Beiträge von espoir

    Hallo Mary,

    das, was du da beschreibst, kenne ich nur zu gut! :roll:
    Nun bin ich weder Psychologin noch Wahrsagerin, aber ich tippe mal ganz schwer auf "unseren Freund", das Suchtgedächtnis. Ich erkläre mir das ganz einfach so:
    Das Suchtgedächtnis ist reichlich frustriert, weil es schon länger keinen Alkohol mehr bekommen hat. Natürlich ist es auch nicht so plump, vor unserem geistigen Auge einfach ein Glas Wein o.ä. auftauchen zu lassen, nein nein, das wäre ja was für Dummies. Unser Suchtgedächtnis ist so perfide, uns so elend fühlen zu lassen wie damals, als wir noch gesoffen haben, in der Hoffnung, dass wir messerscharf daraus schließen: "Mensch, das nervt mich jetzt total, dass ich mich so übel fühle, das erinnert mich an damals..." Und somit wäre - zumindest rein theoretisch - die Möglichkeit eröffnet, dass wir auf eine wahnwitzige Idee kommen, wie wir diesen unschönen Moment beenden könnten...

    Weißt du Mary, ich habe jetzt fast 18 Monate nichts getrunken (fehlen noch 3 Tage... 8) ) und komme immer noch in Situationen, die mich mörderisch an früher erinnern. Bestes Beispiel Job.
    Ich fahre etwa eine halbe Stunde, meist Autobahn, dabei komme ich an diversen Autobahnbrücken vorbei. Ob du es glaubst oder nicht, es gibt eine bestimmte Brücke, die erreiche ich je nach Verkehrsaufkommen nach etwa 12 bis 15 Minuten, an dieser Brücke hatte ich immer den Moment, wo es mir klar wurde, dass ich noch ordentlich Restalkohol hatte. Oder mir fiel ein, was ich schon wieder vergessen hatte vorzubereiten. Oder ich betete einfach, dass der Tag möglichst schnell rumginge und ich das schon schaffen würde und ich auch an diesem Tag nicht auffallen möge. Entsetzlich!
    Und heute? Nun bin ich 18 Monate trocken, aber manchmal geht es mir halt auch nicht so gut, und wenn ich dann an dieser Brücke vorbeifahre, spüre ich einen dumpfen Schlag in der Magengegend, so arg, dass mir richtig schlecht davon wird. Da muss ich dann richtig auf mich selber einreden wie auf ein verängstigtes Kind und mir selber Mut zusprechen. Ich fange mich dann ja auch wieder, und bis ich wirklich angekommen bin, ist der Spuk natürlich längst vorbei. Aber trotzdem, unangenehm ist es auf jeden Fall. :(
    Wenn es mir gut geht, und ich ausgeschlafen und halbwegs :wink: fröhlich zur Arbeit fahre, kommen diese Dämone übrigens nicht.

    Ich will damit ja auch nur sagen, dass du einfach geduldig mit dir sein musst. Jaja, ich weiß, "einfach"... :roll: Das sagt sich so leicht. Aber nach den vielen, vielen Jahren des Trinkens gibt sich das Suchtgedächtnis nicht so einfach geschlagen, das kann lange dauern, bis es sich endlich mal in eine ferne Ecke verkriecht. Und ich halte es mit einem Satz, der super zu irgendeinem Fantasy-Streifen passen würde: Die Bestie schläft nie...

    Ich hoffe, das war jetzt nicht zu lang für dich!?
    Liebe Grüße
    espoir

    Verzeihung... :oops:
    Ein "Schäuferla" ist fränkisch und heißt "kleine Schaufel".
    Damit ist ein Teil des Schweins gemeint, der sich in der Schulterregion befindet, da gehört also das Schulterblatt mit dazu, und das hat ja nun ein bisschen die Form einer kleinen Schaufel...
    Ist - bei richtiger Zubereitung - superzart und hat eine ganz knusprige Haut (bzw. Speckschwarte).

    Schalten Sie auch morgen wieder ein, wenn Sie espoir im Fremdsprachenkurs Fränkisch-Deutsch sagen hören wollen: "Widda wos g'lernt, gell?" :D

    Ich war heute mit meiner Familie essen und hatte Sauerbraten.
    Den hat Karsten neulich vorgeschlagen und das ging mir prompt nicht aus dem Kopf... :D

    Andere Grichte - so als Anregung:
    *Schäuferla mit Kloß
    *Cordon Bleu mit Pommes
    *Zanderfilet mit Salzkartoffeln

    (Gänsebrust hatte mein Mann, aber davon habe zumindest ich mittlerweile die Nase voll... :roll: )

    LG
    espoir

    Hallo und guten Morgen,

    vielen Dank für eure Antworten! :D
    Ich bin ja fast schon erleichtert, dass es euch ähnlich geht wie mir.
    Vor allem die Herz-Schmerz-Nummern, die beim nassen Trinker gern auf offene Ohren stoßen, die meide ich nach wie vor. Selbst, wenn ich ganz allein zu Hause bin, ist es mir irgendwie peinlich, wenn ich mich daran zurückerinnere, wie sehr ich dabei geheult habe... :roll: Auch peinlich die Tatsache, dass ich mir mein eigenes Begräbnis ausgemalt habe und in Gedanken festgelegt habe, welche Musik gespielt werden sollte... Huuuah! :shock:

    Jessas naa, bin ich froh, dass das vorbei ist! :D:D:D

    So, und nun muss ich schon wieder gehen, ich bin mit meiner Familie zum Essen verabredet. :? Na wird scho' wern...
    Vielleicht treffe ich euch ja später noch?

    Bis dahin alles Liebe
    espoir

    PS: @Schattenspringerin: Ich freue mich riesig, dass du wieder da bist! :D

    Hallo misselli,
    na da mag ich dir - wenn auch leicht verspätet - doch auch erst einmal zum ersten Trockengeburtstag gratulieren! :D
    Wie du bei mir ja schon gelesen hast, bin ich dir gerade mal schlappe sechs Monate voraus, von daher weiß ich noch sehr genau, wie sich das anfühlt, wenn diese "magischen ersten 12 Monate" geschafft sind!

    Bei mir war es so, dass ich nach etwa 9 Monaten eine tolle Zeit hatte, weil ich zum ersten Mal wirklich das Gefühl hatte, meine Krankheit gestoppt zu haben. Stabil war ich damals noch lange nicht, ungefähr zu dem Zeitpunkt erfuhr ich vom Selbstmord eines lieben Freundes, Gedanken an Alkohol waren wohl da, aber ich habe dem eben nicht nachgegeben und kann es heute demzufolge als Erfolg verbuchen.
    Im August dann wurde es erneut eng, da spitzte sich meine Ehe-Krise richtig zu, und es ist einem glücklichen Zufall zu verdanken, das ich mich damals nicht abgeschossen habe.
    Deswegen finde ich auch so gut, was Backmaus geschrieben hat:

    Zitat von Backmaus

    sondern die plötzlich auftauchenden Umstände (schlechte Nachrichten,Diskussionen,die nicht so endeten,wie ich es mir gewünscht hatte usw.)....

    Dieser normale Alltags-Mist eben, der - je nachdem, wie er auftritt - mir gefährlich werden kann, den gilt es jetzt besonders gut zu beobachten. Aber das gehört m.E. zur Trockenheitsarbeit dazu, dass man auf sich aufpasst und vor allem schlechten Stimmungen (aber auch guten, so isses ja nun nich') die nötige Aufmerksamkeit widmet. Da, finde ich, muss ich einfach etwas "sensibler" sein als gesunde Menschen.

    Dir liebe Elli wünsche ich von Herzen alles Liebe und Gute!
    Ran ans neue Jahr! :wink:

    LG
    espoir

    Hallo Mina,

    ich antworte dir mal als kinderlose trockene Alkoholikerin. Also völlig unpassend... :wink:
    Ich lese viel Unsicherheit aus deinen Zeilen, fast schon klingt es, als seist du permanent Opfer der Umstände. Da du aber schwanger bist, wird es höchste Zeit, dass du dein Leben selbst in die Hand nimmst, und das bedeutet ja nicht nur Verantwortung für dein Leben, sondern auch - und sogar in einem ganz besonderen Maße - für dein Baby.

    Dass du nicht arbeiten kannst, ist die eine Sache, dass du bei deinem Verlobten bleiben willst, ist die andere. Wenn du hier schreibst

    Zitat

    Ich will nicht, dass unser Kind unter solchen Voraussetzungen aufwächst.


    dann mach' was dagegen.
    Wer soll denn sonst etwas an deiner Situation was ändern, wenn nicht du selbst? Es liegt an dir, dich von deinem Verlobten zu trennen. Was sollte dich denn bei ihm halten?
    Vielleicht ist das mal ein Ansatz für dich?
    Warum bin ich mit dem zusammen?
    Welche Vorstellung von Partnerschaft habe ich?
    Inwieweit erfüllt er meine Vorstellung?
    Wie stelle ich mir eine gemeinsame Zukunft vor?
    Und wie realistisch ist das?

    Fiese Fragen, ich weiß.
    Aber weißt du Mina, es geht hier um das Wertvollste, was du hast - nämlich um dein Leben und das deines Babys. Und da dürfen solche Fragen nicht aus Bequemlichkeit weggeschoben werden. Du fragst dich, was er macht, wenn du wegen der Entbindung ein paar Tage im Krankenhaus bist. Du lieber Himmel, was wohl? Jeden Tag bei dir sein natürlich! Ach nein? Wohl eher nicht? Hmmm. :?

    Oder das da:

    Zitat

    und dass er Schluss mit mir macht, wenn ich diese nicht akzeptiere!


    Als werdender Vater droht er dir mit Schluss machen?
    Fragt er dich manchmal, wie es dir geht, wie du mit den Beschwernissen der Schwangerschaft zurecht kommst und ob er dir bei irgendwas helfen kann? Nein? :?

    Oh Mina, pass' bitte gut auf dich und dein Baby auf!
    Wer soll's denn sonst tun, wenn nicht du?
    Ich wünsche dir von Herzen alles Liebe und Gute!

    LG
    espoir

    Hallo zusammen,
    folgenden Satz hat Manfred neulich hiergelassen:

    Zitat von Manfred

    In meiner Trockenzeit habe ich dann nur noch sehr wenig Musik gehört, weil Vieles mich in diese nasse Atmosphäre zurückversetzt hat.


    und damit zufällig genau einen Nerv getroffen, der mich schon seit ein paar Tagen beschäftigt - die Musik.

    Natürlich ist es eine Binsenweisheit, dass sich der persönliche Geschmack im Laufe des Lebens ändert, aber ähnlich wie Manfred habe ich auch eine Zeit lang einen großen Bogen um Musik gemacht, die ich vordergründig in meiner nassen Zeit gehört habe. Dabei geht es weniger um bestimmte Gruppen oder Sänger, sondern um einzelne Lieder. Viele Sachen höre ich nun viel "sachlicher" und muss gestehen, dass mich ein gewissen Grauen überfällt, wenn ich mich daran erinnere, zu welchen Songs ich alkoholgeschwängert in mein Weinglas geheult habe... :?

    Kommenden Donnerstag bin ich anderthalb Jahre trocken (jaja, ich weiß, ist noch nicht sooo lange... :roll: ) und ertappe mich dabei, dass ich vorsichtig wieder alte Sachen von früher rauskrame, oft auch Sachen, die noch vor meiner aktiven Säuferzeit lagen.
    Ich meine, hat das mit dem Jahreswechsel zu tun, dass das im weitesten Sinne auch eine Art Beschäftigung mit der persönlichen Vita ist, oder ist das einfach ein bloßer Zufall, dass ich auf Musik aufmerksam werde, die ich 10 oder 15 Jahre oder länger nicht gehört habe? Werde ich langsam alt?

    Wie ist das bei euch?
    Welche Erinnerungen habt ihr an bestimmte Musik?

    LG
    espoir

    Jau, so halte ich das auch.
    Meistens werde ich so ab Ende November / Anfang Dezember aufmerksam und zeichne dann Filme auf, die einem über das teilweise üble Fernsehprogramm an den Feiertagen hinwegtrösten können.
    Bloß angucken müsste man sie dann auch mal... :D

    Mahlzeit! :P

    Also, habe gerade mal nachgelesen, was ich alles verpasst habe...
    Der "Äppelwoi" mit Heinz Schenk kommt freilich aus Hessen!
    Die Gsell ist mal kurz in Bamberg zur Schule gegangen.
    Und Heinz Dingenskirchen kenn' ich net.
    Ich dachte, Backmaus meint den Hape Kerkeling... :?

    Musste ich jetzt mal eben loswerden... :D