Hallo,
wie praktisch ist es für Arbeitgeber, wenn ihre Mitarbeiter/innen "gute Co's" sind. Nicht die Co's von einem Alkoholiker sondern von der Firma.
Da wird gearbeitet bis zum Umfallen, da wird auf Rechte verzichtet, da werden "freiwillig" Überstunden gemacht weil "es" so üblich ist, da wird gearbeitet obwohl man selber krank ist, da werden jahrelang Zustände mitgemacht oder gedeckt weil "man" ja dazugehören will, nicht die Spaßbremse sein will, aufsteigen will, weil der Chef sooo ein netter ist wird auf zustehendes Geld oder Urlaub "verzichtet". Usw. Usw.
Ganze Branchen und viele kleinere Betriebe, funktionieren nur noch deshalb, weil sich die Mitarbeiter/innen "aufopfern". In Helferberufen wird das sich Aufopfern quasi erwartet und wenn das System zusammenbricht, bekommen die Mitarbeiter/innen noch Schuldgefühle, weil sie zu langsam, zu schlecht, zu dieses und zu jenes sind, angeblich.
Andererseits definieren sich viele über ihre Aufopferung, ihre "Helferitis".
Bei Belobigungen hört man aus der Chefetage "hach, wenn wir SIE nicht hätten..." Mmmh, das hört eine gute Co gerne! Ja. Aber wenn man keine so gut funktionierenden Co's als Mitarbeiter hätte, die weit über das hinaus was bezahlt wird arbeiten würden, dann würde so manche Firma zusammenkrachen. Ganze Firmen jonglieren z. B. mit sogenannten Praktikannten, die sich bis zur Aufopferung abarbeiten, in der Hoffnung etwas dafür zu bekommen.
Ein System von funktionierenden Co's, die zwar einerseits jammern, sich andererseits über ihre Mehrarbeit definieren, und auf der anderen Seite ein Chef, eine Firma, eine Branche, die ihren Mitarbeitern suggeriert daß man ohne sie nicht überleben könnte... Und wie der Arbeitgeber Co-Knöpfchen drücken kann: Nur noch eeeinmal! Sooo schlimm ist das doch nicht! Wenn wir Sie nicht hätten! Das Wasser steht uns bis zum Hals, das müssen Sie doch einsehen uns sich solidarisch zeigen! Sie wollen doch auch nicht, daß das nach außen dringt! Wenn alle zusammenhalten, dann können Sie sich doch nicht ausgrenzen! Das wird schon immer so gemacht! Usw. usw.
Ich sehe das aus MEINER Erfahrung so. Kann woanders ganz anders sein...
Ich habe lange in solchen Systemen gearbeitet, war eine gut funktionierende Co, hatte Chefs die mich "brauchten", ich definierte mich über meine Arbeit, geierte nach jedem netten Wort "von oben". Und überarbeitete mich bis zum Burn Out.
Ich habe mich aus krankmachenden Systemen rausgenommen, mich dadurch aus meiner Opferrolle herausgenommen. Denn: ein krankes System kann ich nicht verändern, das ist so wie es ist, aber ich kann meinen Abstand dazu wählen.
Ich habe meine Co gestoppt. Das heißt in Konsequenz, daß ich mir ein Co-freies Umfeld schaffen mußte! Raus aus der kranken Herkunftsfamilie, raus aus Suchtstruktur-Beziehungen und raus aus Arbeitsplätzen, in denen nicht meine Arbeitskraft für 8 Stunden, sondern meine Co-Abhängigkeit bis zum nächsten Burn-Out gefragt wurde.
Meine Arbeitgeber drückten bei mir alle Co-Knöpfchen, um mich wieder zum Funktionieren zu bringen. Der Druck geht aber ins Leere. Ihm nachzugeben hieße, wieder zur funktionierenden Co zu werden. Ohne mich.
LG, Linde