürt, auch wenn es nur eine negative ist. zwei menschen, die die schuld woanders suchen, als bei sich selbst, sich dafür brauchen. zwei menschen, die sich selbst nicht lieben können, keine liebe zulassen können und keine verantwortung für sich selbst übernehmen wollen.

    liebe ette, ich danke dir für deinen besuch. es ist wohl etwas vermessen zu sagen, dass ich keine wohlfühldeckenillusion mehr um mich gewickelt habe. ich bin mir vieler sache bewusst und lange zeit habe ich mit diesem bewusstsein gelebt, ohne zu wissen, was ich damit anfangen soll - ich junges ding mit den gedanken einer gefühlten 40-jährigen. zu wissen und nichts zu tun. das hat mich lange sehr klein gemacht und mich lange in der position mädchen verharren lassen. jetzt bin ich aufgestanden und stehe fast mit voller größe in meinem leben. ich fühle mich frau. aber weder fliege ich davon noch krieche ich vor mich hin. anerkennen was ist - das ist mein weg. ich will heile werden, aber ich will weder verdrängen noch mich in selbstmitleid suhlen. ich habe die nacht lange wach gelegen und über deine frage nachgedacht. du hast schon eíne brutale art an dir, aber das ist kein vorwurf. du bist du und ich bin ich. ich bin nicht undankbar dafür, denn manchmal braucht man eine harte stimme, die einen wach macht. ich wünschte, so etwas hätte mir jemand schon früher gesagt, vielleicht (aber auch nur vielleicht) wäre ich früher erwacht. ich habe mir die worte noch einmal durchgelesen, die ich gestern von meinem handy hierher verschoben habe. ja es ist so, ich habe sehr gelitten und habe sehr gehofft, dass er erwacht, die ersten wochen nach meinem weggang. ich wollte alles mögliche veranstalten. ihm zb (mit hilfe vo weiteren menschen) eine notfallsituation vorspielen, damit er wach wird und aufhört, aber dann nach dem aufhören nicht alles für ihn kaputt ist usw. usw.

    aber es kam die erkenntnis, dass ich nichts tun kann. dass diese worte rein garnix bewirkten. mein tun rein garnix bei ihm bewirkt. er ist noch immer wie er ist. aber bei mir hat es was bewirkt, das nach vorne gehen. ich bin mir sehr sehr viel näher und wichtiger als jemals zuvor. ich mag mich. ich spüre mich. ich ertrage sehnsucht und schaue sie mir an ohne durchzudrehen, ohne mich selbst berauschen zu wollen - alles ganz in ruhe, alles zu seiner zeit und in meiner zeit. diese worte, sie drücken längst nicht alles aus, was ich zu dieser zeit alles fühlte und doch irgendwie. aber ich lese sie völlig emotionslos. heute. hier. jetzt.

    ich bin auch nicht so vermessen, keine hilfe anzunehmen. wenn du einen guten rat für mich hast, wie ich ich anders mit der sehnsucht umgehen kann und verhindern kann, dass jeder einfach mal so an meinen knöpfen rumspielen kann... gern her damit. bin für jeden input dankbar.

    lieber gruß

    kk.

    Lege eine Hand unter, eine über den Nabel auf deinen Bauch. Atme in deine Hände. Spüre wie dein Bauch sich beim Einatmen hebt, beim Ausatmen senkt. Hab keine Angst davor.

    Spüre, wie ich dich fest in die Arme nehme. Wir alle tragen das gleiche Los, das gleiche Schicksal, gehen den gleichen Weg. Du gehst ihn nicht allein. Deine Situation ist festgefahren?, aber nicht unlösbar!. Du DARFST erkennen, immer und immer wieder, dass du noch nicht fertig bist. Wie langweilig wäre das denn auch?

    Jede Katastrophe, die großen sowie die kleinen, ist eine Erfahrung. Und wenn es sich gerade ganz ganz schlimm anfühlt, dann heißt das nur, es will angeschaut werden. Und wenn du noch nicht bereit bist, alles anzuschauen, dann schau kurz mal weg und schau später noch mal nach und teile das große Problem in viele kleine Probleme, die du nacheinander sortieren und abarbeiten kannst. Und lächel drüber. du bist doch schon ein paar Schritte vorwärts gegangen ... du bist doch auf dem richtigen Weg und das allein zählt doch. Das Positiv deiner Gedanken (im Allgemeinen) wird sich auch in deinem Leben bezahlt machen. Schritt für Schritt. Erkennen gehört dazu. Das Leid dabei auch. Und die Freude des Weitergehens.

    kk.

    was mir noch einfällt, ich sitze jetzt nicht vor dem rechner und schaue mir die ganze zeit diese worte an. diesen thread habe ich aufgemacht und ihn noch nicht wieder angefangen zu lesen. ich denke mal, deine angst ist sicher auch, dass ich in einem halben jahr wieder lese und dann ins grübeln komme, warum habe ich das alles gemacht (der lieben worte wegen). nein, ich werde nicht lesen und in sehnsucht schmachten. ich werde wie auch heute oder die letzten 2 monate und zum teil auch schon vorher mit einem kopfschütteln dasitzen und mich (möglicherweise noch immer ungläubig) fragen, welcher teufel ist ihm denn in den kopf gefahren ... ich habe ihn längst durchschaut, wusste immer wenn er fremdvögeln war oder sonst irgend ein geheimnis hatte, denn er hat sich dann absolut atypisch verhalten. ich musste auch viele wege gehen, die ich niemals gehen wollte, habe geschnüffelt und andere sachen gemacht, die ich nicht wage zu erzählen. ich wusste immer, war aber nie in der lage, mich zu lösen, wollte es nicht, wollte die qual lieber bewusst tragen oder wegkiffen.

    jetzt berausche ich mir nicht mehr den kopf. mir ist total klar, dass das die knopfdrücke sind, die ja auch über jahre hinweg funktionierten. aber ich weiß auch, dass ich es eben nicht mehr die qual genießen will. das wollte ich vorher (und dies eben auch mehr oder weniger bewusst) ... ist das überhaupt verständlich? meine mom sagt immer: worte, die quelle aller missverständnisse.

    lieber gruß

    kk.

    liebe ette, nein meine kuscheldecken-illusion kannst du mir nicht mehr wegzerren, weil ich keine kuscheldecke mehr um mich gewickelt habe. weil ich die kuscheldecke nicht mehr will. es ist nicht so, dass diese worte untypisch für einen abhängigen sind. sie sind untypisch für ihn als mensch. als mensch hätte er diese worte nie zu mir gesagt. nur als abhängiger, der meine knöpfe drücken versucht. erkannt.

    und ja, mein emotionales gedächtnis funktioniert, aber das funktioniert bereits die ganzen letzten jahre und wenn ich nicht aufpasse und vergesse, dann wird es mir in einem halben jahr, wenn er wieder anfragt, wieder passieren, dass das system auf knopfdruck anspringt. deshalb schaue ich der sehnsucht jetzt ganz genau in die augen und analysieren sie und spiele mit ihr, damit ich später eben nicht mehr auf knopfdruck funktioniere und mein sehnsuchtskreislauf und alle damit verbundenen folgen läuft und läuft. ich will es hier und jetzt ad acta legen und weiter machen.

    ich kann mir vorstellen dass es sich schräg anhört oder anliest. vielleicht ist es nicht der richtige weg. aber so probiere ich es gerade. weißt du, ich will es einfach hier lassen. und allein das aufschreiben und das schreiben hier mit dir lässt mich freier atmen und gibt mir die chance, aufzustehen und nicht gebückten, sondern geraden rückens weiter zu schreiten.

    aber ich schlafe gern noch eine nacht drüber und vielleicht komme ich morgen zu dem gleichen ergebnis wie du und werde die admins bitten, zu editieren.

    danke dir für deinen hinweis, aber ich will genau das was du mir vorschlagen willst, nur gehe ich dabei einen vielleicht unkonventionellen weg. glaaub mir, ich laufe nicht blind vor sehnsucht. ich laufe neben der sehnsucht, um sie zu kicken.

    lieber gruß

    kk.

    liebe ette, ich habe jetzt einige zeit über deine frage nachgedacht. ob es hilft? nun, zumindest will ich nicht vergessen.

    diese alten worte von ihm ...
    die negativen sind keine worte, die mich eine hölle durchleben lassen.
    die lieben worte, sie sagen soviel aus, einfach weil sie so untypisch für ihn sind.

    diese alten worte von mir ...
    das ist ein teil meines weges, dorthin, wo ich jetzt bin, dorthin wo ich hinwill, da wo es mir gutgeht.

    jedes dieser worte ist ein teil meiner geschichte. und die will ich nicht vergessen. ich will vor allem den weg nicht vergessen, den ich gehe. will die gefühle nicht vergessen, die sie in mir auslösen in mir - die worte. und das ist für mich viel leichter, wenn ich sie im kontext zusammen habe - seine und meine.

    und ich schreibe sie hier, weil die letzte message kam gestern und in mir strahlt die sehnsucht. wäre ich die letzten 2 monate nicht so viele schritte nach vorne gegangen, dann hätte ich wohl geantwortet und wäre die nacht bei ihm gewesen und dann läge der kreislauf wieder vor mir...

    ich will platz auf meinem handy machen, denn auch dies ist ein medium, was mir hilft nicht zu vergessen, was mich begleitet und worin ich immer mal wieder lese, um nicht zu vergessen. aber es ist ein medium, was mich täglich begleitet - und nun soll platz für neue emotionen und gedanken darauf sein. hier ist der richtige ort, das richtige medium dafür - offen und nicht im stillen.

    ich stelle mir das so vor ... ein trauma wird gespeichert im gehirn. wenn es noch nicht verarbeitet ist, dann wird es in dem teil gespeichert, wo die emotionen verankert sind und gleich was (z.b. ein geruch, ein wort oder ein gegenstand ...) kann eínen impuls hervorrufen, der das trauma wieder in die gedanken holt und die seele quält.
    wenn das trauma bearbeitet ist, z.b. durch gesprächstherapie, dann speichert das gehirn das erlebte um in den teil, wo die logik verankert ist, dort wo die bilder von weiter ferne betrachtet werden können.

    so in etwa kann ich das mit meinem telefon und diesem forum beschreiben.

    es gibt auch heute immer wieder kurze sequenzen der sehnsucht nach ihm aufgrund der message von gestern. aber seit sie hier drin steht, kann ich sie noch besser von außen betrachten und mich selbst fragen, ist dieses zuckerbrot es wert, die peitsche im nachhinein zu ertragen?

    ich will abschied nehmen, loslassen. und das für die ewigkeit und nicht nur für ein halbes jahr. es muss sein, dass ich nicht vergesse, denn sonst wird es immer wieder wie es war. denn meine seele kann viel zu schnell verzeihen und ich bin längst nicht stark genug, einfach weiterzugehen (dazu brauche ich den weg) oder ihm gegenüber zu treten und nicht schwach zu werden. noch jedenfalls nicht.

    kk.

    So, jetzt ist der Positivstress des Arbeitsleben erstmal vorbei und mein Leben wird wieder ruhiger. Aus gegebenem Anlass werde ich eine "kurze" Chronik erstellen, um meine Co-Strukturen weiter zu bearbeiten. Ich bin mir fast sicher, einige werden beim nachfolgenden Lesen denken, da ist jetzt in ihr der totale Kontrollzwang hochgekommen. Aber erfahrungsgemäß hat mir das Aufschreiben und wieder Nachlesen-können immer weitergeholfen, Dinge zu verstehen. Also man mag es mir vergeben und wer es nicht lesen mag, einfach überlesen :)

    Ich habe heute Nacht mein Handy aufgeräumt und ich will die Worte nicht einfach im Nirwana verschwinden lassen:

    Chronik

    Am Morgen des 15.07.2008 „erwischte“ ich ihn beim Blechrauchen. Am Abend redeten wir kurz. Seine Message: … ja und? ich rauch mal ab und zu ein Blech. Was ist schon dabei. Er meinte wir könnten ja mal morgen Abend darüber reden. Er denkt sich was aus, was wir machen können. Am 16.07.2008 sagte er mir ab. Von da an, bin ich nicht mehr zu ihm gegangen. Hab ihn nicht mehr angerufen. Mein Auto hatte er noch. Am Abend des 18.07.2008 versteckte ich mein Auto. Am Nachmittag des 19.07.2008 stand er vor meiner Tür und suchte das Auto, diskutierte über eine Stunde mit mir, dass er jetzt unbedingt das Auto brauche, ganz dringend, er könne mir jetzt nicht sagen wofür, erst nachher könne er mir das sagen. Und er könne auch nicht mit Fahrrad fahren… Er war auf Entzug und hatte sich gerade Geld besorgt. Ich sagte ihm nicht, wo mein Auto steht. Fuhr am selben Tag spontan weg auf eine Outdoor-Party für 4 Tage und fuhr anschließend in den Urlaub. Funkstille bis:

    ER schrieb am 27.07.2008:
    es tut weh einfach so abgestempelt zu werden gerade jetzt hätte ich etwas mehr von dir erwartet anhänglichkeit ist nicht immer = sucht auch wenns gerade so passt
    und das nehme ich dir auch net so ganz ab deine coabhängigkeit usw. wenn du woanders f*** willst iss das ok aber bitte nicht so, ich fühle mich voll gef***
    ein bitterer beigeschmack kommt bei mir hoch.. dein nest durfte ich noch fertig bauen und nu habb ich den finger im ar***.. egal, es tut halt nur weh ar***loch

    ICH antwortete:
    mir tun die lügen weh! ich dachte, du bist dir mehr wert! ich stempel dich nicht ab & f*** nicht! Bin gegangen, um uns zu helfen! du bist der größte wert in meinem leben! aber gegen drogen will ich nicht kämpfen! wenn das dein weg ist, geh ihn allein! jeden anderen weg gehe ich mit dir! mach eine therapie! lieb dich! k.
    während meines nestbaus habe ich dich wohl mehr als unbedacht finanziert! & wenn du denkst mir macht ein leben allein mehr spaß, dann bist du dummer als ich dachte
    & was hast du GERADE JETZT mehr von mir erwartet? du hast mir weh getan! komm aus deine opferhaltung raus! du lässt alles & jeden abfahren! du fi*** alle anderen die dich mögen und mich & steckst uns den finger in den ar***.. ar***loch! aber mach doch. wenn du tot bist, weiß ich ja wo du begraben werden willst..

    ER antwortete:
    es ist kalt und einsam ohne dich. hör auf mir vom sterben zu erzählen. ich lebe und habe alle prüfungen bestanden. gute nacht ich denk an dich und ich drück dich


    ER schrieb am 01.08.2008:
    ich möchte dich bitten deine drogenscheiße für dich zu behalten das macht mein leben nicht leichter und stimmt nicht … danke

    wäre nett mal ein lebenszeichen von dir zu bekommen, ich mache mir sorgen, geht’s dir gut? wo bist du? wenn du keinen kontakt mehr willst, dann sag das bitte

    ICH antwortete am 02.08.2008:
    als zeichen des Lebens! & was bitte hab ich mit DEINER drogenscheiße zu tun? & was bitte davon stimmt denn nicht? so ein elend immer. bin seit 2 wochen im urlaub. k.

    ER schrieb am 05.08.2008:
    hätte mich gefreut dich zu sehen… jute nacht

    ER schrieb am 06.08.2008:
    biste wieder in daheim? melde dich doch mal …

    ER schrieb am 07.08.2008:
    Lese bitte die mail … danke

    seine E-Mail:

    bitte meld dich doch mal, langsam habe ich echt angst.
    was ist los mit dir ?

    ich vermisse dich total und denk´ die ganze zeit an dich. wenn du nix mehr mit mir zu tun haben willst, dann sag es mir doch bitte. immer diese gedanken um dich machen mich voll fertig. das ist so scheiße, das kannste dir garnet vorstellen.

    ich wache nachts auf und du bist nicht da und ich weiß net warum und wo du bist und was du tust.

    wenn du nen andern hast oder so, dann sag es doch bitte, das ist nicht so schlimm, ich würde es verstehen,

    ach kacke , das stimmt garnet, ich wäre tot traurig... aber trotzdem besser als diese ungewissheit. ich bin auch bereit, mit dir über die bleche, die du gefunden hast zu sprechen. bitte lass uns wenigstens reden. oder schreib mir einfach wenn ich mich verpissen soll.

    ...das wars auch schon von mir, ich vermisse dich ganz doll.


    In der Nacht vom 07.08. zum 08.08.2008 stand er vor meiner Tür. Wut und Verzweiflung im Gesicht. Warum meldest du dich nicht? Ich fragte ihn was er von mir wolle. Er drehte sich um und ging wortlos.

    Darauf hin schrieb ICH:
    schlag mir doch das nächst mal den schädel ein.. hätte gut zu deinem gesicht & deinen worten gepasst & vielleicht kann ich dann ja auch mal wieder schlafen.. meine antwort kommt morgen, wenn’s dich noch interessiert, lies. hab kopfweh von dem ganzen scheiß.. also wie du siehst, wieder in b & allein daheim.. k.

    ER antworte:
    Du tust nur noch weh sonst nix mehr. seit 3 wochen weiß ich net wo du bist was du tust usw. ich bin einfach nur enttäuscht von dir. deine arroganz ist zum kotzen.

    ich hab mir nur sorgen gemacht und weiß net was los ist. es interessiert mich auch nicht mehr wirklich, ich dachte du bist tot oder so was dabei bist du nur ein großes ar***loch, das hätte ich nie von dir gedacht und nein, deine antwort interessiert mich nicht mehr. mach du mal ne therapie du tust nur noch weh. wenn du nochmal normal mit mir reden willst, dann tu es in den nächsten 8 wochen, danach werde ich b verlassen (falls es dich interessiert) ansonsten will ich meine schlüssel haben, deine sind morgen bei dir, dann brauchste dein auto nicht mehr zu verstecken. ich hab einfach keine tränen mehr. hau rein ich liebe dich

    ICH antwortete:
    dann kotz doch, du opfer. spar ich mir halt die antwort, ist doch eh fürn arsch und verlorene energie. ich steh neben dir & weiß nicht was du tust, wer weiß wie lange schon. ich bin stinksauer & tottraurig & hab angst vor dir. kannst dir auch mal nen plan machen, wie du mir meine kohle zurückgeben willst, aber das kann ich wohl auch vergessen. auch für mich ist das die super enttäuschung. das passt doch jetzt gut in dein bild. tränen hab ich auch keine mehr & liebe ist auch fürn arsch. viel glück beim ankommen. gruß von mutter. falschparkticket aufm bürgersteig ist angekommen & mal wieder überwiesen. vielen dank für alles. gut nacht

    ER antworte:
    sobald ich geld verdiene zahle ich… Auch wenns etwas dauert… Versprochen. Ich wär gerne bei dir


    Am 08.08.2008 klingelte er wieder an meiner Tür. Ich war gerade eingeschlafen, machte auch kein Licht an. Er kam rein und setzte sich. Geredet haben wir nicht. Es war dunkel; er saß einfach nur da und ich konnte weinen, lange weinen. Er fragte mich, ob er bei mir schlafen könne, er will endlich mal schlafen können. Ich meinte, er soll mich so was nicht fragen. Er schlief bei mir, neben mir. Jede Berührung erschauerte mich. Ich genoss es, ihn neben mir zu haben aber Körperkontakt ging gar nicht. Ganz früh, es war gerade hell, ging er. Ich ließ ihn gehen.

    Am 11.08.2008 rief er mich an und fragte ob ich ihn besuchen kommen würde. Ich meinte vielleicht, mal schauen. Später schrieb ich ihm dann aber:

    Bin noch nicht bereit für Besuch - Mach erst mal deine Prüfung. Viel Glück dabei. Meld mich die Tage. schlaf gut. Gruß k.

    ER schrieb am 12.08.2008:
    morgen 13:30 Uhr Prüfung.. drück die Daumen, ich hab nen schlechtes Gefühl.. jute Nacht

    ER schrieb am 13.08.2008:
    jo, hab bestanden, geh mal wieder ans Telefon. Ich gehe nu pennen, hab mir nen paar Bier getrunken.. jute Nacht ..ich denk an dich, hoffe es geht dir jut …

    ER schrieb am 15.08.2008:
    menno, was denn nu schon wieder los? lebst du noch? kleines lebenszeichen reicht mir ja. ich melde mich danach auch net mehr wenn du das so willst.


    Am 15.08.2008 stellte ich mich im Forum vor, am 17.08.2008 holte ich meine Sachen bei ihm ab. Ansonsten Funkstille.

    Am 31.08.2008 hielt er neben mir mit einem fremden Auto und fragte, ob ich mit ihm mit will. Ich verneinte. Er fuhr weiter. Funkstille.

    *** _____________________________________________________________ ***


    ER schrieb am 21.09.2008:
    Hi, ich vermisse dich. Hoffe es geht dir gut, würde mich freuen mal wieder was von dir zu hören .. ich drück´ dich…

    Wirklich schön dich zu lesen!!! Hab mitgefiebert und ganz oft an dich gedacht... :)

    Willkommen im Neuanfang. :))))) Ich freu mich total, dass auch du das Positiv spürst, was ich spüre :)))))) Und nun, immer weiter geradeaus, mal nach links abbiegen, mal nach rechts abbiegen, jedoch nicht den Rückwärtsgang einlegen, höchstens mal zur Absicherung den Schulterblick machen: Ist das jetzt etwas, was schon mal da war? Hatte ich das nicht schon mal? ... Ist es das, was ich jetzt will?

    Ein ganz lieber Gruß und ein Daumendrück, dass das mit dem INet daheim bald funzt.

    Herzliche Umarmung

    kk.

    Liebe Amai,

    na Mensch, da hast du mir aber einen schönen Schreck eingejagt. Macht doch nur halb so viel Spaß hier zu sein, wenn du nicht hier bist…!

    Es war eine interessante Erfahrung für mich. Habe dich zuletzt gelesen am Mittwoch oder Donnerstag Abend. Amai weg. Zwar hat sie einen „Nachsendeauftrag“ bei der Post abgegeben, aber ich konnte mich nicht mal verabschieden, der Thread geschlossen…

    Bin ganz schön deprimiert und traurig vom Rechner in die Wanne gegangen und habe einen großen Verlust in meinem Herzen gespürt. Mir war fast, als könne ich weinen. Aber schön war es, dass sich nach diesem Moment der Traurigkeit ziemlich schnell wieder in mir die alten positiven Gedanken einstellten. Irgendwie wusste ich, dass du wieder kommen wirst. Mein Gefühl war: Deine Reaktion war die eines verletzten Kindes, eines traurigen jungen Mädchens, welches von allen geliebt werden will, jedoch nicht von allen DIE Beliebtheit und DIE Anerkennung erfährt und deswegen ein wenig trotzig die Schaukel räumt.

    Es ist jedoch wie es ist, du bist kein kleines Kind mehr, sondern eine erwachsene und stattliche Frau. Und ich dachte mir, von einem Menschen, der nicht deine Linie fährt, wirst du dich nicht "vertreiben" lassen. Ja, das dachte ich. Denn das wäre viel zu viel der Co-Anteil in dir – etwas Aufgeben, was dir gut tut, was auch vielen anderen gut tut.

    Es ist schön, dass du wieder da bist. Hast ein Lächeln auf meine Lippen gezaubert. Fehler muss man machen, damit man diesen als einen solchen erkennen kann. Manchmal muss man sich lösen und voneinander weggehen, damit man wieder aufeinander zugehen kann. Also, geh immer weiter …

    Liebe Grüße und herzliche Umarmung

    kk.