Beiträge von Linde66

    Da gab es auch keine Zärtlichkeiten, kein Schmusen, kein Kuscheln, nichts. In ihre Nähe zu kommen fand ich widerlich, der saure Geruch nach Wein war abstoßend. Von sich aus berührte sie mich nie. Nur die 3, 4 mal, und das war mit Schmerz verbunden.

    Das war so schlimm für mich, ich war so ausgehungert nach körperlicher Nähe. Körperlich nah kam mir mein Vater, aber das war verknüpft mit etwas, was ich weder brauchte noch haben wollte. Mit 6.

    Später sprang ich auf einen Mann an, der mich 6uell mißbrauchte. Da bekam ich Zärtlichkeit, jede Menge, um zu verbergen, daß er mich 6uell mißbrauchte. Er war 6süchtig.

    Vorher gab es andere Beziehungen, immer mit Süchtigen, ein trockener aber nass handelnder Alkoholiker war auch dabei. Dann war ich sehr lange allein. Lieber das, als nochmal diese verstörenden Mischungen. Damit meine ich, daß ich immer auf Partner ansprang, die ambivalent waren. Ich tat alles, um das ALTE Bedürfnis nach körperlicher Nähe und nach emotionaler Resonanz erfüllt zu bekommen. Zahlte den hohen Preis des erneuten körperlichen Mißbrauchs als Erwachsene.

    Heute kann ich trennen. Die gesunden, normalen, kindlichen Bedürfnisse, die nie befriedigt wurden. Dann gab es das, was ich bekommen habe, diese verquere Mischung aus Nähe und 6. Das machte mir es unmöglich, später gesunde lebendige Beziehungen zu leben.

    Heute kann ich das. Jetzt ist jetzt. Und jetzt stopfe ich keine ALTEN Löcher mehr. Nachdem ich da genau hinschaute bin ich weitergegangen. Ich gebe mir selber was ich benötige, was mir gut tut. Also kann ich einem anderen Menschen frei begegnen, niemand braucht mir meine Bedürfnisse zu befriedigen, die aktuellen nicht und die alten schon gar nicht.

    Das Sortieren war schwierig für mich. Einerseits war da immer dieser Nebel, dieses mich selber nicht spüren. Dann dieses Desinteresse in meinem Umfeld. Zum Sortieren brauchte ich Hilfe, ich fand sie in der Therapie, Körpertherapie und Gesprächstherapie.


    Linde

    Hallo!

    Meine Mutter trinkt, so lange ich denken kann. Im Alltag funktionierte sie, hatte einen 38 St. Beruf mit Leitungsfunktion. Wir Kinder waren bei den Großeltern geparkt, der Opa soff sich zu Tode, die Oma war Co. Mein Vater ist das Kind dieser Großeltern, selber Co. und hat eine Alkoholikerin geheiratet. Uns Kinder hat er schon ganz früh begonnen zu mißbrauchen.

    Unter dem Mißbrauch habe ich damals weniger gelitten als unter dem Alkoholismus der Mutter. Der Mißbrauch verschwand im Nebelmeer der Dissoziation. Ich stieg innerlich aus. Mein Hirn löschte seehr großzügig alles aus dem Gedächtnis, mir fehlen da ganze Jahre, gut so. Ich erinnere mich nicht daran, daß ich damals dabei Gefühle gehabt hätte, die konnte ich erst Jahrzehnte später zulassen während der Therapie.

    Worunter ich wirklich litt, was mir wirklich sehr, sehr weh tat damals war, von der Mutter keine Resonanz zu bekommen. Da war einfach nichts. Es war, wie wenn ich in tote Augen schaue. Sie funktionierte, kochte, machte alles mögliche, aber es fand kein emotionaler Austausch mit uns Kindern statt. Da war nichts. Einfach nichts. Da kam ich heim, voller Freude oder Frust und konnte reden was ich wollte, keine Resonanz. Irgendwann erstarb ich auch. Das war schlimm.

    Mädchenfragen zu stellen völlig unmöglich. Mich ihr anzuvertrauen wg. des Mißbrauchs noch viel unmöglicher. Sie war anwesend aber nicht präsent. Da war wie ein schwarzes Loch um sie herum, das ich von mir aus zu überbrücken versuchte, sehr lange. Ohne Erfolg, ich habe mich dabei emotional völlig erschöpft. Wenn sie mich mal berührte, was in der ganzen Kindheit 3 oder 4 mal vorkam, dann war das mit Schmerz verbunden. Mir Pickel ausdrücken oder die Haare bürsten, aber so, daß sie ausgerissen wurden, sie hatte da kein Gefühl für. Wie auch, sie hatte ja keines für sich selber...

    Sie fragte mich nie nach irgendetwas, sie interessierte sich nicht für uns Kinder. Dieses grandiose Desinteresse, darunter habe ich glaube ich am meisten gelitten. In der Mutter keinen Ansprechpartner zu haben für all die vielen kleinen Kindergeschichten. Geburtstage wurden nie gefeiert, nie. Nie kamen andere Kinder ins Haus. Es fand auf keiner Ebene ein Austausch statt.

    Ich fühlte mich völlig isoliert, völlig alleingelassen und verschwand im Garten oder in der Bücherwelt. In Büchern fand ich Lebensentwürfe, da las ich Frauenbiographien, Familiengeschichten, ich las hunderte von Büchern über alles und jeden. Diese kleine tote Welt um mich herum konnte doch nicht alles sein...

    Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, dann erinnere ich mich an unglaubliche Erschöpfung, an Hoffnungslosigkeit, an Müdigkeit und Freudlosigkeit. Armut, große Armut an Emotionen. Wir hatten Kinderzimmer, wir hatten was zu essen. Aber ansonsten war da einfach nichts. Und das was war, das war von der Mutterseite her wie tot. Und vom Vater kamen Grenzüberschreitungen, Schläge, 6ualisierte Gewalt und Psychokisten. Eine davon bekam ich mit 12 zu hören: DU bist schuld, daß die Mutter trinkt. Wenn du nicht immer so schlau daherschwätzen würdest, dann müßte sie nicht trinken... Jou. Das habe ich im Bauch als falsch empfunden aber dann doch geglaubt, denn ein Erwachsener muß es ja wissen.

    Der Vater ist Co., hat uns da nie herausgeholt, hätte er ja machen können. Aber er hat immer schön weggeschaut, gelogen, verheimlicht, all sowas. Außerdem ist eine trinkende Frau ja die optimale Gefährtin, wenn man die Kinder mißbraucht.


    Keine Mutter zu haben, das war für mich schlimmer, als einen mißbrauchenden Vater zu haben.

    Heute ist die Konstellation noch immer gleich, sind paar Jahrzehnte dazugekommen. Ich bin erwachsen und brauche meine Eltern nicht mehr. Damals hätte ich sie gebraucht, wie jedes kleine Kind auch. Ich habe keinen alten Hunger mehr, den ich mit Fressen stopfe. Ich habe keine alte Sehnsucht mehr, die ich mit Suchtmitteln stopfe. Ich habe keine Erwartungen mehr an die beiden.

    Es ist vorbei. Es ist gut jetzt. Ich lebe glücklich meine Verantwortung für mein Leben und gestalte es mit wachsender Freude.

    Nach der Begegnung mit den beiden EK's fragte ich mich, wie es wohl gewesen wäre, wenn der Vater getrunken hätte und die Mutter die Co. gewesen wäre, so wie bei meinen Großeltern väterlicherseits. Es wäre anders gewesen für mich. Der Vater ist ja eh meist abwesend, sei es im Beruf oder emotional. Die Mutter ist die erste Adresse für mich als Kind, einmal weil sie DA ist und weil sie mir als Mädchen näher ist. Eine Co. als Mutter, so wie meine Oma, das wäre wohl leichter gewesen. Ich weiß es nicht. Meine Mutter konnte ihre Mutterrolle nicht leben. Wir Kinder waren oft bei der Oma. Ein Segen, daß es sie gab.

    Als junge Frau, selber in Beziehungen lebend, da war es für mich unvorstellbar selber Kinder zu bekommen. Ich hatte nie lebendiges Frausein vorgelebt bekommen. Unvorstellbar für mich, daß ich mein Frausein selber gestalten könnte...

    Hat 40 Jahre gedauert.


    Linde

    Hallo Auraya!

    Herzlich Willkommen hier im Forum, hier bei den EK's.

    Wenn du magst, guck mal oben in den angepinnten Thread: 'Merkmale für ein EK'. Wenn du den durchliest, dann kann dir das helfen, einige deiner Verhaltensweisen besser einzusortieren.

    Sooo schräg bist du nämlich gar nicht drauf... :wink:

    Und das Wichtigste: du bist auf dem Weg!

    Ich habe Therapie gemacht, war aber immer bei Frauen, das war mir wichtig. Einem männlichen Therapeuten gegenüber hätte ich mich nicht öffnen können.

    Schreib, schreib, schreib!


    Lieber Gruß, Linde

    Was für Unterschiede und Gemeinsamkeiten gibt es, wenn der alkoholkranke Elternteil des EK der Vater bzw. die Mutter ist?

    Wie ist es, wenn der Vater trinkt?

    Und was macht es mit dem Kind, wenn die Mutter trinkt?


    Bei mir trinkt die Mutter. Jetzt habe mit einer EK gesprochen deren Vater trinkt, da entdeckten wir ganz erhebliche Unterschiede in unserer EK-Entwicklung.

    Bin gespannt auf eure Erfahrungen.

    Liebe Grüße, Linde

    Hallo Weitsicht,

    stimmt, die Sonne!!

    Ich sitze hier eingemummelt in eine warme Fleecedecke, die Sonne ist weit und breit nicht zu sehen, grins. Macht nix, sie ist ja trotzdem da!

    Ich mache ja nun schon weit über 15 Jahre Atemübungen nach Ilse Middendorf, das hat mir sehr geholfen. Das ist ein beständiges Hineinlauschen, ein Üben in Achtsamkeit.

    Möchte dir einen lieben Gruß hierlassen!

    Linde

    Hallo Weitsicht,

    ich bin ja tief hinab zu den Lindenwurzeln, weinend, trauernd, wütend, fassungslos. Das war ein wichtiger Weg. Ihn gegangen zu sein macht mich frei, mich nun in die andere Richtung zu wenden.

    Staunend betrachte ich die Lindenblätter und Blüten. Was alles möglich ist auf diesem meinem Urgrund...

    Zitat

    Dann kommt aber - wenn man sie zuläßt! - die Phase, in der man ruhig wird, gelassen ist, im Jetzt ist.

    Das hatte ich dir geschrieben. Dieses Zulassen dessen, was jetzt dran ist, das ist das, was mich weitergebracht hat. Mich nicht dem verweigern, was genau jetzt in mir gelebt werden will.

    Was habe ich mich dagegen gewehrt, glücklich zu sein, frei und lebendig zu sein... So langsam gewöhne ich mich dran. :wink: Lange habe ich mich überhaupt nur über den Schmerz gespürt, nur die heftigsten Dinge erreichten mich überhaupt. Vom Schicksal der Tiere und der Kinder ließ ich mich erreichen, oder wenn Biotope zerstört wurden. Ich selber konnte für mich keinen Schmerz zulassen. Ihn zu fühlen hätte ich nicht ausgehalten. Mit den Jahren konnte ich das, weil ich gleichermaßen die Fähigkeit entwickelte, mich selber aufzufangen, mir gut zu tun und Hilfe in Anspruch zu nehmen.

    Zulassen, daß es irgendwann einfach gut ist, so einfach ist das gar nicht, wenn man nach so einer Kindheit jahrelang damit beschäftigt war sich freizuschaufeln. Dann mal die Schaufel aus der Hand legen und den krummen Rücken strecken!

    Genug gegraben. Es ist gut. Bis zum Grund gekommen. Die Wurzel freigelegt und betrachtet. Bissel Dünger ran, lockere Erde drauf und wässern... Das ist das, was wir uns selber dann geben können. Alle diese Phasen sind wichtig und wollen durchlebt werden. Gut, daß du dich auf den Weg gemacht hast.

    Lieber Sonntagsgruß,

    Linde

    Hallo liebe Weitsicht,

    du hörst dich viel geklärter an.

    Das kenne ich auch, dem inneren Kind nicht in die Augen schauen können, weil man es ignoriert, ihm geschadet, es nicht an die Hand genommen hat...

    Wenn man es gekonnt hätte, dann hätte man es gemacht. An dieser Stelle sich selber verzeihen ist möglich und tut gut. Es ist jetzt gut... Und jetzt kann man ja anders, besser, einfühlsamer mit dem inneren Kind umgehen.

    Liebe Grüße ins Wochenende,

    Linde

    Hallo Löwenherz,

    noch zweimal schlafen, dann isses soweit!

    Gelassenheit kann ich dir grad nur ein Miniportiönchen schicken, bei mir quirl es sich... Aber Daumendrücken geht! Daß alles gut geht, wettertechnisch und überhaupt!

    Daß du überhaupt noch Nerven hast, hier ins Forum zu gucken...! :shock::lol::wink:

    Lieber Gruß, Linde

    Hallo Crevette,

    am 31.05. hattest du hier im Forum Einjähriges.

    Macht dich das nicht wütend, nach einem Jahr als Bilanz dastehen zu haben:

    Zitat

    ... ich hab's ja gesagt, dass ich mich nicht besonders auf die nächsten paar Jahrzehnte freue.

    Und viel mehr gibt's da nicht zu erzählen und damit hätten wir wohl endlich ausdiskutiert.

    Gruß, Linde

    Liebe Caro,

    ich möchte dir danke sagen, daß ich dich lesen darf, dich und das fremde kleine Mädchen.

    Das hier, das ist der Weg:

    Zitat

    ich merke das ich DICH mit musik erreiche


    Dieses in sich Hineinlauschen und dann spüren, wie man sein Innerstes erreichen kann. Und das dann auch tun...!

    Gruß, Linde

    Hallo Paulchen,

    auch von mir herzlich Willkommen bei den EK's.

    Selbstverständlich könnt ihr euren Vater unterstützen, wenn er es möchte.

    Darauf läuft es hinaus.

    Gut daß ihr euer eigenes Leben lebt und innerlich bissel Abstand habt. Das ist wichtig.

    Bei einem offenen Gespräch mit eurem Vater könnt ihr ja mal die Lage peilen, ob er eine Einsicht in seine Alkoholerkrankung hat oder nicht. Wenn ja, wäre der Weg von ihm zu seinem Hausarzt, der mit ihm eine begleitete Entgiftung besprechen würde, entweder stationär oder ambulant. Außerdem käme Selbsthilfegruppe, Suchtberatungsstelle usw. als Unterstützung hinzu.

    Wichtig ist, ihr seid nicht seine Therapeuten. Hilfe anbieten ja, aber mehr geht leider nicht, so schwer das zu begreifen ist. Jegliche Zwangsmaßnahmen oder Druck von außen würden nichts bringen, wenn die Einsicht in die Erkrankung nicht da ist. Das würde wohl im Rückfall enden.

    Es ist seine Verantwortung für sein Leben. Die trägt er so gut oder schlecht wie er kann. Fällt schwer, das so hinzunehmen, aber er ist erwachsen...

    Du hast gefragt WIE ihr am besten mit ihm redet. Wertschätzend, fragend, offen, nicht bedrängend oder vorwurfsvoll. Ihr könnt eure Besorgnis äußern und Hilfe anbieten.


    Hast du dir schonmal Gedanken gemacht für Plan B?

    Wenn er NICHT einsichtig ist?

    Könntest du dir vorstellen, seine Entscheidung für den Alkohol dann zu akzeptieren?

    Lieber Gruß, Linde

    Liebe Sonnenstrahl,

    schönes Heimkommen wünsche ich dir und ein schönes in dir drin Ankommen.

    Danke dir für das Wort 'Getragenheit', in Kirchen fühle ich das oft auch, du hast diesem Gefühl jetzt einen Namen gegeben. Wie schön.

    Nächstes Wochenende? Da machst du, was für dich dran ist, was sonst? Wenn du jetzt, am Anfang von etwas von dem du noch nicht einmal weißt, ob und wie und überhaupt, wenn du jetzt schon deine Spur verläßt...? Hm.

    Es gibt viele Wochenenden!

    Liebe Grüße, Linde

    Liebe Rosita,

    wie wäre es, wenn du dich selber umtopfst und raus aus der Gefahrenzone bringst? Hinein in ein kleines, ruhiges Biotop, wo DU wachsen und gedeihen kannst?


    Herzliche Grüße, Linde

    Guten Morgen Fritzl,

    das ist sehr gut, daß du morgen in die Klinik gehst.

    Dort sind Menschen, die sich auskennen.

    Du kannst sie alles fragen, was du wissen willst.


    Deine Söhne sind dir sehr wichtig, das spürt man.

    Aber denke JETZT erst mal an dich, daß es dir schnell wieder besser geht.

    Nur wenn es DIR gut geht und du weißt, was du willst, dann kannst du auch gut für sie da sein.


    Viele Grüße, Linde

    Hallo Ann,

    wir kennen uns bereits aus dem Vorstellungsbereich. Herzlich Willkommen also nochmal hier im offenen Bereich! :wink:

    Ich bin ziemlich berührt, wie reflektiert du schreibst.

    Du hast da eine sehr feine Wahrnehmung und kannst die Dinge klar benennen.

    Selbst wenn du im Moment noch keine Handlungsalternativen umsetzen kannst und noch eine und noch eine 'Ehrenrunde' drehst... deine feine Wahrnehmung ist eine sehr gute Basis. Und deine Fähigkeit, die Dinge auf den Punkt genau zu benennen ist die Vorraussetzung dafür, die Dinge auch mal auf den Punkt zu bringen!


    Wieso umgibst du dich mit gefühlskalten Menschen? Kannst du Wärme in deiner Nähe nicht ertragen?

    Ihn zu verlassen bzw. von ihm verlassen zu werden kann einhergehen mit einer Hinwendung deiner selbst zu dir. Wäre das für dich lebbar?

    Lieber Gruß, Linde

    Hallo Fritzl,

    das kann ich sehr gut verstehen.

    Die Situation ist ja auch völlig neu und ungewohnt.


    Kannst du bei dir vor Ort mit jemandem sprechen?

    Vielleicht ist dein Hausarzt oder Pfarrer ein guter Ansprechpartner.

    Viele Grüße, Linde