Beiträge von Linde66

    Zitat

    Er ist jetzt verzweifelt und hat sich für mich entschieden, schreibt er.

    Hallo Julia,

    Willkommen hier in der Gruppe.

    Der Satz ist mir auch gleich ins Auge gefallen.

    Leider hat er nicht geschrieben, daß er jetzt verzweifelt ist und sich für SICH entschieden hat. Denn da geht der Weg lang. Bei sich selber.

    Laß dir keine Verantwortung aufhalsen.

    Zitat

    Aber nach einer Woche kam die Erleichterung und jetzt merke ich, dass ich ohne ihn ein leichteres Leben habe.

    Und das setzt du aufs Spiel. Denn er weiß sicher, daß du seine "lieben Anteile" toll findest. Daher wird er bei dem Treffen alle deine Co-Knöpfe drücken.

    Ich würde absagen. Ist einfach zu früh. Bisher gabs ja nur Absichtserklärungen und keine Taten. Wenn er mal ein halbes Jahr trocken wäre...

    Überlege es dir nochmal. Nimm dich und dein Leben wichtig.

    Liebe Grüße, Linde

    Hallo Eddi,

    herzlich Willkommen hier bei uns im Forum.

    Mein Beileid du deinen schweren Verlusten. Was ein Unglück. :cry:

    Es ist gut, daß du dir rechtzeitig eine Gruppe suchst, bevor die Reha endet. Deine ausführliche Vorstellung ist genau richtig. Du hast eine Menge durch, aber gute Schritte eingeleitet. Glückwunsch zu deinen doch nun schon einigen Monaten Trockenheit. :thumbup:

    Hast du schon einen Plan, wie du das Heimkommen machst? Wird dich dein Sohn abholen?

    Lieber Gruß, Linde

    Zitat

    Hast du Erfahrungen, wie jetzt ein richtiger und durchzuhaltender Weg für ihn wäre?

    Ich kann dir von meinen Erfahrungen berichten, wie ein richtiger und durchzuhaltender Weg für mich war, raus aus der dysfunktionalen Familie. Nur weiß ich nicht, ob du das hören möchtest.

    Lass ihn doch mal machen. Dort wird jegliche Hilfe angeboten und aufgezeigt, die es nur gibt. Er muss nur zugreifen.

    Lebst du mit deinen Eltern zusammen unter einem Dach?

    LG, Linde

    Durch die Geschichte mit meiner Perle habe ich meinen eigenen Alkoholkonsum hinterfragt. Auch ich sehe das eher locker, Bier wurde bei mir im Kühlschrank schlecht und ich habe nie aus Verzweiflung oder Frust getrunken, in diese Spirale wollte ich nie rein.

    Aber für mich wiederum ist bisher eine Grundvoraussetzung für eine gute Party ein guter Suff, die Stimmung wird gut und am Ende... Ja, eigentlich hab ich dann fast immer einen Filmriss. Aber ansonsten... am Sportplatz, auf jeder Feier, Party, im Stadion, Betriebsausflug... überall wird man blöd angeschaut, wenn man nichts trinkt, was ich jetzt nach und nach erlebe. Ich teste es gerade für mich aus, wie es ohne ist.


    Aber ich stelle mir die Frage: Ist mein Verhalten schon eine Sucht?

    Viel spannender ist ja deine eigene aktuelle Lage. Hast du so ganz tief in dir drin schon eine Antwort auf deine Frage?

    Auch trocken ist nicht immer alles Sonnenschein. Es gibt auch genug schlechte Tage. Das nennt sich "Leben".

    Ein Satz zum Einrahmen.

    Du hast das gestern alles soooo gut gemeistert! Deine eigene Behandlung, dann noch die kranke Katze. Zwei wirklich große Brocken, die beide viel Kraft gekostet haben. Aber du hast es hinbekommen! Das ist toll. Und hinterher müde und erschöpft zu sein nach so einem Tag, halte ich für normal.

    Mir gehts mit meiner Dauerdiagnose Depression und PTBS manchmal so, daß solche ab und zu vorkommenden Doppel- und Dreifachbelastungstage von meinem Depri-Hirn gerne zu Grundsatzdiskussions-Karusselfahrten genutzt werden. Da ist plötzlich alles gaaaaaaanz furchtbar. Es ist nicht so, daß ich dann übertreibe, sondern ich fühle es tatsächlich als grundsätzlich, komplett, absolut schrecklich furchtbar. Ab einem gewissen Punkt scheint die Einschätzungsfähigkeit für normale Belastungsreaktionen verloren zu gehen und schwupps ist "alles" furchtbar.

    Gute Besserung euch beiden!!

    Linde

    Gäbe es denn sonst so viele trockene Alkoholiker?

    Hier im Forum gibt es im Verhältnis sehr viele trockene Alkoholiker. In "freier Wildbahn" ist die Rückfallquote sehr hoch. Von daher kann der Eindruck beim Lesen hier täuschen, daß alles locker flockig easy ist.

    Aber diejenigen, die es wirklich gemeinsam geschafft haben, tummeln sich in keinem Forum mehr weil sie es nicht mehr benötigen.

    Wie kommst du denn auf diese Aussage? Wir haben hier User, die sich teils 15 und mehr Jahre regelmäßig austauschen, auch Paare.

    "geschafft haben" ist so eine Sache. Es ist nie geschafft. Einmal süchtig immer süchtig. Nach der Entgiftung fängt die Trockenheitsarbeit an und die wandelt sich über die Jahre. Aber "geschafft", das halte ich für eine Illusion.

    Liebe Grüße, Linde

    Hallo Smartie,

    es war ziemlich absehbar, daß er mit Blümchen und lieben Worten ankommt. Hat ja die ganze Zeit auch schon funktioniert. Es ist für einen Alkoholiker einfacher, seine bewährte Co-Abhängige zu reaktivieren, als sich eine neue Co-Abhängige zu suchen.

    Du kannst dich jetzt wieder einlullen lassen, denn so paar Zärtlichkeiten am Arbeitsplatz scheinen ja irgendwie auch gut zu tun. Scheinbar reicht's dir noch nicht, oder doch?

    Ich wünsche dir gute Entscheidungen. Spätestens dann bei seinem nächsten Absturz.

    Es ist echt prima, daß du vor Ort gute Ansprechpartner hast und dich besprichst. :thumbup:

    Viele liebe Grüße, Linde

    Zitat

    Gleichzeitig dann natürlich das schlechte Gewissen ihn alleine zu lassen.

    Wer hat hier wen allein gelassen?

    Er ist der Papa. Ein Papa sollte für seine Tochter da sein, denn auch eine erwachsene Tochter braucht ab und zu mal ihren Papa. Finde ich.

    Leider drehen sich in Alkoholikerfamilien die Verantwortlichkeiten um. Plötzlich fühlen sich die Kinder in der Pflicht. Der vollkommen normale Werdegang das Elternhaus zu verlassen und sein eigenes Leben zu leben, wird durch das "schlechte Gewissen" gestoppt. Als EKA lebt man nicht sein eigenes Leben, sondern erledigt die unerledigten Dinge der Eltern. Irgendwer muß ja die Verantwortung übernehmen und das sind dann die Kinder.

    Teilweise fängt das so früh an! Ich weiß noch, wie wir Kinder täglich den besoffenen Opa aus der Wirtschaft heimschleppen mussten. Das war unser Job. Wir waren in der Grundschule. Wenn ich heute sowas auf der Straße sehen würde, würde ich die Polizei rufen, damit die das Jugendamt einschaltet. Aber für uns war das jahrelang unsere Kindheit. Wir sind extrem früh mit dem "schlechten Gewissen" dressiert worden. Wenn du den Opa nicht abholst, dann stürzt er bestimmt und du bist Schuld. Und als Grundschulkind hat man keine Wahl.

    Als es aber an der Zeit war zu gehen, fing er jedes Mal eine Diskussion an, dass es mir ja total egal wäre, wenn er stirbt. Ich würde ihn hier alleine lassen, obwohl ich wüsste wie elendig es ihm geht etc. - ich weiß mittlerweile nichts mehr auf solche Aussagen zu antworten

    Ein Alkoholiker ist wie ein Schwarzes Loch. Es hockt in der Mitte, dreht sich nur um sich selbst und zieht die komplette Energie des Umfeldes in sich hinein.

    Es frisst dich auf.

    Ich frage mich, wie lange du diesen Zirkus noch mitmachst. Du gehtst kaputt dabei. Er hört nie auf. Du kannst ihm geben was er will, was du kannst, was dir einfällt... es ist völlig wurscht. Es ist nie genug, es ist immer das falsche, es reicht nie.

    Aber das liegt nicht an dir, sondern an seiner verdrehten Denke. Leider macht Alkohol das Gehirn kaputt. Manche sterben schon mit 45, leider ist das so. Ich habe es für mich so verarbeitet, daß ich die kranken Entscheidungen meiner Mutter akzeptiere. Jeder von uns stirbt mal. Manche früher, manche später. Manche so. Leider. Es ist ihre Entscheidung. Von außen kann man nichts erreichen.

    Wie wäre die Vorstellung, ihm die Verantwortung für sein Wohl und Wehe zu überreichen und zu gehen? So richtig.

    Du kannst guten Gewissens dir selber und jedem anderen gegenüber sagen, daß du ALLES versucht hast und nur noch Profis helfen können - wenn er denn will. Will er aber nicht. Also bist du raus aus der Nummer.

    Alles blocken, mal wirklich konsequent, so richtig konsequent.

    Du kannst es als etwas ansehen, was du in all den Jahren noch nicht ausprobiert hast. Vielleicht bewirkt es etwas bei ihm, das würdest du erfahren. Einfach mal ein halbes Jahr oder Jahr wegbleiben. Du kannst dich erholen. Er kann trocken werden oder noch tiefer im Sumpf landen. Aber das würde er auch, wenn du dich ausnutzen lässt .

    LG, Linde (EKA)

    Hallo Ava,

    ein Mann, der Traktor fährt und immer einen Bierkasten im Vorratsraum stehen hat, glaubst wirklich, daß der Briefe liest...?? Ich nicht.

    Zitat

    Die Wohnung ist ein typischer Haushalt mit Gläsern für Alkohol in der Vitrine, Weinflaschen in der Küche an der Wand, Sixpack-Geschenk zum 50. im Flur. Bierkasten im Haushaltsraum.

    Such dir jemand anderen.

    Also für mich wäre das k.o.-Kriterium, egal was für ein kerniger Bursche das ist.

    Wie sieht irgendwann mal der Alltag aus? Ich habe es noch im Ohr von früher: "Frau, bring mir mal ein Bier!" <X Während ihr Mann vorm Fernseher hing, hat meine Oma sklavenähnlich ihn von vorne bis hinten bedient und wenn sie das nicht gemacht hat, bekam sie die Bier- oder Weinflaschen übergezogen.

    LG, Linde

    Ich finde es gesellschaftlich aktuell noch ganz schwierig, dass der Coabhängige als Opfer des Alkoholikers gesehen wird. Nein der Co hat eine eigene Krankheit und begeht verheerende eigene Taten. Z.B. dass er seine eigenen Kinder einem seelischen Missbrauch aussetzt.

    Ein gesunder klar denkender Mensch würde sein Kind sofort aus dieser Situation holen und sich zumindest räumlich trennen.

    Das kann ich 1 : 1 unterschreiben, weil ich EKA bin und das alles selber erlebt habe.

    Als Kind saugt man die Familienstrukturen auf wie ein Schwamm. Was ja auch wichtig und richtig ist. Nur, wenn man als Kind in einer Suchtstruktur aufwächst umgeben von Suchtkranken und Co-Abhängigen, wie bitte soll man sich als Kind davon abgrenzen und später gesund leben? Keine Chance.

    Klar, es gibt resiliente Menschen, an denen alles Negative abzuperlen scheint. Doch je früher und je länger ein Kind Suchtstrukturen ausgesetzt ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, daß es diese verinnerlicht und später selber anwendet werden bzw. in einem potentiellen Partner als vertrautes Muster wiedererkennt. So landen die EKA's selber bei irgendeiner Sucht bzw. "suchen" sich suchtkranke Partner, vor denen sie ihr gesamtes Umfeld vergeblich warnt...

    Ich sehe Co-Abhängige auch nicht als Opfer, schließlich sind es erwachsene Menschen. Die Kinder wiederum, die sind die Opfer. Sie werden zu gut funktionierenden Co's und Süchtigen heranwachsen lassen. Es sei denn, die Eltern bzw. ein Elternteil wacht endlich auf und übernimmt Verantwortung.

    Liebe Grüße, Linde (EKA)